Themenportal „Europäische Geschichte“ (18.-21. Jh.): Newsletter 12/2017

Von
Siegrist, Hannes - Universität Leipzig

Liebe Leserinnen und Leser von H-Soz-Kult,

nachfolgend finden Sie eine Aufstellung der zuletzt neu ins Themenportal Europäische Geschichte eingestellten Artikel, Essays, Materialen und Quellenauszüge.

Essay/Artikel:

Felix Axster, Männlichkeiten als Groteske. Koloniale (Un-)Ordnung auf Bildpostkarten um 1900.
Abstract:
Um 1900 avancierte die Bildpostkarte zu einem Massenmedium. Insbesondere fotografische Ansichtskarten (von Städten, Gebäuden, Landschaften etc.), aber auch (gezeichnete) Humorpostkarten erfreuten sich großer Beliebtheit – als postalisches Nachrichtenmedium sowie als Sammelobjekt einer sich schnell etablierenden Sammelszene. Die Popularität der Bildpostkarte verdankte sich nicht zuletzt dem Umstand, dass sie von einer prosperierenden Privatindustrie relativ günstig hergestellt wurde und somit breiten Käufer_innenschichten als alltäglicher Gebrauchsgegenstand zur Verfügung stand. Entsprechend lässt sich die Karriere der Bildpostkarte als Chiffre jener sozialen und gesellschaftlichen Transformationen verstehen, die gemeinhin mit der Etablierung der Massen- oder Populärkultur um 1900 assoziiert werden.
Zeitgleich mit dieser Karriere befand sich der seit Jahrhunderten andauernde Prozess der kolonialen Expansion Europas in einer Hochphase – ausgelöst unter anderem durch die Aufteilung und Inbesitznahme Afrikas im Zuge der sogenannten Kongo-Konferenz, die 1884/85 in Berlin unter Leitung von Reichskanzler Otto von Bismarck stattfand. ….
In: Themenportal Europäische Geschichte, 2017, <http://www.europa.clio-online.de/essay/id/artikel-4204>.

Kiran Klaus Patel, Der Streit um Werte und Normen. Die Präambel des Entwurfs des Verfassungsvertrags von 2003.
Abstract:
Endlich einmal sollte es um mehr gehen als um Agrarsubventionen, Außenhandelspolitik und Abwasserrichtlinien. Dem Entwurf eines „Vertrags über eine Verfassung für Europa“ – wie das 2003 vom Europäischen Konvent angenommene Dokument offiziell hieß –stellte man deswegen eine Präambel voran, die in wesentlichen Teilen von den Werten Europas handelte. Eingeleitet wurde das Ganze durch ein Zitat von Thukydides, das eine Definition von Demokratie lieferte. Zitat und Präambel wurden ihrerseits bald Geschichte – selbst im Internet ist die hier zitierte Fassung kaum noch zu finden. Im Folgenden soll zunächst kurz darauf verwiesen werden, wie unpassend die Thukydides-Textstelle eigentlich war. Die Details der Kontroverse um Zitat und Präambel interessieren hier allerdings weniger als eine grundsätzlichere Frage. Denn wenngleich europäische Werte häufig beschworen werden, tut sich nicht nur die EU unserer Tage schwer, diese klar zu benennen und zu ihnen zu stehen. Dasselbe gilt auch für die Vorläuferorganisationen der heutigen Europäischen Union seit den 1950er-Jahren. Die Geschichte des Bezugs auf Werte und Normen sowie ganz besonders auf Grundrechte im europäischen Einigungsprozess soll deswegen im Folgenden knapp umrissen werden.
Mit dem Konvent sollte alles besser werden. Die Reformunfähigkeit der EU zu überwinden, das demokratische Defizit zu beseitigen und die Bürger für Europa zu begeistern – viel nahm sich der Europäische Rat auf jener Tagung im Brüsseler Stadtteil Laeken im Dezember 2001 vor, auf der er beschloss, einen Verfassungskonvent für die Europäische Union in die Welt zu setzen. Der Rat wählte damit eine radikale Alternative zur üblichen EU-Methode, Vertragsänderungen intergovernemental im stillen Kämmerlein auszuhandeln. ….
In: Themenportal Europäische Geschichte, 2017, <http://www.europa.clio-online.de/essay/id/artikel-4323>.

Material/Quellenauszug:

Koloniale Bildpostkarten um 1900. In: Themenportal Europäische Geschichte, 2017, <http://www.europa.clio-online.de/quelle/id/artikel-4205>.

Entwurf des Verfassungsvertrages vom 18. Juli 2003 (Europäischer Konvent). In: Themenportal Europäische Geschichte, 2017, <http://www.europa.clio-online.de/quelle/id/artikel-4324>.

Das Themenportal Europäische Geschichte veröffentlicht seit 2006 unter der Adresse <http://www.europa.clio-online.de> Materialien (Textdokumente, Statistiken, Bilder und Karten), Darstellungen und Debatten zur Geschichte Europas und der Europäer/innen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Nutzerinnen und Nutzer, die gerne mit eigenen Beiträgen mitwirken möchten, werden um Vorschläge gebeten. Schreiben Sie bitte an die Redaktion <clio.europa-redaktion@geschichte.hu-berlin.de>. Über die Auswahl und Annahme von Beiträgen entscheidet das Herausgeberkollegium aufgrund eines unkomplizierten Evaluationsverfahrens. Weitere Informationen zur Zielstellung und Konzeption des Projektes finden Sie auf den Webseiten des Projektes.

Im Namen der Herausgeberinnen und Herausgeber des Themenportals wünschen ich Ihnen erfolgreiche wie auch erholsame Semesterferien.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Hannes Siegrist (Leipzig), Sprecher des Herausgeberkollegiums

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Zitation
Themenportal „Europäische Geschichte“ (18.-21. Jh.): Newsletter 12/2017, in: H-Soz-Kult, 15.12.2017, <www.hsozkult.de/webnews/id/websites-580>.