: Das Projekt Futurologie. Über Zukunft und Fortschritt in der Bundesrepublik 1952–1982. Paderborn : Ferdinand Schöningh  2019 ISBN 978-3-506-78549-7, 412 S., 15 SW-Abb. € 69,00.

Kampmann, Christoph; Marciniak, Angela; Meteling, Wencke (Hrsg.): „Security turns its eye exclusively to the future“. Zum Verhältnis von Sicherheit und Zukunft in der Geschichte. Baden-Baden : Nomos Verlag  2018 ISBN 978-3-8487-4463-3, 421 S. € 89,00.

Bernhardt, Markus; Blösel, Wolfgang; Brakensiek, Stefan; Scheller, Benjamin (Hrsg.): Möglichkeitshorizonte. Zur Pluralität von Zukunftserwartungen und Handlungsoptionen in der Geschichte. Frankfurt am Main : Campus Verlag  2018 ISBN 978-3-593-50807-8, 365 S. € 39,95.

Rezensiert für H-Soz-Kult von
Heinrich Hartmann, Departement Geschichte, Universität Basel / Historisches Kolleg, München

Die vergangene Zukunft ist gegenwärtig wie nie. Die Historisierung von Konzeption, gesellschaftlicher Relevanz und methodischer Umschreibung des Zukünftigen ist en vogue – und das nun schon seit Jahren.[1] Unschwer ist dabei zu erkennen, wie sich die Trends der historischen Forschung in der Herangehensweise an diesen Gegenstandsbereich spiegeln. Nach der eher geschichtstheoretischen Annäherung, die sich mehr oder minder stark an Reinhart Kosellecks Frage nach der „vergangenen Zukunft“[2] angelehnt hatte, etablierte sich die Forschung zur Historizität des Zukünftigen, der damit verbundenen Unsicherheiten und den Strategien, diese abzusichern, als Thema einer neuen Gesellschaftsgeschichte. Die Geschichte der Planung als zentraler Herrschaftstechnik der Moderne, die konstruktivistische Perspektive auf Expertenwissen und die Konjunkturen der Wissensgeschichte im letzten Jahrzehnt, die Analyse ökonomischer Institutionen und die damit eng verbundene Kontingenzforschung haben alle dazu beigetragen, dass die Geschichte der Zukunft – oder präziser: die Geschichte der gesellschaftlichen Umschreibungen des Zukünftigen – heute zu den etablierten Feldern der Geschichtswissenschaften gehört.

Untrügliches Zeichen hierfür ist es, dass diese Themen inzwischen prominent in den Projektverbünden der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), aber auch des European Research Council (ERC) und anderer Wissenschaftsagenturen angekommen sind.[3] Ein zentrales Ergebnis dieser Forschungen ist die enge Korrelation zwischen gesellschaftlichen Unsicherheiten in Zeiten von Umbrüchen sowie dem Bedürfnis nach Zukunftswissen und Planung. Die historiographische Konjunktur dieser Themen ist kaum ohne die aktuelle Frage nach der Bewältigung von Risiken in unsicheren Zeiten zu denken – auch wenn solche historiographischen Reaktionen in Anbetracht der retardierenden Wirkung von Antragsverfahren, intensiven Forschungen und langwierigen Publikationslaufzeiten wohl eher durch die initialen Schocks des 21. Jahrhunderts ausgelöst wurden, wie dem 11. September 2001 und der Finanzkrise ab 2007/08, als durch die jüngsten Unsicherheitsszenarien in Zeiten von Trump, Brexit und den Erosionserscheinungen demokratischer Kultur.

Selbst in dieser Konjunktur der Zukunftsthemen sticht das Publikationsjahr 2018/19 noch einmal besonders heraus.[4] Mit dafür verantwortlich zeichnen unter anderem die bereits erwähnten DFG-Forschungsverbünde. Von den drei hier zu besprechenden Publikationen sind zwei in einem solchen Kontext entstanden (abgekürzt als Möglichkeitshorizonte aus dem Graduiertenkolleg 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage“ sowie abgekürzt Sicherheit und Zukunft aus dem Sonderforschungsbereich/Transregio 138 „Dynamiken der Sicherheit“). Ergänzt werden diese beiden Publikationen durch Achim Eberspächers kürzlich als Buch erschienene Dissertation zum „Projekt Futurologie“. Die Möglichkeitshorizonte richten das Augenmerk auf subjektive Kontingenzerfahrungen, als Bewusstsein vergangener und zukünftiger Unsicherheit sowie der hieraus erwachsenden Handlungsmöglichkeiten und individuellen Gestaltungsspielräume. Explizit verhandelt der Band dabei die Frage der Periodisierung von subjektiven Wahrnehmungen des Zukünftigen, indem er die klassische Deutung, dass in vormodernen Gesellschaften das Zukünftige passiv erlitten worden sei, während moderne Gesellschaften Zukunftserwartungen zu einem Ausgangspunkt kollektiven Handelns gemacht hätten, in Frage stellt. Dieser These setzt der Band den Versuch entgegen, die Gestaltung des Zukünftigen nach sozialen Gruppen und ihren je spezifischen Erwartungen zu differenzieren. Die damit verbundenen Handlungsmöglichkeiten gehen allerdings, so unterstreichen die Herausgeber in ihren knapp gehaltenen einleitenden Bemerkungen, bei weitem nicht immer auf explizite Bekundungen der Akteure zurück, sondern sind viel häufiger nur verdeckt und vermittelt zu finden und erfordern damit oft praxeologischen Spürsinn.

Im Gegensatz zur methodischen Knappheit der Möglichkeitshorizonte bietet der Band Sicherheit und Zukunft eine reiche und ausführliche Einleitung der Herausgeber/innen. Zudem beschäftigen sich auch einige Beiträge mit den eher methodischen Dimensionen der Untersuchung des Zukünftigen in der Geschichte (insbesondere die Aufsätze von Achim Landwehr und Angela Marciniak). Allerdings rückt der Band mit dem Konzept der Versicherheitlichung des Zukünftigen auch eine Dimension in den Mittelpunkt, die erklärungsbedürftiger ist als das seit Institutionalismus und Systemtheorie in den Gesellschaftswissenschaften fest etablierte Nachdenken über Kontingenzen. In Anlehnung an Niklas Luhmann verfolgt das Buch den Prozess, durch den die „sichere Erwartbarkeit von Erwartungen“ erzeugt wird. Auch dieser Band formuliert seine Fragen dabei disziplin- und epochenübergreifend.

Achim Eberspächers Studie nimmt hingegen eine Perspektive auf die Zukunft ein, die man als klassisch-innovativ bezeichnen kann. Klassisch, da sie der Verwissenschaftlichungsthese folgt und die Zukunft dort sucht, wo sie explizit von der Wissenschaft entdeckt wurde, beziehungsweise das wissenschaftliche Interesse an der Gestaltung der Zukunft seinen Höhepunkt erreichte: in der frühen Nachkriegszeit bis zum Beginn der 1980er-Jahre. Für diese Zeit werden vor allen Dingen die Protagonisten einer deutschen Futurologie untersucht – Ossip Flechtheim, Robert Jungk und Karl Steinbuch – sowie die drei „Nebendarsteller“ Fritz Baade, Georg Picht und Carl Friedrich von Weizsäcker (deren Zugehörigkeit zum wissenschaftlichen Feld der Futurologie allerdings weit weniger evident ist).[5] Innovativ wiederum, da Eberspächer mit seinem klaren Schwerpunkt auf den deutschen Futurologen die Gefahr umgeht, das Feld zu schnell als reines Subkapitel des Kalten Krieges oder als Nebenprodukt des so häufig angeführten militärisch-technologischen Komplexes zu beschreiben. Stattdessen untersucht er in seinem Buch eigene wissenschaftliche Traditionen einer deutschen Zukunftsforschung.

Alle drei vorgestellten Publikationen fügen dem oben skizzierten, etablierten Feld der Geschichtsschreibung der Zukunft neue Elemente hinzu und erweitern unsere Perspektiven. Im Folgenden sollen einige Themen aufgeführt werden, die in dieser Hinsicht erwähnenswert scheinen und die zugleich zeigen, an welchen Punkten diese Publikationen auf Möglichkeiten für weitere Forschungen verweisen.

Zeitliche Dimension

Teils explizit, teils implizit stellen die beiden zu besprechenden Sammelbände die zeitliche Ordnung in Frage, die dem Narrativ der historischen Zukunftsforschung seit der Fokussierung auf Expertenwissen und den Fragen nach der „Verwissenschaftlichung des Sozialen“ (Lutz Raphael) oft zu Grunde gelegt wird. Die Bände gewinnen Abstand zu einer rein wissen(schaft)sgeschichtlichen Perspektive, die das Feld – aus guten Gründen – in den letzten Jahren dominiert hat. Die Möglichkeitshorizonte integrieren eine ganze Reihe von Forschungsperspektiven aus der Alten Geschichte; Sicherheit und Zukunft enthält etwa ebenso viele Beiträge aus Mittelalter und Früher Neuzeit. Beide Sammelbände belegen überzeugend, dass es keine Zeit gab, in der die Zukunft einfach als geschlossen wahrgenommen wurde, das heißt als ein externes Datum. Stattdessen ist die Gestaltung der Zukunft ein epochenübergreifendes Thema und dies impliziert auch, dass Strategien zur Minimierung von Unsicherheiten und Kontingenzen immer eine wichtige Rolle spielen. Die Modellierung der Zukunft tritt als ein verbindendes Element in den Vordergrund, etwa wenn Stefan Brakensiek (im Band Möglichkeitshorizonte) die Praktiken und Geschäftsmodelle frühneuzeitlicher Lotterieunternehmen oder Christoph Kampmann (im Band Sicherheit und Zukunft) die Strategien der frühneuzeitlichen dynastischen Ehepolitik beschreiben.

Freilich eröffnen sich gerade durch die verbindenden Bögen deutliche Leerstellen. So folgen die meisten Beiträge der Möglichkeitshorizonte nicht nur impliziten Säkularisierungsthesen, sondern übertragen diese auch auf die Vormoderne, indem sie bei der Analyse von Prozessen der Kontingenzbewältigung weitgehend auf das religiöse Argument verzichten. Der Weg in die Transzendenz als Form des Umgangs mit Zukünftigem figuriert damit lediglich als Teil eines geschlossenen Verständnisses von Zukunft, also des Erleidens. Doch die Macht der kirchlichen Institutionen bis weit in unsere Gegenwart (wenn auch zunehmend außerhalb Europas) und die Bedeutung der Religion zumindest in den vormodernen Lebenswelten lassen es wenig plausibel erscheinen, dass man religiöse Argumente nicht auch in den Strategien zur aktiven Veränderung der Zukunft wiederfinden sollte. Jasmin Hettinger macht mit ihrem Beitrag hier eine kleine Ausnahme, indem sie anhand der römischen Hochwasservorsorge in der frühen Regierungszeit des Tiberius zeigt, dass die religiös motivierte Warnung vor den Gefahren eines Eingriffs in die Natur mit den eher zurückhaltenden Praktiken zur Absicherung der Stadt durchaus kompatibel war.

Der Band Sicherheit und Zukunft füllt dieses Manko etwas überzeugender: In einem diachron-vergleichenden Beitrag untersuchen Steffen Henne und Christian Wenzel einerseits, wie sehr die feste Annahme der bevorstehenden Endzeit den Akteuren in der Zeit der französischen Religionskriege neue Handlungsräume eröffnete, da man mit dieser pessimistischen Sicherheit umgehen konnte, und andererseits, wie stark die Endzeitstimmung der atomaren Sicherheitsbedrohungen des Kalten Krieges die subjektive Wahrnehmung einer gestaltbaren Zukunft zunichtemachte. Auch die Beiträge von Sascha Weber zum Augsburger Religionsfrieden und von Hannes Ziegler zur „Zukunft des Reiches“ in den Jahren 1608 bis 1618 suchen die Verbindungen zwischen religiösen Erwartungshorizonten und den Vorstellungen von Sicherheit.

Die Chronologie von Eberspächers Dissertation bleibt hingegen eher klassisch, da sie sich bei der Analyse der genannten Protagonisten der Futurologie auf die Kernjahre des Kalten Krieges bezieht, ohne allerdings dem etablierten Narrativ zu folgen. Trotz der konservativen Chronologie der Untersuchung gelingt es Eberspächer damit, einen eigenen Akzent zu setzen und auf die spezifisch deutsche Tradition des Zukunftsdenkens hinzuweisen, das allerdings auch auf die globalen Trends reagierte und in den 1970er-Jahren angesichts neuer Bedrohungsszenarien in die Krise geriet.

Möglichkeitsräume und die Instrumentalisierung der Zukunft

Es ist ein Verdienst aller drei vorliegenden Publikationen, dass sie der Frage nachgehen, was für Handlungsräume die Modellierungen des Zukünftigen in der jeweiligen Gegenwart eröffnen. Mit seiner ausführlichen Diskussion des Projekts und Konzepts von Futurologie seit den 1950er-Jahren, in Abgrenzung von wissenschaftlicher Prognose und berechnender Planung, macht Eberspächer dieses Element besonders deutlich und belegt die Instrumentalisierung der Zukunft als Handlungsressource im politischen Diskurs. Auch nicht realisierte und teils gar nicht erwartbare Machbarkeitsfantasien wie die von Christian Kehrt (im Band Möglichkeitshorizonte) unter dem Stichwort „Ressourcenträume“ beschriebene bundesdeutsche Antarktispolitik in den 1970er-Jahren hatten konkrete Folgen, da sie andere Prozesse anstießen, in diesem Fall neue Forschungsförderungen. Einige Beiträge können gut veranschaulichen, dass die Formulierung zukünftiger Szenarien oft eben nicht als Aussage über das zu Erwartende verstanden werden kann, sondern eher als Anlass zur Kritik und Veränderung des Gegenwärtigen. In diesem Sinne wäre es wohl auch wünschenswert gewesen, die analytische Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Zukunftsszenarien, wie sie in den vorliegenden Publikationen häufig auftaucht, stärker zu hinterfragen. Alle Formulierungen des Zukünftigen, das zeigt der Band Möglichkeitshorizonte besonders eindrücklich, sind Teil eines diskursiven Ringens um Deutungshoheit in der Gegenwart, selbst wenn sie scheinbar unausweichliche Bedrohungsszenarien beschreiben.

Medien und Öffentlichkeit

In der Wissensgeschichte wird seit längerem die Frage der medialen Vermittlung von Wissensdiskursen thematisiert und emphatisch die Bedeutung von „Wissenschaft und Öffentlichkeit als Ressourcen füreinander“ angeführt.[6] In der Praxis des Schreibens über zukunftsbezogenes Expertenwissen ist das nicht immer so eingelöst worden. Die hier zu besprechenden Werke unterstreichen die Relevanz dieser Wechselbeziehung. In besonderer Weise macht sich dabei Eberspächers Buch über das „Projekt Futurologie“ verdient. Mehrfach verfolgt es die Vermittlung in die Öffentlichkeit sowie umgekehrt die Bedingtheit der Zukunftsbilder durch die Öffentlichkeit; so ergänzt es überzeugend die Beiträge der letzten Jahre und Jahrzehnte zur Geschichte der Prognostik, des Planungsdenkens und des Expertenwissens. Allerdings gelingt es dem Autor nur teilweise, die Spannungen wirklich aufzulösen, die dem Begriff der Öffentlichkeit zugrunde liegen. Er nutzt das Argument der Öffentlichkeit zwar, um die Strahlkraft der neuen Wissenschaften in die Politik zu erklären, aber auch hier bleibt erklärungsbedürftig, wie die öffentliche Rezeption der Futurologie glaubhaft zu belegen ist. Die Analyse von „Spiegel“ und „Zeit“ als Diffusionsorgane des wissenschaftlichen Diskurses vermag diese Leerstelle nur sehr eingeschränkt zu füllen.

Dem Band Sicherheit und Zukunft ist die Frage nach den Medien und der Öffentlichkeit in vieler Hinsicht inhärent. Die Kommunikation von Bedrohungsszenarien bedingt den Prozess der Versicherheitlichung, das leuchtet spontan ein. Das adressierte Publikum gehört mit zur Analyse der Handlungsmacht der untersuchten Akteure. Und doch zeigt die Durchführung, dass viele Beiträge kaum einem solchen sozialhistorisch tiefengeschärften Anspruch gerecht werden. Gut löst dies allerdings Tobias Bruns mit seiner Analyse des Jahres 1878 „als sicherheitskulturelle[r] Wende in der deutschen Geschichte“ ein. Er zeigt, wie sehr das Gefühl der Bedrohung in der Bevölkerung angesichts zweier Attentate auf den Kaiser in die gesamte Versicherheitlichung der Innen-, Gesundheits- und Wirtschaftspolitik einfloss.

Transnationale Dimension

Ganz gleich, in welcher Richtung man die Geschichte der Zukunftsdiskurse liest: Eine transnationale oder transkulturelle Dimension liegt bei vielen Themen auf der Hand. Gerade dort, wo es um die Kommunikation von Krisendiskursen globaler oder zumindest grenzüberschreitender Dimension geht (etwa bei Kriegen, Hungersnöten, Seuchen), erscheint dies mehr als evident. Im Wechselspiel mit den bereits erwähnten öffentlichen Krisendiskursen lieferte das transnationale Argument den Akteuren eine neue Bedeutungsebene, die mal mehr und mal weniger auch nationale Interessen bediente.

Diese Dimension wird in den hier besprochenen Veröffentlichungen konzeptionell zu wenig berücksichtigt; insofern werden manche Chancen vergeben. In einigen Beiträgen der Sammelbände kommt die transnationale Dimension dennoch vor. Besonders herauszuheben sind dabei der Beitrag von Elke Seefried (im Band Sicherheit und Zukunft), die den Blick auf die Effekte der neuen globalen Krisendebatten seit den 1970er-Jahren für die politische Diskussion in der Bundesrepublik richtet, sowie der Beitrag von Malte Thießen und Andrea Wiegeshoff (im selben Band), die die Seuchenprävention im Deutschen Kaiserreich als Wechselspiel von Nationalisierung und der Konstruktion transnationaler medizinischer Sicherheitsdispositive wie auch des internationalen Kongresswesens analysieren. Doch dadurch, dass das Transnationale nicht Teil der Bandkonzeption ist, fällt es schwer, diese Dimension mit den Fragen nach Versicherheitlichung zu verbinden. Auch Eberspächers Entscheidung, seine Untersuchung der Futurologie auf deutsche Wissenschaftler zu beschränken und deren transnationalen Vernetzungen kaum Aufmerksamkeit zu schenken, ist zwar konsequent in der Methode, aber vor dem Hintergrund der eben genannten Argumente bedauerlich, zumal andere Arbeiten den Weg in eine solche Richtung bereits geebnet haben.[7]

Doch die erwähnten Leerstellen unterstreichen letztlich vor allem die Bedeutung des Themas für die weitere historische Forschung. Langsam zeichnet sich ein sinkender Bedarf an Studien ab, die explizit nach den Verwissenschaftlichungsprozessen in Bezug auf die Zukunft fragen. Gleichzeitig aber ist mit Genugtuung festzustellen, dass die implizite Behandlung des Themas in der sozialhistorischen Forschung klare Fortschritte gemacht hat. Die Frage nach der Konstruktion von Handlungsspielräumen wird gerade mit den hier vorliegenden Beiträgen um die zentrale Dimension der in die Zukunft gerichteten Temporalität erweitert. Zu hoffen ist, dass diese dauerhaft eine wichtigere Rolle in der Sozialgeschichte einnehmen wird.

Anmerkungen:
[1] Besonders deutlich wird dies daran, dass inzwischen auch Forschungsüberblicke zu diesem Thema geschrieben werden; siehe etwa Lucian Hölscher, Historische Zukunftsforschung – eine Besprechung der neueren Literatur, in: Neue Politische Literatur 61 (2016), S. 47–62.
[2] Reinhart Koselleck, Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Frankfurt am Main 1979.
[3] Bei einer unsystematischen Recherche fallen neben den für diese Rezension besonders relevanten DFG-Verbundprojekten Graduiertenkolleg 1919 („Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“) und Sonderforschungsbereich/Transregio 138 („Dynamiken der Sicherheit. Formen der Versicherheitlichung in historischer Perspektive“) auch auf: Schwerpunktprogramm 1859 („Erfahrung und Erwartung. Historische Grundlagen ökonomischen Handelns“), Internationales Graduiertenkolleg 2445 („Temporalities of Future in Latin America: Dynamics of Aspiration and Anticipation“), das ERC-Projekt „FuturePol“ unter Leitung von Jenny Andersson, das Leibniz-Verbundprojekt „Geschichte der Nachhaltigkeit(en)“ und eine Anzahl technikhistorischer Arbeiten, die sich mit der Geschichte technischer Visionen oder der Technikfolgenabschätzung beschäftigen.
[4] Siehe z.B. auch Lucian Hölscher / Elke Seefried / Stefan Berger (Hrsg.), Politische Zukünfte im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2018; und Jenny Andersson, The Future of the World. Futurology, Futurists, and the Struggle for the Post-Cold War Imagination, Oxford 2018.
[5] Allerdings gibt es zu vielen der im Buch besprochenen Figuren, Momenten und Institutionen einen etablierten Forschungsstand, bis hin zu einzelnen Biographien.
[6] Sybilla Nikolow / Arne Schirrmacher (Hrsg.), Wissenschaft und Öffentlichkeit als Ressourcen füreinander. Studien zur Wissenschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2007, mit Verweis u.a. auf die Arbeiten von Mitchell G. Ash.
[7] Z.B. Elke Seefried, Zukünfte. Aufstieg und Krise der Zukunftsforschung 1945–1980, Berlin 2015.

Zitation
Heinrich Hartmann: Rezension zu: : Das Projekt Futurologie. Über Zukunft und Fortschritt in der Bundesrepublik 1952–1982. Paderborn  2019 / Kampmann, Christoph; Marciniak, Angela; Meteling, Wencke (Hrsg.): „Security turns its eye exclusively to the future“. Zum Verhältnis von Sicherheit und Zukunft in der Geschichte. Baden-Baden  2018 / Bernhardt, Markus; Blösel, Wolfgang; Brakensiek, Stefan; Scheller, Benjamin (Hrsg.): Möglichkeitshorizonte. Zur Pluralität von Zukunftserwartungen und Handlungsoptionen in der Geschichte. Frankfurt am Main  2018 , in: H-Soz-Kult, 24.04.2019, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-29500>.