M. Klee: Römischer Limes in Hessen

Titel
Der römische Limes in Hessen. Geschichte und Schauplätze des UNESCO-Welterbes


Autor(en)
Klee, Margot
Erschienen
Regensburg 2009: Pustet
Umfang
232 S.
Preis
€ 26,90
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Claudia Sarge, Institut für Archäologische Wissenschaften Abt. II, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Nach der Publikation „Der römische Limes in Bayern“[1] ist nun das Werk „Der römische Limes in Hessen“ im Pustet Verlag erschienen. Das Buch von Margot Klee ist als „Begleiter im Gelände“ (S. 9) gedacht und soll dabei sowohl beschreibende Auskünfte vor Ort bieten, als auch weitergehende Informationen zur Geschichte und Entwicklung der römischen Grenze.

Der erste Teil des Werkes thematisiert den Limes der Provinz Obergermanien (S. 10-35). Margot Klee skizziert dabei einen geschichtlichen Überblick der römischen Grenze, beginnend mit den ersten römischen Aktivitäten und Eroberungen, über die weiteren Grenzverschiebungen und Annexionen bis hin zur Aufgabe der vorderen Limeslinie und den Grenzverschiebungen in der Spätantike.
Mit dem obergermanischen Limes in Hessen speziell befasst sich die Autorin im zweiten Abschnitt des Buches (S. 36-65). Nach einem kurzen Abriss zur Forschungsgeschichte (S. 36-41) wird unter dem Thema „Fakten und Probleme“ die eigentliche Definition des Limes, seine Aufgabe und Funktion, die verschiedenen Ausbauphasen und seine Überformung im Mittelalter beleuchtet. Positiv zu erwähnen ist, dass sich die aktuellen Diskussionen um die Gestaltung der 4. Ausbauphase des Limes in den Phasenbeschreibungen bei Margot Klee kurz niederschlägt.

Seit einigen Jahren kommen dabei verstärkt Überlegungen auf, ob die Palisade wirklich bis zur 4. Ausbauphase Bestand hatte oder nicht vielmehr dann allein Wall und Graben die Grenze bildeten. Auch die Autorin nennt die dafür bisher angeführten Argumente, wie zum Beispiel, dass die Palisade um das Jahr 160 n.Chr. gesetzt wurde und man mit einem Bestand von maximal 30-40 Jahren rechnen kann. Um die Instandhaltung der Palisade über diesen Zeitraum hinaus zu gewährleisten, müssten die verrotteten Pfähle ersetzt worden sein. Bisher ließen sich jedoch derartige Maßnahmen entlang des Limes nicht nachweisen. Darüber hinaus ist zum Beispiel mit einer zunehmenden Holzverknappung zu rechnen wie unter anderem botanische Untersuchungen erkennen lassen.

Letztendlich vertritt die Autorin jedoch ganz klar die traditionellere Auffassung, dass vor dem Wall-Graben-System sich noch stets die Palisade entlang zieht. Dabei führt sie vor allem als Hauptargument an, dass „an den jüngeren Abschnitten wie dem Scharwald am Feldberg-Pass weder Palisade noch Wall und Graben fehlen“. Aber wie auch Margot Klee anmerkt: „Erst weitere Dendrodaten werden zur Klärung dieser Frage beitragen.“ (S.46)[2]

Im Folgeabschnitt des zweiten Teils schließen sich die einzelnen „Bauten an der Grenze“ an (S. 47-65). Dabei bietet Margot Klee als erstes einen sehr schönen Überblick über die Wachttürme in ihrer Funktion, Entwicklung und Ausführung. Selbst der Begleitweg findet seinen Niederschlag in ihren Ausführungen. Anschließend stehen die Kastellanlagen in ihrem Fokus. In einem sehr gut lesbaren und leicht verständlichen Stil beschreibt die Autorin darin „die Garnisonen: Legionslager und Kastelle“ in ihrem Aufbau und ihrer Funktion. Dazu führt sie durch die Anlagen, nennt die einzelnen Gebäude, auch mit ihren lateinischen Namen und erklärt deren Bedeutung. In diesem Rahmen sei vielleicht noch auf eine Kleinigkeit hingewiesen: Nach aktuellem Forschungsstand geht man weniger davon aus, dass die Kaiserstatuen im Fahnenheiligtum aufgestellt waren (S. 55), sondern vielmehr primär in der Querhalle vor dem Fahnenheiligtum oder im Bereich der Kastelltore.[3] Nach der sich anschließenden Aufzeichnung der Vielfältigkeit der Kleinkastelle stehen das obergamanische Heer und seine Truppen im Mittelpunkt der Betrachtung.

Gleich seinem Pendant zum Römischen Limes in Bayern fällt auch bei diesem Werk positiv die Auflistung weiterführender Literatur am Ende der ersten beiden Teile auf. Schade ist lediglich, dass die Nennung der lateinischen Begriffe und die anschließende Übersetzung nicht stringent durchgehalten wird, sondern vielmehr an einigen Punkten auf eine der beiden Bezeichnungen verzichtet wird.

Den eigentlichen Kern des Buches bildet jedoch die Streckenbeschreibung des hessischen Limes „von der rheinland-pfälzischen bis zur badischen Landesgrenze“ (S. 66-199). Dabei sind die einzelnen Strecken mit topographischen Karten versehen, die dem Wanderer erstens einen guten Überblick über die Strecken bieten und auf denen zweitens der Erhaltungszustand von Limes, Türmen und Kastellanlagen verzeichnet ist. Neben der eigentlichen Wegbeschreibung, die oft von Bildern oder Karten begleitet wird, bietet Margot Klee häufig Hinweise auf weiterführende Literatur, Parkmöglichkeiten oder Verbleib der vor Ort gemachten archäologischen Funde. In der Regel sind die Wegbeschreibungen gut verständlich und im Gelände nachvollziehbar, nur gelegentlich sind Hinweise wie „neben der ehemaligen Bobbahn (S. 96) oder Straßenbezeichnungen wie L 3004“ (S. 97) leicht irritierend. Sicher, es handelt es sich insbesondere bei letzterem Beispiel um die offizielle Bezeichnung, aber vielerorts mag die Orientierung im Gelände vielleicht leichter sein, wenn zur Beschreibung Örtlichkeiten mit herangezogen werden und in dem eben genannten Beispiel die Straße als zwischen Schmitten und Oberursel befindlich aufgelöst wird.

Dass die Beschreibungen der verzeichneten archäologischen Stätten nicht in jedem Fall aktuell sind, ist nicht unbedingt das Verschulden der Autorin, sondern mehrfach auf die umfangreichen Rekonstruktionen der letzten Jahre zurückzuführen. Rekonstruiert wurde zum Beispiel das Kleinkastell „Altes Jagdhaus“, welches sich dem Wanderer heute in einem hervorragenden, konservierten Zustand darbietet. Diese Baumaßnahme wurde jedoch erst im Erscheinungsjahr des hier vorgestellten Werkes durchgeführt und kann somit nicht im Buch Niederschlag finden.

Im vierten Teil stellt die Autorin weitere wichtige Militäranlagen und römische Stätten vor, die sich im Hinterland des „Pfahlgrabens“, eine lokale Bezeichnung für den Limes, die Margot Klee oft aufgreift, befinden (S. 200-219). Auch hier liefert die Autorin neben einer kurzen präzisen Beschreibung der einzelnen Orte Hinweise und weiterführende Literatur und meist Abbildungen zu den Befunden und Grundrissen. Den Abschluss des Buches bietet eine Auflistung von „Museen mit Funden vom Limes und seinem Hinterland“ (S. 221-226). Dabei ergänzt die Autorin einige Einträge mit Hinweisen auf das dortige Fundrepertoire.

Margot Klee legt mit diesem Buch ein interessantes Werk vor: In einem gut verständlichen Stil geschrieben, vermag es die Autorin ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Detailbeschreibung und praktischer Anwendung während einer Wanderschaft zu finden. Einen kleinen Wermutstropfen bilden die nicht immer leicht aufzulösenden Abbildungsnachweise und so erkennt wohl nur das Fachpublikum, dass sich hinter „Baatz, Kleinkastelle“ (S. 59) der Aufsatz: Dietwulf Baatz, Zur Funktion der Kleinkastelle am Obergermanisch-Raetischen Limes. In: A. Thiel (Hrsg.), Forschungen am Limes. Beiträge zum Welterbe Limes 2, Stuttgart 2007, S. 8-25, verbirgt. Daneben gibt es gleichfalls einige Abbildungen, deren Ursprung unkorrekt oder gar nicht verzeichnet ist, was insbesondere für das Fachpublikum die Forschungsrecherche erschwert.

Als Fazit lässt sich ziehen: Wer sich für den Limes in Hessen interessiert, erhält mit diesem Buch nicht allein einen Wanderführer, sondern einen sehr guten Ein- und Überblick in die Thematik.

Anmerkungen:
[1] Josef Löffl, Rezension zu: Thomas Fischer / Erika Riedmeier-Fischer (Hrsg.), Der römische Limes in Bayern. Geschichte und Schauplätze entlang des UNESCO-Welterbes. Regensburg 2008, in: H-Soz-u-Kult, 01.12.2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-4-191> (18.11.2010).
[2] Zur Diskussion besonders Egon Schallmayer, Zur Limespalisade im 3. Jahrhundert n. Chr. Funktion und Deutung, in: Saalburg-Schriften 6, Bad Homburg vor der Höhe 2004, S. 29-45; Siehe auch Stephan Bender, Die Doppelpalisade am Limes im Vorfeld des Kastells Arnsburg, in: Saalburg-Schriften 6, Bad Homburg vor der Höhe 2004, S. 47-53.; Dietwulf Baaz, Bemerkungen zur Limespalisade, in: Andreas Thiel (Hrsg.), Neue Forschungen am Limes. Beiträge zum Welterbe Limes 3, Stuttgart 2008, S. 92-103.
[3] Erstmals berechtigte Zweifel daran nennt Hans Ankersdorf, Studien zur Religion des römischen Heeres von Augustus bis Diokletian, Konstanz, Univ. Diss. 1973, S. 73ff., S. 105-106; zuletzt dazu Martin Kemkes, Das Bild des Kaisers an der Grenze. Ein neues Großbronzefragment vom Raetischen Limes, in: Thiel (Hrsg.), Limes, S. 143-144.; Martin Kemkes / Claudia Sarge, Gesichter der Macht. Kaiserbilder in Rom und am Limes. Schriften des Limesmuseum Aalen 60, Stuttgart 2009, S. 144.

Zitation
Claudia Sarge: Rezension zu: : Der römische Limes in Hessen. Geschichte und Schauplätze des UNESCO-Welterbes. Regensburg  2009 , in: H-Soz-Kult, 26.11.2010, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-15079>.
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26.11.2010
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