Titel
Internet für Historiker. Eine praxisorientierte Einführung


Autor(en)
Ohrmund, Andreas; Tiedemann, Paul
Erschienen
Darmstadt 1999: Primus Verlag
Umfang
142 S.
Preis
DM 34,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Bärbel Biste, Humboldt-Universität Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften

Mit 'Internet für Historiker' ist nun also neben Ditfurths gleichnamigen Buch [1] ein zweites deutschsprachiges Buch auf dem Markt, das den Geschichtswissenschaftlern die Welt des Internets näherbringen will. Das Buch ist Teil einer vom Primus Verlag und von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft herausgegebenen Internetreihe, in deren Rahmen elf weitere Bände, u.a. 'Internet für Althistoriker und Altphilologen' sowie 'Internet für Archäologen', erschienen sind.

Die Autoren haben den Anspruch, Historikern eine erste Anleitung für den Einstieg ins Internet zu geben, ihnen die Skepsis vor dem Medium zu nehmen und ihnen zugleich die Einsatzmöglichkeiten des Internets für Historiker aufzuzeigen. Gleichzeitig soll das Buch als praktische Handlungsanleitung für den Einstieg von Computerlaien ins 'Netz der Netze' gedacht sein.

Das Buch ist in drei Teile untergliedert. Im ersten Teil soll - laut Einleitung - in knapper und verständlicher Form in die technischen Grundlagen des Internet eingeführt werden. Im zweiten Teil unternehmen die Autoren den Versuch, wichtige fachbezogene Adressen aus dem Internet systematisch zusammenzustellen und nutzerorientiert zu erläutern. Im dritten Teil widmen sie sich den Grundlagen der Publikation im Internet und dabei insbesondere der Auszeichnungssprache HTML. Zudem enthält die Publikation weiterführende Literatur, ein Glossar mit Fachausdrücken zum Internet und den Hinweis auf einen 'elektronischen Anhang' der über das WWW abrufbar ist.

Mit dem ersten Teil des Buches wollen die Autoren eine allgemeine Einführung zu den technischen Grundlagen des Internets geben. Die Struktur dieses Kapitels ist kurz gesagt verwirrend, denn nach der Geschichte des Internets kommt sofort ein Sprung zu den Hardware- und Softwarevoraussetzungen für den Internetzugang und die Nutzung einzelner Dienste bevor erst im Folgekapitel die Dienste des Internets genannt und ausführlich beschrieben werden. Die im Klappentext angekündigte 'leicht verständliche' Darstellung wird dabei v.a. im Teilkapitel über den Zugang zum Internet mit den Abschnitten Hardware, Systemsoftware und Netzzugang nur selten erreicht. Vielmehr läßt die knappe Darstellung eine wirklich verständliche Klärung von Begriffen für den Leser mit geringen EDV-Kentnissen nur selten zu, denn hier werden Begriffe wie Arbeitsspeicher, Bandbreite o.ä. in den Raum gestellt, die weder im Text noch im Glossar des Buches erläutert werden.

Die Beschreibung der Dienste im letzten Unterkapitel ist recht ausführlich, logisch und in sich geschlossen und bietet dem Einsteiger einen guten Einblick in die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten des Internets. Leider findet sich weder an dieser Stelle noch im Glossar eine Begriffsklärung dafür, was ein Internet-Dienst eigentlich ist. Lohnenswert für Internetneulinge ist in diesem Kapitel jedoch der mehrseitige Abschnitt zu Recherchemöglichkeiten im WWW.

Der Hauptteil des Buches - immerhin 62 Seiten - besteht aus einer kommentierten Auflistung von Internetadressen für Historiker. Hier ist es für den Leser, der weder durch Klappentext noch durch Einleitung oder Vorwort über die Existenz der Internetreihe an sich und somit über die ebenfalls 1999 veröffentlichten Bände für Althistoriker und Archäologen informiert wird, völlig unverständlich, warum man weder eine Zusammenstellung von Links zur Alten Geschichte noch zur Ur- und Frühgeschichte findet. Da sich die Publikation jedoch - laut Titel - an die gesamte Historikergilde richtet, hätte man hier durchaus nochmals Links zu den o.g. Bereichen erfassen müssen.

Zudem kann man, wie auch schon bei Ditfurths Buch, die grundsätzliche und völlig berechtigte Frage stellen, inwieweit kommentierte Internetlinks in Buchform überhaupt sinnvoll sind, zumal die Autoren in der Vorbemerkung zu diesem Kapitel bereits darauf hinweisen, daß dank der Schnellebigkeit des Internets schon beim Kauf des Buches der eine oder andere Link nicht mehr existent oder 'umgezogen' ist.

Über den dritten und im Vergleich zu Ditfurth neuen Teil des Buches sollen die Grundlagen des Publizierens im Internet geklärt werden. Dazu setzen sich die Autoren hauptsächlich mit HTML auseinander. Hier wäre es wesentlich sinnvoller gewesen, die recht detaillierte Beschreibung der Auszeichnungssprache zugunsten einer Beschreibung wichtiger Konverter oder Editoren auf ein Minimum einzuschränken.

Mit Blick auf die Zielgruppe wäre v.a. eine Beschreibung der HTML-Konverter in den von vielen Geisteswissenschaftlern genutzten Programmen MS Word und Corel WordPerfect, die auch bei Redaktionsschluß im Januar 1999 schon integraler Bestandteil der neueren Programm-Versionen waren, notwendig gewesen, da über diese Konverter auch Historikern mit geringen Computerkenntnissen in der Textverarbeitung selbst die Möglichkeit gegeben wird, ihre Publikationen völlig problemlos in ein HTML-Dokument umzusetzen. Statt dessen erhält man einen Hinweis auf von den Autoren erstellte Dokumentenvorlagen für MS Word, die man sich über den elektronischen Anhang downloaden kann. Dabei werden von den Autoren Kenntnisse über die Textverarbeitung erwartet, die, wie die Praxis von EDV-Kursen und -Tutorien gerade in den geisteswissenschaftlichen Bereichen der Universitäten und Hochschulen zeigt, bei vielen Lesern wohl nicht vorausgesetzt werden können. Damit ist dieses Kapitel für die anvisierte Zielgruppe eher nicht geeignet, denn so wird beim potentiellen Leser und dies sind die Studierenden und Lehrenden in den Geschichtswissenschaften, die immer noch weitverbreitete Scheu vor dem Computer an sich und damit auch vor den neuen Medien eher verstärkt als abgebaut.

Auch der elektronische Anhang dürfte Internetneulinge vor Probleme stellen. Über die angegebene URL erreicht man zwar die Homepage der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt, aber nicht automatisch den elektronischen Anhang des Buches. Dieser ist nur über den Link 'Internetreihe' erreichbar. Da aber im Buch nirgendwo herausgestellt wird, daß das Buch Teil einer ganzen Reihe zum Internet ist, dürfte die reine URL-Angabe ohne Verweis auf die Internetreihe einige Leser vor ernsthafte Probleme stellen.

Hat man den Anhang doch erreicht, so ist er für alle Bücher der Internetreihe derselbe. Er enthält Links zu Software (Packer, Virenscanner, Internet-Software) und zu Hilfsmitteln zur Gestaltung von HTML-Seiten. Zu jedem Buch der Reihe gibt es außerdem eine separate Website, die allerdings neben einem einzigen Startlink nur die Kurzbiographien der Autoren sowie eine Aufzählung der Rubriken der im Buch kommentierten Links enthält. Hier sollte man nun ernsthaft die Frage nach dem Sinn einer solchen Seite stellen, denn an dieser Stelle wäre nun der Platz gewesen, an dem man dem Geschichtswissenschaftler eine wirkliche Starthilfe ins Internet hätte geben können. Dazu hätte man sich jedoch die Mühe machen müssen, die im Buch aufgelisteten Links ins Netz zu stellen. So hat die Seite für diejenigen die das Buch bereits erworben haben nicht einmal informativen Charakter.

Alles in allem ist 'Internet für Historiker' zu einem Preis von 34 DM in Anbetracht der billigeren und für die Teile Zugang zum Internet und Internetlinks ausführlicheren Ditfurthschen Alternative für Computer- und Internetlaien nur sehr eingeschränkt zu empfehlen. Lobenswert ist die Intention der Autoren Geisteswissenschaftlern über kommentierte Links zu verschiedenen historischen Bereichen das Internet näherzubringen und den Einstieg in das WWW zu erleichtern. Daß dieses Prinzip über den elektronischen Anhang nicht weiter verfolgt wurde, ist bedauerlich.

Zudem erscheint das Buch in weiten Teilen wie eine Adaption an die anderen Bände der Reihe und läßt damit bis auf den Hauptteil eine klare Ausrichtung auf die Zielgruppe vermissen. Insbesondere für Geisteswissenschaftler mit sehr geringen EDV-Kenntnissen wird die knappe Darstellung zum Netzzugang im ersten und zum Publizieren im WWW im dritten Buchteil nicht ausreichend sein. Historiker mit guten EDV-Kenntnissen werden aber eher auf Fachbücher zu den technischen Teilen zurückgreifen und die kommentierten Linksammlungen i.d.R. bereits aus eigener Nutzung kennen. Daß fast die Hälfte einer kommerziellen Publikation auf der Arbeit der Virtual Community der Historiker aufgebaut ist, darf durchaus zusätzlich zum Nachdenken anregen.

Anmerkung:
[1] Christian von Ditfurth, Internet fuer Historiker, Frankfurt a.M., 2. Aufl. 1999. Siehe zur ersten Auflage des Buches die Rezension von Kai Borschinsky unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensio/buecher/BoKa0398.htm .

Zitation
Bärbel Biste: Rezension zu: : Internet für Historiker. Eine praxisorientierte Einführung. Darmstadt  1999 , in: H-Soz-Kult, 15.02.2000, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-164>.
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15.02.2000
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