Cover
Titel
Globalisierung.


Autor(en)
Scherrer, Christoph; Kunze, Caren
Reihe
UTB Profile 3400
Erschienen
Göttingen 2011: Vandenhoeck & Ruprecht
Anzahl Seiten
128 S.
Preis
€ 9,90
Rezensiert für 'Connections' und H-Soz-Kult von:
Peter E. Fäßler, Universität Paderborn

„Klar – knapp – konkret“ lautet die didaktische Maxime der Reihe „UTB Profile“. Das vorliegende Buch zum Thema Globalisierung wird ihr gerecht.Mit Blick auf die wichtigste Zielgruppe,Studienanfänger der Kultur- und Gesellschaftswissenschaften, haben Christoph Scherrer und Caren Kunze einen schlüssig konzipierten und gut verständlichen Einführungsband verfasst.

Sein Inhalt deckt den gegenwärtigen Kanon der Globalisierungsdebatte weitgehend ab. Das Themenspektrum reicht von den unterschiedlichen Eigenarten ökonomischer und kultureller Globalisierung über die historische Dimension des säkularen Trends bis zum Problem von struktureller Zwangsläufigkeit versus intentionaler Steuerung von Globalisierung. Natürlich wird auch die unvermeidliche Frage nach der Zukunft des Nationalstaates in einer globalisierten Welt gestellt. Es fehlen auch nicht die Kapitel über Globalisierung und Verteilungsgerechtigkeit, sowohl innerhalb nationaler Gesellschaften als auch im globalen Rahmen des Nord-Süd-Konfliktes. Und schließlich greifen Scherrer/Kunze die Überlegungen bezüglich möglicher Alternativen zum gegenwärtigen Globalisierungstrend auf.

Erfreulicherweise haben die Autoren zwei weiteren Aspekten einige Seiten eingeräumt, die üblicherweise in solchen Einführungswerken nicht enthalten sind. Unter der sinnigen Kapitelüberschrift „Hat die Globalisierung ein Geschlecht“ weisen sie auf erhellende Weise auf die Schnittstellen zur jüngeren Genderforschung hin. Und schließlich diskutieren beide Autoren die aktuelle Weltfinanz- und Wirtschaftskrise im Kontext des Globalisierungsdiskurses – ein ebenso gewagtes wie begrüßenswertes Unterfangen.

Christoph Scherrer leitet den Fachbereich „Globalisierung und Politik“ an der Universität Kassel und zugleich als Direktor das „International Center for Development and Decent Work“. Er hat zahlreiche Publikationen zum Themenfeld „Globalisierung“ vorgelegt. Auch die Mit-Autorin Caren Kunze, gleichwohl in einer frühen Phase ihrer wissenschaftlichen Karriere stehend, ist auf diesem Felde bereits ausgewiesen. Das Buch profitiert ungemein von beider Sachverstand und didaktischen Geschick. Nicht nur das Gesamtkonzept vermag zu überzeugen, auch die einzelnen Kapitel vermitteln einen soliden Einblick in einen hochkomplexen Entwicklungsvorgang, der obendrein in vollem Gange ist und dessen Erforschung sich gerade erst in den Anfängen befindet. Anschaulich gestaltete Graphiken, hilfreiche Literaturempfehlungen, ein Anhang mit historisch-vergleichenden Übersichten über die Globalisierungsaspekte„Handel“, „Kapitalverkehr“, „Produktion“ und „Migration“ sowie ein Serviceteil über„Politische Stationen der Globalisierung nach dem Zweiten Weltkrieg“ runden das Werk sinnvoll ab.

Natürlich bieten Studientexte zu einem so komplexen Thema Angriffsflächen für Kritik. So bleibt unklar, weshalb Scherrer/Kunze unter der Überschrift „Was ist Globalisierung?“ keine Arbeitsbegrifflichkeit entwickeln, sondern es bei einer impressionistischen Annäherung an das Phänomen belassen. Auch stellt sich die Frage, ob Globalisierung als eine zwangsläufige Entwicklung aufzufassen sei, zumindest aus geschichtstheoretischer Sicht in anderer Weise. Historiker/-innen argumentieren eher innerhalb der Konzepte von „Pfadabhängigkeit“ oder „Kontingenz“.

Trotz dieser Einwände kann der Band als Einstieg in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Globalisierung uneingeschränkt empfohlen werden. Der Inhalt hält, was der Buchdeckel verspricht: er ist klar, knapp und konkret.

Redaktion
Veröffentlicht am
28.01.2012
Redaktionell betreut durch
Kooperation
Diese Rezension entstand im Rahmen des Fachforums 'Connections'. http://www.connections.clio-online.net/
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