H. Blum; R. Wolters: Alte Geschichte studieren

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Titel
Alte Geschichte studieren.


Autor(en)
Blum, Hartmut; Wolters, Reinhard
Erschienen
Konstanz 2006: UVK Verlag
Umfang
264 S.
Preis
€ 17,90
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Stefan Selbmann, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

"Das vorliegende Buch unterscheidet sich von den vielen anderen Studieneinführungen, wie sie in jüngerer Zeit den Büchermarkt überfluten" (S. 7). Dieser Selbstanspruch scheint auf den ersten Blick überzogen, gilt es doch, eine gelungene Ergänzung zum bereits gut ausgestatteten Angebot althistorischer Einführungsliteratur zu präsentieren.[1] So hatten es die Autoren für ihre Zusammenstellung relativ leicht, aus bereits erfolgreichen Konzepten zu schöpfen. Als Zielgruppe werden Studienanfänger/innen angegeben, jedoch sind einige Passagen und Literaturhinweise auch für die folgenden Semester sinnvoll zu lesen. Dem Einführungscharakter wird Rechnung getragen, indem fremdsprachige Begriffe im Text hervorgehoben und am Rand etymologisch erklärt werden. Der größte Vorteil des Buches liegt in seiner Aktualität. Dies äußert sich nicht nur in den weiterführenden Literaturempfehlungen, sondern auch in der Einbeziehung elektronischer Recherchemöglichkeiten unter Angabe der URL.

Blum und Wolters beginnen ihr Buch mit einer Definition des Faches sowie einem kurzen Durchgang durch die Forschungsgeschichte. Danach folgt eine Einführung in die philologisch-kritische und historisch-kritische Quellenarbeit in einer abgewogenen Mischung von konzentrierter Information und gebotener Kürze. Dies ist auch in der nachfolgenden Darstellung unerlässlicher Hilfswissenschaften der Fall. Hierbei offenbart sich die eindeutige Stärke dieses Buches: Nach der Vorstellung einer Hilfswissenschaft werden ihre Möglichkeiten und Grenzen anhand eines Beispiels exemplifiziert. Zudem werden quellenkritische Analysen mit Bild und Text veranschaulicht. Jedes Unterkapitel schließt mit einer gut strukturierten und zum Teil kommentierten Auswahlbibliografie ab. Nach der Vorstellung der Hilfswissenschaften erfolgen Ratschläge zum wissenschaftlichen Arbeiten. Das Spektrum reicht von der Recherche erforderlicher Quellen und Forschungsliteratur über die Bearbeitung des Materials bis zur korrekten Darstellung in Referat und Seminararbeit. Dieses mit reichen Literaturhinweisen versehene Kapitel orientiert sich stark am praktischen Studienalltag und kann aufgrund seiner komprimierten Darstellung für die spezifisch althistorischen Recherchemöglichkeiten eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Studienführern für die Geschichtswissenschaft sein.[2] Unter der Überschrift "Spezielle Zugangsweisen" folgen dann in der bereits bewährten Qualität die Vorstellungen von Chronologie, Historischer Geografie und Prosopografie. Zuletzt wird die Historische Anthropologie in einem eher forschungsgeschichtlich angelegten Unterkapitel vorgestellt und ist somit für einen Studienanfänger bzw. eine Studienanfängerin zur eigenen Orientierung gewinnbringend zu lesen.

Da es scheinbar unverzichtbar für heutige Studienführer ist, Chancen und Perspektiven nach dem Studium aufzuzeigen, ergänzen Blum und Wolters ihre Einführung um ein Kapitel zu Studienalltag und Berufsperspektiven. Die interessierten Leser/innen erwarten an dieser Stelle jedoch nur verallgemeinerte Aussagen zu Veranstaltungsarten, modularisierten Studiengängen und Berufsmöglichkeiten, die auch jede beliebige universitäre Studienberatung hätte geben können. Eine nach Themen geordnete, aktuell gehaltene Auswahlbibliografie mit den jeweiligen Klassikern und Standardwerken, ein Glossar und ein Sachregister runden das Buch ab.

Nach der Lektüre bleibt jedoch ein gemischter Eindruck: Zum einen konnten Blum und Wolters eine sehr gut lesbare Einführung in das Studium der Alten Geschichte vorlegen, die trotz oder gerade wegen ihrer komprimierten Darstellung inhaltlich fast nichts vermissen lässt. Zum anderen stören formale und didaktisch gutgemeinte Gestaltungsweisen. Für diese sind die beiden Autoren aber kaum verantwortlich zu machen, sondern eher die Konzeption des Verlages: Nach fast jedem Kapitel finden sich "Aufgaben zum Selbsttest", die einer reflektierten Wiederholung dienen sollen, jedoch in der studentischen Praxis schlichtweg überblättert werden. Zudem wirken diese Selbsttestfragen mitunter recht lieblos und banal. Während es ja die Aufgabe des Buches ist, auf grundlegende Weise zu informieren, machen die hin und wieder dazwischen geschobenen Kästchen mit dem Titel "Info" einen irritierenden bis peinlichen Eindruck – was jedoch den Informationsgehalt selber nicht schmälert. Darüber hinaus kann die blau-graue Farbgestaltung durchaus ästhetischen Widerspruch auslösen. Der Einsatz von Fotos ist nicht immer zielführend und erweckt mitunter den Eindruck einer wenig sinnvollen Bebilderung.[3] Werden im Text Quellen zitiert oder paraphrasiert, erfolgt zwar immer eine genaue Quellenangabe, bei den Zitaten aus der Forschungsliteratur sucht man aber diese mitunter vergeblich; hier hätte man sich für weitere Recherchen gleiches gewünscht.

Es bleibt eine Gratwanderung, sowohl Zugänge und Hilfswissenschaften für die Alte Geschichte vorzustellen, als auch eine allgemeine Studienhilfe bieten zu wollen. In Letzterem unterscheidet sich diese Einführung kaum von anderen, so dass man hierzu auch getrost zu einem speziell hierfür ausgerichteten Buch greifen kann. Kurzum: Das Verlagskonzept ist an vielen Stellen über das Ziel hinausgeschossen. Wen das nicht stört, dem sei diese sehr gut lesbare Einführung von Blum und Wolters ans Herz gelegt.

Anmerkungen:
[1] Gerade in der Alten Geschichte scheint man sich vor Einführungen kaum retten zu können, vgl. beispielsweise "Klassiker" wie: Bengtson, Hermann, Einführung in die Alte Geschichte, München 1965; Clauss, Manfred, Einführung in die Alte Geschichte, München 1993; Schuller, Wolfgang, Einführung in die Geschichte des Altertums, Stuttgart 1994; zuletzt Günther, Rosemarie, Einführung in das Studium der Alten Geschichte, Stuttgart 2001; Leppin, Hartmut, Einführung in die Alte Geschichte, München 2005 (vgl. dazu Rez. von Joachim Losehand, H-Soz-u-Kult, 20.12.2005 <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-4-175>).
[2] Beispielsweise: Freytag, Nils; Piereth, Wolfgang, Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, Paderborn 2004 (vgl. dazu Rez. von Michael Seelig, H-Soz-u-Kult, 19.01.2005 <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-1-046>).
[3] Zu nennen wären zum einen unkommentierte Bilder wie der Kartenausschnitt zum 2. Punischen Krieg (S. 63) oder das Foto vom Forum Romanum (S. 119), während im Text von Kaiserfora die Rede ist. Zudem ist auch das zum Thema "Bibliotheken" abgedruckte Foto aus der rechtswissenschaftlichen Bibliothek in Zürich für einen angehenden Geschichtsstudenten wohl nur dann von Interesse, wenn er die Wahl seines Studienfachs noch einmal überdenken möchte. Ebenso kann das Bild eines überfüllten Hörsaals der Wilhelms-Universität Münster (S. 229) wohl auch nur als Negativempfehlung verstanden werden.

Zitation
Stefan Selbmann: Rezension zu: : Alte Geschichte studieren. Konstanz  2006 , in: H-Soz-Kult, 19.02.2007, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-8543>.
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Veröffentlicht am
19.02.2007
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