Cover
Titel
Caesar.


Autor(en)
Will, Wolfgang
Erschienen
Darmstadt 2009: Primus Verlag
Umfang
240 S.
Preis
€ 29,90
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Andreas Klingenberg, Historisches Seminar I: Alte Geschichte, Universität zu Köln

Die Beschäftigung mit Caesar scheint derzeit Konjunktur zu haben; das legt zumindest die Zahl der in den letzten beiden Jahren publizierten Monographien bzw. Sammelbände nahe.[1] Nun ist auch ein entsprechender Band aus der Reihe ‚Gestalten der Antike‘ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen. Er stammt aus der Feder des Bonner Althistorikers Wolfgang Will, der sich bereits 1992 mit einer Caesarbiographie als Kenner der Materie ausgewiesen und sich 2008 in einer kleinen Monographie mit ‚Caesars Kunst der Selbstdarstellung‘ auseinandergesetzt hat.[2]

Ein kurzer Abriss der ‚Welt vor Caesar‘ bildet den Auftakt der Darstellung (S. 13–24). Caesar wuchs in einer Zeit auf, in der sich in Rom vieles bewegte: Die Republik befand sich in der Krise, auch wenn damals – trotz aller Klagen über (einzelne) Missstände – keiner an ihren Untergang dachte. Bereits an dieser Stelle tritt ein Aspekt deutlich zum Vorschein, auf den Will in den folgenden Kapiteln immer wieder zurückkommt, nämlich die finanziellen und wirtschaftlichen Verstrickungen der Oberschicht. Über Caesars Kindheit ist nur wenig zu sagen. Wo die antiken Zeugnisse über die Kinder- und Jugendjahre berichten, handelt es sich zumeist um „Gemeinplätze oder Rückprojektionen“ (S. 26) unter dem Eindruck der späteren Biographie Caesars, die vorher niemand erwartet hätte. Will erspart sich daher langatmige Ausführungen, ohne jedoch die entscheidenden Stationen und Ereignisse zu übergehen, die Caesars frühe Jahre geprägt haben. Als besonders einprägsam tritt dabei der Konflikt mit Sulla hervor, denn als Neffe des Marius und Schwiegersohn Cinnas stand Caesar auf der anderen Seite.

Als Außenseiter versteht Will Caesar indes nicht und setzt sich damit direkt, wenn auch unausgesprochen, von Christian Meier ab: „Caesar war durch und durch Beamter, er war kein Revolutionär und schon gar kein Außenseiter“ (S. 43). So tat Caesar zunächst das, was für einen jungen Mann ganz typisch war, der für eine Senatskarriere bestimmt war: Er machte durch spektakuläre Anklagen von sich reden und verdiente sich erste militärische Sporen. Dabei ließ er bei letzterem bereits das Gros seiner Konkurrenten hinter sich, wie auch in der Aufwendung von enormen Summen, die ihm Bekanntheit und Popularität verschaffen sollten. Kurz: die „Addition solcher kleiner Aktivitäten“ (S. 56) war die Basis für Caesars spätere Karriere, die mit dem Jahr 63 v.Chr. die entscheidende Wende erfuhr, wie Will zu Recht herausarbeitet.

In diesem Jahr, unter Ciceros Consulat, begann der Stern Caesars aufzuleuchten. Mit der Wahl zum Praetor für das folgende Jahr und der Kooptation zum pontifex maximus konnte er die Reihe der Hinterbänkler im Senat verlassen. Ob man Suetons Hinweis auf reiche Bestechungssummen wirklich nur als „unfreundliche Worte“ und als Subventionierung der eigenen Klientel verstehen sollte (S. 56), ist aber doch eher fraglich. Zwar waren die Klienten ein wichtiger Adressat des ‚ambitus‘, aber nicht der einzige. Die bei den Wahlen hilfreiche Fürsprache einflussreicher Persönlichkeiten, in erster Linie gestandener Senatoren, wurde jedenfalls nicht selten auch erkauft. Zwar weist Will immer wieder auf die Finanzen der führenden Männer Roms hin, vertieft diesen Aspekt aber kaum.[3] Wen man sich zudem unter der Klientel vorzustellen hat, bleibt für den unbedarften Leser im vorliegenden Buch zugleich etwas unklar. Gerade bei der Behandlung der Catilinarischen Verschwörung und ihrer Vorgeschichte fällt das auf; so habe Caesar Catilina zunächst unterstützt, was Will mit dem Verweis auf die gemeinsame Klientel belegt (S. 62). Die plebs urbana, auf die es hierbei hinausläuft, war vielschichtig genug, daher wären ein paar vertiefende Worte hilfreich gewesen.

Über die Unterstützung Catilinas kann man sich überdies streiten, wenngleich entsprechende Gerüchte einer engeren Beteiligung Caesars auch an dessen späteren Aktivitäten kursierten. Es blieb jedoch nur eine Episode in Caesars Leben, die ihm genauso wenig geschadet hat wie der Bona-Dea-Skandal um Clodius Pulcher, der sich in seinem Haus zutrug. Die weiteren Stationen bis zum Consulat 59 v.Chr. sind schnell erzählt. Der Autor hält sich damit nicht lange auf, zeigt aber deutlich, wie Caesar es verstand, zugunsten seiner Karriere die richtigen Entscheidungen zu treffen und die richtigen Bündnisse einzugehen. Große Bedeutung kam insbesondere dem inoffiziellen Bündnis von Caesar, Pompeius und Crassus zu, das Varro einst als „dreiköpfige[s] Ungeheuer“ bezeichnete (S. 76–80).[4]

Das Ende des Consulatsjahres markierte eine deutliche Zäsur; es „endet die Geschichte des politischen Caesar“ und es „beginnt die des militärischen“ (S. 93). Diese Zäsur spiegelt sich auch im Aufbau des Buches wider. Weniger dem Politiker als vielmehr dem Krieger gilt das Interesse des Verfassers, wie allein der Umfang der Darstellung des Krieges in Gallien und des Bürgerkriegs veranschaulicht (S. 95–162). Erst hiermit habe Caesar weltgeschichtliche Bedeutung erhalten. In diesem Zusammenhang werden zwei Tendenzen besonders deutlich, die auch für den Rest des Buches gelten: Zum einen lässt sich eine gewisse Zahlenvernarrtheit Wills feststellen, die sich in der häufigen, oft nicht hinterfragten Wiedergabe der aus der Antike überlieferten Angaben bemerkbar macht, obwohl sich Will ihrer häufig eher geringen Zuverlässigkeit eigentlich bewusst ist (vgl. S. 106, 123 und 151). Zum anderen ist Wills nüchterne, mitunter schonungslose Betrachtung von Caesars Handeln zu konstatieren, die sich einer Heldenverehrung seiner Person enthält.

Recht knapp fällt dann freilich die Darstellung von Caesars Alleinherrschaft aus. So ist Will der Meinung, „dass ein Programm Caesars über das Ende der Republik hinaus nicht erkennbar ist“ (S. 190). Damit widerspricht sich der Autor mehr oder weniger selbst, denn an anderer Stelle spricht er sich klar für Caesars Streben um die altrömische Königswürde aus (S. 174–176 und 178), über deren Erfolgsaussichten er sich freilich keinen Illusionen hingibt. Die Iden des März setzten dann jedoch allen Plänen ein Ende. Etwas abrupt endet auch die eigentliche Darstellung mit dem Begräbnis Caesars. Die Nachgeschichte bleibt außen vor, stattdessen beschließt ein Abriss von (hauptsächlich zeitgenössischen) Meinungen über Caesar den Text.

Wolfgang Will hat eine solide und gut lesbare, wenn auch unspektakuläre Biographie verfasst. Das Buch stellt zwar keine bloße Überarbeitung der älteren Caesar-Biographie Wills von 1992 dar, es zeigen sich aber verschiedene Parallelen in der Herangehensweise, etwa die Betonung der finanziellen Aspekte. Die Neufassung ist allerdings an manchen Punkten etwas zu knapp geraten. So bleibt auch die Person Caesar streckenweise eher schemenhaft. Im Vorwort liest man das programmatische Urteil, dass man Caesar unmöglich gerecht werden und dementsprechend nur „eine begründete Meinung“ von ihm haben könne (S. 11). Welche Meinung Will indes von Caesar hat, wird dem Leser – zumal in Anbetracht der mit 32 Zeilen nicht gerade ausführlichen abschließenden Würdigung – nicht so ganz deutlich.

Anmerkungen:
[1] Wolfgang Will, Veni, vidi, vici. Caesar und die Kunst der Selbstdarstellung, Darmstadt 2008; Christian A. Caroli, Auf dem Weg zum Rubikon. Die Auseinandersetzungen zwischen Caesar und seinen politischen Gegnern 52–49 v. Chr., Konstanz 2008; Giovanni Cipriani / Grazia Maria Masselli, Giulio Cesare, Napoli 2008; Stephan Elbern, Caesar. Staatsmann - Feldherr – Schriftsteller, Mainz am Rhein 2008; Philip Freeman, Julius Caesar, New York u.a. 2008; William Jeffrey Tatum, Always I am Caesar, Oxford 2008; Giovanni Gentili (Hrsg.), Giulio Cesare. L’uomo, le imprese, il mito, Milano 2008; Miriam Griffin (Hrsg.), A Companion to Julius Caesar, Oxford 2009 (vgl. meine Rezension in H-Soz-u-Kult: Andreas Klingenberg: Rezension zu: Griffin, Miriam (Hrsg.): A Companion to Julius Caesar. Oxford 2009, in: H-Soz-u-Kult, 30.11.2009, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-4-185>); Richard A. Billows, Julius Caesar. The Colossus of Rome, New York u.a. 2009; Martin Jehne, Der große Trend, der kleine Sachzwang und das handelnde Individuum. Caesars Entscheidungen, München 2009. Vgl. außerdem Praxis Geschichte (2009), Heft 1 mit dem Themenschwerpunkt Caesar und ferner Meinhard-Wilhelm Schulz, Caesar zu Pferde. Ross und Reiter in Caesars Kommentarien und in der Germania des Tacitus, Hildesheim u.a. 2009; Monica Matthews, Caesar and the storm. A commentary on Lucan De Bello Civili, Book 5 lines 476–721, Frankfurt am Main u.a. 2008.
[2] Wolfgang Will, Julius Caesar, Stuttgart u.a. 1992; Will, Veni.
[3] In seiner ersten Caesarbiographie von 1992 schenkte Will diesem Punkt weit mehr Aufmerksamkeit, wie vor allem der Anhang zeigt.
[4] App. bell. civ. 2,9 (von Will irrtümlich als 2,33 zitiert: Anm. 30 zu S. 80).

Zitation
Andreas Klingenberg: Rezension zu: : Caesar. Darmstadt  2009 , in: H-Soz-Kult, 18.01.2010, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-13863>.
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18.01.2010
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