M. van Creveld: Die Zukunft des Krieges

Titel
Die Zukunft des Krieges.


Autor(en)
van Creveld, Martin
Erschienen
Umfang
349 S.
Preis
€ 29,60
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Daniel Hohrath, FB III Geschichte, Universität Trier

Es gilt hier ein ebenso merkwürdiges wie bemerkenswertes Buch zu besprechen.

Krieg und Gewalt, und mit ihnen auch das Militär, sind seit Anfang der neunziger Jahre ins Bewusstsein der deutschen Geschichts- und Sozialwissenschaften zurückgekehrt, nach jahrzehntelanger Abstinenz. Zugleich hat die Frage nach dem Charakter von Krieg in der Zukunft angesichts der weltpolitischen Umwälzungen unzweifelhaft an Aktualität gewonnen, und es wird deutlich, daß sie weder als innermilitärisches Problem von Taktik und Technik den Militärtechnologen überlassen noch unter rein politischen oder schwammigen moralischen Aspekten diskutiert werden sollte. Das Feld zeigt sich bislang unübersichtlich: An die weitgehend abgebrochene wissenschaftliche Tradition deutschsprachiger kriegstheoretischer und militärhistorischer Forschung werden zaghaft sichtbare und unsichtbare Fäden geknüpft, wobei die Rezeption angelsächsischer Diskussionsbeiträge über die Geschichte des Krieges im Vordergrund steht.[1] In diese relativ offene Szenerie paßt nun auch, daß das Buch eines israelischen Militärhistorikers, wenn auch immerhin sieben Jahre nach dem Erscheinen des Originals [2], ins Deutsche übersetzt wurde.

Martin van Creveld, Professor für Geschichte an der Hebrew University Jerusalem, ist einer der produktivsten und provokantesten Vertreter einer heute selten gewordenen Spezies historisch argumentierender "Zivilstrategen" und Militärschriftsteller. Hierzulande einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist allerdings nur seine frühe spektakuläre Vergleichsstudie über die "Kampfkraft" der deutschen Wehrmacht und der amerikanischen Armee im Zweiten Weltkrieg. [3] Seine zahlreichen Arbeiten umfassen Titel über die Geschichte der Logistik, die höhere Führung, die Bedeutung der Technik für die Kriegführung und zuletzt eine Geschichte der israelischen Armee. Auf sein neuestes, nunmehr fast gleichzeitig mit dem Original auf deutsch erschienenes Buch, das in manchen Aspekten das hier zu besprechende weiterführt, wird eine eigene Rezension in H-Soz-u-Kult eingehen.

Mit seiner expliziten Auffassung, daß es für die westlichen Gesellschaften überlebensnotwendig werden könne, zukünftigen kriegerischen Bedrohungen erfolgreich zu begegnen, schärfer formuliert: Kriege zu gewinnen, verstößt Martin van Crevelds Buch a priori gegen den moralischen Comment unserer Öffentlichkeit. Auch seine forschen Formulierungen, die oft von der Faszination zeugen, die er dem Krieg nicht ohne Emphase zuschreibt, werden die Aufnahme dieser Streitschrift nicht eben erleichtern. Daß das Buch gleichwohl voller Ideen und Einsichten steckt, die zu einer überfälligen öffentlichen Diskussion über Militär, Krieg und Politik beitragen können, wird jedoch zu zeigen sein. Die Ansprüche des Autors sind sehr hoch gesteckt: Zunächst will er beweisen, daß der "großangelegte konventionelle Krieg allmählich verschwinden wird". Darüber hinaus aber geht es ihm darum, nicht weniger als das nach seiner Auffassung in der westlichen Zivilisation falsch verstandene "Wesen des Krieges selbst" neu zu erklären, und damit "gegen Clausewitz eine Theorie des Krieges […], die besser zu der Welt paßt, in die wir hineingehen", zu entwickeln (S. 13 f.). Die Ausführung ist, das sei vorausgeschickt, teilweise eindrucksvoll, teilweise wenig überzeugend.

Das Buch beginnt mit einer Beschreibung der gegenwärtigen Situation. Das erste Kapitel "Krieg heute" bietet eine furiose Abrechnung mit der "Atomkriegsstrategie" der Jahrzehnte seit 1945. Mit bissigem Humor zeigt van Creveld den geringen politischen Nutzen, den die Atommächte von ihren Arsenalen hatten und die zumal aus heutiger Sicht geradezu wahnwitzigen Vorstellungen der Strategen, wie mit "Werkzeugen des Massenmords" (S. 30) Krieg geführt werden könne. Die gleichzeitige konventionelle Hochrüstung erwies sich dabei als noch absurder: Ein großer "konventioneller Krieg" zwischen den Atommächten und ihren Bündnissystemen war im Schatten der Bombe letztlich undenkbar. Dies mag freilich die Welt bis heute gerettet haben, zu welchem Preis und unter welchen Risiken und mit welchen Folgen für die Zukunft auch immer.

Der Autor zeigt sich skeptisch: Er konstatiert die kriegsverhindernde Wirkung der nuklearen Abschreckung, aber eben nur in Bezug auf eine bestimmte Art von Krieg. Und hier liegt das Problem: Die tatsächlich geführten Kriege der letzten 50 Jahre sahen ganz anders aus als die, für die die "modernen" Armeen gerüstet wurden: Nur ganz wenige Konflikte seit 1945 lassen sich nach van Creveld als konventionelle Kriege zwischen nach westlicher Norm organisierten Armeen bezeichnen: So noch allenfalls der Koreakrieg, die Kriege Israels gegen seine arabischen Nachbarstaaten, zuletzt der Krieg zwischen Iran und Irak. In der überragenden Mehrheit der Fälle, in denen moderne Staaten mit ihrem Militär und aller denkbaren materiellen und technischen Überlegenheit Krieg führten, taten sie dies gegen in dieser Hinsicht völlig unterlegene Gegner - und verloren gerade hier praktisch immer. Dies zeigt van Creveld nicht nur an den bekanntesten Beispielen, wie dem Scheitern der USA in Vietnam, sondern ebenso an den Debakeln der UdSSR in Afghanistan, aber auch an denen kleinerer Mächte wie Syriens oder Israels im Libanon, Indiens in Sri Lanka.

Im Unterschied zum großen konventionellen Krieg verwendet der Autor den seit einiger Zeit eingeführten Begriff des "Low Intensity War" bzw. "Low Intensity Conflict". Fast alle Kriege seit 1945 seien Low Intensity Conflicts gewesen, und gerade in ihnen starben die meisten Menschen. In dieser Form des Krieges erwiesen sich die vermeintlich Schwachen als unbesiegbar, und des Autors These lautet, dies werde in Zukunft die wichtigste, wenn nicht einzige Form des Krieges sein. Wichtig für seine Argumentation ist, daß das Scheitern konventioneller Streitkräfte nicht primär aus politischen und sozialen (Befreiungsbewegung gegen Unterdrücker usw.) sondern zunächst "aus konkreten militärischen Gründen" (S. 58) zu erklären sei. Gerade die Modernität einer Armee, die sich nicht zuletzt in immer komplexeren und kostspieligeren Waffensystemen äußere, stehe in einem direkten Verhältnis zu ihrer zunehmenden Hilflosigkeit.

Das Problem liege demnach nicht auf einer materiellen, sondern auf einer konzeptionellen Ebene: dem modernen strategischen Denken. In Kapitel II fragt van Creveld "Wer führt Krieg?" und versucht zu zeigen, daß der von Staaten mit regulären Heeren zur Erreichung politischer Zwecke geführte Krieg nur eine räumlich wie zeitlich begrenzte historische Episode gewesen sei, die er als die "Clausewitzsche Welt" bezeichnet. Diese sei gekennzeichnet durch die idealtypische Trennung von Volk, Heer und Regierung, die er die Clausewitzsche Trinität nennt. Sie sei aber allenfalls im Europa des späten 17. bis 19. Jahrhunderts weitgehend verwirklicht gewesen. Der "trinitarische Krieg" sei bereits durch den "totalen Krieg" des 20. Jahrhunderts zerstört worden und werde voraussichtlich durch den "Low Intensity Conflict" als moderne Form des eigentlich in der Menschheitsgeschichte vorherrschenden "nichttrinitarischen" Krieges abgelöst. Das liest sich im süffigen Stil des Autors alles ganz einleuchtend, doch verfängt sich van Creveld hier trotz treffender Beobachtungen in ehrgeizigen Konstrukten, die ihm helfen sollen, Clausewitz als Kriegstheoretiker abzulösen.

In den beiden bisher vorgestellten Kapiteln, die die Exposition für den Rest darstellen, zeigen sich die Stärken und Schwächen des Buches bereits sehr deutlich. Die Stärken van Crevelds liegen in der Breite seines empirisch-historischen Wissens und in der geistvollen und respektlosen Analyse der Kriegsgeschichte; gelegentlich schreibt er hier mit wenig Tiefenschärfe und Ungenauigkeiten im Detail, die ihm allerdings bei einem so umfassenden Ansatz kaum vorgeworfen werden können. Die Schwäche seiner Argumentation tritt vielmehr da zutage, wo er eine neue Theorie des Krieges formulieren will und dies nur im Kampf gegen einen dafür passend zurechtgeschnitzten Clausewitz zu erreichen glaubt. Dies gelingt nur durch gezielte Mißinterpretation von Clausewitz' Denken, das van Creveld, wenn es in seine Argumentation paßt, mal durch Abwertung der historischen Persönlichkeit als "archetypische[r] Stabsoffizier"(S. 13), mal durch Simplifizierung des Werkes als falsch bzw. veraltet hinzustellen versucht. Man darf über diese Vorgehensweise erstaunt sein, hatte sich Martin van Creveld doch noch wenige Jahre vorher als Kenner und Bewunderer des Werkes geäußert. [4]

Im dritten Kapitel, das mit "Worum es im Krieg geht" in der deutschen Fassung mißverständlich betitelt ist ("What war is all about"), beschreibt van Creveld den historischen Wandel und die Bedeutung von Regeln und Konventionen in der Geschichte der Kriege. Gegen die Geringschätzung der Konvention durch die modernen Strategen, die er ebenfalls von Clausewitz herleitet, stellt der Autor ihre konstitutive Bedeutung fest. Sehr anschaulich werden in einzelnen Abschnitten die veränderlichen Normen für die Behandlung von Kriegsgefangenen oder Nichtkombattanten und für erlaubte und verpönte Waffen beschrieben. So stellt die Entwicklung des modernen Völkerrechts, dessen Teil das ius in bello war und ist, für ihn nur eine historische Variante dar. Dem Vorhandensein von Konventionen schreibt van Creveld den Rang einer anthropologischen Konstante zu: "Ohne ein Gesetz, das festlegt, was erlaubt ist und was nicht, kann es keinen Krieg geben" (S. 144).

Kapitel IV "Wie wird Krieg geführt?" bietet einen rasanten Schnellkurs in die Grundlagen strategischen Denkens. Hier ist der Autor in seinem Element, reiht historische Beobachtungen und schlüssige Einsichten in dichter Folge aneinander. Brillante Passagen wie die über den Unterschied von Effektivität und Effizienz und die paradoxe Logik der Strategie machen die Lektüre in jedem Fall lohnend, auch hier stets mit der nötigen Vorsicht im Umgang mit des Autors apodiktischen Gewißheiten über das zeitlose Wesen des Krieges.

Gleich darauf stürzt sich van Creveld unter der Überschrift: "Wofür wird Krieg geführt?" wieder in den Kampf gegen einen irrealen Clausewitz und dessen vermeintlichen Begriff von Politik, den er auf eine Verfolgung rationaler Interessen durch den (modernen) Staat reduziert, um sodann drei Arten "nichtpolitischer" Kriege zu postulieren: Krieg um Recht (in der Übersetzung für "justice" nicht so glücklich: Gerechtigkeit), Krieg um Religion und schließlich Krieg um die Existenz. Jenseits seines Grundansatzes gelingen dem Autor aber auch hier wieder interessante Einsichten in die Wechselwirkungen der Kriegsziele mit den Formen der Kriegführung. So konnte der Rechtscharakter des Krieges in Mittelalter und klassischer Antike zwar Kriegshandlungen begrenzen, zugleich aber radikalisieren, wenn der Feind als zu bestrafender Verbrecher angesehen wurde, was für Krieg aus religiösen Motiven, gegen "Ungläubige", erst recht gelte. Schon ein Gegner, der um Recht und Religion kämpfe, sei möglicherweise zu Anstrengungen und Opfern bereit, die der um "Interessen" kämpfende nicht einsetzen könne. Gehe es für eine oder beide Seiten im Krieg (ob wirklich oder vermeintlich, spielt keine Rolle) um die Existenz, verlören politische und strategische Kosten-Nutzen-Rechnungen ihre Bedeutung: Opfer und Verluste würden nicht nur in jeder Höhe akzeptiert, sondern verstärkten ihrerseits den Willen zum Weitermachen, wie etwa schon die schrittweise Totalisierung der Weltkriege zeige. Hierbei sei zu beachten, daß meistens nur eine Seite um ihre Existenz kämpfe. Wo dies der Fall sei, habe die andere Partei, die nur ein begrenztes Ziel verfolge und dafür nur begrenzte Opfer zu bringen bereit sei (wie Frankreich in Algerien, die USA in Vietnam oder Israel im Libanon), kaum Chancen, einen Krieg zu gewinnen.

Damit ist Martin van Creveld an dem Punkt angelangt, an dem er "den Rahmen traditionellen strategischen Denkens" (S. 233) zu verlassen trachtet. Im Kapitel VI fragt er: "Warum wird Krieg geführt?", und um diese Frage zu beantworten, begibt er sich auf eine letztlich anthropologische Ebene. Er verläßt "den Ort, an dem die Entscheidungen gefällt werden", um nach den Menschen, genauer den Männern, zu fragen, die bereit sind, im Krieg zu kämpfen. "Der Wille zu kämpfen", und zwar letztlich der des Einzelnen, ist für ihn der Dreh- und Angelpunkt des Verständnisses vom Wesen des Krieges. Ob dies über Clausewitz hinausführt, mag füglich bezweifelt werden; allerdings ist es dem Autor gelungen, mit diesem Ansatz zu ebenso provozierenden wie beunruhigenden Einsichten zu kommen.

Zunächst stellt er die bedenkenswerte These auf, daß nicht die Absicht, andere zu töten, sondern die Risikobereitschaft, selbst im Kampf zu sterben, die Grundlage der Beteiligung von Menschen am Krieg darstelle. Der Krieg erscheint so als Spiel mit der Gefahr: "Gefahr ist viel mehr als nur das Medium, in dem sich der Krieg abspielt; aus der Sicht der Teilnehmer wie der Zuschauer zählt sie zu seinen wesentlichen Anziehungspunkten, man möchte sagen zu seiner raison d'être." (S. 243). Demgegenüber sei das risikolose Töten in allen menschlichen Gesellschaften als Mord verachtet, wie selbst die Verachtung des zum legalen Töten bestimmten Henkers zeige. Aus dem daraus resultierenden moralischen Dilemma folgert van Creveld seine Feststellung der paradoxen Unterlegenheit starker Streitkräfte gegen schwächere Gegner im low intensity conflict: während der Schwache in der Wahl seiner Mittel unbeschränkt sei, werde "fast alles, was der Starke tut oder unterläßt, in gewissem Sinne unnötig und daher grausam sein." (S. 257). Dies führe über kurz oder lang, wie alle Beispiele zeigten, zum Zusammenbruch der Überzeugung, im Recht zu sein, damit zu einer Erosion des Kampfwillens und der Kampfkraft und schließlich zur Niederlage klassisch organisierter Armeen in solchen Konflikten.

Im abschließenden Kapitel "Krieg morgen" zieht van Creveld die Folgerungen aus seiner Auffassung vom Wesen des Krieges und versucht Prognosen, die durchaus düsteren Charakter haben: Die Unführbarkeit konventionellen Krieges werde nicht zu dauerhafter Sicherheit beitragen, sondern durch den Aufstieg des low intensity conflict unterlaufen werden. Die Staaten würden das mit ihrer Entwicklung verbundene Gewaltmonopol mit organisierten Armeen nach und nach verlieren, und damit die Grundlage ihrer Existenz, die auf der Sicherheitsgarantie für ihre Bürger beruhe. Andere, nichtstaatliche Gruppierungen unterschiedlichster Art, abhängig von regionalen und kulturellen Voraussetzungen, würden diesen neuen - oder vielmehr für den größeren Teil der Geschichte bestimmenden - Krieg führen, in dem es keine territorialen Fronten und keine Unterscheidung von Militär und Zivilisten gebe. Dieser Krieg werde nicht mehr von Gefechten zwischen Truppen, sondern "von Geplänkel, Bombenanschlägen und Massakern" (S. 303) geprägt sein und "langwierig, blutig und grauenvoll" (S. 310). Da die entscheidende Voraussetzung für Krieg im Willen von Menschen liege, im Kollektiv zu kämpfen, müsse man davon ausgehen, daß die Motivation zum Krieg unterhalb der sich kulturell in Vergangenheit wie Zukunft wandelnden Begründungen liege, daß er an sich gar keiner rationalen Interessen und praktischen Ziele bedürfe. Krieg sei ursprünglich eben nicht Mittel zum Zweck, sondern oft genug selbst der Zweck. "Das Wesen der kriegführenden Einheiten, die für ihn geltenden Konventionen und die Kriegsziele können sich ändern. Der Krieg selbst hingegen ist so lebendig wie eh und je. Folglich werden wie eh und je Gemeinschaften, die den Tatsachen nicht ins Auge sehen und nicht um ihre Existenz kämpfen wollen, aller Wahrscheinlichkeit nach aufgelöst werden." (S. 326).

Es kann nicht die Aufgabe dieser Rezension sein, eigene Hypothesen aufzustellen oder die vom Verfasser angeführten Beispiele durch weitere zu ergänzen oder zu relativieren. Es ist eines jener Bücher, die am besten als "anregend" charakterisiert werden. Die durchgängig zu beobachtende Motivation des Autors durch die Sorge um die prekäre Sicherheitslage Israels mag dem mitteleuropäischen Leser manche Aussagen überzeichnet erscheinen lassen. Dafür verblüfft die Auseinandersetzung van Crevelds mit der deutschen Kriegstheorie und dem deutschen Staatsbegriff des 19. und früheren 20. Jahrhunderts, denen der Autor in höherem Masse verhaftet ist, als er selbst kenntlich macht.

Noch ein paar Bemerkungen zur deutschen Ausgabe: Daß die Übersetzung für die Verhältnisse des deutschen Sachbuchmarktes mit beachtlicher Sorgfalt gearbeitet ist und den Tonfall des Autors trotz manch problematischer Begriffe recht gut trifft, muß man heute schon lobend hervorheben. Über die wenigen Mißgriffe bei militärhistorischen und technischen Formulierungen trösten die erkennbaren Bemühungen der Übersetzer hinweg, an vielen Stellen dem deutschen Nicht-Spezialisten behilflich zu sein. Ärgerlich ist allerdings die schlampige Auswahlbibliographie am Ende des Bandes: Van Crevelds kurze und häufig sehr charakteristische Kommentare zu den Titeln (nur als Kostprobe: zu Peter Parets "Clausewitz and the state" bemerkt der Autor "Clausewitz presented as a pipe-smoking, slipper-wearing, Western strategist") wurden einfach weggelassen. Deutsche Ausgaben werden gelegentlich, aber nur zufällig als Ersatz der zitierten englischen Titel eingefügt, dafür werden viele ursprünglich deutsche Titel und Autoren gar nicht erkannt und unbesehen übernommen, wie etwa C[olmar] von der Goltz, C. (recte Walter!) Görlitz u.v.m. Solches mag als unwichtig erscheinen, aber es schmälert den Nutzen eines Buches, dem allemal eine breite und vor allem kritische Rezeption zu wünschen ist, die eine verläßliche Textgrundlage erfordert.

Anmerkungen:
[1] Einen Anfang machte hier die Übersetzung des Buches von John KEEGAN, Die Kultur des Krieges, Berlin 1995 (engl.: A History of Warfare, London 1993). Als eher journalistisches Produkt des neuerwachten Interesses siehe Cora STEPHAN, Das Handwerk des Krieges, Berlin 1998.
[2] Martin van CREVELD, The Transformation of War, New York 1991. Die inhaltlich identische englische Ausgabe erschien unter dem Titel: On Future War, London 1991.
[3] Martin van CREVELD, Kampfkraft. Militärische Organisation und militärische Leistung 1939-1945, Freiburg 1989 (Einzelschriften zur Militärgeschichte, 31). Zuerst unter dem Titel: Fighting Power. German and U.S. Army Performance, 1939-1945, Westport/Connecticut 1982.
[4] Martin van CREVELD, The eternal Clausewitz, in: Michäl J. HANDEL, Clausewitz and modern strategy, London, Totowa/N.J., 1986, S. 35-50.

Zitation
Daniel Hohrath: Rezension zu: : Die Zukunft des Krieges. München  1998 , in: H-Soz-Kult, 21.03.2000, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-203>.
Redaktion
Veröffentlicht am
21.03.2000
Beiträger
Redaktionell betreut durch
Klassifikation
Epoche(n)
Mehr zum Buch
Inhalte und Rezensionen
Verfügbarkeit
Weitere Informationen
Sprache Beitrag
Land Publikation
Sprache Publikation