Writing the Graden & Gardening the World

Writing the Garden & Gardening the World

Organizer
Kulturwissenschaftliche Gesellschaft
Venue
Lutherstadt Wittenberg
ZIP
10000
Location
Wittenberg
Country
Germany
Takes place
In Attendance
From - Until
10.10.2024 - 12.10.2024
Deadline
05.07.2024
By
Marita Meyer, FU Berlin / Middlebury College

Gärtnern ist die älteste Form der menschlichen Interaktion mit Pflanzen. Derzeit wird intensiv erforscht, inwiefern diese kulturelle Praktik direkt erfahren lässt, dass wir in einem großen artenübergreifenden Netzwerk des Lebendigen leben. ‚Gardening the World‘ als Konzept zielt auf ein besseres und nachhaltiges Miteinander zwischen Menschen und Pflanzen, das von den jüngsten Erkenntnissen der Plant Studies über die Bedeutung und die Fähigkeiten von Pflanzen ausgeht.

Writing the Garden & Gardening the World

Wir teilen den Lebensraum Erde mit einer Vielzahl anderer Lebewesen, mehr noch: wir verdanken insbesondere Pflanzen unser Leben. Pflanzen sind ‚Weltenbauer’ (Coccia 2020), sie liefern Sauerstoff, ernähren uns, sorgen für unsere Gesundheit und spenden uns in einem weiteren Sinn Wohlergehen (Walton 2021). „Gardens are ‚life support systems‘ for both their plants and their people“ (Myers 2017, 2) In Indigenem Verständnis der Potawatomi kann ein nach den Regeln der ‚ehrenhaften Ernte‘ (Kimmerer 2021) vollzogener Umgang mit Pflanzen ein Leben für alle Lebewesen auf der Erde ermöglichen, das von Respekt, Verantwortung und Dankbarkeit gegenüber der mehr als menschlichen Welt getragen ist. Außerdem macht die aktuelle Forschung zunehmend die sensuellen und kognitiven Fähigkeiten von Pflanzen sichtbar (z.B. Gagliano et al. 2014; Baluška et al. 2018; Simard 2022).

Vor diesem Hintergrund zielt das geplante Panel darauf, deutschsprachige Gartenliteratur in der Gegenwart sowohl in ihren ästhetischen als auch in ihren ethischen Dimensionen zu erschließen. ‚Gartenliteratur‘ ist keine Genrebezeichnung, sondern vielmehr „a thematic category of writing in forms ranging from practical guides on garden design and maintenance to poety, novels and essays“ (Goodbody 2023a, 14). Ähnlich wie beim Nature Writing gibt es auch beim Garden Writing eine lange angloamerikanisch geprägte Tradition, während die deutschsprachige Literatur aber noch wenig gesichtet oder analytisch erschlossen ist. Goodbody (2023b) hat eine erste Spur zu Werken von Rudolf Borchardt, Alma de l´Aigle, Jürgen Dahl und Barbara Frischmuth gelegt. Solche Spuren lassen sich auch etwa bei Jenny Erpenbeck, Peter Handke, Marion Poschmann oder Jan Wagner finden und ließen sich sogar historisch bis zu den ‘Klassikern‘ wie Goethes Wahlverwandtschaften zurückverfolgen.

Im Zusammenhang der Kulturpraktik des Writing the Garden nimmt unsere Sektion auch das reale Gärtnern und die unterschiedlichen, sich wandelnden Gartenkonzepte auf dem Weg vom ‚homo faber‘ zum ‚homo hortensis‘ (Schwarz 2019) in den Blick. Neuere wie ältere Konzepte des natürlichen oder naturnahen Gärtnerns, der ‘Garten in Bewegung‘ (Gilles de Clement) ebenso wie der ‘wuchernde Garten‘ (Emma Marris) prägen und inspirieren den gegenwärtigen globalen Gartendiskurs. Zudem lässt sich der ‚Gardening‘-Diskurs auch als Schlüssel zur Ausbildung von Resilienz in Zeiten des Anthropozän verstehen (z.B. Clément 2017; Stuart-Smith 2020; Solnit 2021; Gersdorf & Sandilands 2023). Im Kontext der deutschen Gartengeschichte soll allerdings auch die national bis nationalsozialistisch geprägte Idee des nordischen/natürlichen Gartens (Wolschke-Bulmahn 2009) reflektiert werden.
Erbeten werden Themenvorschläge, die sich dem vielfältigen Verhältnis zwischen Schreiben und Gärtnern widmen und dabei die Auswirkungen von lokalen Veränderungen auf globale Zusammenhänge im Blick behalten. Folgende Fragen können leitend sein für das Panel:
Wie lässt sich ein Garten schreiben? Wie entstehen im Prozess des Schreibens in Zeichen transformierte Gärten?
Inwiefern lassen sich Schreib- und Darstellungsprozesse auf Verfahren und Praktiken im Garten bzw. des Gärtnerns beziehen?
Auf welche Weise erweitert das literarische Schreiben die Vorstellung des Gartens und des Gärtnerns?
Inwiefern werden aktuelle Gartenkonzepte in literarischen Texten verarbeitet?
In welche gesellschaftlichen oder kulturpolitischen Konzepte sind Gartenideen eingebunden?
Inwiefern tragen Gartentexte dem Umstand Rechnung, dass der Mensch als ein ‚Player‘ unter vielen anderen einen Anteil an der Selbstregulierung und Regeneration der Erde als Gesamtsystem hat?

Zitierte Literatur
Baluška, František/Gagliano, Monica/Witzany, Günther (Hrsg.) (2018): Memory and Learning in Plants. Springer.
Clément, Gilles de (2017): Die Weisheit des Gärtners. Matthes & Seitz (OA 2004).
Coccia, Emanuele (2020): Die Wurzeln der Welt. Eine Philosophie der Pflanzen. Dtv (OA 2016).
Gagliano, Monica et al. (2014): Experience Teaches Plants to Learn Faster and Forget Slower in Environments where it Matters. In: Oecologica 175, 63-72.
Gersdorf, Catrin/Sandilands, Catriona (2023): Gardening (against) the Anthropocene. An Introduction, in: Gardening (against) the Anthropocene. Ecozon@. European Journal of Literature, Culture and Environment 14.1, 1-7.
Goodbody, Axel (2023a): Gardening the Planet: Literature and the Reimagining of Human/Nature Relations for the Anthropocene. In: Catrin Gersdorf u. Catriona Sandilands (Hrsg.): Gardening (against) the Anthropocene. Ecozon@. European Journal of Literature, Culture and Environment 14.1, 8-24.
Goodbody, Axel (2023b): Garden Writing im Anthropozän: von Rudolf Borchardt und Alma de l’Aigle bis Jürgen Dahl und Barbara Frischmuth. In: Tanja van Hoorn u. Ludwig Fischer (Hrsg.): Welche Natur? Und welche Literatur? Springer Nature, 47-63.
Kimmerer, Robin Wall (2021): Geflochtenes Süßgras. Die Weisheit der Pflanzen. Aufbau (OA 2013).
Marris, Emma (2011): Rambunctious Garden. Saving Nature in a Post-Wild World. Bloomsbury.
Myers, Natasha (2017): From Anthropocene to the Planthroposcene: Designing Gardens for Plant/People Involution. In: History and Anthropology, 1-5.
Schwarz, Astrid (2019): From Homo faber to Homo hortensis. Gardening techniques in the Anthropocene. In: Maria Paula Diogo, Ana Simões, Ana Duarte Rodrigues u. Davide Scarso (Hrsg.): Gardens and Human Agency in the Anthropocene. Routledge, 112-123.
Simard, Suzanne (2022): Finding the mother tree. Discovering the Wisdom of the Forest. Doubleday.
Solnit, Rebecca (2021): Orwell’s Roses. Viking.
Stuart-Smith, Sue (2020): The Well Gardened Mind. Rediscovering Nature in Modern World. William Collins.
Walton, Samantha (2021): Everybody needs Beauty. In Search of the Nature Cure. Bloomsbury.
Wolschke-Bulmahn, Joachim (2009): Gärten, Natur und völkische Ideologie. In: Rainer Hering (Hrsg.): Die Ordnung der Natur. Vorträge zu historischen Gärten und Parks in Schleswig-Holstein, S. 143-187.

Themenvorschläge (max. 300 Wörter) + eine kurze Biobibliographie werden erbeten bis zum 05.07.2024 an

Dr. Marita Meyer, Berlin (marita.meyer@fu-berlin.de)

PD Dr. Urte Stobbe, Universität zu Köln (urte.stobbe@uni-koeln.de)

Prof. Dr. Gabriele Dürbeck (gabriele.duerbeck@uni-vechta.de)

Programm

Call for Paper für das Panel der Sektion ´Naturen/Kulturen´ als Teil der Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft, 10.-12.10.2024

Termin: Freitag, 11.10.2024, Lutherstadt Wittenberg

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