M. Schuol u.a.: Grenzüberschreitungen

Cover
Titel
Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum


Hrsg. v.
Schuol, Monika; Hartmann, Udo; Luther, Andreas
Erschienen
Stuttgart 2002: Franz Steiner Verlag
Umfang
415 S., 29 Tafeln
Preis
€ 76,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Marek J. Olbrycht, Department of Interdisciplinary Eurasian Studies, Institute of Oriental Philology, Jagiellonian University Kraków/ Institute of Archaeology, University of Rzeszów; z.Z. Seminar für Alte Geschichte, Universität Münster

Im Jahre 1999 initiierte Josef Wiesehöfer die Einrichtung eines wissenschaftlichen Kreises, dessen Teilnehmer sich sowohl mit der Geschichte der griechisch-römischen Welt als auch mit der des Vorderen Orients beschäftigen. Aus dieser an die bekannten interdisziplinären Achaemenid History Workshops anknüpfenden Initiative erwuchsen jährliche Tagungen (1999 in Plön, 2000 in Innsbruck, 2001 in Berlin und zuletzt 2002 in Halle/Saale), die den Mitgliedern und Teilnehmern des "Orientkreises" die Gelegenheit bieten, neue Erkenntnisse aus ihren Forschungen zu präsentieren und einen anregenden interdisziplinären Austausch zu verwirklichen. Der zu besprechende Sammelband enthält 14 Beiträge, deren Mehrzahl (bis auf drei Arbeiten) auf der Berliner Tagung des "Orientkreises" präsentiert wurde. Angesichts der Fülle an angeschnittenen Themen und Schwerpunkten können in der folgenden Besprechung nur wenige aufgeworfene Fragen und Probleme herausgegriffen werden.

Einen Beitrag zur Verbreitung der Alexander-Überlieferung und -Legende im islamischen Kulturkreis bietet Alexander Demandt (S. 11-21), dabei reicht das Spannungsfeld der Betrachtung von der 18. Sure des Koran bis zu Napoleons Feldzug in Ägypten.

Perspektiven und Grenzen einer Zusammenarbeit zwischen jüdischen Gemeinden und hellenistischem Staat wendet sich Ernst Baltrusch zu (S. 23-33). In den Vordergrund stellt er einen radikalen Umschwung der seleukidischen Politik gegenüber den Juden, die von einer privilegierten Position unter Antiochos III. hin zum Religionsverbot des Antiochos IV. führte. Für die Achaimenidenzeit konstatiert Baltrusch zu Recht, daß das Problem des Status der Juden im persischen Großreich erfolgreich gelöst wurde, indem man Jerusalem eine weitgehende Autonomie zusicherte (S. 26). Dagegen mißlang grundsätzlich die Integration der jüdischen Gemeinwesen in die hellenistischen Reiche. Die Maßnahmen Antiochos' IV. gegen die Juden, deren Motive in der Forschung unterschiedlich bewertet werden, lassen sich wohl besser verstehen, wenn man sie in einen größeren politischen Zusammenhang stellt. Baltrusch erwähnt zwar die zunehmenden Eingriffe in den babylonischen Kult unter Antiochos IV. (S. 29), darüber hinaus wären aber noch weitere Beispiele anzuführen, in denen eine aggressive Haltung der Seleukiden zu den lokalen Heiligtümern zum Ausdruck kam.[1] Nicht einsichtig scheint die Feststellung, zu den Konflikten hätten vor allem die "mangelnde politische Interaktion zwischen Juden und hellenistischem Staat", nicht ein "unüberbrückbarer kultureller Gegensatz zwischen Judentum und Hellenismus" geführt (S. 31). Hierzu stellt sich doch die Frage, ob die angesprochenen Konflikte und die mangelnde Integration nicht eben vornehmlich von kulturellen - und religiösen - Gegensätzen bedingt wurden?

Ausgehend vom numismatischen Material steuert Axel Gebhardt recht einleuchtende Beobachtungen zur spätdomitianischen Ostpolitik bei (S. 35-59). Dabei greift er auf eine - auf der zeitgenössischen römischen Dichtung fußende - Auffassung von N. C. Debevoise (1938) zurück, Domitian habe in seinen letzten Lebensjahren einen großen Feldzug gegen Parthien vorbereitet. Gebhardt beweist überzeugend, daß es in den Jahren 93/94 und 94/95 n.Chr. in mehreren Städten Kilikiens, Syriens und im kappadokischen Caesarea zu einer außergewöhnlichen Häufung der Emissionstätigkeit kam. Unmittelbar darauf wurde die Prägetätigkeit deutlich heruntergefahren und manchenorts sogar eingestellt.[2] Zu Recht sieht hier Gebhardt eine sehr enge Korrelation zwischen städtischen Prägevolumina und der Präsenz römischer Truppen in den jeweiligen Regionen. Dabei wurde öfters die Vergrößerung der Münzprägung einige Zeit vor dem Beginn der geplanten Kampfeshandlungen durchgeführt. Ein solcher Sachverhalt läßt sich deutlich im Falle des Partherkrieges unter Trajan nachvollziehen.[3] Mit Beginn des Jahres 93 erfolgte nach langwierigen Kämpfen eine Stabilisierung der Lage an der Donaugrenze, somit scheint es plausibel anzunehmen, daß Domitian eben damals einen Feldzug gegen Parthien ins Auge faßte und dabei entsprechende Vorbereitungen traf. Angesichts einer Zuspitzung der innenpolitischen Lage in Rom sowie weiterhin aufflammender Spannungen im Donauraum sah sich freilich der Kaiser gezwungen, seine Ostpläne aufzugeben.

In Gebhardts lehreichen Ausführungen vermißt man jedoch zwei relevante Aspekte. Erstens: Die domitianische Politik setzte grundsätzlich die Konzepte Vespasians fort, etwa im umfangreichen Straßenbauprogramm. Militärische Auseinandersetzungen (bellum Commagenicum, 72 n.Chr.) und Spannungen (etwa die parthische Unterstützung für den Pseudo-Nero, 79 n.Chr.) prägten zudem das Bild der römisch-parthischen Beziehungen schon unter Vespasian, ganz zu schweigen vom langjährigen Krieg um Armenien unter Nero, dessen Konsequenzen die Flavier zu überwinden suchten, indem sie auf das Einschränken der parthischen Einflüsse in Transkaukasien zielten. Zweitens: Um die Politik Roms gegenüber Parthien unter den Flaviern ausgeglichen behandeln zu können, sollte man auch die internen Entwicklungen im Arsakidenreich selbst in Betracht ziehen. Es scheint, daß die Dynamik der parthischen Politik unter Vologases I. (50-80 n.Chr.) und Pakoros (78-110 n.Chr.) römische Gegenmaßnahmen erzwang, da das Arsakidenreich damals die Position einer im römischen Osten gefürchteten Großmacht erlangte. Die Zerschlagung der parthischen Macht war dementsprechend das vorrangige Ziel der römischen Ostpolitik sowohl in flavischer als auch in trajanischer Zeit.[4]

Der den orientalischen Parallelen zu den griechischen Gorgo-Darstellungen und dem Perseus-Gorgo-Mythos gewidmete Beitrag von Birgit Gufler (S. 61-81) liefert interessante Zusammenstellungen an Beispielen und Ähnlichkeiten. Als Vergleichsstücke zu den Gorgo-Darstellungen werden vorrangig orientalische Dämongestalten und Masken betrachtet.

In einer umfangreichen und zugleich anregenden Studie wendet sich Peter W. Haider den Glaubensvorstellungen in Heliopolis/ Baalbek zu (S. 83-122). Mit triftigen Argumenten beweist er seine These, daß der Kult in Baalbek grundsätzlich aus dem ägyptischen Heliopolis abzuleiten ist; damit wird die Zuverlässigkeit der einschlägigen Nachrichten bei Lukian von Samosata und Porphyrios von Tyros bestätigt, die von manchen modernen Forschern abgelehnt werden. Nicht zu leugnen sind selbstverständlich hellenistische Einwirkungen sowie lokale syrische Komponenten im Kultbereich Baalbeks. Bei den Ausführungen zur relevanten Frage, wann und unter welchen Umständen die Einführung der ägyptischen Kulte in Baalbek erfolgen könnte, ließe sich aber wohl noch mehr erwarten, als Haider hier auf knappem Raum - im Rahmen eines die Ergebnisse der Arbeit zusammenstellenden Kapitels (S. 114f.) - bietet.

Neue Ansätze zu einem Agathias-Exkurs über Uranius und zur Philosophengesandschaft der athenischen Neuplatoniker im Jahr 532 nach Persien vermittelt Udo Hartmann (S. 123-160). Dabei zeigt er, wie intensiv sich die kulturellen und politischen Kontakte zwischen Persien und Rom im 6. Jh. gestalteten,[5] und bearbeitet anschließend Charakter und Inhalt der bei Agathias greifbaren Vorurteile gegenüber Persien. Der oströmische Historiker entfaltet an manchen Stellen eine scharfe perserfeindliche Polemik. Hartmann beweist jedoch mit stichhaltigen Argumenten, daß der bei Agathias als ein durchaus unzivilisierter Barbar geschilderte persische König Chosroes in der Tat ein an Wissenschaft interessierter Herrscher war; dies belegen vielfach die orientalischen Quellen (S. 145-149).[6] Und trotzdem fanden die aus dem Westen kommenden Neuplatoniker keine weitgehende Unterstützung bei Chosroes und sahen sich bald gezwungen, nach Rom zurückzureisen. Hartmann versucht schließlich die Gründe für ihre schnelle Rückkehr herauszuarbeiten.

Udo Hartmann und Andreas Luther behandeln in einem anregenden Aufsatz Münzen eines orientalischen Herrschers namens wrwd (Worod) und schreiben sie m.E. einleuchtend dem "Herrn" Worod zu, der in Inschriften aus Hatra aus dem ersten Drittel des 2. Jahrhunderts n.Chr. belegt ist. Nicht zwingend ist allerdings die Annahme, die Benutzung der römischen Formel SC auf den Münzen verweise darauf, daß Worod "entweder unter römischer Oberhoheit stand oder freundschaftliche Beziehungen zu Rom unterhielt" (S. 166). Vielmehr ist wohl an eine einfache Imitation römischer Symbole zu denken, zumal sie auf praktisch allen bekannten hatrenischen Emissionen auftauchen.

Mit dem Perser-Nomos des Timotheos beschäftigt sich Irene Huber (S. 169-195). Das Werk aus dem ausgehenden 5. Jahrhundert v.Chr. vermittelt "einen Eindruck von der Instrumentalisierung des Perserbildes zu propagandistischen Zwecken" (S. 169). Hubers Beitrag ist zwar zum großen Teil eine Rekapitulation der verschiedenen Meinungen zu Timotheos' Schrift in der modernen Forschung, stellt jedoch eine wichtige - gleichwohl auch kühne - These auf: Das Werk orientiere sich an den Idealen der konservativ-adeligen Strömungen in Athen ca. 411-404 v.Chr., dabei richte sich "die nationalistische Stimmungsmache des Nomos ... gegen die große Masse an athenischen Sklaven und Metöken" aus Kleinasien (S. 189).

Philip Huyse hat sich der schweren Aufgabe unterzogen, Sprachkontakte und Entlehnungen zwischen dem Griechisch/ Lateinischen und dem Mitteliranischen zu behandeln (S. 197-234). Die Studie soll "einen ersten bescheidenen Überblick verschaffen" (S. 198). Zu den konzisen Ausführungen des Verfassers seien dementsprechend nur einige selektive Anmerkungen angebracht. In manchen Fällen hätten die Ausführungen an Präzision gewinnen können, wenn man auf die vorhandene einschlägige Literatur mehr Rücksicht genommen hätte.[7] Neben dem Wort azáte (Hesych-Glosse, Latte A 1442) wäre noch ein weiterer eng verwandter Terminus anzuführen, und zwar azêtai (Hesych-Glosse, Latte A 1469), dessen Definition bei Hesychios die Konnotationen des Begriffs in parthischem historischem Kontext verdeutlicht. Der bei Ioannes Malalas (Chronographia 270,7ff.) erwähnte Sanatroukios, Sohn des Meerdotes, ist nicht mit dem bei Cassius Dio (36,45,3) belegten "Arsakes" identisch, wie Huyse annimmt (S. 203). Malalas spricht nämlich von einem Herrscher und Heerführer, der zur Zeit Trajans lebte, Dio dagegen von einem in den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts v.Chr. herrschenden König, dessen Name Sinatrukes war.[8] Der Beitrag liefert insgesamt eine Fülle an relevanten Erkenntnissen und wertvollen Einzelbeobachtungen.

Einem interessanten Aspekt für die Frage nach den möglichen Funktionen des Apadana in Susa geht Hilmar Klinkott nach (S. 235-257). Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Gründungsurkunde des Apadana von Susa (DSf), die als Trilingue unter Dareios I. verfaßt wurde. Klinkott analysiert den Aufbau der Inschrift sowie die Material- und Künstlerliste und kommt zu dem Schluß: "Der Apadana war eine materielle Repräsentation des Reiches", analog zu den Völkerlisten (S. 249).

In seinem Beitrag versucht Andreas Luther, "Nachrichten über das Bosporanische Reich bei Horaz" zu finden (S. 259-277). Dabei geht er von der Horaz-Stelle c. 4,15,21-24 aus, in der einige Völker - und zwar qui profundum Danuvium bibunt, die Geten, die Serer, die Perser und schließlich die Tanain prope flumen orti - erwähnt werden. Luther schlägt vor, die Letztgenannten mit den Bosporanern zu identifizieren (S. 261).[9] Er versucht ferner, eine weitere Nennung des Tanais (im 29. Gedicht des 23 v.Chr. publizierten 3. Oden-Buches) in Verbindung mit dem Bosporos zu bringen. Horaz lobt dort die Verdienste des Maecenas in Sorge um den römischen Staat und seinen Anteil an den Geschehnissen bei den Serern, Baktrern und am Tanais discors. Luther bemüht sich, einen "realen Hintergrund" der Nennung der Zwietracht am Tanais zu bestimmen, und erwägt dabei zwei Ereignisse aus der Geschichte des Bosporanischen Reiches - einen Konflikt zwischen Chersonesos und Bosporos sowie die Auseinandersetzungen zwischen dem bosporanischen König Asander und seinem rebellischen Gegner Scribonius.

Die Kohärenz seiner Beweisführung leidet allerdings unter einigen m.E. zu weitreichenden Eingriffen in die Quellenaussagen. Dies kommt etwa zum Ausdruck, wenn die in sich plausible Dio-Passage 42,46,4, die Asander als Statthalter (epítropos) des Pharnakes im Bosporos bezeichnet, widerlegt wird (S. 268). Zweifelhaft scheint ferner Luthers Annahme, Asander sei ein Gegenkönig des Pharnakes schon ab ca. 51/50 v.Chr. in Teilen des Bosporos gewesen (S. 271). Denn daraus würde folgen, daß Pharnakes 47 v.Chr. einen gefährlichen Feldzug gegen römische Besitzungen in Kleinasien zu unternehmen wagte, indem er in der Heimat einen nicht bezwungenen Feind beließ. Während manche Argumente im Beitrag als nicht ganz überzeugend erscheinen, verschafft Luther insgesamt eine anregende und diskussionswürdige Rekonstruktion der Ereignisse im Bosporos und stellt herausragende Kenntnisse der einschlägigen Zeugnisse unter Beweis.

Auf schwieriges Terrain begibt sich Ulf Scharrer, wenn er aus recht bruchstückhaften Quellen die Beziehungen zwischen Nomaden und Seßhaften in Tadmor im 2. Jahrtausend v.Chr. in einem inhaltlich eher zu breit gespannten, knapp 50 Seiten zählenden Beitrag zu rekonstruieren versucht (S. 279-330). Um eine begriffliche Unschärfe zu vermeiden, bemüht sich Scharrer zunächst, einige grundlegende Termini, vornehmlich "Nomaden" und "Stadt", näher zu bestimmen. Erst danach zeichnet er ein Bild der Geschichte Tadmors: Dabei erscheint die Siedlung als wichtige Station auf dem Wege von Mari nach Qatna, die Quellen belegen zugleich das Engagement der Tadmoräer als Händler außerhalb der Oase.

Monika Schuol untersucht die "Überlieferung homerischer Epen vor dem Hintergrund altanatolischer Traditionen" (S. 331-362). Sie versucht - in Einklang mit den Tendenzen der modernen Forschung - neue Erkenntnisse für die Homer-Forschung anhand von Textfunden aus dem Vorderen Orient, vornehmlich aus dem hethitischen, hurritischen und luwischen Bereich zu gewinnen.

In einer umfangreichen Studie befaßt sich schließlich Sören Stark mit den Beziehungen zwischen den Nomaden und Seßhaften am Fallbeispiel der Alttürken (6.-8. Jh. n.Chr.) und versucht eine Art Bestandsaufnahme (S. 363-404), indem er jedoch immer wieder Materialien aus anderen Zeithorizonten anführt. Aufschlußreich sind etwa Starks Beobachtungen über die sogenannten Langen Mauern in Mittelasien, die Schutz vor Nomadeneinfällen bieten sollten (S. 371f.). Per analogiam lassen sich daraus Schlüsse zur Funktion solcher Befestigungsanlagen in antiker Zeit formulieren, etwa für die sog. Antiochos-Mauer in der Margiane bzw. für die lange Mauer in Hyrkania. Einige behandelte Probleme bedürften freilich weiterer Klärung, etwa der Einfluß der geographischen Umwelt auf die nomadische Lebensweise, der mitunter wohl zu stark minimalisiert wird (S. 367).

Das rezensierte Buch ist mit 29 Tafeln bebildert. Da jedoch keine Indices bzw. Register vorliegen, läßt sich der Reichtum des in dem Band Dargebotenen leider nicht leicht erschließen. Insgesamt stellen die Beiträge ein recht eindrucksvolles Ergebnis der Forschungen im Bereich der wechselseitigen Beziehungen zwischen der mediterranen Welt und Vorder- sowie Zentralasien dar. Zugleich markieren sie deutlich, auf welchen Feldern weitere Erkenntnisse erzielt werden können. Mit dem Band haben somit seine in Berlin wirkenden Herausgeber, die Herausgeber der Reihe Oriens et Occidens und der Franz-Steiner Verlag eine inhaltsreiche Sammlung an Beiträgen vorgelegt, die weiterführende Anregungen für die Forschung bieten.

Anmerkungen

[1] Nach seiner Niederlage gegen Rom benötigte Antiochos III. dringend Geld für die Zahlung von Kriegskontributionen an Rom. In diesem Zusammenhang versuchte der König 187 v.Chr., einen Tempel des Bel in der Elymais zu berauben, wurde aber beim Angriff getötet. Die anscheinend pekuniäre Notlage veranlaßte auch Antiochos IV. Epiphanes zu einem Überfall auf einen ebenfalls elymäischen Nanaia-Tempel (164/63 v.Chr.). Der Seleukide wurde geschlagen und starb kurz darauf. Zu diesen Angriffen siehe Boyce, M./ Grenet, F., A History of Zoroastrianism, Vol. 3, Zoroastrianism under Macedonian and Roman Rule (HdO 1. Abt., 8. Bd., 1. Abschn., Lief. 2, Heft 2), Leiden 1991, 40f.; vgl. zuletzt auch Wiesehöfer, J., Synoíkesis und aporía chremáton. Antiochos IV. und die Heiligtümer der Elymais, in: Ehrhardt, N./ Günther, L.-M. (Hrsg.), Widerstand - Anpassung - Integration. Die griechische Staatenwelt und Rom. Festschrift für Jürgen Deininger, Stuttgart 2002, S. 109-120. Auch die wiederholten Plünderungen des Heiligtums von Aine/ Anahitis in Ekbatana durch hellenistische Herrscher, darunter auch durch Antiochos III. (vgl. Polyb. 10,27,12-13), brachten den Seleukiden keinen guten Ruf bei den Iranern ein.
[2] Auf eine Ausdehnung der städtischen Münzproduktion 93/94 und 94/95 n.Chr. in Kilikien hat früher schon R. Ziegler hingewiesen, vgl. etwa seine Studie: Kaiser, Heer und städtisches Geld. Untersuchungen zur Münzprägung von Anazarbos und anderer ostkilikischer Städte (Ergänzungsbände zu den Tituli Asiae Minoris 16), Wien 1993, 89-92.
[3] Vgl. Ziegler, R., Civic Coins and Imperial Campaigns, in: Kennedy, D. L. (Hrsg.), The Roman Army in the East (JRA, Suppl. Ser. 18), Ann Arbor 1996, 119-134, bes. 127-129.
[4] Eingehend wird diese Problematik behandelt in Olbrycht, M. J., Das Arsakidenreich zwischen der mediterranen Welt und Innerasien. Bemerkungen zur politischen Strategie der Arsakiden von Vologases I. bis zum Herrschaftsantritt des Vologases III. (50-147 n.Chr.), in: Dabrowa, E. (Hrsg.), Ancient Iran and the Mediterranean World. Studies in Ancient History. Proceedings of an International Conference in Honour of Professor Józef Wolski (Electrum 2), Kraków 1998, S. 113-159, bes. S. 131-134. Es ist zu vermerken, daß Gebhardt die communis opinio zu Recht kritisiert, während der Regierungszeit Domitians habe "eine zwar gespannte, aber stabile Ruhe" in den römisch-parthischen Beziehungen geherrscht (S. 35). Selbst die Affäre um den sogenannten dritten "Falschen Nero" im Jahre 88/89 brachte Rom und Parthien an den Rand eines Krieges.
[5] Zu den kulturellen Wechselbeziehungen zwischen Rom und Iran, bes. im 6. Jh. n.Chr., siehe zuletzt auch Walker, J. T., The Limits of Late Antiquity: Philosophy between Rome and Iran, in: The Ancient World 33 (2002), S. 45-69.
[6] Agathias diskreditiert auch den vom iranischen König bewunderten Gesandten und Gelehrten aus Rom Uranius als Scharlatan und Trunkenbold. Zu recht widerlegt Hartmann dieses groteske Bild von Uranius - ähnlich wie auch J. T. Walker (wie Anm. 5), 45f.
[7] Vgl. etwa zum Terminus tabêla und analogen Bezeichnungen für Musikinstrumente Nikonorov, V. P., The Use of Musical Percussions in Ancient Eastern Warfare: Parthian and Central Asian Evidence, in: Hickmann, E./ Laufs, I./ Eichmann, R. (Hrsg.), Musikarchäologie früher Metallzeiten. Vorträge des 1. Symposiums der International Study Group on Music Archaeology im Kloster Michaelstein, 18.-24. Mai 1998, Rahden 2000, S. 71-81; Vassilieva, N., Musical Terminology in Pahlavi Writings in Comparison to Music-Archaeological Finds from Ancient and Early Medieval Central Asia, in: ebd., S. 83-86. Zum Sachlichen in Bezug auf das Wort clibanarius vgl. Mielczarek, M., Cataphracti and Clibanarii. Studies on the Heavy Armoured Cavalry of the Ancient World, Lodz 1993, bes. 30-34 und 76-85, und Nikonorov, V. P., Cataphracti, Cataphractarii and Clibanarii: Another Look at the Old Problem of Their Identifications, in: Vilinbakhov, G. V./ Masson, V. M. (Hrsg.), Military Archaeology: Weaponry and Warfare in the Historical and Social Perspective, St. Petersburg 1998, S. 131-138.
[8] Zu diesen Personen vgl. Karras-Klapproth, M., Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung, Bonn 1988, 157f. und 161-163.
[9] Eine solche Interpretation läßt sich nicht ausschließen, scheint jedoch nicht ganz überzeugend, weil es sich doch um sarmatische und z.T. skythische Völker handeln könnte, die direkt am Tanais/ Don bzw. in der Region lebten. Östlich des Tanais/ Don siedelten damals die Aorserstämme und die Siraker, die unter Augustus Kontakte zu Rom unterhielten, vgl. Olbrycht, M. J., Die Aorser, die Oberen Aorser und die Siraker bei Strabon. Zur Geschichte und Eigenart der Völker im nordostpontischen und nordkaukasischen Raum im 2.-1. Jh. v.Chr., in: Klio 83 (2001), S. 425-450, bes. 447; ders., Mithradates VI. Eupator, der Bosporos und die sarmatischen Völker, in: Chochorowski, J. (Hrsg.), Festschrift Tadeusz Sulimirski, Krakow 2002 (im Druck).

Zitation
Marek Jan Olbrycht: Rezension zu: Schuol, Monika; Hartmann, Udo; Luther, Andreas (Hrsg.): Grenzüberschreitungen. Formen des Kontakts zwischen Orient und Okzident im Altertum. Stuttgart  2002 , in: H-Soz-Kult, 23.09.2002, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-1687>.
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23.09.2002
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