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Titel
Referendariat Geschichte. Kompaktwissen für Berufseinstieg und Examensvorbereitung


Autor(en)
Berger, Jutta; Schmidtmann, Christian
Erschienen
Umfang
112 S.
Preis
€ 14,95
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Editha Schertl, Fachseminarleiterin Geschichte im Studienseminar Hannover II

Die Herausgeber Jutta Berger und Christian Schmidtmann sehen ihr Buch „Referendariat Geschichte. Kompaktwissen für Berufseinstieg und Examensvorbereitung“ nicht als neue Didaktik, sondern als praxisorientierten Ratgeber, der Referendarinnen und Referendaren im Fach Geschichte während der zweiten Ausbildungsphase mit Tipps, Beispielen und Anregungen unterstützen soll. Aktuelle Fachdidaktik Geschichte wird aber dennoch als Theoriebasis mitberücksichtigt und in diesem Zusammenhang wird am Ende jedes Kapitels auf fachdidaktische Literatur hingewiesen. Die Fragestellungen der einzelnen Kapitel entstammen Themenbereichen der Seminararbeit der Autoren.

Auf folgenden Themen liegt der Fokus der Auseinandersetzung: Es wird zunächst der Materialfrage nachgegangen, das heißt welche Mittel helfen im Referendariat zur Planung und Durchführung von Unterricht weiter. Zudem wird dem Bereich der Planung ein großer Stellenwert eingeräumt, wobei sowohl die Einzelstunde als auch die Unterrichtsreihe und die Langzeitplanung im Mittelpunkt stehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Lernprozessen, Methoden und Medien des Geschichtsunterrichts. Der Frage der Bewertung von Leistungen im Geschichtsunterricht wird ebenfalls nachgegangen. Weiterführend steht die Diskussion nach dem Stellenwert des Unterrichtsfaches Geschichte im Vordergrund. Das letzte Kapitel des Buches beinhaltet Hinweise und Tipps zur Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen.

Das Werk beginnt mit dem Kapitel über Sinn und Zweck von Geschichtsunterricht. Die Autoren stellen dabei heraus, dass der Geschichtsunterricht immer Bezüge zur Lebenswelt der Schüler aufweisen und in einer reflektierten Auseinandersetzung von Geschichte münden sollte. Überprüfung und Beurteilung von Geschichte, unter dem Begriff „Dekonstruktion“ zusammengefasst, stellen dabei einen elementaren Bestandteil von Geschichtsunterricht dar. In diesem Zusammenhang wird bereits auf die zurzeit aktuellen Kompetenzmodelle hingewiesen.

Im zweiten Kapitel „Wer oder was hilft?“ wird im Unterkapitel „Fachdidaktik“ auf aktuelle fachdidaktische Literatur verwiesen. Dabei unterscheiden die Autoren zwischen Basisliteratur und weiterführender Literatur. Die Bibliographie bietet einen Überblick sowohl über methodische als auch über fachdidaktische Bücher, die zum vertiefenden Arbeiten sinnvoll sind. Neben dem Verweis auf die weiterhin wichtige Rolle von Schulbüchern zur Vorbereitung und Planung von Geschichtsunterricht, wird auf seriöse und empfehlenswerte Internetquellen eingegangen.

Das Kapitel „Hospitation“ bietet Schemata an, die präzise Beobachtungskriterien für den Geschichtsunterricht beinhalten und sich an den Operatoren des Unterrichtens „Planung“ und „Durchführung“ orientieren. Zudem finden sich Merkmale für die Beobachtung des Lehrerverhaltens. Dabei stehen zum einen das Auftreten vor der Klasse und zum anderen die Gesprächsführung im Mittelpunkt. Diese Beobachtungsaspekte bieten Referendaren eine besondere Hilfe den eigenen Unterricht kriterienorientiert zu reflektieren und zu analysieren und sind auch für die Nachbesprechungen von Unterricht elementar wichtig.

Das Kapitel „Unterrichtsplanung“ stellt dezidiert die einzelnen Schritte für die konkrete Planung einer Unterrichtsstunde vor. Dabei werden die didaktischen Entscheidungen, die man bei der Planung von Unterricht treffen muss, ausführlich dargestellt. Die Ausführungen zur Themenfindung (das „Warum“) nehmen in diesem Zusammenhang einen großen Stellenwert ein, anschaulich erläutert am Beispiel der Hinrichtung Ludwig XVI. Zudem wird auf die Lernziele (das „Wozu“) eingegangen. Um die Thematik „Lernziele und Anspruchsniveau des Unterrichts“ zu verdeutlichen, verweisen die Autoren auf die Bloomsche Taxonomie. Ein allgemeindidaktisches Modell zur Phasierung einer Unterrichtsstunde findet seine Übertragung auf die Planung und Durchführung eines problemorientierten Geschichtsunterrichts und wird anhand einer Tabelle sinnvoll erklärt. Darüber hinaus findet sich in diesem Kapitel eine exemplarische Übersicht für den Verlauf einer Geschichtsstunde, die für das Anfertigen von Unterrichtsentwürfen im Rahmen des Referendariats elementar ist. Tipps zur Vorgehensweise bei der anspruchsvollen Leistung eine Unterrichtsreihe zu planen bzw. eine Langzeitplanung vorzunehmen schließen das Kapitel. Vor- und Nachteile des genetisch-chronologischen Vorgehens, des Längs- und Querschnitts, der Fallanalyse und des individuell-biografischen Verfahrens werden übersichtlich dargestellt.

Das Kapitel „Lernprozesse-Methoden-Medien“ ist am umfangreichsten und beinhaltet im ersten Unterkapitel Ausführungen zum Unterrichtseinstieg und Möglichkeiten zur Sicherung von Arbeitsergebnissen. Der Fokus liegt hierbei auf der Erstellung von Tafelbildern. Die Herangehensweise an schriftliche und bildliche Quellen wird den Leserinnen und Lesern anhand zahlreicher praxisnaher Methoden nahe gebracht. Die Unterkapitel bieten eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Förderung von Kompetenzen im Fach Geschichte, wobei Sachkompetenz, narrative Kompetenz und Werturteilskompetenz im Mittelpunkt stehen. Die Passagen enthalten zahlreiche wichtige Hinweise zum aktuellen Thema „Kompetenzorientierter Geschichtsunterricht“ und stellen somit einen überaus wichtigen Aspekt bei Planung und Durchführung von Geschichtsunterricht dar. Hingegen sind die Ausführungen über „Individualisierung und Differenzierung“ recht allgemeinpädagogisch gehalten und hätten einer weiteren vertiefenden Betrachtung bedurft.

Die Kompetenzorientierung im Geschichtsunterricht wird im Kapitel über „Leistungsüberprüfung und -bewertung“ aufgegriffen. In diesem Zusammenhang weisen die Autoren auf das sinnvolle Arbeiten mit Schülerbeobachtungsbögen und Kompetenzrastern zur Diagnose und Bewertung von Kompetenzentwicklung im Geschichtsunterricht hin und erläutern dies anhand konkreter Beispiele. Ausführungen über Abiturprüfungsordnungen und über das Zentralabitur ergänzen das Kapitel.

Das sich anschließende Kapitel beinhaltet Darlegungen zum Fach Geschichte im Rahmen des Schulprofils. Dabei wird auf die Aufgaben der Fachkonferenz eingegangen und der Stellenwert der Teilnahme an Wettbewerben und Arbeitsgemeinschaften herausgestellt. Exemplarisch nennen und erläutern die Autoren den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, getragen von der Körber-Stiftung. Zudem enthält das Kapitel methodische Hinweise und Hilfen, wie der Geschichtsunterricht die Demokratieerziehung der Schüler fördern kann und erwähnt in diesem Zuge beispielhaft die für Schüler motivierenden „Andi-Comics“. Diese Comics können die kritische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus fördern.
Das Buch schließt mit Tipps zur Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen. Es verweist darauf, theoretisches Wissen mit praktischen Anwendungssituationen zu verbinden und bietet Strategien zur Gestaltung von Prüfungsstunden.

Das Werk „Referendariat Geschichte“ bietet Basiswissen für die Ausbildung und für die Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen. Es werden konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, die mit Theoriewissen verbunden sind. Beispiele aus der Praxis motivieren den Leser und veranschaulichen die Darstellung. Checklisten, die aus dem Internet als PDF-Datei herunter geladen werden können, sind hilfreich und erleichtern das Arbeiten und Lernen. „Dos and dont’s Kästen“ bieten einen zielführenden Überblick über den Inhalt der einzelnen Kapitel. Aktuelle Literaturhinweise ergänzen die Kapitel und geben Möglichkeiten zur vertiefenden Weiterarbeit.

Zitation
Editha Schertl: Rezension zu: : Referendariat Geschichte. Kompaktwissen für Berufseinstieg und Examensvorbereitung. Berlin  2014 , in: H-Soz-Kult, 23.04.2015, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-23768>.
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Veröffentlicht am
23.04.2015
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