M. Hartmann: Die Königin im frühen Mittelalter

Cover
Titel
Die Königin im frühen Mittelalter.


Autor(en)
Hartmann, Martina
Erschienen
Stuttgart 2009: Kohlhammer Verlag
Umfang
XXIV, 246 S.
Preis
€ 27,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Stefanie Dick, Universität Kassel

Mit ihrer Abhandlung über die Königin im frühen Mittelalter leistet Martina Hartmann einen nützlichen Beitrag für das Verständnis der Geschichte mittelalterlichen Königinnentums. Neben den eher auf die Erhellung der allgemeinen Lebensbedingungen von Frauen im frühen Mittelalter angelegten Grundlagenwerken von Hans-Werner Goetz aus den 1990er-Jahren[1] und der vor allem das Hochmittelalter fokussierenden Studie von Amalie Fößel[2] ist zwar eine Vielzahl von Einzeluntersuchungen vorgelegt worden, der Versuch jedoch, diese Einzelergebnisse zu einer Gesamtschau zusammenzufügen, ist bislang nicht unternommen worden. Vor diesem Hintergrund stellt das zu rezensierende Werk von Martina Hartmann in der Tat eine "erste Bestandsaufnahme" (S. 4) dar; angesichts der mitunter sehr ungleichmäßigen und dürftigen Überlieferung kein leichtes Unterfangen.

Inhaltlich ist das Buch in zwei große Sinnabschnitte untergliedert. Der erste (S. 5-137) behandelt die Königinnen bei verschiedenen gentes, wobei insbesondere die vergleichsweise stabileren Reichsbildungen in den Blick genommen werden, also jene der Vandalen, Burgunder und Thüringer, der Westgoten, Ostgoten, Langobarden und schließlich der merowingischen sowie karolingischen Franken. Sehr hilfreich sind die den jeweiligen Kapiteln vorangestellten chronologischen Übersichten über die in den untersuchten regna ermittelten Königinnen und Königstöchter, welche einen schnellen Überblick ermöglichen. Dieser erste Teil bietet eine vor allem an der politischen Geschichte orientierte Einordnung der einzelnen Königinnen, die zwar die Königinnengestalten in den Vordergrund stellt, insgesamt jedoch weitgehend den herkömmlichen Darstellungen folgt. Eine methodologische Einordnung in den Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung fehlt bedauerlicherweise.

Der zweite große Abschnitt (S. 138–223) ist stärker analytisch angelegt und behandelt die Stellung und die Aufgaben frühmittelalterlicher Königinnen. Dabei werden folgende Themenbereiche angesprochen: Eheschließung und Ehe, der Hofstaat der Königin und ihre Ausstattung, ihr politischer Einfluss, Königstöchter, Tod, Begräbnis und Bestattungsorte der Königinnen sowie ihr Nachleben. Aufgrund der Quellenlage stehen in diesem Teil, wie die Verfasserin selbst einräumt, die karolingischen Verhältnisse im Vordergrund, zudem könnten "manche Fragen, die Amalie Fößel für die hoch- und spätmittelalterlichen Königinnen behandelt hat, für die frühmittelalterliche Königin nicht beantwortet werden." (S. 138) Das ist sicher zutreffend, nicht zuletzt, weil sich das zur Verfügung stehende Quellenmaterial sehr von dem hoch- und erst recht von dem spätmittelalterlichen unterscheidet. Gerade darin hätte aber auch eine Chance zur Entwicklung eigener Fragestellungen gelegen. Von zentraler Bedeutung wäre hier die im Kontext des von Martina Hartmann postulierten Vergleichs mit den Verhältnissen auf den britischen Inseln aufgeworfene Frage, was die Frau eines Königs eigentlich zur Königin mache (S. 225f.). Auch Beobachtungen, wie etwa jene, dass die Franken verglichen mit den Königsdynastien anderer gentes nur wenige Ehen über die Reichsgrenzen hinaus geschlossen haben (S. 141), die interessanten Überlegungen zur Interventionspraxis in den frühmittelalterlichen Herrscherurkunden (S. 177) und nicht zuletzt der geradezu spektakuläre Befund hinsichtlich der drei erhaltenen merowingischen Königinnensiegel (S. 170) verfügen über weiterführendes Potential. Es bleibt daher zu hoffen, dass diese erste Bestandsaufnahme von Martina Hartmann zu weiteren Forschungen anregen wird.

Dem Buch ist ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis beigegeben, welches zu den einzelnen Königinnen recht umfassendes und aktuelles Material bietet. Im Hinblick auf die darüber hinaus behandelten, unterschiedlichen Aspekte frühmittelalterlicher Geschichte muss die dargebotene Literaturauswahl zwangsläufig etwas eklektisch bleiben. Verschiedene Stammtafeln und ein Personenregister schließen den Band ab.

Anmerkungen:
[1] Hans-Werner Goetz (Hrsg.), Weibliche Lebensgestaltung im frühen Mittelalter, Köln 1991; Ders., Frauen im frühen Mittelalter. Frauenbild und Frauenleben im Frankenreich, Köln 1995.
[2] Amalie Fößel, Die Königin im mittelalterlichen Reich. Herrschaftsausübung, Herrschaftsrechte, Handlungsspielräume, Stuttgart 2000.

Zitation
Stefanie Dick: Rezension zu: : Die Königin im frühen Mittelalter. Stuttgart  2009 , in: H-Soz-Kult, 08.07.2009, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-11890>.