Titel
Triumph ohne Sieg?. Roms Ende in Germanien


Herausgeber
Aßkamp, Rudolf; Jansen, Kai
Reihe
Zaberns Bildbände zur Archäologie. Sonderbände der Antiken Welt
Erschienen
Anzahl Seiten
168 S.
Preis
€ 39,95
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Klaus-Peter Johne, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Nachdem der 2000. Jahrestag der Schlacht im Teutoburger Wald mit drei großen Ausstellungen und einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen gewürdigt worden ist, überrascht es nicht, dass der Triumph des Germanicus am 26. Mai 17 n.Chr. den Anlass für eine Ausstellung bietet, dieses Mal im Römermuseum Haltern am See. Den prächtig ausgestatteten Begleitband durchzublättern ist eine wirkliche Freude, da alle einschlägigen Bildzeugnisse zu den Themen „Triumph“ und „Römische Expansion nach Germanien“ in vollendet höchster Qualität präsentiert werden.

Die mit großem Aufwand betriebene Siegesfeier des Germanicus markiert das Ende einer 30-jährigen Offensivpolitik mit dem Ziel, das Imperium vom Rhein bis an die Elbe auszudehnen. Dieses Ziel wurde bekanntlich nicht erreicht, daher war es ein Triumph ohne einen wirklichen Sieg. Nicht glücklich gewählt ist der Untertitel des Bandes: Gemeint ist nur das Ende der römischen Herrschaft über die Stämme im Innern Germaniens. Das Rheinland und Teile Süddeutschlands verblieben ja noch lange in römischem Besitz. Dort wurden am Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr. die Provinzen Unter- und Obergermanien gegründet. Tatsächlich ist die Bezeichnung „Roms Ende in Germanien“ erst für das 4. und 5. Jahrhundert zutreffend.

Die zwölf Beiträge des Sammelbandes behandeln drei recht unterschiedliche Themenkomplexe: Fünf widmen sich dem eigentlichen Anlass und seinem Umfeld, vier erörtern den Triumph im Allgemeinen und drei beschäftigen sich mit dem Leben im römischen Deutschland. Die Ausführungen des letzten Bereiches über Thermen, Märkte und Tempel (Patrick Jung), über privaten Luxus an Rhein und Mosel (Friederike Naumann-Steckner) sowie über Versorgung und Infrastruktur (Kathrin Jaschke) sind zweifellos aufschlussreich, hätten aber auch in jeden Sammelband über römische Provinzen gepasst.

Die Aufsätze zum Triumph erörtern die Triumphalkunst, die Strecke des Triumphzuges durch die Stadt Rom sowie Gewand und Insignien des Triumphators. Bei der Vorstellung der Triumphalkunst stehen Darstellungen der Siegesgöttin Victoria im Vordergrund (Ralf Grüßinger). Sehr interessant ist die Rekonstruktion der Triumphroute, bei der den beiden Ehrenbögen für Germanicus besondere Aufmerksamkeit zuteil wird (Sven Th. Schipporeit). Um Realität und ikonographisches Narrativ des Triumphzuges geht es in einem weiteren Beitrag (Thomas Schäfer). Behandelt werden Elemente bekannter Siegesfeiern aus den Jahren 167, 61 und 29 v.Chr. sowie 70 n.Chr. Die Betrachtung von Gewand und Insignien des Triumphators nimmt ihren Ausgangspunkt vom Jahre 17, greift aber bis zu Marius zurück und bis zu Septimius Severus voraus (Jan Meister). Interessant in diesem Aufsatz ist die Vergabe von Triumphalinsignien an Feldherren statt eines Triumphes, nachdem Augustus diese Form der Siegerehrung für Angehörige des Kaiserhauses reserviert hatte.

Die Sicht auf Germanicus und die Feldzüge der augusteischen Zeit erfolgt aus historischem wie aus archäologischem Blickwinkel. Den Auftakt zu diesem Teil bildet ein souveräner Überblick über das Geschehen von 16 v.Chr. bis 16 n.Chr. unter besonderer Berücksichtigung der Familienpolitik des ersten Princeps (Werner Eck). Es folgt eine Behandlung der inzwischen reichhaltigen archäologischen Überlieferung, wie sie in den Militärlagern der Römer an Rhein, Lippe, Main und Werra mit zahlreichen Waffen, Gebrauchsgegenständen und Münzen zu finden ist (Bernd Rudnick). Die römische Flottenexpedition an die dänische Nordseeküste wird mit einem Zusammentreffen des Heeres von Tiberius an der Elbe im Jahre 5 n.Chr. verbunden (S. 89). Das ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Diese Flotte diente doch der Versorgung des Landheeres mit einer Fülle von Nachschub, was sich mit einer Erkundungsfahrt in unbekannte Gewässer kaum vereinbaren lässt. Die Expedition zum Kap Skagen gehört wahrscheinlich schon in das Jahr 4 n.Chr.[1]

Die Feldzüge des Germanicus in den Jahren 10 bis 16 sind das Thema eines weiteren althistorischen Beitrags (Peter Kehne). Darin spricht sich der Autor, wie auch schon früher, gegen Kalkriese als den Ort der Varusschlacht aus und billigt die Vermutung von Reinhard Wolters, es handele sich vielmehr um das Schlachtfeld an den „Langen Brücken“ aus dem Jahre 15 (S. 99). In dem kürzesten Beitrag des Bandes werden alle Argumente zusammengetragen, die für eine Gleichsetzung des aus der Literatur bekannten Kastells Aliso mit dem archäologisch gut bezeugten Legionslager Haltern sprechen (Rudolf Aßkamp).

Der letzte Aufsatz geht der hypothetischen Annahme nach, was denn die Folgen eines Sieges des Germanicus und der Gründung einer römischen Provinz zwischen Rhein und Elbe gewesen wären (Wilm Brepohl). Er kommt zu der zutreffenden Annahme, dass auch dieses Szenario nichts an dem weiteren Verlauf der Geschichte und am Untergang des Weströmischen Reiches geändert hätte (S. 149). Der Autor macht dafür den inneren Zerfall vorrangig verantwortlich. Aber auch wenn man den äußeren Faktoren ein größeres Gewicht zugesteht, ist offenkundig, dass entscheidende Kräfte der Völkerwanderungszeit, die Goten, Vandalen, Burgunder und Langobarden, außerhalb einer Elbgrenze des Imperiums gelebt hätten, mithin nur eine Verlagerung des Grenzproblems erfolgt wäre. Mit diesem anregenden Essay schließt der unter verschiedenen Aspekten sehr informative Band.

Anmerkung:
[1] Dazu Klaus-Peter Johne, Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike, Berlin 2006, S. 141–144.

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Veröffentlicht am
18.09.2017
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