Legitimiert, verherrlicht, stigmatisiert: Gewalt in Deutschland und Italien im 19. und 20. Jahrhundert

Ort
Saarbrücken
Veranstaltungsort
Villa Lessing, Lessingstr. 10, 66121 Saarbrücken
Veranstalter
Arbeitsgemeinschaft für die Neueste Geschichte Italiens in Zusammenarbeit mit dem DHI Rom
Datum
20.06.2019 - 22.06.2019
Bewerbungsschluss
20.01.2019
Von
Jens Späth

Gewalt ist in der Geschichte omnipräsent, sei es als Handlung oder Bedrohung. Ganz gleich, ob sie sich vorsätzlich als Machtaktion gegen Menschen oder Sachen richtete, sie wurde mit Verboten belegt und galt – außer im Falle von Notwehr – als strafbar, obgleich sie oft politisch legitimiert und explizit toleriert wurde. Lange gingen Politik und Wissenschaft davon aus, dass Gewalt in (post-)industriellen Gesellschaften ein verschwindendes, weil vormodernes Phänomen sei. Inzwischen ist dieser Befund als Mythos entlarvt worden: Gewalt verschwindet in der Moderne nicht, sie muss sich seit der Aufklärung nur ungleich vielfältiger gegen Kritik rechtfertigen und die Gewaltkonzentration bei staatlichen Institutionen legitimieren. Die Ausbildung des staatlichen Gewaltmonopols in der Moderne ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem die Anwendung von Gewalt reguliert und somit die Grundlage für unser heutiges menschliches Zusammenleben geschaffen wurde. So abhängig die jeweilige Art der Gewaltregulierung von spezifischen historisch-kulturellen Kontexten war und ist, so vielfältig waren und sind die Erscheinungsformen von Gewalt. Sie kann physischer und psychischer, verbaler und non-verbaler Natur sein und sich in Gestalt von häuslicher Gewalt, Kriminalität oder Terror äußern.
Diese Überlegungen will die geplante Tagung aufgreifen und dabei folgende Fragen in den Mittelpunkt stellen: Wie verhielten sich Gesellschaften zu Gewalt? Wie positionierten sie sich ihr gegenüber? Wie legitimierten und erzählten sie Gewalt bzw. wie verdammten und verschwiegen sie diese? Fragen dieser Art treffen im deutsch-italienischen Kontext auf ein besonders ereignis- und variantenreiches Umfeld. Man muss hierzu nicht allein an Faschismus und Nationalsozialismus als zwei ihrer wirkmächtigsten Ausprägungen im 20. Jahrhundert oder den Umgang mit Gewalt in deutsch-italienischen Nachkriegsordnungen denken. Aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts erscheinen zudem die Attentate gegen Fürsten und Politiker nach dem Wiener Kongress erwähnenswert, die sich in mehreren Wellen ereignenden Revolutionen, ferner der Umgang mit der entstehenden Arbeiterbewegung, die Streiks und Streikbrecher, der Umgang mit Minderheiten u.v.m. Wie gingen Gesellschaften mit Terrorismus und organisierter Kriminalität um? Beide Phänomene entstanden bereits im 19. Jahrhundert und sind bis heute durchgehend relevant.
Beiträge für die Tagung zum deutsch- und italienischsprachigen Raum im 19., 20. und 21. Jahrhundert – auch mit transnationaler und komparativer Erweiterung auf andere geographische Gebiete – können sich an diese Skizze gewalthafter Großphänomene anlehnen. Sie sollen explizit keine Kriege behandeln, sondern folgende Themen aufgreifen:

- Gewalt und Normen, Regulierung von Gewalt, Staat und Gewalt
- Gewalt und soziale Konflikte
- Gewalt als Kriegsfolge
- Nationale und transnationale Gewalt und ihre Akteure
- Gewalt in Helden- und Opferdiskursen
- Mediale und kulturelle Inszenierung von Gewalt
- Gewalt und Wertewandel
- Gewalt und Geschlecht
- Gewaltprävention und Sicherheit
- Gewalt und Erinnerung
- Terrorismus

Der CfP richtet sich in erster Linie an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Vergleichende und transnationale Perspektiven werden bevorzugt. Doktoranden, Postdoktoranden, Juniorprofessoren und Habilitanden soll Gelegenheit gegeben werden, ihre Qualifikationsarbeiten und Forschungsvorhaben einem deutsch-italienischen Expertenpublikum vorzustellen und mit diesem zu diskutieren. Darüber hinaus sind aber auch Projekte erfahrener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler willkommen. Tagungssprachen sind Deutsch und Italienisch. Vortragsvorschläge mit einem Abstract (max. eine Seite) und knappen bio-bibliographischen Angaben (max. acht Zeilen) schicken Sie bitte bis 20.01.2019 per E-Mail an Judit Ruff unter folgender Adresse: j.ruff@mx.uni-saarland.de. Die ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden bis 04.02.2019 benachrichtigt. Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen (bei Reisekosten max. 150€ Inland, max. 250€ Europa).

Kontakt

Judit Ruff

Universität des Saarlandes, FR Geschichte, Campus B3 1, 66123 Saarbrücken

j.ruff@mx.uni-saarland.de

Zitation
Legitimiert, verherrlicht, stigmatisiert: Gewalt in Deutschland und Italien im 19. und 20. Jahrhundert, 20.06.2019 – 22.06.2019 Saarbrücken, in: H-Soz-Kult, 16.12.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-38967>.
Redaktion
Veröffentlicht am
16.12.2018
Beiträger