Tierstudien 20/21: Extinction. Das große Sterben

Extinction: Das große Sterben Tierstudien, Ausgabe 20/2021. Herausgegeben von Jessica Ullrich

Veranstalter
Jessica Ullrich (Neofelis-Verlag)
Ausrichter
Neofelis-Verlag
PLZ
10439
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.02.2021 -
Deadline
01.02.2021
Von
Jessica Ullrich

Wir suchen nach Beiträgen mit einem Animal Studies-Schwerpunkt aus allen Fachbereichen zum Themenkomplex „Extinction“ sind willkommen. Abstracts von nicht mehr als 2.000 Zeichen senden Sie bitte bis zum 1. Februar 2021 an jessica.ullrich@neofelis-verlag.de.

Extinction: Das große Sterben Tierstudien, Ausgabe 20/2021. Herausgegeben von Jessica Ullrich

Nachdem es vor einigen Jahren bereits eine Ausgabe von Tierstudien zu Thema „Tod“ gegeben hat, soll sich die nächste Nummer mit dem Sterben ganzer Arten beschäftigen. Das Besondere am derzeitigen Artensterben ist, dass es weitgehend menschengemacht ist: Klimawandel, Habitatzerstörung und -fragmentierung, Umweltverschmutzung, neue Formen der Landnutzung, Prädation durch eingeführte Spezies, Overkill durch Jagd und Fischfang, Versauerung der Ozeane, chemische Belastung der Umwelt durch Landwirtschaft und eingeschleppte Pathogene tragen alle dazu bei, dass die Aussterbensrate um ein Vielfaches höher ist als natürlicherweise.

Im wissenschaftlichen Diskurs haben sich mittlerweile die Extinction Studies konstituiert, die Schnittmengen zu den Animal Studies und der Multispecies Ethnography aufweisen, um Fragen des Verwobenseins von menschlichem und nichtmenschlichem Leben im Anthropozän vor der Folie des Artensterbens zu untersuchen. Auch wird bereits diskutiert, unter welchen Bedingungen Ökozid, also die Massenausrottung von Flora und Fauna, ein Straftatbestand sein kann und wie ein solches Verbrechen geahndet werden könnte. Und Mitte 2020 führt das Sachbuch Überleben zur „Zukunftsfrage Artensterben“ die Spiegel-Bestseller-Liste an. Das Thema fasziniert, bewegt und erschreckt derzeit wie kaum ein anderes und führt bei den einen zu politischem Aktivismus (z.B. Extinction Rebellion), bei anderen zu privater Resignation oder trotziger Verleugnung. Dabei bleiben die primär Betroffenen oft seltsam unsichtbar.

Während das potentielle Aussterben von Vertretern der charismatischen Megafauna (etwa Gorillas oder Eisbären) von einer großen Medienpräsenz begleitet wird, bekommen Insekten, Reptilien oder Vögel, die in viel größerer Zahl gefährdet sind – und das wohl auch mit düstereren Konsequenzen für die Ökosysteme – weitaus weniger Aufmerksamkeit. Aber auch hier sind die Sympathien ungleich verteilt. Manche Insektenspezies sterben gänzlich unbemerkt aus, noch bevor sie überhaupt wissenschaftlich beschrieben worden sind, während für das Überleben von anderen großangelegte öffentlichkeitswirksame Kampagnen organisiert werden wie etwa im Fall der Biene. Dabei beruht der Aktivismus gegen das Bienensterben teilweise auf Missverständnissen: So sind Honigbienen nicht gefährdet, wohl aber ihre wilden Verwandten. Denn von der sogenannten „6. Extinction“ sind domestizierte Tiere in der Regel nicht betroffen. Sie sind durch die ökonomischen oder auch sozialen Interessen von Menschen, die Haustiere nutzen oder Heimtiere lieben, geschützt.
Artensterben wird oft deshalb als Problem angesehen, weil dadurch erst in der Zukunft nutzbar zu machende Tierarten verloren gehen. Wenn jedoch das Hauptargument ist, dass das menschliche Überleben von Biodiversität abhängt, erweist sich die Sorge um deren Verlust als zutiefst anthropozentrisch.

In dieser Ausgabe von Tierstudien soll einerseits versucht werden, den Blick umzukehren und das Artensterben von den Tieren aus zu perspektivieren, und andererseits sollen Narrative analysiert werden, die sich in den wissenschaftlichen Debatten und künstlerischen Verhandlungen von Artensterben formiert haben.

Es werden Beiträge über die Rolle von Individuen in den Diskussionen um Artenschutz gesucht, z.B. über die Figuration des Endlings (die letzte Wandertaube, der letzte Tasmanische Tiger…). Zu den Fragen, die in Studien erörtert werden könnten, gehören auch solche der De-Extinction und des Artenschutzes. Was sind die Implikationen von Erhaltungszuchten, Nachzuchtprojekten oder gar der Wiederbelebung ausgestorbener Arten durch genetische Methoden für die betreffenden Tiere? Sollten Tiere in Zoos gehalten werden, um sie in der Wildnis vor dem Aussterben zu retten? Wie leben spezifische Tiere in den Trümmern ihrer sterbenden Habitate und wie wird ihr Überleben oder ihr Verschwinden erzählt? Wie äußert sich Fürsorge für sterbende Arten und wie trauert man um sie oder bereitet sich auf ihren bevorstehenden Verlust vor? Wie ist zu bewerten, dass die Ausrottung von für Menschen schädlichen Parasiten häufig begrüßt oder aktiv betrieben wird wie beispielsweise in Versuchen, Moskitopopulationen durch eingeschleuste Schadgene zu eliminieren?

Wir suchen nach Beiträgen, die sich mit dem sogenannten sechsten Massenaussterben beschäftigen, aber auch mit den früheren großen Aussterbenswellen. Vor allem am populärkulturellen Umgang mit der letzten, die zum Verschwinden der Dinosaurier geführt hat, zeigt sich, dass es durchaus möglich ist, etwas zu vermissen, das man gar nicht kennengelernt hat.

Es könnte gefragt werden, wie unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und Stakeholder mit dem Aussterben umgehen und wie man diesen Umgang historisch einordnen, philosophisch reflektieren oder soziologisch oder psychologisch deuten kann. Auch soll untersucht werden, wie in belletristischen, feuilletonistischen, philosophischen und wissenschaftlichen Texten, in Kunstwerken oder in Spiel- und Dokumentarfilmen Artensterben als Denkfigur und ästhetische Größe produktiv gemacht wird. Schließlich könnte danach gefragt werden, wie eine Zukunft ohne (bestimmte) Tiere aussehen wird.

Wir suchen nach Beiträgen mit einem Animal Studies-Schwerpunkt aus allen Fachbereichen. Auch nicht aufgeführte Fragestellungen zum Themenkomplex „Extinction“ sind willkommen. Abstracts von nicht mehr als 2.000 Zeichen senden Sie bitte bis zum 1. Februar 2021 an jessica.ullrich@neofelis-verlag.de. Die fertigen Texte dürfen eine Länge von bis zu 22.000 Zeichen haben (inklusive Leerzeichen und Fußnoten) und müssen bis zum 1. Juni 2021 eingereicht werden. Danach gehen sie zur Peer Review an den wissenschaftlichen Beirat von Tierstudien. Auf Grundlage der Gutachten des wissenschaftlichen Beirats wird über die Annahme der Texte zur Veröffentlichung entschieden. Erscheinungsdatum für die angenommenen Texte ist Oktober 2021.

Kontakt

jessica.ullrich@neofelis-verlag.de

https://neofelis-verlag.de/verlagsprogramm/zeitschriften/tierstudien
Redaktion
Veröffentlicht am
23.10.2020
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