Antikommunismus in Deutschland, Frankreich und den USA

Creuzberger, Stefan; Hoffmann, Dierk (Hrsg.): „Geistige Gefahr“ und „Immunisierung der Gesellschaft“. Antikommunismus und politische Kultur in der frühen Bundesrepublik. München  2014. ISBN 978-3-486-74708-9

: The Second Red Scare and the Unmaking of the New Deal Left. . Princeton  2013. ISBN 978-0-691-15396-4

: Punir les opposants. PCF et procès politiques 1947–1962. Paris  2013. ISBN 978-2-271-07661-8

Rezensiert für H-Soz-Kult von
Dominik Rigoll, Department of History, Princeton University

Obwohl der Antikommunismus zweifellos nicht nur zu den schillerndsten, sondern auch zu den politisch wirkungsmächtigsten Phänomen des vorigen Jahrhunderts zählt, hat die bundesdeutsche Geschichtswissenschaft lange Zeit einen Bogen um ihn gemacht. In der DDR hingegen wurde seiner Erforschung ein Stellenwert eingeräumt, der demjenigen des Antifaschismus durchaus nahe kommt. So stammen von den gut 150 Titeln, die der Katalog der Berliner Staatsbibliothek beim Stichwort „Antikommunismus“ liefert, mehr als zwei Drittel aus der DDR oder einem anderen Ostblockland; immerhin zwölf Prozent wurden von Autoren aus dem Westen verfasst, die man dem linken politischen Spektrum zuordnen kann. Gerade einmal fünf Studien, darunter der hier angezeigte Sammelband, passen weder in die eine noch in die andere Kategorie. Einer der Gründe für das riesige Ost-West-Gefälle dürfte sein, dass der Antikommunismus in den sozialistischen Staaten eine politische Funktion einnahm, die seiner Funktion in den kapitalistischen Gesellschaften diametral entgegenstand. In den Ostblockstaaten bot die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Antikommunismus eine gern genutzte Gelegenheit, auf den Umstand hinzuweisen, dass das Bürgertum nicht zuletzt aufgrund antikommunistischer Überzeugungen so empfänglich für faschistisches Gedankengut war. In den Staaten des Westblocks hingegen wurde dieser Konnex zwar nicht unbedingt geleugnet, aber heruntergespielt, brauchte man den Antikommunismus doch erneut als Integrationsideologie – hoffend, dass er dabei helfen werde, die Faschisten und ihre Parteigänger möglichst stillschweigend für das westliche Modell zu gewinnen.

Wohl auch deshalb, weil diese Form der Instrumentalisierung in der Bundesrepublik aufgrund der von Deutschen begangenen Massenverbrechen und der personellen Kontinuitäten zum „Dritten Reich“ besonders heikel war, blieb die Antikommunismus-Forschung hier auch in den 1970er- und 1980er-Jahren noch unterentwickelt, während sich in den USA und in Frankreich der politik- und später auch der geschichtswissenschaftliche Mainstream des Themas zusehends annahm. Auch die antikommunistische Repression zu Beginn des Kalten Krieges wurde nun analysiert – meist sehr kritisch. Wie spürbar die Folgen dieser disparaten Entwicklungen zum Teil bis heute sind, illustrieren die drei hier zu besprechenden Bände. Während Landon Storrs für die USA und Vanessa Codaccioni für Frankreich auf eine ganze Reihe quellengesättigter Vorläuferstudien aufbauen bzw. sich kritisch von ihnen absetzen können, betreten die meisten der von Stefan Creuzberger und Dierk Hoffmann versammelten Autorinnen und Autoren für die Bundesrepublik relatives Neuland.

Storrs, die an der Universität Iowa US-amerikanische Zeitgeschichte lehrt, hat sich einen Problemkomplex noch einmal sehr genau angeschaut, von dem man denken könnte, dass über ihn das meiste schon gesagt wurde in den unzähligen Büchern, Aufsätzen und Zeitungsartikeln, die seit den 1970er-Jahren dazu erschienen sind. Die Rede ist von der zweiten antikommunistischen Welle in der Geschichte der USA (Second Red Scare), die vom Beginn des Kalten Krieges bis zum Ende der McCarthy-Ära reicht und die Storrs am Beispiel der Säuberung des öffentlichen Dienstes von tatsächlichen oder vermeintlichen Kommunisten untersucht. Zwischen 1947 und 1956 mussten sich mehr als fünf Millionen Staatsangestellte einem Loyalitäts- und Sicherheitsscreening unterziehen; mindestens 25.000 von ihnen durchliefen zusätzlich eine stigmatisierende „full field investigation“ beim FBI. Schätzungen zufolge wurden 2.700 Personen entlassen; mehr als 12.000 kündigten von sich aus (S. 2). Dieses Thema hat schon häufig Forschungsinteresse auf sich gezogen. In der Regel wurde dabei auf die mangelnde Rechtstaatlichkeit der Verfahren hingewiesen, die aus heutiger Sicht nicht selten irrational erscheinen. Storrs knüpft an diese Studien an, macht aber auch klar, dass die bürgerrechtliche Kritik am Staatsantikommunismus zwar berechtigt ist, mittlerweile jedoch zur Historisierung des McCarthyismus ebenso wenig beiträgt wie die apologetische Argumentation, die das Recht des demokratischen Gemeinwesens auf Gefahrenabwehr betont, ohne empirisch darzulegen, worin die Gefahr im Einzelnen bestand.

Storrs interessiert sich also nicht so sehr für die Frage, ob der von ihr betrachtete Personenkreis zu Recht oder zu Unrecht aus dem Staatsdienst gedrängt wurde, sondern für die politischen Reformvorstellungen, die gemeinsam mit den betroffenen Beamtinnen und Beamten marginalisiert wurden. Dieser Fokus bietet sich auch deshalb an, da Storrs nicht die Masse der Entlassenen und Verdrängten auf den unteren Ebenen des Staatsapparates untersucht, von denen vergleichsweise viele der Kommunistischen Partei oder einer ihrer Vorfeldorganisationen angehörten. Ihr Interesse gilt vielmehr einer Gruppe von 42 hohen und mittleren Bundesbeamtinnen und Bundesbeamten, die sich selbst als Sozialdemokraten oder Sozialisten verstanden und die unter Franklin D. Roosevelt rekrutiert worden waren, um dessen New-Deal-Politik umzusetzen. Dabei vertraten sie Reformvorstellungen, die noch ambitionierter waren als diejenigen Roosevelts. „When the Old Left Was Young... and Went to Washington“ (so der treffende Titel des ersten Kapitels), standen diese „jungen Alten Linken“ nicht nur für eine starke Expansion des Sozialstaates, sondern auch für den Ausbau der bürgerlichen und gewerkschaftlichen Mitbestimmung, für die Gleichstellung der Geschlechter und das Ende der Rassendiskriminierung.

Auf der Grundlage von Personalakten, die im Zuge der Screenings angelegt wurden, sowie von einer Vielzahl an Ego-Dokumenten hat Storrs herausgefunden, dass diese hochgebildeten und ambitionierten jungen Leute bereits in den 1930er-Jahren in das Visier von Kommunistenjägern gerieten. Der auf ihnen lastende Druck wurde jedoch erst nach 1947 so groß, dass sie wegen „un-amerikanischer Aktivitäten“ bzw. kommunistischer Verbindungen – die sie, wenn überhaupt, nur indirekt und in jungen Jahren gehabt hatten – von Entlassung bedroht waren. Nicht zuletzt, um damit die eigene Existenz zu sichern, stilisierten sich nun viele der von Storrs porträtierten Personen selbst zu Antikommunisten. Dabei warfen sie nicht nur ein Gutteil ihrer vorherigen politischen Überzeugungen über Bord, sondern verheimlichten auch, dass sie sich früher als Sozialisten oder Sozialdemokraten verstanden hatten. Sie mussten ihre Vorkriegs- und Kriegsbiographien ebenso „anpassen“ wie zur selben Zeit ehemalige Nationalsozialisten in der Bundesrepublik oder ehemalige Widerstandskämpfer in der DDR.

Während Storrs den Fokus auf eine kleine, aber strategisch gut platzierte Gruppe amerikanischer Nichtkommunisten legt, wählt Vanessa Codaccioni in ihrer Studie über den französischen Staatsantikommunismus von 1947 bis 1962 jeweils abwechselnd die Perspektive der Repressionsorgane und der Kommunistischen Partei (KPF). Auf kommunistischer Seite interessiert sich die an der Universität Paris VIII lehrende Politologin nicht nur für die von Repressionen betroffenen Aktivisten. Sie betrachtet auch die Anwälte, die mit der Parteiführung darüber entschieden, ob und wenn ja wie aus einem der vielen gegen kommunistische Parteigänger angestrengten Hochverratsprozesse, deren Genese, Verlauf und zeitgenössische Perzeption im Zentrum der Studie stehen, Profit für die Partei geschlagen werden könnte. Ganz ähnlich wie Storrs geht es auch Codaccioni nicht so sehr um die Frage, ob den staatlichen Organen „unrechtsstaatliches Verhalten“ und den Kommunisten eine „politische Instrumentalisierung“ der Verfahren vorzuwerfen ist, obgleich beide Tatbestände in vielerlei Hinsicht erfüllt sind. Vielmehr nimmt sie unter die Lupe, wann es zu einem Prozess wegen „trahision“ kam bzw. – fast noch wichtiger – wann die eine oder die andere Seite versuchte, ihn zu verhindern, weil er politisch mehr Nachteile als Vorteile bringen könne.

Als Quellengrundlage dienen Codaccioni neben Polizei- und Prozessakten vor allem Bestände aus dem KPF-Archiv und aus dem Archiv der Wohlfahrtsorganisation Secours populaire sowie rund 50 Zeitzeugeninterviews. Auf dieser breiten Basis macht sie sichtbar, dass seit Ende der 1950er-Jahre die Intensität der antikommunistischen Repression stark abnahm, ohne dass sich an der offiziell weiter stramm antikommunistischen Haltung der Regierungen etwas geändert hätte. Aber auch auf Seiten der Kommunistischen Partei konstatiert Codaccioni eine stetig schwindende Motivation, es mithilfe der Ausschlachtung politischer Prozesse auf eine Konfrontation mit dem Staatsapparat ankommen zu lassen. Profilierte sich die KPF zunächst als antikoloniale Antikriegspartei, die gegen den (noch ungeklärten) Einsatz biologischer Waffen durch die Amerikaner in Korea ebenso agitierte wie gegen die (heute erwiesenen) französischen Folterpraktiken in Indochina[1], hielt sie sich mit Veröffentlichungen dieser Art während des Algerienkrieges bekanntlich sehr zurück. Auf diese Weise büßten die Kommunisten gerade in den Augen ihrer jüngeren Anhänger viel Glaubwürdigkeit ein. Zugleich überließen sie zusehends den Angehörigen der Neuen Linken das Feld, die, jedenfalls zunächst, die gleichen Informationen verbreiten konnten wie zuvor die Kommunisten, ohne dafür wegen Hochverrat verfolgt zu werden. Wohl auch deshalb, weil sich die KPF so handzahm zeigte (freilich ohne ein Jota von ihrem revolutionären Programm abzurücken), verlor man auf staatlicher Seite allmählich die Furcht vor der Sabotage des Staatsapparates bzw. der Armee durch kommunistische Parteigänger im Falle einer sowjetischen Invasion – jenes Bedrohungsszenario also, das Anfang der 1950er-Jahre für den Staatsantikommunismus noch bestimmend gewesen war.

In dem von Stefan Creuzberger und Dierk Hoffmann herausgegebenen Sammelband behandeln immerhin vier der zwanzig Beiträge das Thema der Repression. Schätzungen zufolge umfasste letztere in Westdeutschland bis zu 125.000 politische Strafverfahren, die in mehr als 6.000 Fällen zu Verurteilungen führten (Till Kössler, S. 239). Hinzu kamen eine millionenfach praktizierte Postzensur, die Überwachung von Telefongesprächen, eine Vielzahl von Zeitungs- und Organisationsverboten sowie weitere Exklusionspraktiken, die trotz ihres atemberaubenden Umfangs bis heute nur in Ansätzen untersucht sind.[2] Kössler macht in seinem Beitrag über den staatlichen und gewerkschaftlichen Umgang mit Kommunisten deutlich, dass dessen Dynamiken und Chronologien nicht erklärt werden können, wenn man sich nur für die Ablehnung der kommunistischen Ideologie interessiert. Vielmehr müssen neben der internationalen Entwicklung auch lokale Begebenheiten und Personenkonstellationen berücksichtigt werden. Gerade in Hochburgen der KPD wie Nordrhein-Westfalen hätten „gemeinsame Interessen in Sachfragen“ (S. 244) und gemeinsame NS-Verfolgungserfahrungen bisweilen zu einer Abschwächung antikommunistischer Praxis geführt, ohne dass die beteiligten Akteure von ihren antikommunistischen Überzeugungen abgerückt wären.

Ganz ähnliche Differenzierungen finden sich in Boris Spernols Analyse des Ausschlusses von Menschen aus dem KPD-Umfeld im Kontext der Wiedergutmachung. Dieser Ausschluss sei oft von Machtkalkül und Eigennutz geprägt gewesen, „vor allem aber von Irrationalitäten“ (S. 272). Eine transnationale und deutsch-deutsche Perspektive auf das Thema nimmt Bernd Stöver ein. In Fortführung seiner Arbeiten zu der von amerikanischen Behörden und paramilitärischen Gruppen fast überall in Europa sowohl propagierten als auch praktizierten „Befreiungspolitik“ untersucht Stöver, wie es der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ in den 1950er-Jahren gelang, die DDR von außen zu destabilisieren: „Das MfS [Ministerium für Staatssicherheit] wuchs nicht nur maßgeblich durch seine eigene Bedrohungsanalyse, sondern eben auch durch die tatsächlichen Angriffe“ (S. 228).

Bernd Greiner steuert einen einleitenden Essay über den Zusammenhang von Angst und Antikommunismus in den USA bei. Greiner ist davon überzeugt, dass die „eigentliche Pointe“ hier nicht so sehr in der Antwort auf der Frage liege, ob die allgegenwärtigen „Feinde real präsent sind“ oder „nur imaginiert werden“. Schließlich sei der antikommunistische „Ausnahmezustand“ – genau wie der antisemitische – auf „vielfältige und im Zweifel auch konträre Weise begründbar“. Entscheidender sei, dass Angst hier als „emotionale Ressource von Politik“ fungiere: Antikommunismus habe Amerikanerinnen und Amerikanern die Möglichkeit geboten, sich ganz individuell an einer gesellschaftlichen „Selbstreinigung“ zu beteiligen und so „auf demonstrative Art und Weise der Verantwortung für das Gemeinwesen gerecht zu werden“ (S. 29). Wer das Phänomen verstehen wolle, müsse daher nicht nur die Angst vor dem Kommunismus untersuchen, sondern ebenso die hinter dieser Angst stehende „Panik vor einem hausgemachten Scheitern Amerikas“ (S. 31).

Dass Antikommunismus auch in der Bundesrepublik nicht nur auf die Exklusion politischer Gegner zielte, sondern zugleich auf die Integration der post-faschistischen Gesellschaft, heben die Herausgeber ebenso hervor wie Hermann Wentker, der die Ergebnisse des Bandes souverän und konzise zusammenfasst (S. 2f., 356f.). Andreas Wirsching weist in seiner nützlichen, um Konzeptualisierung bemühten Analyse des Antikommunismus in Deutschland vor 1945 ebenfalls mit Nachdruck auf dessen gesellschaftliche Mobilisierungskraft hin (S. 18–21). Gleichwohl wird die Doppelbödigkeit des Phänomens, die Stabilisierungs- und Normalisierungsfunktion des Antikommunismus, namentlich in Bezug auf die Rückkehr der NS-Funktionseliten im Kalten Krieg, in keinem der Beiträge systematisch behandelt. Im Zentrum stehen stattdessen zumeist staatliche Institutionen oder gesellschaftliche Organisationen, deren Praxis in den politisch-strategischen Fronten des Kalten Krieges situiert und vor allem in ihrem politisch-ideologischen Gehalt untersucht wird. Dies gilt für die Beiträge von Stefan Creuzberger über das Gesamtdeutsche Ministerium, von Lars Lüdicke über Adenauers Außenpolitik, von Corinna Franz über Adenauers Denken und politisches Handeln, von Rüdiger Thomas über die Bundeszentrale für Heimatdienst, von Michael Schwartz über die Vertriebenenverbände, von Thomas Brechenmacher über die katholische Kirche, von Mirjam Loos über die evangelische Kirche, von Dominik Geppert über den Kongress für Kulturelle Freiheit und die Gruppe 47, von Frank Möller über den Verleger Joseph Caspar Witsch sowie von Christoph Classen über Film und Fernsehen. Die Perspektive ist hier sicherlich nicht durchgehend, aber doch sehr häufig diejenige von „großen Männern“ und deren ideologischen Vorstellungen, was nicht ausschließt, dass man in einigen Beiträgen auch Hinweise auf weibliche Akteure oder die Alltagspraxis der jeweils untersuchten Formationen findet.

Eine wichtige Ausnahme in dieser Hinsicht bildet der Beitrag von Rainer Gries, der das großangelegte Versenden von Lebensmittelpaketen in die DDR explizit als „Antikommunismus für jedermann“ untersucht. Durchgängig deutsch-deutsche Ansätze wie diese finden sich in dem Band überraschenderweise ebenso selten wie Ausführungen zu der Frage, inwiefern sich nichtkommunistische und antikommunistische Politiken eventuell gegenseitig beeinflussten und bedingten. Die Perspektive westdeutscher Kommunisten und (angeblicher) Fellow Traveler fehlt fast völlig – ausgenommen die Beiträge von Kössler, Spernol und Brechenmacher (letzterer bezieht ein, wie katholische Kirche und DDR-Behörden interagierten). Demgegenüber beschränken sich Heike Amos, Dierk Hoffmann und Michael Lemke in ihren Beiträgen über verschiedene Formen und Inhalte der SED-Westarbeit im Wesentlichen auf die Ost-Berliner Perspektive.

Natürlich ist es müßig, bei Sammelbänden wie diesem auf inhaltliche „Lücken“ hinzuweisen. Schließlich haben die meisten der Autorinnen und Autoren bereits die eine oder andere Monographie vorgelegt, in der sie „ihren“ Problemkomplex viel facettenreicher bearbeiten. Andererseits fällt beim Vergleich der drei Bücher doch ins Auge, dass es nicht nur an den jeweils zur Verfügung stehenden Druckseiten liegt, wenn Storrs und Codaccioni die Historisierung des Gegenstandes weiter treiben als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen. Es liegt auch daran, dass sich die beiden Autorinnen Zugang zu Quellenbeständen verschaffen konnten, die in Deutschland bislang noch kaum ausgewertet wurden, namentlich Akten der politischen Polizei und Justiz sowie der Kommunistischen Partei und ihrer Vorfeldorganisationen. Besonders aber fällt ins Gewicht, dass die meisten Beiträge des Sammelbandes die neuere internationale Forschung zum Kalten Krieg nur selektiv aufgreifen. Wenn etwa einleitend von der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ die Rede ist (S. 1), interpretieren die Herausgeber den Begriff nicht als Teil einer westlichen Ideologie[3], sondern verwenden ihn affirmativ, ohne Anführungszeichen. Dies ist insofern problematisch, als die Genese und Instrumentalisierung des Terminus selbst integraler Bestandteil jenes weltweiten ideologischen Schlagabtausches war, den es erst noch zu historisieren gilt.[4] Das trifft auf ost- und westdeutsche Begrifflichkeiten nicht weniger zu als auf die von Codaccioni und Storrs so souverän dekonstruierten Termini „trahision“ und „un-American activities“.

Anmerkungen:
[1] Vgl. Jean-Marc Le Page, La pratique de la torture durant la guerre d’Indochine, in: Dynamiques Internationales 5 (2011), URL: <http://dynamiques-internationales.com/wp-content/uploads/2011/07/DI5-LePage-JM11.pdf> (26.09.2014), besonders S. 10f.; Stephen Lyon Endicott / Edward Hagerman, The United States and Biological Warfare. Secrets from the Early Cold War and Korea, Bloomington 1998.
[2] Vgl. Joseph Foschepoth, Überwachtes Deutschland. Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik, Göttingen 2012; Dominik Rigoll, Staatsschutz in Westdeutschland. Von der Entnazifizierung zur Extremistenabwehr, Göttingen 2013.
[3] Vgl. etwa Odd Arne Westad, The Global Cold War. Third World Interventions and the Making of Our Times, Cambridge 2005, hier S. 8–38; Anson Rabinbach, Begriffe aus dem Kalten Krieg. Totalitarismus, Antifaschismus, Genozid, Göttingen 2009.
[4] Der international vergleichenden Historisierung des Phänomens widmet sich auch das Symposium „Der Antikommunismus in seiner Epoche. Weltanschauung, Bewegung, regierende Partei“, das vom Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts und dem Imre Kertész Kolleg vom 13. bis 15. November 2014 in Jena veranstaltet wird: <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=25724> (26.09.2014).

Redaktion
Veröffentlicht am
17.10.2014
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