Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklungs- und Rezeptionsgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 15. Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager

Ort
Oranienburg/Fürstenberg
Veranstalter
Christiane Heß / Julia Hörath / Dominique Schröder / Kim Wünschmann; Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin
Datum
12.11.2008 - 16.11.2008
Von
Janosch Steuwer, Ruhr-Universität Bochum

In den letzten 20 Jahren stellte die historische Forschung zur Geschichte der Konzentrationslager ein ausgezeichnetes Forschungsfeld vor allem für junge Wissenschaftler/innen dar. Bis in die 1980er-Jahre hatte sich die Geschichtswissenschaft kaum für die empirische Untersuchung der nationalsozialistischen Konzentrationslager interessiert.[1] Erst seit den späten 1980er-Jahren nahm das historiographische Interesse an den Konzentrationslagern zu und es entstanden nun zahlreiche Studien, darunter viele Promotionen, die sich „durch einen fragenorientierten Ansatz, eine empirische Anlage sowie eine quellengesättigte Darstellung auszeichneten.“[2] Doch zwanzig Jahre nach dem Beginn der neueren KZ-Forschung hat sich die Forschungssituation grundlegend verändert. Karin Orth hat jüngst mit Blick auf den gegenwärtigen Forschungsstand festgehalten: „Das Untersuchungsfeld ist empirisch breit erforscht und bahnbrechende Untersuchungen, die zu gänzlich neuen, im Sinne von Thomas Kuhn revolutionären Erkenntnissen führen werden, sind in nächster Zeit kaum zu erwarten, unbeschadet des einen oder anderen Details, das sicherlich noch wert ist, erforscht zu werden.“ Statt empirischer Detailstudien wären analytische Forschungsarbeiten notwendig, „welche die empirischen Befunde einordnen und synthetisieren.“[3] Vor allem für Promovierende, die sich gegenwärtig mit den nationalsozialistischen Konzentrationslagern befassen, stellt der aktuelle Stand der KZ-Forschung so eine andere Herausforderung dar, als noch in den 1990er-Jahren – ist für die Promotion doch gerade die empirische Detailanalyse und weniger die Synthetisierung der bestehenden Literaturlage gefordert.

Davon, dass die NS-Konzentrationslager trotzdem auch gegenwärtig noch einen Gegenstand für die nachwachsende Wissenschaftler/innen-Generation bilden, zeugte jetzt der „15. Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager“, der vom 12. bis 16. November 2008 in Oranienburg und Fürstenberg stattfand. Die seit 1994 jährlich von einer Gruppe Promovierender selbstorganisierte Veranstaltung ist als kollegiales Diskussionsforum für junge Wissenschaftler/innen gedacht. Die Organisation des diesjährigen Workshops wurde dabei in Kooperation mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten durchgeführt. Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Dr. Hildegard Hansche-Stiftung, die Fritz Thyssen Stiftung, die FAZIT-Stiftung und die Fondation pour la Mémoire de la Shoah. Der 15. Workshop war unter den Titel „Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklungs- und Rezeptionsgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager“ gestellt worden und umriss damit ein breites thematisches Spektrum, das in vier Panels gegliedert worden war.

Das erste Panel fokussierte unter der Überschrift „Lagersystem“ verschiedene Entwicklungen des KZ-Systems, wobei der Schwerpunkt auf der frühen Phase der Konzentrationslager lag. JULIA HÖRATH (Birkbeck College, London) setzte sich in ihrem Vortrag mit der bestehenden Forschungsliteratur auseinander, in der die Zeitspanne zwischen den beiden Eckdaten der 'Bettlerrazzia' im September 1933 und den Massenverhaftungen gegen ‚Berufsverbrecher’ 1937 und der ‚Aktion Arbeitsscheu Reich’ 1938 bisher kaum beachtet wurde.[4] Hörath bezog ihren Vortrag dabei auf die gängige These, die Konzentrationslager müssten bis 1937/38 vor allem als Instrument zur Bekämpfung der politischen Gegner betrachtet werden, die mit dem Übergang zur ‚rassischen Generalprävention’ einen Funktionswandel erlebten. Mit einem Vergleich von Verfolgtenschicksalen aus der Zeitphase bis 1937 und aus den Massenverhaftungen 1937/38 unterstrich Hörath zum einen die Bedeutung, die bereits den frühen Konzentrationslagern auch für die sozialrassistische Verfolgung beikam. Zum anderen betonte sie, dass die Massenverhaftungen 1937/38 nicht als „qualitativer Bruch“, sondern als „Zentralisierung, Vereinheitlichung und qualitative Ausweitung einer bereits vorher eingeübten Praxis zu verstehen“ seien.

SVEN LANGHAMMER (Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt) stellte die Ergebnisse seiner Magisterarbeit vor, die sich mit der „polizeilichen Vorbeugungshaft in Preußen von 1933-1936/37“ befasste. Langhammer fokussierte vor allem die Entstehung der Häftlingskategorie „Berufsverbrecher“, die erstmals im Konzentrationslager Lichtenburg klassifiziert wurde, das bis 1935 als einziges Lager zur Vollstreckung der Vorbeugungshaft in Preußen fungierte. Dementsprechend thematisierte der Vortrag stark die Geschichte dieses Lagers, in dem die Vorbeugungshäftlinge zeitweise die Mehrheit der Häftlinge stellten. Daneben zeichnete der Vortrag die politikgeschichtliche Entwicklung des Instruments der Vorbeugungshaft in Preußen bis zur reichsweiten Regelung im Dezember 1937 nach.

ROMAN FRÖHLICH (Freie Universität Berlin) legte in seinem Vortrag über die „Beschäftigung von Zwangsarbeitern im Heinkel-Konzern“ sein Augenmerk auf die Beschäftigung von KZ-Häftlingen in der deutschen Industrie während des Krieges. Er betonte dabei die besondere Bedeutung, die dem Heinkel-Konzern bei der Entstehung des KZ-Außenlagersystems zukam. Bereits ab Herbst 1941 waren bei Heinkel Konzentrationslagerhäftlinge eingesetzt worden, zunächst am Standort Oranienburg, später auch an anderen Konzernstandorten. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die vergleichsweise früh KZ-Häftlinge einsetzten, wurden beim Heinkel-Konzern nicht eigene Produktionsanlagen in den Lagern errichtet, sondern Lager bei den Produktionsstandorten angesiedelt. Fröhlich fragte nun danach, ob „hier ein NS-spezifisches Produktionskonzept zum effektiven Einsatz von Häftlingen geschaffen [wurde], das später auf andere Betriebe übertragen wurde.“

Das zweite Panel wandte sich unter dem Titel „Täter, Opfer, Zuschauer“ verschiedenen Akteuren zu, wobei der Schwerpunkt auf den Tätern und Zuschauern lag. CHRISTOPHER DILLON (Birkbeck College, London) befasste sich in seinem Vortrag mit den Beziehungen zwischen dem Konzentrationslager und der Stadt Dachau 1933-1939. Anders als die bisherige Forschung, die vor allem den Einfluss der Lager auf das Umfeld untersuchte[5], interessiert sich Dillon für die bisher kaum beachtete Kehrseite der Beziehung zwischen lokaler Umwelt und Lager. So stand im Vortrag die Frage im Mittelpunkt „what impact did Dachau’s environment have on the SS“, der sich Dillon über die Rekonstruktion der Wahrnehmung der Umwelt durch die Lager-SS näherte. In einem diachronen Überblick, der vom Ende der Weimarer Republik bis zum Kriegsbeginn 1939 reichte, rekonstruierte er die Entwicklung der Perzeption des lokalen Umfeldes durch die SS, die sich von einem „initial sense of vulnerability and apprehension“ bis 1939 zu einem „confident claim to the surrounding area and to the acclaim of its citizens“ entwickelte. Diese Entwicklung vollzog sich dabei nicht in der „’closed’ perpetrator world“, vielmehr hätte sich eine „’ecology’ of criminality between camp and environment“ entwickelt.

In seinem Vortrag über „Continuity and Change in Propaganda on and Public Perception of the Nazis Concentration Camps, 1933-1939“ befasste sich PAUL MOORE (Birkbeck College, London) mit dem öffentlichen Wissen um die Konzentrationslager. Moore nahm dabei sowohl die Propaganda über die Konzentrationslager, als auch deren Wahrnehmung durch die Bevölkerung in den Blick. Innerhalb der Presseberichterstattung konnte er in einer diachronen Gliederung drei Zeitphasen bis 1939 unterscheiden: Nach einer ersten kurzen Phase, die vom März 1933 bis in den Sommer 1933 reichte und der öffentlichen Demonstration der neuen Machtbefugnisse des Nationalsozialismus und Demütigung der KZ-Häftlinge diente, folgte eine Phase der Präsentation bis 1936. In dieser Zeitphase bemühte sich das NS-Regime, die Konzentrationslager als normales Mittel staatlicher Sicherheitspolitik zu präsentieren. Entsprechend zahlreich waren die diesbezüglichen Presseartikel. Ab 1937 nahm die Anzahl deutlich ab, dennoch blieben die Konzentrationslager Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit, weshalb Moore diesen Abschnitt als Phase der öffentlichen Normalisierung beschrieb. Die in den Presseartikeln entworfenen Legitimationsfigurationen für die Konzentrationslager und die Bilder von den KZ-Häftlingen wie auch des SS-Lagerpersonals seien dabei von der Öffentlichkeit weitgehend übernommen worden.

HELEN WHATMORE (University College, London) widmete sich in ihrem Vortrag wie auch Christopher Dillon der Beziehung zwischen Konzentrationslagern und lokalem Umfeld, legte ihr Augenmerk aber insbesondere auf die Gruppe der bystanders. In drei Fallstudien zu den Lagern Neuengamme (Deutschland), Natzweiler-Struthof (Frankreich) und Vught-Herzogenbusch (Niederlande) bemüht sich Whatmore in ihrer Dissertation sowohl die Interaktionen zwischen Lager und lokaler Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges, als auch die Art und Weise der örtlichen Erinnerung – öffentlich wie privat – an die Lager und die bystanders seit Kriegsende zu analysieren. Die international vergleichende Perspektive ermöglicht es dabei, die Bedeutung kultureller Normen für die Interaktion von sozialem Umfeld und Lager, als auch für die Erinnerung an diese genauer einzuschätzen. Der empirische Vergleich diente Whatmore aber auch dazu, die inflationär gebrauchte Kategorie der bystander nachhaltig zu kritisieren, die sie durch den Begriff „liminal zone interactors“ ersetzen wollte.

Das dritte Panel „Lagerwelt“ versammelte zwei Vorträge, die sich aus der Perspektive benachbarter Wissenschaften vor allem den Repräsentationen der Lagererfahrungen widmeten.[6] Der Kunsthistoriker JÖRN WENDLAND (Universität Bonn) befasste sich in seinem Vortrag „Die Verbildlichung des Undarstellbaren“ mit Bildgeschichten, die KZ-Häftlinge während ihrer Haft und direkt nach der Befreiung erstellt hatten. Er fragte dabei sowohl nach den dargestellten Situationen und den verwendeten Motiven, als auch nach der narrativen Struktur der Bildgeschichten. Dabei stellte Wendland als eine Auffälligkeit heraus, dass der Holocaust, der konkrete Akt der Vernichtung in den Gaskammern, fast ausschließlich nicht abgebildet, sondern durch „eine narrative Leerstelle“ – zwischen Bildern mit Menschen auf den Weg in die Gaskammern und Abbildungen von Leichenbergen – innerhalb der Bildsequenzen dargestellt wurde. Die Befreiung der Lager veränderte die Bildgeschichten nachhaltig. Im Wissen um den Ausgang der eigenen Biografie und des Ausmaßes des Holocausts wandelten sich die Bildgeschichten in ihrer Erzählstruktur, indem nun die zuvor fragmentarische einer chronologischen Darstellung wich.

In seinem Vortrag über das „verschwundene und das erfundene Lager bei Imre Kertész“ befasste sich der Literaturwissenschaftler OLIVER GEISLER (Technische Universität Dresden) mit dem ungarischen Nobelpreisträger Kertész und dessen Entwicklung einer Poetik aus seinen Lagererfahrungen. In den Mittelpunkt rückte Geisler dabei die Erzählung „Der Spurensucher“, in der Kertész über seinen Besuch 1960 in Buchenwald und die Schwierigkeiten bei der Erkundung des Geländes berichtet. Der Protagonist der Erzählung, selbst ehemaliger Häftling, bemüht sich bei seinem Besuch der Gedenkstätte das Geschehene am Ort festzumachen, die „Tat dem Tatort abzulesen“. Doch er scheitert, die erhaltenen Objekte des Lagers bleiben stumm. Kertész zog, wie Geisler darlegte, daraus eine poetologische Konsequenz und setzte gegen das raum- und objektgebundene Erinnern das „schöpferische Gedächtnis“ der Überlebenden. Die Realität der Lager habe sich nicht in den Orten, sondern in den Überlebenden erhalten, die von dieser Realität erzählen können. Kertész entwickelt so ein Autorenschaftskonzept, das an die Stelle der Objekte das Subjekt der Überlebenden, die Zeugenschaft rückt, die in einer Mischung aus bezeugen und erzeugen von der Realität der Lager berichten können.

Das letzte Panel, das „unterschiedlichen Formen gesellschaftlicher Aufarbeitung“ gewidmet war, wurde von TOMAZ JARDIM (University of Toronto) eröffnet. Jardim interessierte sich in seinem Vortrag am Beispiel der Kriegsverbrechensuntersuchungen der amerikanischen Armee in Mauthausen für die Frage, wie Wissen über den Holocaust in der Befreiungssituation produziert wurde. Er thematisierte verschiedene Faktoren, die den Untersuchungsprozess beeinflussten. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dabei der Rolle der Überlebenden, denen er einen großen Einfluss zusprach, der sich insbesondere aus der unzureichenden Ausstattung und Ausbildung der amerikanischen Untersuchungsteams ergeben hätte. Daneben betonte Jardim „the shock and disbelief shared by war crimes investigators who entered Mauthausen“, der dazu führte „the most dramatic conclusions“ aus dem zur Verfügung stehenden Material zu schließen. So ließen sich die drastischen Überschätzungen der Todeszahlen von Mauthausen im ersten Report der Untersuchungskommission erklären.

IMKE HANSEN (Universität Hamburg) richtete den Blick in ihrem Vortrag „Wem gehört Auschwitz? Jüdisch – Katholisch-Polnische Gedächtniskonflikte um das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager“ auf die 1980er- und 1990er-Jahre. In den Mittelpunkt rückte Hansen dabei erinnerungspolitische Auseinandersetzungen um die Präsenz christlicher Symbole (Kreuze, Kloster) in Auschwitz. Hansen bemühte sich, die Konflikte, die zwischen jüdischen und katholisch-polnischen Gruppierungen vor Ort ausgekämpft wurden, jedoch durch eine Medienberichterstattung weltweite Aufmerksamkeit erhielten, sowohl zu dokumentieren, als auch zu interpretieren. Dabei verwiesen die Konflikte ihrer Einschätzung nach weniger auf das katholisch-polnisch – jüdische Verhältnis, als auf Konflikte und Entwicklungen innerhalb des polnisch-katholischen und jüdischen Diskurses.

In ihrem Vortrag „Die Ravensbrück-Prozesse, der Barbie-Prozess und die Erinnerung in Frankreich an das Frauen-Konzentrationslager“ betonte VERENA PAETOW (Technische Universität Berlin) die besondere Bedeutung, die die Überlebenden von Ravensbrück und die Strafprozesse um Ravensbrück für die kollektive Erinnerung in Frankreich hatten. Da sich die Arbeit von Paetow in einem sehr frühen Stadium befindet, umriss sie in ihrem Vortrag vor allem drei Fragekomplexe, die in ihrer Dissertation eine zentrale Rolle spielen sollen: die Frage nach Rückkehr und Reintegration der französischen Ravensbrücküberlebenden, die Formen der Erinnerung und die spezifische Bedeutung von Ravensbrück für das französische Gedächtnis an den Nationalsozialismus und die besondere Bedeutung der Französinnen im internationalen Ravensbrück-Komitee.

Durch die Vielfalt der Vorträge lieferte die Tagung einen instruktiven Einblick in den Stand der neueren KZ-Forschung, wie sich dieser aus der Perspektive der nachwachsenden Forscher/innengeneration zeigt. Aus dieser Perspektive erscheint das Forschungsfeld in einem anderen Licht, als es Karin Orth stellvertretend für die etablierte Forschung einschätzt. Keineswegs bleibt Promovierenden gegenwärtig nur das „eine oder andere Detail“. Statt das Forschungsfeld nach weißen Stellen abzusuchen, richtet die Großzahl der Vortragenden ihren Blick auf von der Forschung bereits bearbeitete Themen und bemüht sich, mit neuen Perspektiven das Wissen über die nationalsozialistischen Konzentrationslager zu erweitern. Insbesondere kulturgeschichtliche Ansätze scheinen dabei zurzeit als instruktiv betrachtet zu werden. Durchaus lassen sich so auch grundlegend neue Erkenntnisse erwarten – auch, weil im Sinne von Thomas Kuhn revolutionäre Erkenntnisse ja gerade in der veränderten Betrachtungsweise des Wissenschaftlers auf seinen Gegenstand bestehen. Karin Orths Plädoyer für eine stärkere Synthetisierung des Wissens über die Konzentrationslager kann vor dem Hintergrund des Workshops um den Blickwinkel junger Historiker/innen ergänzt werden: Neben die zu Recht geforderte Zusammenführung der bisherigen Ergebnisse der KZ-Forschung sollte eine stärkere Debatte um die eigenen Perspektiven, Methoden und Theorieansätze der KZ-Forschung treten. Es bleibt zu wünschen, dass diese Debatte gerade auch auf den nächsten Workshops zur Geschichte der Konzentrationslager intensiv geführt wird.

Konferenzübersicht:

Panel I: Lagersystem

Julia Hörath (Birkbeck College, London):
Sozialrassistische und kriminalpräventive Verfolgung in der Vorkriegszeit. Ein ‚blinder Fleck’ der Historiographie und seine Konsequenzen für die KZ-Forschung

Sven Langhammer (Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt):
Die polizeiliche Vorbeugungshaft in Preußen von 1933-1936/37

Roman Fröhlich (Freie Universität Berlin):
Beschäftigung von Zwangsarbeitern im Heinkel-Konzern

Panel II: Täter, Opfer, Zuschauer

Christopher Dillon (Birkbeck College, London):
The Dachau SS and the Locality 1933-1939

Paul Moore (Birkbeck College, London):
„Man hat es sich viel schlimmer vorgestellt.“ Continuity and Change in Propaganda on and Public Perception of the Nazi Concentration Camps, 1933-39

Helen Whatmore (University College, London):
Bystanders, Accomodation and Resistence

Panel III: Lagerwelt

Jörn Wendland (Universität Bonn):
Die Verbildlichung des Undarstellbaren. Bildgeschichten von Häftlingen aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern

Katarzyna Nowak (Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau):
„Lagersprache“ im KL Auschwitz (wegen Krankheit entfallen)

Oliver Geissler (Technische Universität Dresden):
„schöpferisches Gedächtnis.“ Das verschwundene und das erfundene Lager bei Imre Kertész

Panel IV: Unterschiedliche Formen gesellschaftlicher Aufarbeitung

Tomaz Jardim (University of Toronto):
Early Assessments of Nazi Criminality: American War Crimes Investigators

Imke Hansen (Universität Hamburg):
Wem gehört Auschwitz? Jüdisch – Katholisch-Polnische Gedächtnis-Konflikte um das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager 1985 – 1999

Verena Paetow (Freie Universität Berlin):
Die Ravensbrück-Prozesse, der Barbie-Prozess und die Erinnerung in Frankreich an das Frauen-Konzentrationslager

Anmerkungen:
[1] Vgl. als Überblick zur Geschichte der KZ-Geschichtsschreibung: Karin Orth, Die Historiographie der Konzentrationslager und die neuere KZ-Forschung, in: Archiv für Sozialgeschichte 47 (2007), S. 579-598.
[2] Ebd., S. 584.
[3] Ebd., S. 587.
[4] Vgl. vor allem Wolfgang Ayaß, „Asoziale“ im Nationalsozialismus, Stuttgart 1995; Patrick Wagner, Volksgemeinschaft ohne Verbrecher. Konzeptionen und Praxis der Kriminalpolizei in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Hamburg 1996.
[5] Vgl. etwa Gordon Horwitz, In the Shadow of Death. Living outside the Gates of Mauthausen, New York 1990; Sybille Steinbacher: Dachau – die Stadt und das Konzentrationslager in der NS-Zeit. Die Untersuchung einer Nachbarschaft, Frankfurt am Main 1993.
[6] Der dritte vorgesehene Vortrag von Katarzyna Nowak über die „’Lagersprache’ im KL Auschwitz“ musste leider krankheitsbedingt entfallen.

Zitation
Tagungsbericht: Kontinuitäten und Brüche in der Entwicklungs- und Rezeptionsgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. 15. Workshop zur Geschichte der Konzentrationslager, 12.11.2008 – 16.11.2008 Oranienburg/Fürstenberg, in: H-Soz-Kult, 09.02.2009, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2514>.
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Veröffentlicht am
09.02.2009