C. von Looz-Corswarem: Zwangsarbeit in Düsseldorf

Titel
Zwangsarbeit in Düsseldorf. "Ausländereinsatz" wärend des Zweiten Weltkrieges in einer rheinischen Großstadt


Hrsg. v.
von Looz-Corswarem, Clemens
Erschienen
Essen 2002: Klartext Verlag
Umfang
672 S.
Preis
€ 22,90
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Ralf Blank, Stadtmuseen / Stadtarchiv, Historisches Centrum Hagen

Der von Clemens von Looz-Corswarem in Zusammenarbeit mit Rafael R. Leissa und Joachim Schröder herausgegebene Band ist das Ergebnis eines am Stadtarchiv Düsseldorf koordinierten Projekts. In Düsseldorf hatte die seit 1999 verstärkt öffentlich geführte Diskussion um Entschädigungsansprüche der ehemaligen Zwangsarbeiter zu einem durch den Rat der Stadt geförderten wissenschaftlichen Forschungsprojekt geführt. Wie in vielen anderen deutschen Kommunen wurde damit auch in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt der Einsatz von ausländischen Arbeitskräften erstmalig auf einer lokal- und regionalhistorischen Basis eingehender untersucht und zugleich auch von einer breiten Öffentlichkeit rezipiert. Innerhalb der Forschung besitzt das Thema derzeit immer noch eine gewisse Bedeutung, während die öffentliche Beachtung trotz mehrerer Ausstellungen und Publikationen anscheinend nachgelassen hat.[1]

Rafael R. Leissa und Joachim Schröder verfassten den Hauptbeitrag des Bandes, wobei Schröder das 1. und 2. Kapitel, Leissa das 4. und die beiden Mitherausgeber gemeinsam das 3. sowie 5. Kapitel bearbeiteten (S. 28). Ihre Untersuchung zur Zwangsarbeit in Düsseldorf (S. 19-361) zeigt nahezu sämtliche Aspekte des "Arbeitseinsatzes" und des Alltags der Zwangsarbeiter auf. Die Darstellung beruht auf einer sorgfältigen Erschließung und Analyse der Quellenüberlieferung im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und Stadtarchiv Düsseldorf sowie der Forschungsliteratur. Besonders interessant ist das 2. Kapitel (Organisation, Struktur und Entwicklung des "Arbeitseinsatzes"; S. 41ff.), das auf einer regionalen und lokalen Ebene nachzeichnet, wie die personelle Zusammensetzung, Bürokratie und Administration der so genannten Arbeitsverwaltung funktionierte.

Die ausführliche Beschreibung der administrativen Strukturen und die Organisation des "Arbeitseinsatzes" ist für das Verständnis der internen Abläufe in anderen Kommunen zweifellos ein Gewinn, zumal gerade hier vielfach noch Forschungslücken bestehen. Das 3. Kapitel (Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeitskräfte; S. 126ff.) enthält eine dichte Darstellung unterschiedlicher Aspekte des Alltags und seines von zahlreichen Reglementierungen bestimmten Verlaufs. Im 4. Kapitel (S. 275ff.) greift Rafael R. Leissa das System der Überwachung und Disziplinierung auf, das im wesentlichen von der Gestapo bestimmt wurde. Im Zusammenhang mit der Darstellung zur Gestapo wären etwas ausführlichere biographische Angaben nicht nur über die leitenden Düsseldorfer Gestapo-Mitarbeiter wünschenswert gewesen. Gerade im Bereich des "Ausländereinsatzes" arbeiteten die verschiedenen Referate und Außendienststellen der Gestapo intensiv mit städtischen Dienststellen, Ordnungspolizei und Kripo sowie mit dem firmeninternen Werkschutz und Betriebsleitungen zusammen. Spätestens 1943 war ein dichtes lokales/regionales Netzwerk der Kontrolle, Überwachung, Reglementierung und Verfolgung entstanden, das sich nicht nur für den Bereich der Gestapo-Leitstelle Düsseldorf aufzeigen lässt, sondern tief in kleinstädtische und sogar dörfliche Bereiche hineinreichte.

Die sich für den einzelnen Zwangsarbeiter daraus ergebenden Folgen dokumentiert der Bearbeiter unter anderem durch die Straf- und Verfolgungspraxis. Das in der grundlegenden Studie von Gabriele Lotfi [2] vorgestellte Lagersystem und der dazugehörige Verfolgungsapparat örtlicher Gestapo-Dienststellen im Rhein-Ruhrgebiet wird anhand einer gründlichen Analyse der zum überwiegenden Teil aus dem Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf stammenden Quellen aufgezeigt. Die im Kontext des Zwangsarbeiter-Einsatzes wichtigen Ausführungen über die Arbeit des Sondergerichts Düsseldorf (S. 321-330) belegen den von ideologischen und rassischen Vorstellungen diktierten Umgang der NS-Justiz mit ausländischen Arbeitskräften. Zugleich ergibt sich auch die vollständige Integration der Justizbehörden in den staatlichen Verfolgungs- und Terrorapparat "vor Ort". Allerdings wäre hier zum ergänzenden Vergleich eine Berücksichtigung der Studie von Hans-Eckhard Niermann über den benachbarten Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm sicherlich ein Gewinn gewesen.[3]

Das abschließende 5. Kapitel behandelt die Situation der ausländischen Arbeitskräfte nach ihrer Befreiung im Frühjahr 1945. Für viele "Ostarbeiter" und sowjetische Kriegsgefangene war das Kriegsende nicht unbedingt auch das Ende ihrer oft jahrelangen Leidenszeit. Häufg gerieten sie nach ihrer Rückkehr in die Sowjetunion ins Blickfeld des stalinistischen Verfolgungsapparats, da sie als "Volksverräter" galten bzw. generell der Kollaboration verdächtigt wurden. Dieser in der öffentlichen Diskussion seit 1999 leider ein wenig vernachlässigte Aspekt sowie auch das Schicksal der Displaced Persons (DP) wird von den Autoren eingehend untersucht. Eine kritische Betrachtung erfährt dabei der Umgang zwischen Deutschen und DP's. Das im Gedächtnis von Teilen der deutschen Bevölkerung fest verankerte und - wie die öffentliche Diskussion um die Entschädigung der Zwangsarbeiter immer wieder gezeigt hat - über Generationen tradierte Bild einer angeblich hemmungslosen Kriminalität der DP's, erweist sich jedoch nicht nur in Düsseldorf bei näherer Betrachtung als ein wohl allgemeines Phänomen der frühen Nachkriegszeit. An Plünderungen unmittelbar nach dem Einmarsch der alliierten Truppen beteiligten sich zum Beispiel sowohl deutsche als auch befreite Zwangsarbeiter, wie der Quellenüberlieferung alliierter und deutscher Provinienz zu entnehmen ist. Im Gedächtnis der deutschen Nachkriegsgesellschaft wurde hingegen die Kriminalität in den ersten beiden Jahren nach 1945 vor allem durch "Polen- und Russenbanden" geprägt. Ständige Überfälle, Plünderungen, Raub und Totschlag von Seiten befreiter ausländischer Arbeitskräfte nach Kriegsende gehören ebenso zum Repertoire der mündlich und schriftlich tradierten Erinnerungskultur, wie auch die mitleidvolle Verteilung von Kartoffelschalen und Weissbrot durch besorgte "Volksgenossen" an Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene vor Kriegsende. Auf der anderen Seite begriff die Arbeiterbewegung in West- und Ostdeutschland nach 1945 die ausländischen Arbeitskräfte auch als Mitwirkende in ihrem Kampf gegen den Nationalsozialismus und bezog sie in ihre Historiographie und Gedenkkultur ein. Die unterschiedliche Betrachtung des Einsatzes von Zwangsarbeitern im "Dritten Reich" ist wie die Rezeption der Entnazifizierung und Ahndung von Kriegsverbrechen jedoch keineswegs ein unabhängig voneinander zu betrachtender Aspekt der "Vergangenheitsbewältigung" nach 1945, wie auch die Massenmorde an ausländischen Arbeitskräften in der Kriegsendphase belegen. Mit einer allgemeinen Darstellung zur öffentlichen Rezeption des "Ausländereinsatzes" (S. 349) sowie zur Umsetzung der Entschädigung durch die deutsche Wirtschaft (S. 352), die sich vielleicht etwas mehr auf Regionalbeispiele hätte beziehen sollen, endet der umfangreiche Beitrag von Rafael R. Leissa und Joachim Schröder.

Die nachfolgenden Beiträge des Sammelbandes behandeln den Einsatz von ausländischen Arbeitskräften in unterschiedlichen Firmen. Michael Pützhofen (Stadtwerke Düsseldorf AG) untersucht die Zwangsarbeit bei den Stadtwerken Düsseldorf (S. 363ff.) und dokumentiert ebenso wie der Beitrag von Reinhard Manter über die Rheinische Bahngesellschaft (S. 377ff.) den "Ausländereinsatz" bei öffentlichen "Bedarfsträgern". Beide Artikel zeichnen sich durch eine quellennahe und fundiert geschriebene Darstellung aus. Christian Leitzbach (Zentralarchiv der Rheinmetall AG) untersucht anschließend den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte bei Rheinmetall-Borsig (S. 403ff.), einem der wichtigsten Rüstungsproduzenten der Rheinprovinz. Wolfgang Zengerling (Archiv der Henkel-Gruppe) stellt den Einsatz von "ausländischen Mitarbeitern", so der Titel des Beitrags, bei der Firma Henkel (S. 417ff.) dar. Inhaltlich hinterlassen die Beiträge über Rheinmetall und Henkel als erkennbar "offizielle Stellungnahmen" aus Firmensicht einen etwas zwiespältigen Eindruck, obschon sie sachlich und mit einem nachvollziehbaren Quellenbezug geschrieben wurden.

Bereits in seiner Einleitung (S. 7-17) hat der Herausgeber auf die Problematik der im Sammelband enthaltenen Beiträge über die großen Düsseldorfer Firmen hingewiesen. Sprachgebrauch und Darstellungsart in Bezug auf das Thema "Zwangsarbeit", so Clemens von Looz-Corswarem, orientieren sich häufig an internen Traditionen und Vorgaben der Industrieunternehmen (S. 15). Bei einzelnen Beiträgen handelt es sich um von den Firmenleitungen autorisierte Fassungen, wird in der Einleitung im Kontext des unterschiedlichen Umganges mit dem Thema Zwangsarbeit vermerkt. Der für eine Einleitung in einem Sammelband sicherlich ungewöhnliche Hinweis, dass die Verfasser der jeweiligen Beiträge für ihre Texte selbst verantwortlich sind, umschreibt offenbar ein Problem, mit dem der Herausgeber zu kämpfen hatte.

Der Kern dieser Aussage wird besonders deutlich am Beitrag von Horst A. Wessel (Mannesmann-Archiv) über die "ausländischen Mitarbeiter" in den Düsseldorfer Betrieben der Mannesmannröhren- und der Deutschen Röhrenwerke AG (S. 429ff.). Mit 74 Seiten nimmt dieser Beitrag einen inhaltlich gewichtigen Teil des Sammelbandes ein. Deshalb kommt der Rezensent nicht umhin, diesen Beitrag ausführlicher zu besprechen. Doch die Erwartung, einen dem bisherigen Erscheinungsbild der Studie entsprechend gehaltvollen Aufsatz zu finden, wird leider enttäuscht. Die überwiegend deskriptiven, stellenweise weitschweifigen Ausführungen zeichnen sich entgegen der vom Autor betonten guten Quellenlage (S. 434) durch eine letztlich nicht vertretbare und mangelhafte Belegtechnik aus. Unangenehm fällt auch die unzureichende Quellenkritik sowie die fehlende Rezeption der älteren und neueren Forschungsliteratur auf, sieht man von der singulären Erwähnung der bekannten Studie von Ulrich Herbert und von mehreren Arbeiten des Autors zur allgemeinen Firmengeschichte des Mannesmann-Konzerns ab. Zugleich wäre angesichts der zahlreichen Fotografien in diesem Beitrag unbedingt ein quellenkritischer Hinweis angebracht gewesen, dass es sich um Aufnahmen handelt, die wohl im Auftrag der Betriebsleitung bzw. zum Zweck der Propaganda angefertigt wurden und keinesfalls die realen Lebens- und Arbeitsbedingungen widerspiegeln.[4]

Der Leser kann zudem vielfach nicht nachvollziehen, was vom Autor aus Quellen zusammengefasst wurde oder Autorenwissen bzw. Forschungserkenntnis ist, da in der Regel der Quellennachweis, eine Zitation und der inhaltliche Zusammenhang fehlen. Die 42 Fußnoten des umfangreichen Beitrags wirken stellenweise willkürlich eingestreut und auch deplatziert, wie zum Beispiel auf S. 432 (Anm. 6) und S. 438 (Anm. 11). Wo Belegstellen wirklich notwendig gewesen wären, wie beispielsweise auf S. 454-458 (Bericht des Lagerarztes) und bei allen Tabellen im Beitrag, fehlen sie durchweg. Dagegen liegen auf den Seiten 472 bis 487 für ein Unterkapitel über die "Beschaffung von Bekleidung, Schuhen und Reinigungsmitteln" ungewöhnlich genaue Quellenbelege vor, was auf Grund dieser singulären Erscheinung eine gewisse Irritation hervorruft. Vor allem hätte man den Bericht des "Konzernbeauftragten für die ausländischen Mitarbeiter" (hier Kapitel 2.4ff., S. 490-502) in keinem Fall ohne Quellenbeleg in die fortlaufende numerische Gliederung des Beitrags einbeziehen, sondern als eigenständige Edition ausweisen sollen. Ein derart aufschlussreicher und umfangreicher Bericht ist in Hinblick auf seine inhaltlichen Aussagen selbstverständlich ausführlich zu kommentieren und quellenkritisch zu hinterfragen. Der genannte Bericht zeigt nämlich vieles auf, was eine quellenkritische Analyse sowie eine eingehende Kommentierung eigentlich unerlässlich gemacht hätte. Was der Autor in seiner knappen "Einleitung" (S. 490) und abschließenden "Bewertung" (S. 502f.) tatsächlich leistet, muss mit Befremden zur Kenntnis genommen werden.

Auf Grund solcher methodischen und inhaltlichen Unzulänglichkeiten entsteht der Eindruck, dass die sich stellenweise über mehrere Seiten erstreckenden Ausführungen ein originärer Teil des Beitrags sind, was unter Umständen beunruhigend wirkt. Überhaupt bestürzt die positiv wirkende Darstellung des "Ausländereinsatzes" bei Mannesmann, die nicht zuletzt wohl auch durch die Verwendung von Quellen entstanden ist, ohne diese quellenkritisch zu analysieren und anhand der Forschungsliteratur vergleichend auszuwerten. Dem unbefangenen Leser könnte sich der Eindruck aufdrängen, als wäre der "Arbeitseinsatz" im Mannesmann-Konzern und bei den Deutschen Röhrenwerken für die Betroffenen ein Glücksfall gewesen, da nicht nur an "Sauberkeit", "Ordnung" und guter "Versorgung" kein Mangel war, sondern auch die Behandlung der "ausländischen Mitarbeiter" ausgesprochen zuvorkommend und frei von nennenswerten Problemen ablief. Ein Blick in die Ausführungen auf S. 298ff. des vorliegenden Sammelbandes offenbart jedoch, dass der Arbeits- und Lebensalltag der Zwangsarbeiter bei Mannesmann und in den Deutschen Röhrenwerken keineswegs diesem Zerrbild entsprochen hat. Es ließen sich noch mehr Kritikpunkte anführen, doch soll an dieser Stelle endlich ein Schnitt gemacht werden, um nicht in Details zu versinken.

Bei dem Aufsatz über die Mannesmann-Werke wäre es aus Sicht des Rezensenten unbedingt geboten gewesen, korrigierend und straffend einzugreifen, um ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild innerhalb des Sammelbandes zu gewährleisten sowie einen durchgängigen wissenschaftlichen Standard zu wahren. Die inhaltlich zurückhaltend formulierten, jedoch sachlich vertretbaren Aufsätze über die Stadtwerke Düsseldorf sowie über Rheinmetall und Henkel haben die vorsichtigen Entfaltungsmöglichkeiten aus Firmensicht aufgezeigt.

Ein völlig anderes Bild bieten die nachfolgenden Beiträge von Uwe Kaminsky (Fachgebiet Kirchengeschichte, Universität Marburg) über den "Ausländereinsatz" in evangelischen Einrichtungen in Düsseldorf (S. 505ff.) und von Anne Ostermann (Institut für geschichtliche Landeskunde, Universität Bonn) über die katholische Kirche (S. 527). Beide Aufsätze zeichnen sich durch eine sorgfältige Quellenanalyse, eine nachvollziehbare Belegtechnik und eine anspruchsvolle, gut lesbare Darstellung aus. Die beiden Beiträge lassen erahnen, welchen Umfang der Einsatz von ausländischen Arbeitskräften auch in kirchlichen Einrichtungen einnahm, und vermögen so Anstoß für weitere Regionalstudien zu geben.

Besonders lobenswert und wichtig ist die von Klaudia Wehofen (Stadtarchiv Düsseldorf) erstellte "Lagertopografie" für Düsseldorf, die den Sammelband abschließt. Die Liste unterteilt sich in Lager, Haftstätten und Wohnplätze und enthält insgesamt 402 Belegstellen. Den jeweiligen Einträgen sind teilweise Einzelheiten, wie Anzahl und Nationalität der untergebrachten Arbeitskräfte, Geschichte des Lagers usw. beigegeben. Auf einem dem Sammelband beigefügten Stadtplan von 1941/42 sind die einzelnen Lager farblich markiert. Die Karte vermittelt etwas von dem viel benutzten Begriff der Lager "vor der Haustür" der Düsseldorfer Bevölkerung.

Zusammenfassend liefern die im Sammelband vertretenden Aufsätze eine inhaltlich und fachlich solide aufgearbeitete Geschichte des Einsatzes von Zwangsarbeitern in Düsseldorf. Lediglich der längere Beitrag über die Mannesmann-Werke trübt aufgrund seiner vielen Schwächen den ansonsten positiven Gesamteindruck der Studie. Die Beiträge, vor allem der Hauptbeitrag von Rafael R. Leissa und Joachim Schröder, aber auch die Aufsätze der übrigen Autoren und Autorinnen, hätten möglicherweise durch die Erschließung und Auswertung von Archivalien aus den Beständen des Bundesarchivs, beispielsweise der Kriegstagebücher der zuständigen Rüstungsinspektion und des Rüstungskommandos (Militärarchiv Freiburg i. Br.) oder der Bestände des ehemaligen Berlin Document Center (BDC, Bundesarchiv Berlin), eine Ergänzung gefunden. Auch wäre eine zusammenfassende Darstellung zur Rüstungsproduktion im Raum Düsseldorf sinnvoll gewesen, um zum Beispiel auch weitere wichtige Firmen wie die DEMAG einzubeziehen, das Engagement der Düsseldorfer Firmen auf dem Rüstungssektor und in den politisch-militärischen Wirtschaftsplanungen darzustellen sowie Entwicklungen aufzuzeigen, die teilweise für den verstärkten Einsatz von Zwangsarbeitern in bestimmten Produktionszweigen verantwortlich waren. Ein Höhepunkt im Sammelband ist ganz gewiss die bereits genannte, sorgfältig recherchierte "Lagertopografie", die geradezu den Wunsch nach einer zusätzlichen CD-Edition herausfordert, mit der im schulischen und universitären Unterricht gearbeitet werden kann. Die gute Verarbeitung, das ausführliche Literaturverzeichnis und der übersichtliche Index sprechen des Weiteren für die hohe Qualität des Sammelbandes.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Lokal- und Regionalstudien sind wichtig, um den allgemeinen Forschungsstand und das Wissen um den "Ausländereinsatz" zu erweitern.[5] Doch schon ein kursorischer Überblick über die in den letzten drei Jahren auf regionaler und lokaler Ebene erschienenen Publikationen zur Zwangsarbeit im "Dritten Reich" offenbart ein durchaus differenziertes Bild, was die Qualität und Methodik sowie den Gehalt der jeweiligen Studien betrifft. Der Sammelband zur Zwangsarbeit in Düsseldorf 1939-1945 und der überwiegende Teil der Beiträge besitzen einen für weitere Regionalstudien, nicht nur in Nordrhein-Westfalen, grundlegenden Vorbildcharakter. Als Referenzwerk und Studie für weiterführende Recherchen wird er im Bereich der Forschungsliteratur sicherlich auch langfristig unverzichtbar sein.

Anmerkungen:
[1] Laufende Ausstellungen: Zwangsarbeit in Berlin 1938–1945: <http://www.ausstellung-zwangsarbeit-berlin.de>;
Zwangsarbeit in Rheinland und Westfalen, 1939 – 1945: <http://www.nrw-zwangsarbeit.de>;
Zwangsarbeit im Märkischen Kreis: <http://www.maerkischer-kreis.de/zwangsarbeit/index1.html>;
Zwangsarbeit in der Kirche - am Beispiel des Bistums Limburg: <http://www.hr-online.de/hf/hr1/sonderseiten/zwang.html>;
Fremd- und Zwangsarbeit in Sachsen 1939 – 1945: <http://www.sachsen.de/de/bf/verwaltung/archivverwaltung/>.
Dem fachlichen Informationsaustausch dient die seit über zwei Jahren von Dr. Bernhard Bremberger und Cord Pagenstecher M.A. anerkennenswerterweise betreute Mailingliste NS-Zwangsarbeit <http://hclist.de/mailman/listinfo/ns-zwangsarbeit/>
[2] Gabriele Lotfi: KZ der Gestapo. Arbeitserziehungslager im Dritten Reich, Stuttgart 2000.
[3] Hans-Eckhard Niermann: Die Durchsetzung politischer und politisierter Strafjustiz im Dritten Reich. Ihre Entwicklung aufgezeigt am Beispiel des OLG-Bezirks Hamm [= Juristische Zeitgeschichte 3], Düsseldorf 1995, hier bes. 351ff.
[4] Die Analyse von Fotografien als historische Quellen hat gerade auch im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" einige Fortschritte gemacht; Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.): Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskriegs 1941-1944, Hamburg 2002, hier bes. S. 107ff. Hierzu auch Klaus Hesse; Philipp Springer (Hg.): Vor aller Augen. Fotodokumente des nationalsozialistischen Terrors in der Provinz, Essen 2002.
[5] Ulrich Herbert: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des "Ausländer-Einsatzes" in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn 1985 (Neuauflage 1999); Mark Spoerer: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939-1945, München 2001; Andreas Heusler: Ausländereinsatz. Zwangsarbeit für die Münchner Kriegswirtschaft 1939-1945, München 1996.

Zitation
Ralf Blank: Rezension zu: von Looz-Corswarem, Clemens (Hrsg.): Zwangsarbeit in Düsseldorf. "Ausländereinsatz" wärend des Zweiten Weltkrieges in einer rheinischen Großstadt. Essen  2002 , in: H-Soz-Kult, 11.02.2003, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-2446>.
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11.02.2003
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