P. Béhar u.a. (Hgg.): Spectaculum Europaeum

Cover
Titel
Spectaculum Europaeum. Theatre and Spectacle in Europe. Histoire du Spectacle en Europe (1580-1750)


Herausgeber
Béhar, Pierre; Helen Watanabe-O'Kelly
Reihe
Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, 31
Erschienen
Wiesbaden 1999: Harrassowitz Verlag
Anzahl Seiten
X + 818 S.
Preis
€ 149,00
Maria Gobouleva

Der Band bietet dem Leser eine bemerkenswerte Fülle von Informationen über alle wichtigen Formen und Genres von Theater und Schauspiel im frühmodernen Europa. In der Einleitung ist zu lesen, dass sich die Verfasser bemüht haben, eine Arbeit zu schaffen, "which would sum up our current knowledge with regard to each area of theatre and spectacle", ebenso aber auch die Grenzen dieses Wissens aufzuzeigen (VIII). Das Ziel der Mitarbeiter war das Überschreiten der künstlichen Grenzen, die frühere Forschergenerationen in diesem Bereich gezogen haben.

Die Menge der von den Verfassern und Herausgebern geleisteten Arbeit ist ebenso beeindruckend wie vieles von den Ergebnissen selbst. Die von anerkannten Experten in ihren jeweiligen Forschungsgebieten verfassten Artikel (Pierre Béhar über Dramen im Reich, Helen Watanabe-O'Kelly über Turniere in Europa, Mara Wade über Theater und Feste in Dänemark und Norwegen) bieten hervorragende Analysen sowie genügend Information und skizzieren die Themenfelder, die noch der Erforschung harren. Neben Themen, die lange Zeit im Mittelpunkt des Interesses der Historiker gestanden haben, wie die italienische Oper, die englischen court masques und das französische Ballett, werden auch Bereiche erörtert, die in Studien zur Theatergeschichte weniger oft erscheinen. In dieser Hinsicht ist es ganz besonders lohnend, sich die fünf Beiträge George Gömöris - über das Drama in Polen und Ungarn sowie über die Oper, das Ballett und feierliche Einzüge in Polen - näher anzusehen. Ebenso eröffnen die Studien über Oper in Holland und über Ballett und andere Schauspiele in Schweden neue oder relativ unbekannte Blickwinkel.

Das Buch führt verschiedene Gegenstände zusammen, die zuvor meistens separat behandelt wurden, und erörtert sie von einer einheitlicheren Perspektive. So betrachtet Ruprecht Wimmer die in katholischen und protestantischen Ländern geschriebenen und zur Aufführung gebrachten neolateinischen Dramen als integrale Bestandteile derselben Tradition, und Pierre Béhar untersucht in seinem Beitrag über Dramen im Reich den Einfluss, den das deutsche Theater des 17. und 18. Jahrhunderts auf Russland gehabt hat.

Leider sind nicht nur die von den Autoren behandelten Themen, sondern auch die Qualitäten ihrer Ausführung unterschiedlich. Während sowohl Wimmers Beitrag über das neolateinische Drama und Watanabe-O'Kellys Artikel über Turniere eine brillante Synthese von Material aus verschiedenen Teilen Europas bieten, erschwert in der Sektion über die Oper die Einteilung nach dem nationalen/geographischen Prinzip eindeutig eine allgemeine Analyse. Man kann es nur bedauern, dass anstelle eines Beitrags zur italienischen Oper in Europa dem Leser ein Artikel über "Oper in Italien" angeboten wird, zuzüglich einiger ergänzender, bisweilen oberflächlicher Hinweise zur italienischen Oper in Aufsätzen über andere Länder. Der daraus resultierende, bruchstückhafte Eindruck wird nicht dadurch verbessert, dass die Studie über Oper in Italien von Marie-Thérèse Bouquet-Boyer der Analyse ihrer Komponenten und Struktur sowie ihrer Rezeption durch die Zeitgenossen zu wenig Aufmerksamkeit widmet und außerdem die Existenz einiger größerer Werke zu diesem Thema übersieht, wie z. B. Ellen Rosands "Opera in seventeenth-century Venice".

Insgesamt kann das Buch als eine exzellente Einführung in das Thema des Schauspiels im barocken Europa dienen, sein Wert als Handbuch ist so hoch, wie man es von einem einzelnen Werk, das ein so weit ausgedehntes Forschungsfeld abzudecken sucht, nur erwarten kann. Seine Systematisierung verfügbaren Wissens zu dem Thema und sein geographisch weiter Untersuchungsbereich (von Portugal bis Polen) gehören ohne Zweifel zu den größten Verdiensten dieses Bandes. Die Qualität der Abbildungen ist hervorragend.

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Veröffentlicht am
13.11.2000
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