R. Lane Fox (Hrsg.): Brill’s Companion to Ancient Macedon

Cover
Titel
Brill’s Companion to Ancient Macedon. Studies in the Archaeology and History of Macedon, 650 BC–300 AD


Herausgeber
Lane Fox, Robin J.
Reihe
Brill’s Companions in Classical Studies
Erschienen
Anzahl Seiten
XIV, 642 S.
Preis
€ 184,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Michael Kleu, Historisches Institut, Universität zu Köln

Ein Jahr nachdem Blackwell einen Companion to Ancient Macedonia veröffentlicht hat[1], liegt nun auch Brill’s Companion to Ancient Macedon vor. Die Beiträge in dem von Robin Lane Fox herausgegebenen Band sind nicht nach Sinneinheiten sortiert, sondern folgen einer Anordnung, die im Wesentlichen chronologisch strukturiert ist. Eröffnet wird das Buch durch eine Einleitung des Herausgebers (S. 1–34), der zunächst in sehr knapper Form das zu begrüßende Ziel des Werkes vorstellt, aktuelle Forschungsergebnisse größtenteils griechischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Den Schwerpunkt legt Lane Fox dabei auf die Themen, bei denen seiner Meinung nach aufgrund der neuesten Forschungsergebnisse am meisten zum Geschichtsbild in den bisherigen Standardwerken über die Geschichte Makedoniens hinzuzufügen oder an diesem zu korrigieren ist.[2] Auf Basis dieser Überlegung verzichtet der Band auch auf eine Untersuchung der Regierungszeiten der Könige nach Demetrios II., da hier bereits das Wesentliche von Sylvie Le Bohec und Frank Walbank gesagt worden sei (S. 1 u. 495).[3] Der restliche Teil der Einleitung widmet sich der Datierung der königlichen Gräber bei Vergina (S. 2–34), von denen Lane Fox das Grab II Philipp II. zuschreibt.

In den nun folgenden Kapiteln 1 bis 3 bietet Miltiades B. Hatzopoulos zunächst einen Überblick zur bisherigen Forschung über Makedonien (S. 35–42), sodann werden die Makedonen sowie ihr Land vorstellt (S. 43–49) und schließlich das Verhältnis der Makedonen zu den anderen Griechen beleuchtet (S. 51–78). Im vierten Kapitel widmet sich Manuela Mari dem archaischen und dem frühklassischen Makedonien (S. 79–92) und eröffnet damit die eher ereignisgeschichtlichen Beiträge, die abgesehen von diesem alle von Lane Fox verfasst sind. So befasst sich der Herausgeber in Kapitel 10 mit den Jahren von 399 bis 369 (S. 209–234), in Kapitel 13 mit den 360er-Jahren (S. 257–269), in Kapitel 16 mit dem Herrschaftsantritt, den Zielen und der Selbstpräsentation Philipps II. (S. 335–366) und im thematisch damit verbundenen Kapitel 17 mit dem Makedonien Philipps II. und Alexanders III. (S. 367–391), bevor er schließlich in Kapitel 24 die Regierungszeiten des Antigonos Gonatas und Demetrios’ II. behandelt (S. 495–519). Positiv ist in Bezug auf die Kapitel von Lane Fox anzumerken, dass sie thematische Schwerpunkte – wie etwa das erste Regierungsjahr Philipps II. in Kapitel 16 – setzen, wodurch die Beiträge nicht lediglich einen weiteren Überblick zur Ereignisgeschichte der jeweiligen Zeitabschnitte geben, sondern vielmehr in die Tiefe gehen und neue Perspektiven aufzeigen.

Georgia Karamitrou-Mentessidi bietet mit ihrer Untersuchung zu Aiani und der obermakedonischen Elimiotis (Kapitel 5: S. 93–112) den ersten der Beiträge, die sich mit einzelnen geographischen Regionen auseinandersetzen. Es folgt die Behandlung der Chalkidiki, wobei Selene Psoma zunächst das Verhältnis Makedoniens zum Chalkidischen Bund in den Fokus rückt (Kapitel 7: S. 113–135), bevor Bettina Tsigarida die Chalkidiki unter makedonischer Herrschaft betrachtet (Kapitel 8: S. 137–158). Louisa D. Loukopoulou untersucht schließlich in Kapitel 22 die zu Makedonien zählenden Gebiete Thrakiens (S. 467–476). Das Königtum und die Verwaltung Makedoniens werden in drei Kapiteln thematisiert: Sophia Kremydi stellt die Münzprägung und das Finanzwesen (Kapitel 8: S. 159–178), Angeliki Kottaridi den Palast in Aigai vor (Kapitel 15: S. 297–333), John Ma analysiert das Zusammenspiel von Hof, König und Macht im antigonidischen Makedonien (Kapitel 25: S. 521–543).

Dem Themenfeld der makedonischen Kunst widmen sich vier Kapitel: Die klassische Kunst wird von Stavros A. Paspalas vorgestellt (Kapitel 9: S. 179–207), die hellenistische von Olga Palagia (Kapitel 23: S. 477–493) und die makedonische Kunst in der römischen Zeit bis 337 n.Chr. von Thea Stefanidou-Tiveriou (Kapitel 27: S. 563–584). Chryssoula Saatsoglou-Paliadeli untersucht schließlich in Kapitel 14 die Kunst in Vergina-Aigai (S. 271–295). In Kapitel 11 bietet Hatzopoulos einen kurzen Überblick zu den Städten Makedoniens (S. 235–241), der dann durch Einzeluntersuchungen vertieft wird. So behandelt Stella Drougou Vergina/Aigai (Kapitel 12: S. 243–256), Ioannis M. Akamatis Pella (Kapitel 18: S. 393–408), Chaido Koukouli-Chrysanthaki Amphipolis (Kapitel 19: S. 409–436) sowie Philippi (Kapitel 20: S. 437–452) und Polyxeni Adam-Veleni schließlich Thessaloniki (Kapitel 26: S. 545–562). Zum Thema Religion in Makedonien liegen zwei Beiträge vor: Mari stellt in ihrem zweiten Aufsatz die traditionellen Kulte vor (Kapitel 21: S. 453–465), Dimitris J. Kyrtatas bietet einen Überblick zum frühen Christentum Makedoniens (Kapitel 28: S. 585–599).

Abgerundet wird der Band durch eine kurze Vorstellung der Autorinnen und Autoren (S. 601–602) sowie einen übersichtlich gestalteten Index (S. 603–642). Auf eine allgemeine Bibliographie wurde verzichtet, und nur vier der vorgestellten Kapitel sind mit einem themenspezifischen Literaturverzeichnis versehen. Hervorzuheben sind die 73 größtenteils farbigen Abbildungen am Ende des Werkes, auf denen Karten, Inschriften, Münzen, Kunstwerke, Pläne und anderes dargestellt sind.

Nicht ganz nachvollziehbar erscheint indes, weshalb die Beiträge des Companion to Ancient Macedon nicht nach Themenfeldern, sondern eher chronologisch angeordnet sind. Auch ist es letztlich nicht gänzlich überzeugend, dass die Regierungszeiten von Antigonos Doson, Philipp V. und Perseus ausgeklammert wurden, weil sich hier der Forschungsstand weniger als bei den anderen makedonischen Königen erweitert habe. Gerade ein Abschnitt aus Koukouli-Chrysanthakis Kapitel über Amphipolis (S. 418f.) belegt ebenso wie Mas Untersuchung „Court, King, and Power in Antigonid Macedonia“, dass es vom heutigen Wissenstand aus noch Einiges über Philipp V. zu sagen gäbe, das über die älteren Standardwerke hinausgeht. Definitiv begrüßenswert ist hingegen der bereits eingangs angesprochene Ansatz des Buches, die aktuellen Ergebnisse größtenteils griechischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu präsentieren. Besonders interessant ist diesbezüglich etwa der Beitrag von Karamitrou-Mentessidi über Aiani. Da die bisherigen Veröffentlichungen zum Thema hauptsächlich von der Autorin selbst stammen, ein Großteil davon aber in neugriechischer Sprache verfasst wurde, liegen ihre Ergebnisse somit erstmals einem breiteren Publikum vor (S. 111f.). Ein weiteres Beispiel stellt Kottaridis Darstellung zum Palast von Aigai dar, die auf Ergebnissen der im Frühling 2007 begonnenen Ausgrabungen beruht und in der die Autorin zu dem bemerkenswerten Schluss kommt, der Palast sei „not only the biggest but, together with the Parthenon, one of the most important buildings of classical antiquity“ gewesen (S. 298). Grundsätzlich positiv ist – abgesehen von der eben angeführten Kritik hinsichtlich des Verzichtes auf die Regierungszeiten der letzten drei makedonischen Könige – auch die Entscheidung des Herausgebers, nicht noch einen weiteren Überblick zur makedonischen Ereignisgeschichte zu bieten, sondern den Schwerpunkt auf Themen zu legen, zu denen es zahlreiche, neue Forschungsergebnisse zu präsentieren gibt.

Wie ist der Companion nun im Vergleich zu seinem von Blackwell herausgegebenen Pendant einzuordnen? Der Blackwell Companion to Ancient Macedonia bietet einen umfassenden und weitgefächerten Einstieg in den Themenkomplex Makedonien, während Brill’s Companion to Ancient Macedon wesentlich archäologischer geprägt ist und speziellere Schwerpunktsetzungen aufweist. Dies ist insofern erfreulich, als dass sich die beiden Bücher durch die unterschiedlichen Ansätze durchaus ergänzen und keineswegs einander entbehrlich machen. Insgesamt betrachtet handelt es sich daher trotz der angeführten Kritikpunkte um ein gelungenes und lesenswertes Werk, das zahlreiche neue Erkenntnisse zur makedonischen Geschichte präsentiert und dabei auch vor Augen führt, dass durch die Arbeit vor Ort in den kommenden Jahren noch einiges Weitere zu erwarten sein dürfte.

Anmerkungen:
[1] Joseph Roisman / Ian Worthington (Hrsg.), A Companion to Ancient Macedonia, Oxford 2010.
[2] Nicholas G. L. Hammond / Guy T. Griffith / Frank W. Walbank (Hrsg.), A History of Macedonia, 3 Bde., Oxford 1972–1988 und R. Malcolm Errington, History of Macedonia, Berkeley 1990 werden von Lane Fox als die maßgeblichen Werke angeführt (S. 1).
[3] Sylvie Le Bohec, Antigone Dôsôn roi de Macédoine, Nancy 1993; Frank W. Walbank, Philip V of Macedon, Cambridge 1940 (Neudruck 1967) sowie Walbanks entsprechende Kapitel aus der History of Macedonia.

Redaktion
Veröffentlicht am
02.07.2012
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