L. A. Pérez u.a. (Hgg.): The Archives of Cuba

Cover
Titel
The Archives of Cuba/ Los archivos de Cuba.


Herausgeber
Pérez, Jr., Louis A.; Scott, Rebecca J.
Reihe
Pittsburgh Latin American Studies
Erschienen
Anzahl Seiten
217 S.
Preis
$45.00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Karsten Voss, Department of History, University of Pittsburgh

Der vorliegende Band bietet erstmalig einen Überblick der kubanischen Archive und ihrer dokumentarischen Ressourcen. Der mit Louis A. Pérez und Rebecca J. Scott von zwei herausragenden Repräsentanten der US-amerikanischen Kuba-Forschung herausgegebene Führer wurde durch den seit nunmehr zwei Dekaden anhaltenden Trend zur Regional- und Mikrogeschichte angeregt. Der Perspektivwechsel von der nationalen Ebene zu den regionalen und lokalen Zusammenhängen hat in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse an den Provinz- und Munizipalarchiven in Kuba befördert. Der erstellte Führer trägt den dadurch geweckten Bedürfnissen nach detaillierten Informationen über die Archivlage in den kubanischen Provinzen Rechnung.

In den 15 Kapiteln des Buches werden die Archive der 13 kubanischen Provinzen von Archivaren oder Lokalhistorikern vorgestellt. Das Spektrum reicht von den Regionalarchiven der Provinzhauptstädte bis zu den Munizipalarchiven der wichtigeren Gemeinden. Auch das Netz der Kirchenarchive wird erfasst. Neben diesen klassischen Institutionen werden die Dokumentenbestände von zahlreichen Museen, Bibliotheken, Universitäten und Vereinen vorgestellt. Die große Bandbreite des Unternehmens erlaubt es dem Leser, sich ein Bild von der Archivlage in gänzlich verschiedenen Forschungsbereichen zu machen. Neben Informationen über die klassischen Quellengruppen, wie etwa Stadtratsakten, Geburtenregistern, Gerichts- und Notariatsakten, ist ein Überblick der lokalen Pressearchive ebenso berücksichtigt wie der Einblick in die Dokumentenlage zur Geschichte der kubanischen Kirchenmusik seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts.

Dieses weit gefasste Unternehmen ermöglicht es zum einen die Bestände einer bestimmten Region zu überblicken. Zum anderen ist der Band für etwaige vergleichende oder großräumige Forschungsvorhaben von Nutzen, da die Quellenlage in den verschiedenen Provinzen oder Munizipien im Vorhinein festgestellt werden kann. Hierbei ist es besonders hilfreich, dass die Dokumentationszeiträume der einzelnen Archivserien meistenteils angegeben sind. Dies ist im Falle Kubas von besonderer Wichtigkeit, da die Dokumentationszeiträume aufgrund der politischen Geschichte des Landes oder in Folge des Einwirkens von Naturkatastrophen, Bränden oder klimatischer Faktoren oft in nicht zu erwartender Art und Weise variieren.

Eine hervorzuhebende Besonderheit der im Band wiedergegebenen Archivsituation in Kuba sind die nach der kubanischen Revolution eingerichteten Dokumentenreihen, die nicht zwingend denjenigen anderer Nationen entsprechen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die für einige Provinzen erstellten Serien in Zusammenhang mit der kubanischen Alphabetisierungskampagne der 1960er-Jahre. Diese erlauben für die Mitte des 20. Jahrhunderts einen Einblick in das Leben und die Probleme sozialer Gruppen, zu denen anderenorts eine vergleichbar dichte Überlieferung oft nur schwer zu bekommen ist. Darüber hinaus wurden Archivbestände einer Reihe von US-amerikanischen oder amerikanisch-kubanischen Unternehmen, die nach der Revolution von 1959 verstaatlicht wurden, in die Lokal- oder Provinzialarchive integriert.

Der besondere Vorzug dieses Bandes, der einer Trendwende hin zur Lokal- und Mikrogeschichte folgend konzipiert wurde, liegt in der umfassenden Darstellung der lokalen archivarischen Ressourcen. Dieser Überblick ermöglicht es, für die Zukunft daran zu denken, die Ergebnisse der neueren kubanischen Historiografie komparativ oder synthetisch in größere Zusammenhänge zu stellen.

Für den an Kuba interessierten Historiker oder Sozialwissenschaftler aus Europa ist der Band ein unabdingbares Werkzeug zur Vorbereitung eines jedweden Forschungsaufenthaltes auf der Insel, der die Nutzung von Archiven einschließt. Hilfreich ist hier auch, dass die Adressen der Archive und die verantwortlichen Personen genannt werden. Nichtsdestotrotz sollte sich ein jeder der, sich auf eine Forschungsreise nach Kuba begibt, zuvor mit dem entsprechenden Archiv oder Museum in Verbindung setzen. In einigen sensiblen Bereichen, wie etwa bei den Katastern, ist der Zugang zu den Beständen nicht immer und für jedermann gewährleistet. Ebenso sind vor allem Notariatsakten aus der Zeit vor 1800 so manches Mal wegen ihres schlechten Konservierungszustandes nicht einsehbar.

Redaktion
Veröffentlicht am
12.07.2004
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