M. Griffin (Hrsg.): A Companion to Julius Caesar

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Titel
A Companion to Julius Caesar.


Hrsg. v.
Griffin, Miriam
Erschienen
Oxford 2009: Wiley-Blackwell
Umfang
XIX, 512 S.
Preis
£ 95,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Andreas Klingenberg, Historisches Seminar I: Alte Geschichte, Universität zu Köln

Iulius Caesar ist sicherlich eine der bekanntesten, wenn nicht die bekannteste Persönlichkeit der antiken Welt. Die Iden des März stellen einen Angelpunkt der römischen Geschichte dar und haben den rasanten Aufstieg des später als Augustus in die Geschichte eingegangenen jungen Mannes ermöglicht.[1] Die Zahl der Titel zu Caesar ist Legion und nimmt weiter zu. Eine der neuesten Erscheinungen[2] ist der von Miriam Griffin herausgegebene Companion zu Julius Caesar, der schon beim ersten Blick in das Inhaltsverzeichnis durch die Namen seiner Beiträger besticht, unter denen sich so arrivierte Forscherpersönlichkeiten wie Ernst Badian, Erich S. Gruen, Barbara Levick, Timothy Barnes, Paul Zanker oder auch Claude Nicolet befinden – um nur einige zu nennen.

Der hier vorzustellende Band ist in fünf Teile gegliedert, die jeweils größere Themenbereiche darstellen sollen. Der erste Teil stellt Caesar biografisch vor. Nach der Einordnung seiner Person in den familiären Kontext der Iulii und ihrer Stellung in Rom (Ernst Badian, S. 11–22) steht der politische Werdegang Caesars im Zentrum (mit Beiträgen von Erich S. Gruen, S. 23–36, John T. Ramsay, S. 37–56, und Jane F. Gardner, S. 57–71). Der letzte Beitrag des narrativen Teils des Companion setzt sich mit den Umständen von Caesars Ermordung auseinander (Andrew Lintott, S. 72–82).

Im zweiten großen Abschnitt werden verschiedenen Facetten von Caesars Persönlichkeit erörtert. Vorgestellt werden zunächst der „General“ (Nathan Rosenstein, S. 85–99) und Caesars Einstellung zur Religion (David Wardle, S. 100–111). Ein wichtiger Beitrag arbeitet das vielschichtige Beziehungsnetz Caesars auf, das seinen Lebensweg überhaupt erst möglich gemacht hat (Catherine Steel, S. 112–125). Nach seinem Charakter und Auftreten (Jeremy Paterson, S. 126–140) wird schließlich seine Rolle als Intellektueller betrachtet (Elaine Fantham, S. 141–156), was zugleich eine Art Überleitung zum nächsten Teil darstellt. Darin werden die Schriften Caesars behandelt, das Bellum Gallicum (Christina S. Kraus, S. 159–174) und das Bellum Civile (Kurt Raaflaub, S. 175–191) sowie die Fortsetzungskapitel aus der Hand anderer Autoren (Ronald Cluett, S. 192–205).

Die Beiträge der vierten Sektion setzen sich mit „Caesar’s Reputation at Rome“ auseinander, also dem Wirken und Nachleben Caesars in der römischen Welt. Den Anfang machen Barbara Levicks Ausführungen zur Rolle, die Caesar für Augustus und die römischen Kaiser spielte (S. 209–223). Gleich mehrere Beiträge nehmen sich der Darstellung Caesars in der kaiserzeitlichen Literatur an. Dabei variiert das Caesarbild bei den Autoren der augusteisch-tiberischen Zeit (Mark Toher, S. 224–238), unter Nero bei Lucan und Seneca (Matthew Leigh, S. 239–251), in den Biographien Plutarchs und Suetons (Christopher Pelling, S. 252–266) sowie bei den kaiserzeitlichen Historikern wie Tacitus und Cassius Dio (Luke Pitcher, S. 267–276). In der Forschung bisher kaum beachtet wurde die spätantike Sicht auf den Dictator, der sich hier Timothy Barnes annimmt (S. 277–287). Um Caesars Bild im Wortsinne geht es dann im letzten Kapitel dieses Hauptabschnitts in Paul Zankers Analyse der Caesarporträts (S. 288–314).

Die Beiträge im fünften und letzten Teil behandeln das Nachleben Caesars vom Mittelalter (Almut Suerbaum, S. 317–334) über die Renaissance (Martin McLaughlin, S. 335–355; Carol Clark, S. 356–370) bis zur Neuzeit. Dabei wird der Bogen von der Rezeption bei Shakespeare und anderen dramatischen Autoren (Julia Griffin, S. 371–398) bis in die Gegenwart gespannt. Unter anderem werden Caesarbild und Caesarrezeption in der Aufklärung (Thomas Biskup, S. 399–409), bei den beiden Napoleons (Claude Nicolet, S. 410–417) und bei den (italienischen) Faschisten und im Kommunismus (Luciano Canfora, S. 431–440) thematisiert. Auf die amerikanische Geschichte gehen die Beiträge von Nicholas Cole (S. 418–430) und Maria Wyke (S. 441–455) ein, wobei letztere sich um die Gegenwart kümmert.

Der Companion als Ganzes vermittelt ein umfassendes Bild von Iulius Caesar, das durch seinen thematisch gegliederten Zugriff weiter reicht, als es bei den meist biographischen Darstellungen möglich ist. Insofern wird der vom Verlag ausgegebene Anspruch der Blackwell Companions, mit jedem Band einen gelehrten und verbindlichen Überblick über einzelne Perioden und die wichtigsten Sachthemen der Antike zu liefern, weitgehend erfüllt.[3] Angelsächsisch knapp beschränken sich die Angaben moderner Literatur auf ein Mindestmaß – Kontroversen haben da oft nur wenig Platz. Die beanspruchte ‚Verbindlichkeit‘ der Aussagen führt indes bisweilen dazu, dass offene Fragen und Kontroversen der Forschung zugunsten einer nivellierten Darstellung nicht thematisiert und dabei die eigenen, meist bereits in anderen Publikationen dargelegten Positionen als sichere Erkenntnis präsentiert werden. Auch wenn dies an manchen Stellen zu kritisieren ist, gilt das glücklicherweise nicht für das Gros der Beiträge; so wird meistens eben nicht nur Altbekanntes nacherzählt, sondern das richtige Maß gefunden, die Darstellung mit einem kritischen Blick auf die Forschung zu verbinden. Eine vollständige Forschungsdiskussion wäre zudem bei der Kürze der Beiträge und der Vielzahl thematisierter Aspekte weder möglich noch sinnvoll, ohne die anvisierte Leserschaft zu überfordern.

Diese Gefahr besteht allerdings auch so: Obwohl die einzelnen Kapitel des ersten Teils jeweils nur einen Abschnitt aus der Lebensgeschichte Caesars behandeln, gleichen sie an manchen Stellen einem Parforceritt durch den Gang der Ereignisse. Dabei stellt sich die Frage, ob jeder Leser den Zusammenhängen dabei ohne Schwierigkeiten zu folgen vermag. Umso wichtiger sind daher die am Ende eines jeden Beitrags aufgeführten Literaturhinweise für ein „Further Reading“. Diese fallen freilich in ihrem Umfang ganz unterschiedlich aus. Entgegen einer gerade im angelsächsischen Raum verbreiteten Tendenz sind – zumindest bei einem Teil der Beiträge – erfreulicherweise nicht nur englischsprachige Titel aufgeführt. Grundsätzlich fällt allerdings im hier vorzustellenden Companion der starke Bezug auf die Person Caesars auf; eine stärkere Einordnung seines Wirkens in den historischen Kontext seiner Zeit hätte manchen Beiträgen nicht geschadet. Dass im selben Verlag bereits ein Companion zur römischen Republik auf dem Markt ist, hat hierbei aber vermutlich auch eine Rolle gespielt.[4]

Auch wenn der kundige Leser sicherlich nicht an allen Stellen zustimmen, manches vermissen oder anders sehen wird, ist der Blackwell Companion to Julius Caesar insgesamt als gelungen zu bezeichnen. Den positiven Gesamteindruck schmälern die erwähnten Monita nicht. Gerade den Rezeptionsteil wird man auch von nicht-studentischer Seite gerne zu Rate ziehen, zumal er substantiell neue Erkenntnisse liefert.[5]

Anmerkungen:
[1] So setzt auch der thematisch anschließende, von David S. Potter herausgegebene Blackwell-Companion (A Companion to the Roman Empire, Oxford 2006) mit dem Jahr 44 v.Chr. ein.
[2] Soeben erschienen ist Wolfgang Will, Caesar, Darmstadt 2009; vgl. auch W. Jeffrey Tatum, Always I am Caesar, Oxford 2008 (ebenfalls bei Wiley-Blackwell).
[3] Vgl. die Kurzbeschreibung des Verlags auf dem Vorsatz des vorliegenden Bandes.
[4] Nathan Rosenstein / Robert Morstein-Marx (Hrsg.), A Companion to the Roman Republic, Oxford 2006.
[5] Am Rande sei hier allerdings erwähnt, dass es sich bei dem Beitrag von M. Wyke um das geringfügig überarbeitete Nachwort des von ihr herausgegebenen Buches ‚Julius Caesar in Western Culture‘ (Oxford u.a. 2006) handelt.

Zitation
Andreas Klingenberg: Rezension zu: Griffin, Miriam (Hrsg.): A Companion to Julius Caesar. Oxford  2009 , in: H-Soz-Kult, 30.11.2009, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-13234>.
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30.11.2009
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