Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland

Titel
Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland. Bildung und Kultur


Hrsg. v.
Institut für Länderkunde
Erschienen
Umfang
182 S.
Preis
€ 99,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
PD Dr. Gerd Dietrich, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften

Hiermit sei auf eine faktenreiche Publikation aufmerksam gemacht, die für den Zeithistoriker und Kulturwissenschaftler der Gegenwart von großem Wert ist. Auf der Suche nach Statistiken und Karten, mit denen er in Lehre und Forschung arbeiten kann, sollte er auch nach dem Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland greifen. Doch was ist ein Nationalatlas? Natürlich kein Schul- oder Straßenatlas, sondern ein Kartenwerk, daß es sich zur Aufgabe macht, "ein Land in allen seinen Dimensionen darzustellen. Dazu zählen die natürlichen Grundlagen, die Gesellschafts- und Bevölkerungsstruktur, die Verteilung von Ressourcen, Siedlungen, Verkehrsnetzen und Wirtschaftskraft sowie weitere Elemente der Landesausstattung und Landesentwicklung. Ein Nationalatlas dient der räumlich differenzierten Information über das gesamte Land für seine Bewohner und Gäste, aber auch der Repräsentation eines Landes nach außen. Für diesen ersten deutschen Nationalatlas ist es darüber hinaus ein wichtiges Ziel zu dokumentieren, wie die über 40 Jahre getrennten zwei ehemaligen deutschen Teilstaaten zusammenwachsen."(S.162) Dieses umfangreiche Projekt ist auf zwölf Bände konzipiert, von denen bisher Bd.1 Gesellschaft und Staat, Bd.4 Bevölkerung, Bd.6 Bildung und Kultur, Bd.9 Verkehr und Kommunikation und Bd.10 Freizeit und Tourismus lieferbar sind. Es soll bis zum Jahr 2004 mit weiteren Bänden zu 2. Relief, Boden und Wasser, 3. Klima, Pflanzen und Tierwelt, 5. Dörfer und Städte, 7. Arbeit und Lebensstandard, 8. Unternehmen und Märkte, 11. Deutschland in der Welt und 12. Deutschland im Überblick nebst einem Registerband abgeschlossen werden.

Das Ergebnis des vorliegenden Bandes hat meine Erwartungen überstiegen. Aus einer Vielzahl von thematischen Karten, versehen mit ergänzenden Grafiken und erläuternden Texten entsteht eine fundierte Informationsquelle zu Bildung und Kultur in Deutschland. Der Band ist in sechs große inhaltliche Kapitel untergliedert: Schulische Infrastruktur, Bildungsbeteiligung, Qualifikation und Weiterbildung; Hochschule und Forschung, Kulturelles Leben, Gesellschaft und Kultur sowie Bauen und Kultur. In diesen werden sowohl wichtige Basisinformationen gegeben und die räumliche Differenziertheit der Thematik herausgearbeitet als auch sehr spezielle Fakten geliefert, etwa über die Schulversorgung nationaler Minderheiten oder Kinder und Jugendlicher "fremder Herkunft", über die Verteilung der Dialekte oder der Religionsgemeinschaften, über Mahnmale zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, über Interaktionszentren und Kontaktnetze im Mittelalter oder technische Denkmäler. Über die Zahl und Verteilung von Schulen, beruflicher Bildung, Musikschulen, Fachhochschulen, Universitäten und Akademien wird man ebenso reich in Kenntnis gesetzt wie über Bibliotheken, Orchester, Theater, Kino und Film, Museen und Ausstellungshäuser oder Klöster in Deutschland. - Beachtenswert ist, wie deutlich sich die fünf neuen Bundesländer noch bei einzelnen Themen positiv vom übrigen Bundesgebiet abheben, insbesondere bei Kindergartenplätzen, Beschäftigten mit Berufsabschlüssen bzw. Fach- und Hochschulabschluß, Theater und Orchestern und den Kulturausgaben der Länder und Kommunen. - Ein Überangebot besteht im Atlas allerdings bei Baukunst und Baustilen. Demgegenüber spielen Aspekte der Volks- und Massenkultur eine vergleichsweise geringe Rolle. Mit je nur einer Doppelseite zu Märchen und Sagen bzw. zur Soziokultur und deren Einrichtungen ist dieser Kulturbereich deutlich unterrepräsentiert. Aber vielleicht wird der Mangel im Band zu Freizeit und Tourismus ausgeglichen? Insbesondere was die Freiwilligenarbeit, das Ehrenamt und auch das Sponsoring im kulturellen Leben betrifft, hätte freilich mehr Material erschlossen werden können, um das doch etwas einseitige Bild von der institutionellen Hochkultur und der öffentlichen Kulturfinanzierung aufzulösen. Weitere offen gebliebene Themen werden auf S.21 benannt. Kleinere Mängel und Fehler sollten in der Neuauflage korrigiert werden: So sind bei der Auswahl der Denkmäler und Gedenkstätten Ostberliner Gedenkstätten der Teilung, wie der "Mauerpark" und die Kapelle der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße, nicht erwähnt. Bei der "Wirkungszeit" bedeutender Schriftsteller in Berlin wird einerseits Gottfried Benns Leben in Berlin vor 1945 unterschlagen, andererseits Fritz Rudolf Fries' und Friedrich Wolfs Wirken mit dem Umzug ins Berliner Umland fragwürdig beendet.

Der grafisch ausgezeichnet gestaltete Band, in einem wohl ausgewogenen Verhältnis von Karten, Grafiken, Text und Abbildungen im Format 29 x 35 cm, ist mit einem umfangreichen Quellenverzeichnis weiterführender Literatur sowie einem Sachregister versehen. Im Anhang wird das überzeugende Gesamtkonzept des Nationalatlas vorgestellt. Er ist ebenso als CD-ROM-Ausgabe unter dem Titel: Bundesrepublik Deutschland Nationalatlas erhältlich.

Zitation
Gerd Dietrich: Rezension zu: Institut für Länderkunde (Hrsg.): Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland. Bildung und Kultur. Heidelberg  2002 , in: H-Soz-Kult, 21.11.2002, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-1809>.
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21.11.2002
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