K. Bremm: Militärstrategie und Eisenbahnen

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Titel
Von der Chaussee zur Schiene. Militärstrategie und Eisenbahnen in Preußen von 1833 bis zum Feldzug von 1866


Autor(en)
Bremm, Klaus J.
Reihe
Militärgeschichtliche Studien 40
Erschienen
München 2005: Oldenbourg Verlag
Anzahl Seiten
295 S.
Preis
24,80
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Alfred Gottwaldt, Abtl. Eisenbahnwesen, Deutsches Technikmuseum Berlin

Allgemein wird der amerikanische Sezessionskrieg von 1861/65 als „erster Eisenbahnkrieg der Neuzeit“ angesehen, ohne dass es zu ernsthafterer Untersuchung der parallel verlaufenen historischen Vorgänge auf dem alten Kontinent gekommen wäre. Nach der bemerkenswerten Schrift von Burkhard Köster über „Militär und Eisenbahn in der Habsburgermonarchie“ und diesbezügliche Aspekte der Eisenbahngeschichte Österreichs, die im Jahre 1999 in derselben Serie erschienenen ist, liegt nun eine weitere „Militärgeschichtliche Studie“ zum 19. Jahrhundert in Europa vor. Das aus einer Potsdamer Dissertation hervorgegangene Buch widmet sich den entsprechenden Entwicklungen in Preußen zwischen Planung der ersten Eisenbahnen um 1830 und dem deutsch-österreichischen Krieg von 1866, in mancherlei Hinsicht sogar noch dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71.

Ehe im Königreich Preußen neben den Soldaten auch Pferde und Geschütze sowie andere Militärfahrzeuge per Eisenbahn befördert werden konnten, bedurfte es erheblicher theoretischer Überlegungen und praktischer Versuche. Zuvor hatte man auf die gut ausgebauten Chausseen als Rückgrat der militärischen Logistik gesetzt; nun krempelten Eisenbahn und Telegrafie durch enorme Beschleunigung die Welt des Militärs von Grund auf um.

Bereits Harkort, Camphausen und List, die Vorreiter eines „deutschen“ Eisenbahnnetzes, sprachen den Staatsverwaltungen von dem militärischem Nutzen dieser Erfindungen, ohne die Militärs sogleich davon überzeugen zu können, doch änderten sich deren Wünsche bald nach dem Bau der ersten Strecken. Angesichts des großen Umfangs des Landes und seines rasch wachsenden, zumeist mit privatem Kapital errichteten Eisenbahnsystems waren schrittweise die militärischen Anforderungen, soweit überhaupt vorhanden, und die Ökonomie der Bahngesellschaften aufeinander abzustimmen.

Die klar gegliederte Arbeit stellt in ihrem ersten Drittel die „konzeptionellen Überlegungen zur militärischen Nutzung der Eisenbahnen in Preußen zwischen 1833 und 1849“ eingehend dar und vergleicht diese sinnvoll mit Vorgängen in den Nachbarländern Frankreich und Österreich. Ihr Hauptteil betrifft zunächst die „organisatorische und operative Bewältigung der Eisenbahnfrage“ in den Schritten von Preußens Bemühungen um ein militärisch nutzbares Eisenbahnnetz in Deutschland bis 1848. Bremm behandelt sodann die Grundlegung für ein Militäreisenbahnwesen in Preußen bis 1864, um sich schließlich dem praktischen Einsatz der Eisenbahnen in den Feldzügen von 1866 zuzuwenden. Überragend war dabei die Rolle des preußischen Generalstabschefs Helmuth von Moltke. Endgültig als eine Angriffswaffe etabliert war die Eisenbahn nach den Erfahrungen des deutsch-französischen Krieges, um dies bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu bleiben.

Die Arbeit stellt ihr Thema gründlich und in sozusagen abschließender Weise dar. Sie wendet sich nicht allein an Leser/innen aus dem akademischen Umfeld, sondern kann auch von interessierten „Laien“ mit Gewinn gelesen werden; sie ist übersichtlich gegliedert und flüssig geschrieben. Eine nützliche Zusammenstellung von biografischen Daten der im Text erwähnten historischen Personen fehlt ebenso wenig wie drei Kartenskizzen von der Entwicklung der Eisenbahnen im preußischen Einflussgebiet. Wenn ein Wunsch offen bleibt, so ist es der nach mehr als den im Buch gebrachten vier Abbildungen zum Thema. Dies betrifft freilich nicht nur die hier anzuzeigende Arbeit; dem standen neben der recht finsteren Quellenlage vor allem die Usancen unserer wissenschaftlichen Publikationsweisen entgegen.

Redaktion
Veröffentlicht am
10.10.2006
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