Suche nach Informationen über Lili Jannasch

Von
Esther Krähwinkel

Sehr geehrte Listenmitglieder,

in der Universitätsbibliothek Marburg haben mehr als 2500 im Dritten Reich verbotene Bücher politische Verfolgung und die Gefahren des Bombenkrieges nahezu unversehrt überstanden. Dieser Bestand wird seit 1999 in zweierlei Hinsicht bearbeitet. Nach seiner Dokumentation [1] sind wir auf der Suche nach Hintergrundinformationen über die Autorinnen und Autoren der zwischen 1933 und 1945 verbotenen Titel.

Zum anderen sind viele der in diesem Bestand befindlichen Bücher als Raubgut in die UB Marburg gelangt. Die ehemaligen Besitzverhältnisse zu klären, ist ein weiteres Anliegen des genannten Projekts, das 2002 zu einer ersten Rückgabe von mehreren Büchern an ehemalige Besitzer geführt hat. Ein ehemals verbotenes Buch im Bestand der UB Marburg ist „Die schwarze Schmach und schwarz-weiß-rote Schande“, Berlin 1921 von Lilli Jannasch.

Nun sind wir auf der Suche nach Informationen zu ihrem Werdegang. Unsere bisherigen Recherchen haben ergeben, dass sie ca. um 1880 geboren wurde und ca. um 1968 in Strassburg verstarb. Sie war Pazifistin, stand in Kontakt mit führenden Sozialisten der Zeit wie Eduard Bernstein und war Herausgeberin bzw. Verlegerin der „Flugschriften des Bundes Neues Vaterland“. Zudem publizierte sie in verschiedenen, im weitesten Sinne pädagogischen Zeitschriften. Die meisten ihrer über die Datenbank „Bildungsgeschichte online“ der Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung nachzuweisenden Veröffentlichungen sind auf die Zeit des Kaiserreichs bzw. der frühen Weimarer Republik zu datieren. Damit erschöpft sich unserer Wissen leider auch schon.

Über weitere Informationen zu ihrer Biographie, ihrer publizistischen Tätigkeit, ihrem pazifistischen und pädagogischem Engagement, ihren Netzwerken und insbesondere ihrem Lebensweg zwischen 1933 und 1945 wären wir dankbar. Sie erreichen uns unter kraehwin@ub.uni- marburg.de

Mit freundlichem Gruß

Bernd Reifenberg
Esther Krähwinkel

Universitätsbibliothek Marburg
Postfach 1920
35008 Marburg

Anmerkungen:
[1] Im Rahmen dessen ist 2002 in der UB Marburg und 2004 im Hessischen Landtag die Ausstellung „Verboten und nicht verbrannt“ gezeigt worden. Der dazu erschienene Katalog kann bei der UB Marburg bezogen werden. Margret Lemberg: Verboten und nicht verbrannt (Schriften der Universitätsbibliothek Marburg , 110): Bd. 1: Die Universitätsbibliothek Marburg und ihre Bücher von 1933 bis 1946 (XVI, 234 S.); Bd. 2: Katalog der von 1933 bis 1945 in der Universitätsbibliothek Marburg sekretierten Bücher (288 S.)

Zitation
Suche nach Informationen über Lili Jannasch, in: H-Soz-Kult, 04.02.2005, <www.hsozkult.de/query/id/anfragen-596>.
Redaktion
Veröffentlicht am
04.02.2005
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