Bürgerschaftliche INITIATIVE (Hrsg.): Wachse hoch, Oranien!

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Titel
Wachse hoch, Oranien!. Auf dem Weg zum ersten König der Niederlande: Wilhelm Friedrich Prinz von Oranien-Nassau als regierender deutscher Fürst 1802–1806. Fulda + Corvey + Dortmund + Weingarten


Herausgeber
Bürgerschaftliche INITIATIVE
Reihe
Studien zur Geschichte und Kultur Nordwesteuropas 24
Erschienen
Münster 2013: Waxmann Verlag
Anzahl Seiten
330 S.
Preis
€ 39,90
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Ludolf Pelizaeus, Université de Picardie Jules Verne, Amiens

Der vorzustellende Sammelband erschien als Ergebnis einer Tagung von 2013, die in Fulda von einer „Bürgerschaftlichen Initiative“ getragen wurde. Es sollte den Wurzeln des niederländischen Königshauses gedacht werden, da die Herrschaft von Wilhelm Friedrich von Oranien als regierender Fürst der so weit verstreuten Gebiete Fulda, Corvey, Dortmund und Weingarten zwischen 1802 und 1806 hier ihren Ausgang nahm, bevor er König der Niederlande wurde. Ausgestattet mit vielen Abbildungen werden in dem Band vierzehn Beiträge (mit jeweils einer niederländischen Zusammenfassung) recht unterschiedlicher Länge und Aufmachung auf 230 Seiten zusammengeführt.

Schon das Organisieren einer Tagung und die Herausgabe eines Tagungsbandes durch eine eigene Initiative zeichnet Fulda aus. Es gelingt den Herausgebern mit dem vorliegenden Band durch ausgewählte Autorinnen und Autoren Licht auf jene Herrschaften werfen zu lassen, denen, wie das Großherzogtum Würzburg oder das Kurfürstentum Salzburg, nur eine sehr kurze Lebensdauer zwischen 1802/03 und 1806 beschieden war.

Im Band kontextualisieren zunächst die Beiträge von Simon Groenveld und Horst Lademacher die Beziehungen zu den Niederlanden, bleiben dabei aber sehr allgemein und weisen keinen spezifischen Bezug zum Thema der Herrschaft von 1802–1806 auf, sondern thematisieren lediglich „Aspekte“ von Beziehungen (Groenfeld) und „Bilder und Erfahrungen“ als vornehmlich historiographischer überblick (Lademacher).

An den Beitrag von Groenfeld schließen sich drei Aufsätze zu Fulda, einer zu Dortmund, zu Weingarten, Corvey sowie weitere inhaltliche Beiträge an. Besonders die Untersuchungen von Jeroen Koch und Thomas Heiler zu Fulda stellen neue Ergebnisse aus Archivforschungen vor und unterstreichen, wie der neue Herrschaftsansatz zwischen Kontinuität und Neuanfang durch einen protestantisch reformierten Landesherrn in einem katholischen Territorium aussah. Freilich wird diese Frage nur für Fulda beantwortet, da leider versäumt wurde, die Chance zu nutzen, über die Landesgrenzen hinaus zu schauen und die Reformmaßnahmen für die einzelnen Sektoren (z.B. Steuerwesen, Schule, Militär, Armenversorgung etc.) vergleichend für die so heterogenen Gebiete zu betrachten. Hinzu kommt als Manko des Buches, dass die Beiträge in ihrer Ausgestaltung leider sehr uneinheitlich sind, entweder gar keine Anmerkungen oder lediglich eine Bibliographie oder aber einen vollständigen Anmerkungsapparat aufweisen.

Die nach dem Block über Fulda folgenden Darstellungen von Thomas Schilp über Dortmund und von Hans Ulrich Rudolf über Weingarten sind zwar instruktiv, stellen aber lediglich etwas überarbeitete Beiträge, die schon 2003 als Aufsätze erschienen, dar. Anders hingegen die Aufsätze von Michael Koch über Corvey und von Gudrun Vögler über die „Persönlichkeiten im Dienst des Erbprinzen“, die eigene Forschungen darstellen und immerhin bezogen auf Corvey oder anhand von nachgezeichneten Biographien erkennen lassen, wie sich Bruch und Kontinuität in Biographien und Reformmaßnahmen abzeichnen.

Besonders hervorzuheben ist schließlich der Beitrag zu Wilhelm von Humboldt in Rom (Ulrich Hussong), weil hier nicht allein das Wirken von Humboldts, sondern mehr noch das Umgehen des Heiligen Stuhls mit den neuen protestantischen Landesherren als neue Fürsten in vormalig geistlichen Territorien aufgezeigt werden kann. Dies war bei Wilhelm Friedrich besonders delikat, weil sich seine Herrschaft ausschließlich aus säkularisierten Gebieten zusammensetze und Rom die Säkularisation nicht anerkennen wollte, aber dennoch eine diplomatische Zusammenarbeit wünschte.

Weitere kleinere Beiträge im Sammelband, so zu Schloss Johannesberg (Barbara Burckhardt), dem Schicksal von Kurfürst Wilhelm I. und Wilhelm Friedrich von Oranien (Christine Klössel), dem Glockenspiel in den Niederlanden, die „Maintiendrai Nassau Stiftung“ sind Einzelaspekte, die einen Ausblick auf verschiedene Persönlichkeiten und ihr Umfeld eröffnen, kaum aber politisches Handeln und territoriale und diplomatische Interaktion in den turbulenten letzten Jahren des Heiligen Römischen Reiches aufzeigen.

Es ist das große Verdienst der Initiative, über den Rahmen eines Territoriums hinaus einen Überblick der verschiedenen territorialen Entwicklungen geliefert zu haben. Zwar bleibt der Band sowohl in Bezug auf die Herangehensweise wie die Redaktion der Beiträge sehr heterogen, doch liegt mit dem Buch eine Zusammenschau vor, die als gute Bilanz zu weiteren Forschungen anregt.

Redaktion
Veröffentlicht am
04.09.2015
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