Titel der Ausgabe 
Medaon 15 (2021), 28
Weiterer Titel 
Jewish Spaces and the Holocaust

Herausgeber
HATiKVA - Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V.
Erschienen
Erscheint 
zweimal jährlich
ISBN
1866-069X
Anzahl Seiten
215 S.
Preis
open access, Online-Zeitschrift

 

Kontakt

Institution
MEDAON - Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung
Land
Deutschland
c/o
Redaktion MEDAON, HATiKVA e. V., Pulsnitzer Str. 10, 01099 Dresden, Tel. 0351/8020489,
Von
Ulbricht, Gunda

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde von Medaon,

diese aktuelle Ausgabe setzt mit dem Schwerpunkt „Jewish Spaces and the Holocaust“ den Fokus auf die Rezeption des Spatial Turn, der „Wende zum Raum“ in der Holocaustforschung. Initiatorinnen und Mitherausgeberinnen sind Alexandra Klei und Annika Wienert.

Die Beiträge im Schwerpunkt befassen sich mit dem Verhältnis jüdischer Räume zum Holocaust. Die Frage danach, was jüdische Räume ausmacht, ist auf vielfältige Weise zu beantworten: sie können religiös, kulturell, gesellschaftlich, familiär oder individuell bestimmt sein; physisch existieren, aber auch in der Imagination verortet sein; sie können öffentlichen oder privaten Charakter haben; ortsgebunden oder beweglich sein. Diese Räume auszulöschen, war auch ein Ziel der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik.

Die vier Forschungsartikel untersuchen, wie sich jüdische Räume angesichts der Vernichtungspolitik veränderten, behaupten konnten oder verlagerten. Die Beiträge umfassen den Zeitraum von den frühen antijüdischen Verfolgungen bis zu Gegenwartsliteratur. Konkret widmet sich Natasha Gordinsky der Erinnerung an Massen-erschießungen in der Ukraine in post-sowjetischer deutschsprachiger Erzählliteratur. Jan Lambertz analysiert den Umgang mit jüdischen Friedhöfen während des NS und in der BRD, Thomas Pekar widmet sich dem jüdischen Exil in Shanghai während des Zweiten Weltkriegs und Volker Benkert und Marc Vance schließlich zeichnen den Weg der Familie Loewy von Frankfurt am Main nach Phoenix, Arizona, nach.

In der Rubrik Quellen stellt Jonas Stier die fotografische Dokumentation der jüdischen Friedhöfe Hamburgs vor, Annika Wienert und Niels Gutschow besprechen den Generalbebauungsplan der Stadt Auschwitz von Hans Stosberg von 1943.

Neben der Schwerpunktsetzung finden sich noch weitere vielfältige Beiträge in dieser Ausgabe: Gerdien Jonker ermöglicht mit ihrem Beitrag Einblicke in die Arbeitsweise der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Groß-Berlin und Jakob Görlitz begibt sich auf Spurensuche zu jüdischem Leben in Großenhain.

Die anhaltende Situation der COVID-19 Pandemie wird in dem Beitrag „Überlegungen zur virtuellen Transformation von Gedenkstätten“ von Tobias Ebbrecht-Hartmann aufgegriffen.
In der Reihe „Biografien jüdischer Frauen“ widmet sich Kirsten Heinsohn dem Leben von Eva G. Reichmann. Auch an anderer Stelle steht die Auseinandersetzung mit Biografien im Fokus: Sebastian Elsbach setzt sich mit der Person und dem Weltbild von Ernst Niekisch auseinander und Grażyna Jurewicz appelliert zu mehr Methodenbewusstsein in der biografischen Forschungspraxis in den Jüdischen Studien.

In der Rubrik Bildung stellt Janna Petersen das Projekt Chasak! vom Institut für Neue Soziale Plastik vor und die Reihe Einblendungen richtet in dieser Ausgabe den Blick auf die verschiedenen Arten des Schreibens im Zusammenhang mit deutsch-jüdischer Filmgeschichte.

Abgerundet wird auch diese Ausgabe von Rezensionen zu ganz unterschiedlichen Teilaspekten im Themenfeld jüdischen Lebens in Forschung und Bildung.

Wir bedanken uns bei den Mitherausgeberinnen Alexandra Klei und Annika Wienert für die sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, für alle Mühen im Publikationsprozess und selbstredend natürlich für das schöne Ergebnis!

Herzlich danken möchten wir auch allen Gutachter:innen für ihre Unterstützung sowie Steffen Schröter von text plus form, Cathleen Bürgelt, Margi Schellenberg, Patricia C. Sutcliffe und Phillip Roth – sie haben das Lektorat bzw. die Übersetzungen übernommen und so wesentlich zum Gelingen der Ausgabe beigetragen.

Die Redaktion von Medaon im Mai 2021.

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Schwerpunkt: Jewish Spaces and the Holocaust (hrsg. von Alexandra Klei und Annika Wienert)

Artikel

Jan Lambertz: Going Underground: Burial, Restitution, and Jewish Space in Postwar Germany

Natasha Gordinsky: „Wir haben sie lange gesucht“: Drobizki Jar, 1941–2016

Volker Benkert und Marc Vance: Rettung, Widerstand und Erneuerung. Die Familie Loewy und die Beth-Hebrew-Synagoge in Phoenix, Arizona

Thomas Pekar: Jüdischer Raum in Shanghai während des Zweiten Weltkriegs

Quelle

Jonas Stier: Die fotografische Dokumentation der jüdischen Friedhöfe Hamburgs. Das Familienarchiv Hertz

Niels Gutschow, Annika Wienert: Der „Erläuterungsbericht zum Bebauungsplan für die Stadt Auschwitz O/S [Oberschlesien]“ von Hans Stosberg vom Januar 1943

Artikel

Sebastian Elsbach: Irrwege eines Antisemiten – Ernst Niekisch in der frühen DDR

Gerdien Jonker: Stillschweigen im religiösen Feld. Der Neustart interreligiöser Beziehungen im Berlin der Nachkriegszeit

Bildung

Janna Petersen: Chasak! Gegen Antisemitismus im ländlichen Raum

Miszelle

Kirsten Heinsohn: Biografien jüdischer Frauen: Eva Gabriele Reichmann (1897–1998) – eine jüdische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts

Johannes Praetorius-Rhein, Lea Wohl von Haselberg: Einblendungen. Teil 3: Schreiben

Tobias Ebbrecht-Hartmann: Erweiterte Orte: Überlegungen zur virtuellen Transformation von Gedenkstätten

Jakob Görlitz: Die jüdische Geschichte in Großenhain

Grażyna Jurewicz: Biographische Forschungspraxis in den Jüdischen Studien: ein Plädoyer für mehr Methodenbewusstsein

Rezensionen

Olaf Terpitz, Marianne Windsperger (Hg.): Places and Forms of Encounter in Jewish Literatures. Transfer, Mediality and Situativity
(Hans-Joachim Hahn)

Bjarte Bruland: Holocaust in Norwegen. Registrierung, Deportation, Vernichtung
(Cordelia Heß)

Dieter Vaupel: „Etwas Schaden ist wohl bei den meisten Juden eingetreten“. Jüdisches Leben in Felsberg: Integration – Verfolgung– Erinnerung
(Hans-Peter Klein)

Hanan Gafni: Mipi Sofrim – Konzeptionen des mündlichen Gesetzes im modernen jüdischen Denken
(George Y. Kohler)

Isaac Kalimi: Der Kampf um die Bibel. Jüdische Interpretationen, Sektarianismus und Polemik vom Tempel zum Talmud und darüber hinaus
(Ulrike Kollodzeiski)

Samuel Salzborn: Kollektive Unschuld. Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern
(Christoph Kopke)

Ann Katrin Düben, Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (Hg.):Die ehemalige Arbeitsanstalt Riebeckstraße 63. Verwahrung, Ausgrenzung, Verfolgung
(Hagen Markwardt)

Rolf Kießling: Jüdische Geschichte in Bayern. Von den Anfängenbis zur Gegenwart
(Monika Müller)

Simone Langer: Deutschtum – Judentum – Europa. Das Werk Georg Hermanns im Kontext seiner Epoche
(Ulrike Schneider)

Jay Berkovitz: Law’s Dominion: Jewish Community, Religion, and Family in Early Modern Metz
(Franziska Strobel)