R. Schützeichel: Soziologische Kommunikationstheorien

Cover
Titel
Soziologische Kommunikationstheorien.


Autor(en)
Schützeichel, Rainer
Erschienen
Konstanz 2015: UVK Verlag
Anzahl Seiten
244 S.
Preis
€ 19,99
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Marie-Kristin Döbler, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Mit der zweiten Auflage von „Soziologische Kommunikationstheorien“ liefert Rainer Schützeichel ein gelungenes Grundlagenwerk, das umfassend und unterhaltsam in das vielschichtige und komplexe Thema ‚Kommunikation‘ einführt. Auf verständlichste und anschaulichste Art werden dabei sowohl zentrale Theorien des Themenfeldes dargestellt als auch deren Relevanz für Soziologie und Gesellschaftswissenschaften aufgezeigt. Dabei bleibt paradigmatisch, was der Autor an den Anfang seiner Einleitung stellt: „Es gibt kein soziales oder gesellschaftliches Leben ohne Kommunikation. Kommunikation ist ein, wenn nicht der zentrale Akt, durch welchen sich die Gesellschaft produziert und reproduziert. Entsprechend ist auch für die Wissenschaft der Gesellschaft die Analyse von Kommunikation von zentraler Bedeutung.“ (S. 11)

Mit seinen Ausführungen richtet sich der Autor dezidiert an Studierende, die beginnen, sich mit dem Thema Kommunikation auseinanderzusetzen (S. 11). Es sei jedoch angemerkt, dass er damit tiefstapelt. Schützeichels Ausführungen lesen sich gut und bieten eine passende Einführung für jeglichen thematischen Neuling, ungeachtet des Alters oder der Ausbildungsstufe. Darüber hinaus kann das Buch selbst jenen als Referenzwerk dienen, die sich schon mit manchen, aber eben nicht mit allen Kommunikationstheorien auskennen – selbstredend, nicht alle Theorien und Themen rund um Kommunikation werden von Schützeichel aufgegriffen, und der Umfang des Buchs erfordert eine Auswahl und Beschränkung auf deren Grundzüge – oder die Hinweise für vertiefende Literatur zur Thematik suchen. Denn dies ist ein weiteres positives Merkmal von Schützeichels Buch: die sehr ausführlichen, klar gegliederten Hinweise auf weiterführende Literatur. Dies bedeutet, dass beispielsweise das erste, allgemeine Kapitel zur „Soziologie der Kommunikation“, in dem unter anderem Alltagskonzepte von Kommunikation (S. 17f.), die Differenz bzw. notwendige Unterscheidung zwischen Sprache und Sprechen (S. 33f.) oder die Funktionen von Kommunikation dargestellt werden, mit einer umfangreichen Auflistung an Lektüreempfehlungen unter anderem zu sprachwissenschaftlichen Klassikern, theoriegeschichtlichen Grundlagen sowie Einführungen in Mediensoziologie oder Kommunikationswissenschaft endet.

Manche der in Schützeichels Hinführung bereits ge- oder benannten Theoriestränge, Konzepte und Fragen sind auch für folgende Kapitel maßgeblich. Diese beschäftigen sich mit den zentralen (soziologischen Theorie-)Ansätzen, die sich rund um das Thema Kommunikation gruppieren. Dazu gehören der Pragmatismus und Symbolische Interaktionismus (Kapitel 2), sozialphänomenologische Positionen (Kapitel 4), Überlegungen der Ethnomethodologie und Konversationsanalyse (Kapitel 6), Theorien, die, wie etwa Habermas, nach der kommunikativen Rationalität der Kommunikation fragen (Kapitel 8), wie die Systemtheorie über die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation resümieren (Kapitel 9), wie Bourdieu den Einfluss von Habitus und Macht auf Kommunikation erörtern (Kapitel 10) oder wie die Cultural Studies auf die kulturelle Prägung und Situiertheit von Kommunikation verweisen. Ergänzt werden diese Kapitel, die sich bestimmten Theorien widmen, durch vier „Exkurse“, die eher sprachphilosophische Aspekte diskutieren. Dazu gehört die Differenz zwischen Meinen und Sagen (S. 69ff.), die Berücksichtigung kommunikativer Reflexivität und kommunikativen Verstehens (S. 107ff.), die Sprechakttheorie (S. 133ff.) sowie Überlegungen zum Zusammenhang von Kommunikation und Regeln bzw. die Erkenntnisse, die durch Sprachspiele ermöglicht werden (S. 197ff.).

Nach der Lektüre dieses vielfältigen und breitaufgestellten Werks bleibt festzuhalten: Auch wenn man sich an manchen Stellen wünschen würde, die Neuauflage hätte stärker die Publikationen zu (soziologischen) Kommunikationstheorien berücksichtigt, die seit der Erstveröffentlichung (2004) erschienen sind, ist Rainer Schützeichels Buch für Jeden, der sich für Kommunikation interessiert, eine gute Anschaffung und lohnenswerte Investition.

Redaktion
Veröffentlicht am
03.02.2016
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