Sechste Schweizerische Geschichtstage 2022: "Natur"

Sechste Schweizerische Geschichtstage 2022: "Natur"

Veranstalter
Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG) (Universität Genf)
Ausrichter
Universität Genf
Gefördert durch
Schweizerische Akademie der Geisteswissenschaften (SAGW)
PLZ
1205
Ort
Genf
Land
Switzerland
Vom - Bis
29.06.2022 - 01.07.2022
Deadline
30.04.2021
Von
Flavio Eichmann, Schweizerische Gesellschaft für Geschichte

Sechste Schweizerische Geschichtstage 2022: "Natur"

Die Covid-19-Pandemie, der Klimawandel und der dramatische Verfall der Artenvielfalt zwingen die Menschheit, ihr Verhältnis zur Natur zu überdenken. Es ist deshalb an der Zeit, das Thema «Natur» aus historischer Perspektive zu betrachten. Die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG) und die Universität Genf laden Historikerinnen und Historiker bis am 30. April 2021 herzlich ein, Panels zum Tagungsthema «Natur» einzureichen.

Sixièmes Journées suisses d’histoire 2022 à Genève

La pandémie de Covid-19, le changement climatique et le déclin dramatique de la biodiversité forcent l’humanité à repenser sa relation avec la nature. Il est donc temps d’aborder le thème de la «nature» dans une perspective historique. La Société suisse d’histoire (SSH) et le Département d’histoire générale de l’Université de Genève invitent les historiennes et historiens à soumettre d’ici au 30 avril 2021 des propositions de panels sur le thème du congrès «La nature».

Sechste Schweizerische Geschichtstage 2022: "Natur"

Die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG), die Fachvereinigung der Historikerinnen und Historiker der Schweiz, hat die Universität Genf für die Austragung der Sechsten Schweizerischen Geschichtstage ausgewählt. Turnusgemäss versammelt dieser Kongress alle drei Jahre Hunderte von Historikerinnen und Historikern aus dem In- und Ausland und zählt zu den grössten sowie interessantesten Symposien dieser Art in Europa. Die Schweizerischen Geschichtstage bieten allen Sparten des Faches eine Bühne für den wissenschaftlichen Dialog und ziehen den wissenschaftlichen Nachwuchs ebenso an wie Geschichtslehrende und Forschende mit internationalem Renommee. Aufgrund der Aktualität ihrer Themen wecken sie auch ausserhalb der Fachwelt grosses Interesse. Nach den Universitäten Bern, Basel, Freiburg, Lausanne und Zürich wird 2022 die Universität Genf diesen Kongress ausrichten.
Der Organisationsausschuss und der wissenschaftliche Beirat, die sich für die Ausrichtung gebildet haben, umfassen Mitglieder des Departements für Geschichte, des Departements für Altertumswissenschaften, des Instituts für Reformationsgeschichte, des Paul-Bairoch-Instituts und der interfakultären Maison de l’histoire der Universität Genf ebenso wie des Departements für Internationale Geschichte des Genfer Hochschulinstituts für Internationale Studien und Entwicklung IHEID. Auf Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats wurde folgendes Thema für die Geschichtstage 2022 gewählt:

«Natur»

Die Covid-19-Pandemie, der Klimawandel und der dramatische Verfall der Artenvielfalt zwingen die Menschheit, ihr Verhältnis zur Natur zu überdenken. Der erst seit gut hunderttausend Jahren existierende Homo sapiens zerstört die vermeintlich «ewige» Natur in einer Weise, welche die Fundamente seines eigenen Daseins bedroht. Das kritische Studium der Beziehung zwischen Mensch und Natur, die seit der Antike ein grundlegendes philosophisches Begriffspaar bilden, stellt im Zeitalter des Anthropozäns eine entsprechend grosse Herausforderung für Historikerinnen und Historiker dar.
Dieses weite Feld ist jedoch erstaunlich wenig erforscht. Denn einerseits hat der cultural turn in den Geistes- und Sozialwissenschaften die Ausprägungen der Natur – Wälder, Wüsten, Ozeane, Gebirge, Flüsse, Boden, Gletscher, das Klima, die Tierarten und die Ressourcen, die sie bieten – weitgehend der Erforschung durch die Natur- und Umweltwissenschaften überlassen, wiewohl ihr Wandel stark vom Menschen beeinflusst ist. Andererseits haben die Naturwissenschaften kulturelle Einflüsse auf die Beziehung Mensch-Natur weniger in den Blick genommen als nötig. Es ist umso dringender, den Naturbegriff und seine Beziehung zum Menschen kritisch zu historisieren, denn seine Kontextualisierung verspricht, die gegenwärtigen «Umweltkrisen» besser zu verstehen und eine Annäherung zwischen dem menschlichen Bewusstsein und Verhalten der Natur gegenüber zu fördern.
Alle Gebiete des Faches sind eingeladen, Vorschläge für Beiträge einzureichen, welche die Art und Weise untersuchen, in der Menschen, Zivilisationen und Kulturen Natur verstanden, entdeckt, verändert oder geschützt haben: die Kunstgeschichte wie auch Wissenschafts- und Technikgeschichte, die Wirtschafts- und Sozialgeschichte ebenso wie die politische Geschichte – und zwar unter Berücksichtigung lokaler, nationaler, internationaler und selbst globaler Perspektiven. Das Organisationskomitee der Geschichtstage 2022 und die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte laden hiermit alle Forscherinnen und Forscher herzlich ein, Vorschläge über dieses weite Thema einzureichen. Sechs Reflexionscluster, die sich nicht scharf voneinander abgrenzen, sollen dem wissenschaftlichen Austausch Struktur verleihen:

Repräsentationen: historische Semantik, Bild- und Transfergeschichte

Seit der Antike gibt es über Natur und den Naturbegriff eine reichhaltige Überlieferung geistiger Produktion. Mal stellt sie Natur als einzigartigen Bereich dar, von dem sich der Mensch distanziert, mal verortet sie im Gegenteil den Menschen in der Natur. Die symbolischen Konstruktionen von Natur verlangen nach Aufarbeitung der Begriffsgeschichte, der variierenden Repräsentationen und Bilder ebenso wie der Transfergeschichte zwischen Kulturräumen.

Mensch und Natur

Die Erforschung der Natur hängt von der menschlichen Entwicklung ab, denn ohne sie gäbe es keine Naturforschung. Doch der Mensch ist auch Teil der Natur, Teil einer Schnittmenge, in der sich Natur und Kultur begegnen. Der Dualismus lädt zur Frage nach der «menschlichen Natur» ebenso wie nach der – positiven oder destruktiven – Bedeutung «der Natur» für den Menschen ein.

Natur – Wissen

Im Angesicht einer mal nährenden, mal feindlich scheinenden Natur haben Menschen seit langem eine intensive wissenschaftliche Neugier an den Tag gelegt. Ein Ziel der aktuellen Forschung besteht darin, geistige und technische Revolutionen der Menschheit in der Geschichte der Wissenschaften und der kulturellen Entwicklung im weiteren Sinn zu verorten.
Interaktionen und Regulierungen der Beziehung Mensch-Natur
Wissenschaftlich-technischer Fortschritt hat die Ausbeutung von Grundstoffen in einem Masse gesteigert, dass nach dem grossen Überfluss Knappheit immer häufiger droht. Dieses Risiko provoziert Antworten – vom «Weiter so» bis zur «Regulierung», die regelmässig die technischen und intellektuellen Dispositionen der Akteurinnen und Akteure widerspiegeln. Folgerichtig erscheint das Studium der Versuche, Natur zu managen, zu beherrschen, zu zerstören, aber auch zu bewahren und zu schützen aus der Perspektive unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure lohnenswert.

Natur – Systeme (Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur)

Die Beobachtung der Natur hat viele gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure dazu gebracht, Vergleiche mit menschlichen Systemen anzustellen: So wurde und wird mitunter die Funktionsweise von Regierungen, Kulturen sowie Individuen mit – ganz unterschiedlichen, manchmal widersprüchlichen – Hinweisen auf die Natur «erklärt». Paradoxerweise verstärkt dieser Ansatz den schon in der Naturbetrachtung inhärenten Anthropozentrismus, der erst durch die Störung natürlicher Prozesse (durch den Menschen) in Frage gestellt wird. Naturvergleiche oder -analogien bilden jedenfalls für Gesellschafts-, Wirtschafts-, Politik- und Kulturhistorikerinnen und -historiker eine Folie für neue und erneuerte Fragestellungen.

Natur als Metapher

Der Glaube in unverrückbare Gesetze spiegelt sich im metaphorischen Gebrauch des aus dem Lateinischen abstammenden Naturbegriffs. Hergeleitet vom Verb nasci, «geboren», bezeichnet das Substantiv angeborene Eigenschaften eines Lebewesens, einer Sache oder eines Phänomens. Doch gehorchen die Geschichte, Gesellschaften und Individuen irgendwelchen Gesetzen? Die Metapher «Natur» wirft damit grundsätzliche Fragen auf, die kulturelle, soziale und ideologische Dimensionen enthalten.

Diese Überlegungen mögen als Anregungen dienen für die Debatte unter Historikerinnen und Historikern sowie für den Dialog zwischen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und einem breiteren Publikum. Denn ein derartig aktuelles Thema dürfte dafür sorgen, dass die Geschichtstage nicht nur wieder ein Ort der Erneuerung des Faches werden, sondern auch die breitere Öffentlichkeit ansprechen.
Und schliesslich werden die Teilnehmenden durch die Untersuchung der Frage, wie sich vergangene Generationen einer mitunter grausamen Natur anpassten und sie sich zugleich zunutze machten, der Gegenwart einen Spiegel vorhalten. Darin möge sie sich angesichts der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser erkennen.
Die Panelvorschläge können bis am 30. April 2021 über die Webseite www.geschichtstage.ch eingereicht werden.

Sixièmes Journées suisses d’histoire 2022 à Genève

La Société suisse d’histoire (SSH), l’association disciplinaire réunissant les historiennes et historiens suisses, a convenu que les Journées suisses d’histoire (JSH) de 2022 auraient lieu à Genève. Cette manifestation sera la sixième édition d’un symposium qui, tous les trois ans, rassemble plusieurs centaines d’historiennes et d’historiens. Il s’agit de l’une des plus importantes réunions de ce type en Europe. Les JSH servent de tribune aux sciences historiques dans toute leur diversité et invitent au dialogue la relève autant que des figures scientifiques mondialement reconnues. En sélectionnant des thématiques d’actualité pour les traiter par un prisme historique, elles suscitent un intérêt large de la part de l’opinion publique. Après Berne, Bâle, Fribourg, Lausanne et Zurich, les JSH se tiendront à l’Université de Genève.
Le comité d’organisation et le conseil scientifique constitués pour l’occasion se composent de membres du Département d’histoire générale, du Département des sciences de l’Antiquité, de l’Institut d’histoire de la Réformation, de l’Institut d’histoire économique Paul Bairoch, de la Maison de l’histoire de l’UNIGE, ainsi que du Département d’histoire internationale, rattaché quant à lui à l’Institut de hautes études internationales et du développement (IHEID). Sur proposition du conseil scientifique, la thématique des JSH 2022 sera :

«La nature»

La récente pandémie de Covid-19, le changement climatique et le déclin de la biodiversité nous amènent à repenser notre rapport à la nature. L’homo sapiens, qui n’existe que depuis quelques centaines de milliers d’années, détruit une nature qu’il a prétendu « éternelle », au point de mettre en péril les bases mêmes de son existence. L’étude critique de la relation entre humains et nature, qui constitue depuis l’Antiquité une dichotomie philosophique fondamentale, lance un défi majeur aux historiennes et aux historiens à l’ère de l’anthropocène.
Or, cet immense domaine de recherche demeure largement inexploré. En raison du « tournant culturel » pris par les sciences sociales, la nature, les forêts, les déserts, les océans, les montagnes, les fleuves, le sol, les zones glacières, le climat, les espèces et les ressources qu’ils offrent restent, d’une part, des sujets souvent délaissés, alors qu’ils ont connu des développements fortement influencés par une humanité dont ils encadrent et conditionnent l’évolution. D’autre part, les sciences naturelles n’ont pas insisté sur les influences culturelles qui déterminent notre rapport à la nature. Il est donc d’autant plus urgent d’historiciser la notion de « nature » dans son rapport avec l’homme, d’autant plus qu’une telle contextualisation permettrait de mieux comprendre les crises environnementales actuelles et de favoriser le rapprochement entre la conscience de notre rapport à la nature et le comportement humain à son égard.
Tous les champs de la discipline sont conviés à contribuer à cette réflexion en examinant la manière selon laquelle les humains, les civilisations et les cultures ont appréhendé, découvert, altéré ou protégé la nature : l’histoire des arts et de la culture, l’histoire des sciences et de la technologie, l’histoire économique et politique, dans une perspective locale, nationale, internationale voire globale. Le comité d’organisation des JSH 2022 et la Société suisse d’histoire invitent par conséquent les chercheuses et chercheurs à soumettre des propositions portant sur ce vaste sujet. Six pistes de recherche, toutes liées entre elles, forment l’ossature scientifique de la rencontre :

Représentations : sémantique historique, images, transferts

Depuis l’Antiquité, la nature est l’objet d'une abondante production intellectuelle, qui l’envisage comme un territoire singulier duquel l’humain peut se distancier ou, au contraire, auquel il peut s’identifier. Cette construction symbolique nous amène à reconsidérer l’évolution temporelle des notions et concepts de nature, à questionner la variété de ses représentations et à étudier les éventuels transferts entre diverses aires culturelles.

Nature et êtres humains

L’étude de la nature dépend de l’évolution et condition humaine, puisque toute étude de la nature n’existerait pas sans les êtres humains qui la stimulent. Or, puisque les humains sont partie prenante de la nature, et encore plus parce qu’ils se trouvent à l’intersection entre nature et culture, cette dualité fondamentale incite à questionner la « nature humaine », de même que les fonctions destructrices ou positives de la nature vis-à-vis de l’humanité.

Savoirs et nature

Face à une nature à la fois nourricière et hostile, les humains ont régulièrement manifesté une intense curiosité scientifique. L’un des objectifs de la recherche actuelle est de replacer les révolutions intellectuelles et techniques, induites par l’élargissement des savoirs, dans l’histoire large des sciences et des évolutions culturelles.

Interactions et régulations des relations humain-nature

Les progrès scientifiques et techniques ont facilité l’exploitation des ressources dans une telle mesure que les risques d’épuisement sont devenus une menace de plus en plus urgente. Cette situation a favorisé l’invention de remèdes qui reflètent les possibilités matérielles et les dispositions intellectuelles des milieux dans lesquels ils ont été imaginés. Un constat qui pousse à examiner scientifiquement les diverses tentatives pour gérer, dominer, voire détruire la nature et, d’autre part, à approfondir l’histoire de sa préservation et de sa conservation.
Nature et systèmes (société, économie, politique, culture)

L’observation de la nature a conduit de nombreux acteurs sociaux à établir des comparaisons avec les systèmes humains : gouvernements, cultures ou individus ont vu leur fonctionnement expliqué, sinon façonné, en invoquant une prétendue nature qui déterminerait certains comportements et reflèterait des attitudes parfois contradictoires. Paradoxalement, cette démarche favorise un anthropocentrisme susceptible d’être remis en question par l’irruption de phénomènes naturels. Les comparaisons et les analogies entre systèmes et nature présentent ainsi un terreau fertile aux historiennes et historiens de la société, de l’économie, du politique et de la culture.

Nature-métaphore

La foi dans l’existence de lois inébranlables transparaît dans l’usage métaphorique du terme de nature, directement tiré du latin. Issu du verbe nasci, naître, le substantif désigne les propriétés innées d’un être, d’une chose ou d’un phénomène. Mais l’histoire, la société, l’individu, obéissent- ils vraiment à des lois imposées par leur nature propre ? L’usage métaphorisé de la nature soulève ainsi des questions et des débats de type culturel, politique ou idéologique.

Ces différentes réflexions et pistes de recherche doivent permettre de stimuler les échanges entre les historiennes et les historiens de Suisse lors de ce symposium trisannuel, mais aussi d’ouvrir le dialogue entre les spécialistes et la cité. Un thème aussi brûlant d’actualité qualifie les Journées suisses d’histoire comme un lieu de renouvèlement d’une discipline historique s’enrichissant des questionnements du présent, ouverte vers le grand public et les enjeux contemporains.
En traquant la manière dont les générations passées composaient avec une nature parfois cruelle qu’elles espéraient exploiter afin de subsister, les chercheuses et chercheurs donneront ainsi une profondeur temporelle bienvenue aux préoccupations de ce début de XXIe siècle.
Les propositions de panel peuvent être déposées jusqu’au 30 avril 2021 sur le site www.journeesdhistoire.ch

Kontakt

Marc Aberle
Département d’histoire générale
Université de Genève
Rue Saint-Ours 5
CH-1205 Genève
+41 22 379 79 64
2022@geschichtstage.ch

https://cfp.geschichtstage.ch
Redaktion
Veröffentlicht am
01.12.2020
Klassifikation
Weitere Informationen

Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung