Forum: Nation: J. Müller: Das Phantom Flandern. Über den Nationalstaat als Bezugsrahmen anlässlich von einhundert Jahren Erster Weltkrieg in Belgien

Von
Jakob Müller, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg gehört zu den identitätsstiftenden Elementen zahlreicher Staaten. Die Feierlichkeiten der Jahre 2014 bis 2018 haben gezeigt, wie präsent die Erinnerung an den „Großen Krieg“ vor allem in Großbritannien, Frankreich, Australien und Neuseeland noch heute ist. In Deutschland kam es zu einer Reaktivierung, einige sprechen auch von einer Renationalisierung[1] der Erinnerung im Zuge der Debatte um Christopher Clarks Buch Die Schlafwandler. Gleichzeitig gibt es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der „objektiven“ Bedeutung des historischen Ereignisses für einen Staat und der Intensität des Gedenkens. Verglichen mit den Nachfolgestaaten des britischen Empires fielen die Hundertjahrfeiern andernorts überschaubar aus, obwohl vor allem in Osteuropa viele Nationen ihre Existenz erst der Niederlage der Mittelmächte verdanken. Teilweise überlagert in Mitteleuropa der Zweite Weltkrieg das Gedenken, zuweilen lässt sich das historische Ereignis nur schwer in ein nationales Narrativ integrieren. In Belgien war der Erste Weltkrieg hingegen sowohl für den belgischen Nationalismus nach 1918 als auch für den anti-belgischen flämischen Nationalismus das zentrale Ereignis. Allerdings standen sich hier über viele Jahrzehnte zwei unvereinbare Interpretationen des Krieges gegenüber.

Propaganda und nationale Identität

Der politische Konflikt um die Zukunft des belgischen Nationalstaates war eng verbunden mit der Auseinandersetzung um die Deutung des „Großen Krieges“. Eingebettet war dieser Streit in die internationale Kontroverse über die Schuld an einem Krieg, den alle Seiten als Verteidigungskampf darstellten. Der deutsche Angriff auf das neutrale Belgien diente Großbritannien als Anlass für den Kriegseintritt. Die Neutralitätsverletzung durch das Kaiserreich sowie die deutschen Massaker an belgischen Zivilisten im August 1914 waren zentrale Themen der alliierten Propaganda. Sie sollte die Heimatfront mobilisieren und die öffentliche Meinung im neutralen Ausland, vor allem in den USA beeinflussen. Die deutsche Seite hatte dieser Kampagne kaum etwas entgegenzusetzen. Dass Berlin beispielsweise versuchte die Brandschatzung der Universitätsstadt Leuven angeblichen belgischen Franktireurs anzulasten – also bewaffneten Zivilisten, irregulären belgischen Truppen – oder nachträglich die Neutralität des Königreichs infrage stellte, war wenig geeignet den Imageschaden zu reparieren. Im Gegenteil, diese Versuche bestätigten eher das von der Entente entworfene Bild eines zynischen preußischen Militärstaates, der nicht einmal davor zurückschreckte, seine Opfer für die eigenen Schandtaten verantwortlich zu machen. Dass in deutschen Zeitungen unverblümt eine Annexion belgischer Gebiete gefordert wurde, rundete diesen Eindruck ab. Die Reichsleitung, deutsche Fürsten und Generäle äußerten offen ihre Geringschätzung für völkerrechtliche Normen, ohne Rücksicht auf mögliche außenpolitische Konsequenzen.[2]

Belgien blieb während des gesamten Kriegs ein zentrales Thema im Kampf um die moralische Deutungshoheit. So sammelte die Commission for Relief in Belgium unter Leitung des späteren U.S.-Präsidenten Herbert Hoover Spenden und organisierte die Versorgung der notleidenden Bevölkerung. Auch die Verschleppung von Zwangsarbeitern im Herbst 1916 hielt die Erinnerung an die Lage im besetzten Belgien wach. Die alliierte Propaganda malte die deutschen Verbrechen hierbei in grellen Farben aus und fügte ihnen Gräuelmärchen hinzu. Sie prägte damit auch das Selbstbild des belgischen Nationalismus im 20. Jahrhundert, eines „brave little Belgium“, das sich der brutalen Invasion entgegengestellt hatte. In diesem idealisierten Bild wahrte die Bevölkerung im Besatzungsgebiet patriotische Distanz zum Okkupanten, während in Westflandern die belgische Armee den letzten Zipfel nationalen Territoriums verteidigte. Bereits während des Kriegs entstand ein Kanon von Helden, allen voran der „Soldatenkönig“ Albert, und Märtyrern, wie der wegen Spionage hingerichteten britischen Rotkreuzschwester Edith Caevell.[3]

Deutschland und die Entstehung des flämischen Nationalismus

Doch auch der flämische Nationalismus, der heute dank der flämischen Bevölkerungsmehrheit stärkste politische Kraft Belgiens ist, hat seine Wurzeln im Ersten Weltkrieg. Seine Entstehung verdankt er nicht zuletzt der deutschen „Flamenpolitik“. So wurde die systematische und plakative Unterstützung der flämischen Bewegung durch die Besatzungsmacht bezeichnet, die zunächst vor allem außenpolitischen Motiven entsprang. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg regte bereits im September 1914 eine Unterstützung der flämischen Bewegung an, vor allem im Hinblick auf die Stimmung in den neutralen Niederlanden, denen durch die Kontinentalblockade eine wichtige Rolle für die Versorgung des Kaiserreichs zukam. Die ersten Maßnahmen trugen eher symbolischen Charakter – etwa, wenn bei Verlautbarungen der niederländische Text dem französischen vorangestellt wurde – und bewegten sich im Rahmen der belgischen Gesetzgebung. Mit der Entscheidung, unter deutscher Aufsicht in Gent die erste flämische Hochschule zu gründen, begann im Herbst 1915 eine Nation-Building-Politik, die in der Trennung der belgischen Verwaltung und Schaffung flämischer staatlicher Strukturen gipfelte.[4] Auch wenn die Mehrheit der flämischen Bevölkerung dem deutschen Werben ablehnend oder zumindest passiv gegenüberstand, war eine Minderheit in der flämischen Bewegung bereit für die Verwirklichung ihrer Forderungen, mit dem Feind zusammenzuarbeiten. Die Mitglieder dieser Gruppe bezeichneten sich selbst als „Aktivisten“, eine in der Literatur bis heute gebräuchliche Bezeichnung für die flämischen Kollaborateure von 1914-18.[5]

Die Entwicklungen im Besatzungsgebiet beeinflussten auch die Frontbewegung, einen zunächst informellen Zusammenschluss vor allem flämischer Studenten in den Reihen der belgischen Armee, die sich durch mehrheitlich frankophone Offiziere diskriminiert sahen. Sie forderten die Umsetzung geltender Regelungen zugunsten der niederländischen Sprache im Militär und leiteten aus ihrem Dienst an der Waffe den Anspruch auf zukünftige Reformen ab. Dass die Militärführung zunehmend repressiv auf diese Aktivitäten reagierte, förderte eine Radikalisierung der in den Untergrund gezwungenen Frontbewegung, in der nun vermehrt Verständnis für die Aktivisten im Besatzungsgebiet geäußert wurde.[6] Mit dem Sieg über die Deutschen wurden die unter der Besatzung geschaffenen Institutionen allerdings wieder beseitigt. Die Aktivisten flohen ins Ausland oder wurden verhaftet. Viele verloren ihre bürgerlichen Ehrenrechte. In der belgischen Erzählung handelte es sich um moralisch verdorbene Individuen, die aus eigennützigen Motiven das Vaterland verraten hatten.[7]

Dass sich der flämische Nationalismus trotz des Makels der Kollaboration in der Zwischenkriegszeit zu einer eigenständigen politischen Kraft entwickeln konnte, hatte vor allem zwei Ursachen: Erstens wurden seine Forderungen nun von den Veteranen der Frontbewegung übernommen, die durch ihren Kriegseinsatz über den Verdacht des Vaterlandsverrates erhaben waren. Sie hatten sich bereits vor 1918 positiv oder zumindest verständnisvoll auf den Aktivismus im Besatzungsgebiet bezogen und zögerten nach der Befreiung Belgiens nicht, sich mit den ehemaligen Kollaborateuren zusammenzuschließen. Bereits 1925 zog ein ehemaliger Aktivist für die „Frontpartei“ ins belgische Parlament ein. Zweitens hatte sich während des Kriegs ein aggressiver belgischer Nationalismus entwickelt, der von einem Großbelgien unter Einschluss deutscher und niederländischer Gebiete träumte und gleichzeitig jede Forderung nach einer Gleichberechtigung des Niederländischen mit dem Französischen ablehnte. Die Kollaboration der Aktivisten diente den meist frankophonen belgischen Nationalisten als willkommenes Argument, auch Flamen zu attackieren, die sich während des Kriegs loyal zum belgischen Staat verhalten hatten. So wurde etwa die Forderung nach einer niederländischsprachigen Universität unter Verweis auf die von den Deutschen realisierte Flämische Hochschule als antinational gebrandmarkt. Dies begünstigte einen Schulterschluss gemäßigter und radikaler Teile der flämischen Bewegung.

Die Entstehung einer dissidenten flämischen Erinnerungskultur

Die Vereinnahmung des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg durch extreme belgische Nationalisten mit autoritären und teilweise faschistischen Tendenzen führte dazu, dass viele flämische, aber auch sozialistische Veteranen schon in den frühen 1920er Jahren zu den offiziellen Veranstaltungen auf Distanz gingen. Sie entwickelten alternative Formen des Gedenkens, ohne dass hiermit vor allem auf lokaler Ebene eine strikte Ablehnung staatlicher Erinnerung verbunden sein musste. Durch die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts für Männer waren Sozialisten und die flämische Bevölkerung seit 1919 stärker repräsentiert als zuvor. Die Sozialisten lösten die Liberalen als stärkste Kraft des Landes ab, während in der Katholischen Partei eine flämische Abgeordnetengruppe immer selbstbewusster auftrat. Der Konflikt um die belgische Gedenkkultur an den Ersten Weltkrieg muss auch vor dem Hintergrund dieses Übergangs vom Honoratiorenstaat zur parlamentarischen Demokratie (zumindest für Männer) verstanden werden.

Anfänge einer spezifisch flämisch-nationalistischen Gedenkkultur gab es bereits während des Kriegs. Anstelle der uniformen belgischen Grabmale waren einige hundert Kreuze mit der Aufschrift „AVV – VVK“ aufgestellt worden, den Anfangsbuchstaben der Losung „Alles für Flandern – Flandern für Christus“.[8] Die Steine wurden von Familien und Kameraden der gefallenen Soldaten bezahlt und die Militärführung duldete diese Form der Bestattung zunächst. Nach dem Krieg fanden auf den ehemaligen Schlachtfeldern Westflanderns Gedenkzeremonien statt, die sich in den folgenden Jahren zu Massendemonstrationen der flämischen Bewegung entwickelten, die „Yser-Wallfahrten“ (ndl. Ijzerbedevaart). Ein Anlass war auch, dass das Verteidigungsministerium nun eine Vereinheitlichung der Kriegsgräberstätten anstrebte und individuell gestaltete Grabmale durch solche mit belgischer Trikolore ersetzen wollte.

Zur ersten „Yser-Wallfahrt“ im August 1920 pilgerten 150 Teilnehmer ins westflämische Diksmuide, zehn Jahre später waren es bereits hunderttausend: 1930 wurde auch der fünfzig Meter hohe Yser-Turm in Form eines gigantischen flämischen Frontkreuzes eingeweiht. Auf ihm prangte die Aufschrift „AVV – VVK“ sowie die Losung „Nie wieder Krieg“ auf Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Die pazifistische und dezidiert katholische Formsprache war geradezu eine Antithese zum offiziellen belgischen Gedenken. Jährlich kamen Statuen flämischer Märtyrer hinzu, die ihr Leben an der Westfront verloren hatten. Im Zentrum stand jedoch nicht ihr Kampf gegen die deutschen Eindringlinge, sondern das Leiden unter einem belgischen Zentralstaat, der ihnen noch im Tode die Anerkennung verweigerte. Bald gehörte auch die Forderung nach einer Amnestie für die ihrer bürgerlichen Ehrenrechte beraubten ehemaligen Aktivisten zum festen Repertoire der Wallfahrten. Die „Yser-Wallfahrt“ war eine politische Veranstaltung, die unter dem Slogan „Hier unser Blut, wann unser Recht?“ aus dem Opfer der flämischen Soldaten einen Anspruch auf eine Reform des belgischen Staates ableitete.

Anfang der 1930er Jahre wurden wesentliche Forderungen der flämischen Bewegung erfüllt. Am symbolträchtigsten war die Umwandlung der Universität Gent in eine flämische Hochschule. Für den flämischen Nationalismus bedeutete dieser Erfolg gleichzeitig eine Herausforderung, die zur Herausbildung zweier Flügel mit verschiedenen Zielen und ideologischer Ausrichtung führte. Während ein gemäßigter, föderalistischer Flügel ein einsprachiges Flandern durch Reform des belgischen Zentralstaats verwirklichen wollte, lehnten die sogenannten „Großniederländer“ diesen Staat kategorisch ab. Sie strebten die Vereinigung Flanderns mit dem Königreich der Niederlande an. Mit der Gründung des faschistischen Vlaams Nationaal Verbond (VNV) setzte sich 1933 der großniederländische Flügel durch. Geführt wurde er von Staf De Clercq, einem Veteranen der flämischen Frontbewegung.

Ein vereinendes Moment beider Strömungen blieb weiterhin das Gedenken an den Ersten Weltkrieg. Hier hatten die flämischen Nationalisten weit über ihr eigentliches Milieu hinaus die kulturelle Hegemonie errungen; ein Umstand, der die Entwicklung Flanderns zur Subnation innerhalb Belgiens in den nächsten sechzig Jahren prägte und sich auch politisch niederschlug. So hatten Massendemonstrationen des Bundes flämischer Veteranen (VOS) 1935 einen wichtigen Anteil an der Kündigung des französisch-belgischen Militärabkommens und der Rückkehr Belgiens zur Neutralität. Während die von Leopold III. betriebene „Unabhängigkeitspolitik“ der Hoffnung entsprang, sich aus einem erneuten deutsch-französischen Konflikt heraushalten zu können, sehnten jedoch einige flämische Nationalisten eine erneute deutsche Besatzung geradezu herbei.

Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland und die Rolle des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg für das Wiedererstarken des flämischen Nationalismus in den 1960er Jahren

Mit dem Einmarsch der Wehrmacht im Mai 1940 entschieden sich die flämisch-nationalistischen Organisationen für die Kollaboration, allen voran der faschistische VNV. Begünstigt wurde diese Entscheidung durch den schnellen und eindeutigen Sieg der Wehrmacht über Frankreich. Die Hegemonie Deutschlands schien unumstößlich, auch dass der König im Land geblieben war, erhöhte in der belgischen Bevölkerung im Vergleich zu 1914 die Bereitschaft zur Kooperation.[9] Die Militärverwaltung unter Alexander von Falkenhausen bediente sich der flämischen Nationalisten vor allem als Personalreservoir, wies aber ihren Anspruch, alleinige politische Kraft in Flandern zu werden, zurück. Das war zunächst eine Konzession an die traditionellen belgischen Eliten, deren Hilfe man zur Verwaltung des Landes bedurfte. Gleichzeitig widersprachen die Ziele der flämischen Nationalisten den Plänen für ein „Großgermanisches Reich“, in deren Kontext ein unabhängiges Flandern geradezu als „Separatismus“ galt. Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg war dennoch ein wichtiger Faktor für das jeweilige Verhalten während der Okkupation. Sie begründete die Hoffnung des VNV, mit deutscher Hilfe die eigenen politischen Ziele zu verwirklichen, und war zugleich eine ständige Drohung gegenüber den Repräsentanten des belgischen Einheitsstaats. Zwar fanden die Yser-Wallfahrten während des Kriegs nur in begrenztem Umfang statt, dennoch diskreditierte die Kollaboration der großen Mehrheit der organisierten flämischen Nationalisten diese Version des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg. Dass nicht nur der VNV, sondern auch der Vorsitzende des Yser-Wallfahrtskomitees für einen militärischen Einsatz an der Seite Deutschlands warb, zeigte zudem, dass sich der Pazifismus vieler flämischer Nationalisten vor allem auf den Dienst in der belgischen Armee bezogen hatte. Nach der alliierten Befreiung Belgiens wurde der Yser-Turm 1945 bei einem Anschlag beschädigt und durch ein zweites Bombenattentat 1946 vollständig zerstört.

Die Reaktion auf die Anschläge zeigte, wie sehr sich die Wahrnehmung des Bauwerks unterschied. Während der Turm vielen ehemaligen Widerstandskämpfern und wohl einem Großteil der frankophonen Bevölkerung als Symbol der flämisch-nationalistischen Kollaboration galt, dominierte in Flandern die Empörung über die Zerstörung eines Mahnmals an den Ersten Weltkrieg und Wahrzeichens für den Kampf um flämische Selbständigkeit. Obwohl die belgische Regierung den Neubau des Yser-Turms finanziell unterstützte, wurde dem Zentralstaat auch wegen der erfolglosen Suche nach den Tätern eine Mitschuld an dessen Zerstörung gegeben. Die 1944 abgebrochene Tradition der Yser-Wallfahrten lebte bereits Ende der 1940er Jahre wieder auf. In den 1960er Jahren, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung um eine föderale Reform Belgiens, versammelten sich wieder Hunderttausende in Westflandern und der 1965 eingeweihte neue Yser-Turm war mit 84 Metern deutlich größer als der alte. Die Forderung nach Amnestie und Wiederherstellung der bürgerlichen Ehrenrechte, die sich in der Zwischenkriegszeit auf die ehemaligen Aktivisten bezogen hatte, wurde ausgedehnt auf die nationalsozialistischen Kollaborateure, etwa flämische Waffen-SS-Freiwillige. So wie die Yser-Wallfahrt es ermöglicht hatte, die Aktivisten von 1914-18 wieder in die flämische Bewegung zu integrieren, wurden nun auch die Kollaborateure des Zweiten Weltkriegs wiedereingegliedert. Diese in Westeuropa wohl einmalige Toleranz gegenüber Kollaborateuren mit dem nationalsozialistischen Deutschland machte die Yser-Wallfahrten über Flandern hinaus für Rechtsradikale attraktiv, die allerdings auf den Massenveranstaltungen zunächst nur eine Gruppe unter vielen waren.

Mit dem Umbau Belgiens zum Föderalstaat nahmen allerdings die Teilnehmerzahlen kontinuierlich ab. Ein Faktor hierfür war vielleicht auch, dass sich flämische Historiker zunehmend kritisch mit der Geschichte der flämischen Bewegung auseinandersetzten, einem Thema, dem sich bis Ende der 1960er Jahre vor allem flämische Nationalisten gewidmet hatten. Sie dekonstruierten zentrale Mythen, etwa die Erzählung von den ausschließlich idealistischen Motiven folgenden Aktivisten oder die Legende, das flämische Soldaten sinnlos den Tod fanden, weil sie die Sprache ihrer frankophonen Offiziere nicht verstanden.[10] Während immer weniger Besucher nach Diksmuide fanden, machte sich der vom Vlaams Blok repräsentierte ethno-nationalistische Flügel der flämischen Bewegung lautstark bemerkbar. Neo-Nazis aus Deutschland und anderswo machten die Yser-Wallfahrt zum „Ort mit der höchsten Knackwursthändler- und Faschisten-Dichte Europas“, wie es Der Spiegel schon 1982 ausdrückte.[11] Auseinandersetzungen mit dem Organisationskomitee führten Mitte der 1990er Jahre zur Abspaltung der rechten „Yser-Wache“, die mittlerweile mehr Teilnehmer zählt als das Original. Die ursprüngliche Yser-Wallfahrt wurde hingegen von den Veranstaltern bewusst entpolitisiert, was als Rückkehr zu den Ursprüngen als Gedenkveranstaltung bezeichnet wird. Seit 2013 findet die Wallfahrt am 11. November, also dem offiziellen belgischen Gedenktag für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, statt – ein bemerkenswertes Zeichen.

Die Marke „Flandern“ und der Kleinkrieg um den Großen Krieg

Angesichts von einhundert Jahren Erstem Weltkrieg schien die Frage gerechtfertigt, wie Belgien und seine Teilstaaten mit der umstrittenen Vergangenheit umgehen würden. Welche Rolle würde das flämische Narrativ im offiziellen Gedenken haben? Schließlich war die flämisch-nationalistische Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA) von 2014 bis 2018 als stärkste Partei an der belgischen Regierung beteiligt, nachdem das Land erst 2011 eine fast zwei Jahre währende Regierungskrise überwunden hatte. Die N-VA stellt zudem seit 2014 den flämischen Ministerpräsidenten, während der rechte Vlaams Belang, die Nachfolgepartei des Vlaams Blok, sich als zweitstärkste Kraft in Flandern etabliert hat. Zusammen repräsentierten die beiden nationalistischen Parteien nur etwas weniger als die Hälfte der flämischen Wähler. Wie würde sich diese Konstellation auf die Gedenkfeierlichkeiten auswirken?

Bereits am 12. November 2011 war in De Standaard ein Artikel mit dem Titel „Der Kleinkrieg um den Großen Krieg“ (De kleine oorlog om de Groote oorlog) erschienen, der die Kritik an den flämischen Planungen zum Weltkriegsgedenken bündelte. Die Historiker Bruno De Wever und Nico Wouters beschuldigten die flämische Regierung, das Weltkriegsgedenken für den Aufbau einer flämischen Nationalidentität zu benutzen. Wouters sprach sogar davon, dass die Geschichte verdreht werde. Auch die Autorin der bekanntesten Gesamtdarstellung des Ersten Weltkriegs in Belgien, Sophie De Schaepdrijver, kritisierte einen überzogenen flämischen Fokus der geplanten Veranstaltungen, welcher der historischen Wirklichkeit nicht gerecht werde. Sie bemängelte außerdem einen allzu beliebigen pazifistischen Diskurs.[12] Dieser Kritik schloss sich auch Laurence Van Ypersele an, die für Wallonien und die frankophone Gemeinschaft die Pilotgruppe „Commémorer 14–18“ leitete. Der Begriff Frieden, so Van Ypersele, müsse mit konkreten Werten unterfüttert werden. Sie nannte die Liebe zum Land und seiner Unabhängigkeit, den Respekt vor den Menschenrechten, die Solidarität und den Widerstand gegen Unterdrückung als Kernwerte des Gedenkens im frankophonen Belgien; Werte, für die auch im Ersten Weltkrieg gekämpft worden sei. Sie widersprach dem „Mythos eines absurden Krieges“, in dem alle unterschiedslos zu Opfern geworden seien. Belgiens Krieg gegen die deutsche Aggression sei für freiheitliche Werte geführt worden, die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg diene daher auch der Bekräftigung ebendieser Werte.[13]

Was war passiert? Während in Deutschland die Debatte über den Ersten Weltkrieg erst mit Christopher Clarks Die Schlafwandler erneut in Gang kam und die Politik auch anschließend eher behäbig agierte, waren die belgischen Historiker sowie Wallonien und die frankophone Gemeinschaft von den Initiativen der flämischen Politik überrumpelt worden. Auch daher rührte wohl der Vorwurf, die flämische Regierung habe das Ereignis usurpiert.

Die Kritik entzündete sich allerdings nicht an einem dissidenten flämischen Gedenken, wie es über Jahrzehnte auf der Yser-Wallfahrt zelebriert worden war, sondern an der Beliebigkeit der Botschaft und einer Nichtachtung der frankophonen Seite bzw. des belgischen Gesamtstaates im Rahmen der flämischen Planungen. Denn während auf föderaler Ebene, ebenso wie in den Teilstaaten Wallonien und Brüssel-Hauptstadt, die Vorbereitungen eher gemächlich erfolgten, hatte man im niederländischsprachigen Norden ein erstaunliches Tempo an den Tag gelegt. Die Feierlichkeiten wurden als Möglichkeit betrachtet, die „Marke Flandern“ international bekannt zu machen, wobei man vor allem an Besucher aus dem englischsprachigen Raum dachte. Das ohne Zweifel bekannteste Kriegsgedicht „In Flanders Fields“ war wie gemacht für diesen Zweck; dass John MacCrae sein 1915 entstandenes Werk nicht „In Belgiums Fields“ genannt hatte, konnte der flämischen Regierung schwerlich zum Vorwurf gemacht werden, die seinen Wiedererkennungswert für ihre Zwecke nutzte. Das offizielle Logo der flämischen Feierlichkeiten zeigte weder den Yser-Turm noch einen flämischen Löwen, aber eben auch keinen Adrianhelm oder die belgische Trikolore, sondern ein Exemplar der vom kanadischen Dichter besungenen Poppies, deren Tragen in Großbritannien mittlerweile zur patriotischen Pflicht gehört. Das für die Planungen zuständige Departement internationaal Vlaanderen, der Vorläufer des 2015 gegründeten flämischen Außenministeriums, vergaß auch nicht, sich beizeiten die Rechte für die Domain <https://www.2014-18.be> zu sichern, so dass sich die föderale Ebene mit <https://www.be14-18.be> begnügen musste.[14] Die Provinz Westflandern nannte ihre Webseite einfach <https://www.flandersfields.be>. Die flämische Regierung warb außerdem um Unterschriften für eine „In Flanders Fields Declaration“, in der das Wort Belgien nicht einmal vorkam. Dass die Flamen fünfzig Staaten anfragten, deren Angehörige in Westflandern gekämpft hatten, aber Wallonien oder die belgische Ebene nicht einmal informierten, sorgte nicht nur dort für Verstimmung. Der australische Botschafter soll eine Unterzeichnung mit der Bemerkung abgelehnt haben, seine Landsleute seien nicht für Flandern, sondern für Belgien in den Krieg gezogen.

Schlachtfeldtourismus statt geschichtspolitischer Kontroverse

Die Feierlichkeiten zu einhundert Jahren Erster Weltkrieg wurden also als Möglichkeit gesehen Flandern als eigenständigen Akteur auf der internationalen Bühne zu präsentieren und gleichzeitig als eine Gelegenheit den Tourismus zu entwickeln. Im für Fremdenverkehr zuständigen Ausschuss fragte ein Abgeordneter des rechts-nationalistischen Vlaams Belang, warum das Thema der flämischen Emanzipation im Rahmen der Vorbereitungen so wenig Aufmerksamkeit erhalte. Der damals zuständige Minister und spätere flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA) antwortete, dass die Feierlichkeiten vor allem eine internationale Dimension hätten und sich auf den Stellungskrieg konzentrierten.[15] Obwohl das Vlaams Belang, in der Folge mehrmals pflichtschuldig an Frontpartei und Yser-Wallfahrt erinnerte, wurde deutlich, dass auch Teile der Rechten den Vorrang der touristischen Aspekte des Weltkriegsgedenkens akzeptierten.

Für das touristische Konzept der Provinz Westflandern, wo sich die meisten ehemaligen Schlachtfelder befinden, waren historisch-politische Überlegungen beispielsweise allenfalls zweitrangig. Hier dominierte die Bedarfsanalyse der örtlichen Fremdenverkehrsagentur im Hinblick auf die überwiegend englischsprachigen Schlachtfeldtouristen.[16] Informationen zur Geschichte des Weltkriegs wurden um Hinweise zur lokalen Ess- und Trinkkultur sowie zu Übernachtungsmöglichkeiten ergänzt. Entlang der historischen Front gab es Wanderwege verschiedener Schwierigkeitsgrade, die mit einer lächelnden jungen Frau illustriert wurden, die in Shorts und bei Sonnenschein mit dem Rucksack bewaffnet zwischen Klatschmohnblüten marschiert. Neben dem sieben bis neun Kilometer langen „Craters and Mines“-Wanderweg wurde auch eine Route namens „Zero Hour“ angeboten, auf der man in die Fußstapfen von „William Redmond, John Meeke and many other Irishmen, New Zealanders and Australians who gave their lives on the Wijtschate-Messines ridge“ treten konnte. Wem dieses Abenteuer zu gefährlich schien, auch auf eine der Beer Cycle Routes ausweichen.[17]

Es wäre allerdings unfair, die Initiativen anlässlich von einhundert Jahren Erstem Weltkrieg auf den Fremdenverkehr zu reduzieren. Es gab zahlreiche neue Publikationen zum Ersten Weltkrieg, Ausstellungen, Fernsehserien – an erster Stelle die von De Schaepdrijver begleitete Dokumentation Brave little Belgium – und würdevolle Zeremonien, außerdem umfangreiche Quellenpublikationen. Stellvertretend für letztere sei die Seite Nieuws van de Groote Oorlog genannt, die beinahe alle während des Krieges erschienen belgischen Zeitungen zur Verfügung stellt und auf Deutsch den Titel „Neuigkeiten vom Großen Krieg“ trägt.[18] Nach Schätzung Antoon Vrints wurden 2016 in Belgien 43 Doktorarbeiten zum Ersten Weltkrieg betreut, soviel wie im gesamten Jahrhundert zuvor.[19] Mehr als in Deutschland wurde das Thema auch in die Schulen hineingetragen. Es ist allerdings auffällig, dass hierbei der flämische Aktivismus und die Frontbewegung häufig ausgespart wurden. In einer 50-seitigen vom flämischen Unterrichtsministerium herausgegebenen Broschüre, die Lehrern als Anregung für die Unterrichtsgestaltung dienen sollte, wurde beispielsweise der Aktivismus gar nicht und die Frontbewegung lediglich am Rande und ohne Erklärung erwähnt.[20]

Ein „Nationalismus des 21. Jahrhunderts“?

Neben der Rücksicht auf die „Marke Flandern“ war ein entscheidender Faktor für die Abwesenheit flämisch-nationalistischer Narrative im Rahmen des Weltkriegsgedenkens, dass ein großer Teil der gemäßigt nationalistischen N-VA die mit dem Ersten Weltkrieg verbundenen Traditionen auch innenpolitisch eher als Ballast denn als ein zu pflegendes Erbe betrachtet. Die Strategie ist es, sich nicht auf verlorene historische Schlachten zu konzentrieren, sondern den flämischen Nationalismus als moderne Bewegung mit Antworten auf die von einem dysfunktionalen belgischen Staat verursachten Probleme zu präsentieren. Dieser „Nationalismus des 21. Jahrhunderts“ geht auf den Parteivorsitzenden Bart De Wever zurück, der sich, bevor er in die Politik ging, als Historiker intensiv mit Nationalismustheorien auseinandersetzte und noch heute gerne damit kokettiert.[21] Was ihn am Vlaams Belang ärgere, so schrieb er 2006, sei, dass dieser die flämische Bewegung mit einer „Aura des Populismus und Fremdenhasses beschmiert“ habe.[22] Den flämischen Nationalismus aus dieser Verbindung zu lösen, ist der N-VA in den 2000er Jahren gelungen. Geradezu symbolisch steht hierfür Zuhal Demir, die junge flämische Ministerin für Justiz, die eine der beliebtesten Politikerinnen der Partei ist. Schon ihre Biographie als Einwandererkind ist eine Absage an einen dogmatischen völkischen Nationalismus, wie ihn das Vlaams Belang vertritt.

Wie sehr der „Nationalismus des 21. Jahrhunderts“ wahltaktischen Motiven entsprang, wird sich zeigen. In den jüngsten Umfragen liegt das Vlaams Belang deutlich vor der gemäßigt nationalistischen Konkurrenz und es gibt Anzeichen dafür, dass sich die N-VA nun wieder der traditionelleren Klientel und altbekannten Topoi zuwendet. In seiner Ansprache zum flämischen Nationalfeiertag am 11. Juli 2020 ehrte De Wever den flämischen Märtyrer Herman Van den Reeck, der einhundert Jahre zuvor von der Antwerpener Polizei erschossen worden war.[23] Anfang des Jahres sorgte eine Veröffentlichung anlässlich von fünfzig Jahren flämischem Parlament für Aufsehen. In ihr wurden als prägende Persönlichkeiten der flämischen Bewegung auch August Borms und Staf De Clercq abgebildet, zwei der wichtigsten Kollaborateure des Zweiten Weltkriegs. De Clercq hatte bis zu seinem Tod 1942 den VNV geführt, Borms war bereits während des Ersten Weltkriegs Aktivist gewesen und wurde 1946 hingerichtet. Auch die Idee des flämischen Unterrichtsministerium, einen Kanon für den Geschichtsunterricht zur Stärkung der flämischen Identität einzuführen, weist in Richtung einer stärkeren Akzentuierung traditioneller nationalistischer Formen.[24] Ob in diesem Kontext auch der Aktivismus und die Frontbewegung des Ersten Weltkriegs wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren werden, wird die Zukunft zeigen.

Dass der flämische Nationalismus während der Gedenkfeierlichkeiten 2014 bis 2018 eher als Phantom im Hintergrund blieb, hatte also verschiedene Ursachen. Zu nennen sind vor allem die abnehmende Bedeutung der Yser-Wallfahrt seit dem Ende der 1980er Jahre, die Dekonstruktion zentraler nationalistischer Mythen durch die Geschichtswissenschaft und nicht zuletzt der Fokus auf die touristische Monetarisierung des Weltkriegsgedenkens, das zudem dazu diente, Flandern international als eigenständige „Marke“ zu präsentieren. Irritierende Verweise auf die Kollaboration des Ersten oder gar Zweiten Weltkriegs hätten hier nur gestört. Ein überwiegend alltagsgeschichtliches Narrativ über den Ersten Weltkrieg machte zudem die Frage nach der nationalen Zuordnung der jeweiligen historischen Akteure weitgehend überflüssig. Der Verzicht auf erfundene Traditionen zugunsten eines „banalen“ Alltagsnationalismus, wie er nicht zuletzt in der Umdeutung von „Flanders Fields“ zum Ausdruck kommt, passte außerdem in das Konzept einer Modernisierung des flämischen Nationalismus, wie es die N-VA vertritt. Die jüngsten Entwicklungen zeigen allerdings, dass an Traditionen auch wieder angeknüpft werden kann.

Anmerkungen:
[1] Aktuell etwa Eckart Conze, Schatten des Kaiserreichs. Die Reichsgründung von 1871 und ihr schwieriges Erbe, München 2020.
[2] Sebastian Bischoff, Kriegsziel Belgien. Annexionsdebatten und nationale Feindbilder in der deutschen Öffentlichkeit 1914-1918, Münster 2018; John Horne / Alan Kramer, Deutsche Kriegsgreuel 1914. Die umstrittene Wahrheit, Hamburg 2018.
[3] Die beste Gesamtdarstellung zum Ersten Weltkrieg ist: Sophie De Schaepdrijver, De Groote Oorlog. Het Koninkrijk België tijdens de Eerste Wereldoorlog (Der Große Krieg. Das Königreich Belgien während des Ersten Weltkriegs), Antwerpen 1997 (auch in frz. Übersetzung).
[4] Ausführlich, Jakob Müller, Die importierte Nation. Deutschland und die Entstehung des flämischen Nationalismus 1914 bis 1945, Göttingen 2020.
[5] Lode Wils, Onverfranst, onverduitst? Flamenpolitik, activisme, frontbeweging (Unfranzösiert, unverdeutscht? Flamenpolitik, Aktivismus, Frontbewegung), Kalmthout 2014; Daniël Vanacker, Het activistisch avontuur (Das aktivistische Abenteuer), Gent 2006.
[6] Daniël Vanacker, De Frontbeweging. De Vlaamse strijd aan de IJzer (Die Frontbewegung. Der flämische Kampf an der Yser), Koksijde 2000.
[7] Zuweilen lässt sich diese Diktion noch heute finden. So ist in einem Beitrag zur Online-Enzyklopädie 14-18 von „frontist and activist traitors“ die Sprache. Laurence Van Ypersele, Commemoration, Cult of the Fallen (Belgium), in: 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War, hg. von Ute Daniel u.a., Berlin 2014, <https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/commemoration_cult_of_the_fallen_belgium/2014-10-08> (02.09.2021).
[8] Zur Geschichte der Yser-Wallfahrt, Karen D. Shelby, Flemish Nationalism and the Great War. The Politics of Memory, Visual Culture and Commemoration, London 2014.
[9] Jakob Müller, Learning from failure. The First World War and the „Flamenpolitik“ of the German Militärverwaltung in Belgium in 1940, in: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte 44 (2017), S. 359-370.
[10] Bahnbrechend war Lode Wils, Flamenpolitik en aktivisme (Flamenpolitik und Aktivismus), Leuven 1974. Eine gute Übersicht der Historiographie bis 1992 gibt Bruno De Wever, Greep naar de macht. Vlaams-nationalisme en Nieuwe Orde. Het VNV 1933-1945 (Griff nach der Macht. Flämischer Nationalismus und deutsche Neuordnung Europas. Der VNV 1933-1945), Tielt 1994, S. 21ff. Für die neuere Literatur, Antoon Vrints, Van niemandsland tot de „grote klaprozenexplosie“, in: BMGN – Low Countries Historical Review 131 (2016), 3, S. 54-73.
[11] Erich Wiedemann, De Duitse Kameraden zijn al bezopen, in: Der Spiegel 28 (1982).
[12] Wouter Van Driessche, De kleine oorlog om de Groote oorlog, in: De Standaard, 12.11.2011.
[13] Laurence van Ypersele, Les préparatifs des commémorations de 14–18 par la Fédération Wallonie-Bruxelles et la Wallonie, in: Journal of Belgian History (2012), 2-3, S. 193-197, hier S. 194.
[14] Im Gegensatz zur belgisch-föderalen Seite ist die flämische bereits nicht mehr erreichbar. Stand: 24.08.2021.
[15] Vlaams Parlement, Commissie voor Bestuurszaken, Binnenlands Bestuur, Decreetsevaluatie, Inburgering en Toerisme, Vergadering Nr. C242 – BIN13 (2011-2012) – 29. Mai 2012, S. 16.
[16] „Schlachtfeldtourismus“ hat im Deutschen einen abfälligen Klang. Im Englischen und Niederländischen hat sich „battlefield tourism“ hingegen als Sparte im Reiseangebot etabliert. Siehe auch: Romain Fathi, Centenary (Battlefield Tourism), in: 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War, hg. Von Ute Daniel u.a., Berlin 2021, <https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/centenary_battlefield_tourism/2021-01-05?version=1.0> (02.09.2021).
[17] <https://www.flandersfields.be/en/inspiration/tourist-routes-14-18-walking> (30.08.2021).
[18] Neuigkeiten vom Großen Krieg, <https://nieuwsvandegrooteoorlog.hetarchief.be/de> (27.08.2021).
[19] Vrints, Van niemandsland, S. 58f.
[20] Luk Boelart u.a. (Red.), 100 jaar Groote Oorlog. Herdenken in de klas [Einhundert Jahre Großer Krieg. Gedenken im Klassenzimmer], Brussel 2013. <https://www.vlaanderen.be/publicaties/100-jaar-groote-oorlog-herdenken-in-de-klas> (31.8.2021).
[21] Ico Maly, „Scientific“ nationalism. N-VA and the discursive battle for the Flemish nation, in: Nations and Nationalism 22 (2016), 2, S. 266-286.
[22] Bart De Wever, De Winter in Stalingrad, in: De Morgen, 11.10.2006, abgedruckt in: Ders., Het kostbare weefsel. Vijf jaar maatschappijkritiek (Das kostbare Gewebe. Fünf Jahre Gesellschaftskritik), Kapellen 2010, S. 108.
[23] Marc Boone, Geschiedenis en geschiedschrijving als gewillige dienstmaagden van de politiek? Casus. De historische canon van Vlaanderen, in: Wetenschappelijke tijdingen 80 (2021), 1, S. 37-63.
[24] Den fehlerhaften niederländischen Text auf einer kurz zuvor in Anwesenheit der belgischen Ministerpräsidentin Wilmès eingeweihten Gedenkplatte zu sechzig Jahren Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo nahm De Wever zum Anlass, um zu fragen, wann sich die belgische Regierung wohl für die „koloniale Haltung“ gegenüber Flandern entschuldigen werde – ein angesichts des Umfangs der belgischen Verbrechen im Kongo reichlich unangemessener Vergleich.

Zitation
Forum: Nation: J. Müller: Das Phantom Flandern. Über den Nationalstaat als Bezugsrahmen anlässlich von einhundert Jahren Erster Weltkrieg in Belgien, in: H-Soz-Kult, 18.09.2021, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-5267>.
Redaktion
Veröffentlicht am
18.09.2021
Beiträger