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Titel
Thesaurus Linguae Latinae (TLL 1).


Herausgeber
N. N.
Erschienen
München 2003: K.G. Saur
Anzahl Seiten
1 CD-ROM
Preis
€ 840,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Roderich Kirchner, Institut für Altertumswissenschaften, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Der Thesaurus linguae Latinae (ThLL) ist das größte und wissenschaftlich renommierteste lateinische Wörterbuch der Welt und umfasst Belege vom Beginn der lateinischen Literatur bis ca. 600 n.Chr. Von der gedruckten Ausgabe sind inzwischen etwa zwei Drittel erschienen, der Buchstabe P wird zur Zeit vervollständigt. Der Verlag K. G. Saur, der das Lexikon seit der Übernahme des Teubner-Verlags herausgibt, hat nun damit begonnen, das Wörterbuch elektronisch verfügbar zu machen, und auf einer ersten CD-ROM (ThLL-1) 33 der bis 2002 erschienenen 154 Lieferungen (Vol. IX, o – ozynosus, und Vol. X, p – pyxis) vereinigt.

Das Programm ThLL-1 ist so konzipiert, dass sich nach Eingabe einer Suchanfrage ein Fenster des Internet Explorers öffnet, in dem die jeweilige Seite des Thesaurus dargestellt wird und auch ausgedruckt oder kopiert werden kann. Sehr vorteilhaft ist, dass man zwischen dem gesamten Artikel, der Übersicht über die enthaltenen Belegstellen und der Darstellung der Artikelstruktur wechseln kann. Auf Dauer verwirrend ist hingegen, dass mit jeder Suche ein neues Fenster geöffnet wird.

Enthalten ist auf der CD-ROM auch der für die Arbeit mit dem Thesaurus unverzichtbare index librorum[1], die Liste der für das Lexikon ausgewerteten Schriften und ihrer Editionen sowie der verwendeten Siglen. Das Inhaltsverzeichnis des Programms ThLL-1 enthält die Überschriften der 228 Seiten der gedruckten Ausgabe des Index. Will man eine Edition oder Sigle nachschlagen, muss man also etwas umständlich die jeweilige Seite heraussuchen. Angezeigt wird jeweils nur eine Seite, ohne dass man direkt weiterblättern könnte. Die Möglichkeiten des Programms scheinen hier bewusst auf diejenigen des Buches reduziert worden zu sein. Sehr nützlich ist dagegen, dass man sich aus einem Artikel heraus die Auflösung einer Sigle anzeigen lassen kann. Leider nicht auf der CD-ROM enthalten ist die Einführung in das Lexikon. [2] Teile von ihr wurden jedoch in die (nur elektronisch verfügbare) Hilfe eingearbeitet.

Mit Hilfe der Schnellsuche des Programms gelangt man unmittelbar zu einer Kolumne bzw. Zeile eines ThLL-Bandes. Maßgeblich ist immer die Paginierung der gedruckten Ausgabe. Die Volltextsuche dient dazu, die gesamten Artikel des Lexikons zu durchsuchen und zwar nicht nur nach den aus den lateinischen Texten angeführten Belegstellen, sondern z.B. auch nach der im Text abgekürzt zitierten Sekundärliteratur und den Erläuterungen. Verschiedene Optionen und Operatoren dienen dazu, eine Suchanfrage einzuschränken und zu präzisieren. Der Rezensent gibt allerdings gerne zu, nicht jede Funktion des Programms verstanden zu haben. So erscheint in der Hilfe unter „Allgemeines zur Sucheingabe“ eine Tilde, deren Zweck verborgen bleibt. Aufgabe der feldbezogenen Suche ist es, nur bestimmte Teile der Artikel in die Suche einzubeziehen. Die Hilfe dazu ist allerdings recht knapp gehalten, und die Funktionen der verschiedenen Suchfelder erschließen sich nicht von selbst. Ein deutlicher Schwachpunkt ist, dass sich die CD-ROM nicht ohne weiteres nach bestimmten Stellenangaben (e.g. CIC. Sest. 145) durchsuchen lässt, da das Feld "Belegstellen" (noch) nicht präzise genug zu arbeiten scheint. [3]

Das Programm führt Suchanfragen deutlich langsamer aus als z.B. die CD-ROM BTL-2 [4] aus dem gleichen Verlag und wirkt manchmal etwas schwerfällig. Der Textbestand scheint sorgfältig in elektronische Form gebracht worden zu sein (aber Vol. IX.2, 581, 56 sq.: "Norden, Alt-Oermanien"). Die Hilfe zum Programm, die merkwürdigerweise in einem Fenster namens New window caption auf den Bildschirm kommt, hat nicht überall die Präzision der gedruckten Einführung in das Lexikon (Anm. 2). So wird z.B. unter "Suchfelder" in der Erklärung des so genannten Artikelkopfs der Eintrag de scriptura als ein Hinweis zur Aussprache anstatt zur Schreibweise deklariert (vgl. Einführung, S. 19). Überhaupt wird die Bedeutung einiger Begriffe im Programm nicht auf den ersten Blick klar. So dient z.B. die Schnellsuche dazu, eine bestimmte Stelle im ThLL direkt aufzuschlagen.

Das Fazit muss daher leider lauten, dass die CD-ROM ThLL-1 deutlich unter dem hohen Niveau ihrer gedruckten Mutter bleibt. Anscheinend muss noch eine Reihe von Kinderkrankheiten durchgestanden werden, bis ein Arbeitsinstrument vorliegt, das präzise erklärt ist, einfach zu bedienen ist und zuverlässig funktioniert.

Anmerkungen:
[1] Thesaurus linguae Latinae (ThLL), Index librorum scriptorum inscriptionum ex quibus exempla afferuntur, editio altera, Leipzig 1990.
[2] Thesaurus linguae Latinae, Praemonenda de rationibus et usu operis, Leipzig 1990.
[3] Auf Nachfrage beim Verlag wurde erklärt, dass die kommende ThLL-2-CD-ROM eine verbesserte Software enthalten werde, was immerhin dafür spricht, dass der Verlag um das Problem weiß.
[4] Tombeur, Paul (Hg.), Bibliotheca Teubneriana Latina CD-Rom (BTL 2), München 2002.

Redaktion
Veröffentlicht am
20.10.2003
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