Spital und Wirtschaft: Lebensstandard in historischer Perspektive

Ort
Regensburg
Veranstaltungsort
Regensburg
Veranstalter
Dr. Artur Dirmeier, Archiv des St. Katharinenspitals, Regensburg; Prof. Dr. Mark Spoerer, Lehrstuhl Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Regensburg
Datum
22.03.2019 - 23.03.2019
Bewerbungsschluss
30.06.2018
Von
Mark Spoerer

Obwohl sich Spitäler in der Vormoderne in erster Linie als karitative Institutionen verstanden, so waren sie doch auch Wirtschaftsbetriebe, deren Verwaltung je nach Größe komplexe Probleme aufwerfen konnte. Viele Spitäler hatten einen vor allem durch Schenkungen und geschicktes Wirtschaften gewachsenen Bestand an land- und forstwirtschaftlichen Gütern, die zwar primär für den Eigenbedarf produzierten, jedoch auch Überschüsse erzielten, die auf dem Markt verkauft wurden. Umgekehrt musste das Spital diejenigen Güter und Dienstleistungen, die es nicht selbst produzieren konnte, auf Güter- und Arbeitsmärkten einkaufen. Als überdurchschnittlich große Betriebe mit gut ausgebildeten Mitarbeitern (v.a. Verwaltern und Schreibern) produzierten die Spitäler umfangreiches Verwaltungsschriftgut (Rechnungsbücher, Protokolle, Inventare u.a.), von dem vieles bis heute überliefert ist. Diese an sich trockenen Verwaltungsunterlagen lassen faszinierende Einblicke in den Alltag der Spitäler zu, stellen aber darüber hinaus auch ganz allgemein wertvolle Quellen für die wirtschafts-, sozial- und kulturhistorische Forschung dar.

Damit ist der zweifache Fokus der Tagung bereits angedeutet. Ein Teil der Vorträge soll den wirtschaftlichen Alltag von Spitälern beleuchten. Wie wirtschafteten Spitäler? Wie war der Spitalbetrieb organisiert? Welche Konflikte entstanden im Spannungsfeld von karitativem Anspruch und betriebswirtschaftlicher Realität, und wie wurden sie gelöst? Wie gestaltete sich die Interaktion zwischen Spital und Markt?

Der zweite Teil der Vorträge soll veranschaulichen, in welchem Umfang Wirtschaftsunterlagen aus Spitälern Einblicke in allgemeinere ökonomische sowie sozial- und kulturhistorische Zusammenhänge zulassen. Spitäler verzeichneten Löhne und Preise, sie erstellten Speisezettel und Beschreibungen land- und forstwirtschaftlicher Güter etc. Wie lassen sich diese Quellen für Fragestellungen nutzen, die über die Institution Spital hinausgehen, z.B. für Fragen zum historischen Lebensstandard, zur Esskultur oder zur Integration von Märkten? Welche methodischen Probleme stellen sich dabei, und wie lassen sie sich lösen?

Der Call for Papers richtet sich auch und insbesondere an Nachwuchswissenschaftler/innen. Die Vorträge können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden.

Interessenten senden bis 30. Juni 2018 den Titel des geplanten Vortrags, einen Abstract mit nicht mehr als 500 Wörtern und einen Kurzlebenslauf mit Publikationen (alles zusammen in einer PDF-Datei) an mark.spoerer@ur.de und artur.dirmeier@spital.de. Die Tagung findet am 22. und 23. März 2019 in Regensburg statt und schließt unmittelbar an den ebendort vom 20. bis 22.3. stattfindenden 3. Kongress für Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit dem Oberthema „Migration und Mobilität in historischer Perspektive“ an. Angemessene Reise- und Übernachtungskosten werden erstattet. Die Auswahl und Benachrichtigung der Teilnehmer erfolgt bis September 2018.

Kontakt

Mark Spoerer

Universität Regensburg
93040 Regensburg
0049 941 943 5750
0049 941 943 81 5750
mark.spoerer@ur.de

Zitation
Spital und Wirtschaft: Lebensstandard in historischer Perspektive, 22.03.2019 – 23.03.2019 Regensburg, in: H-Soz-Kult, 15.03.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-36721>.