Studie über Websites, CDs und DVDs zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust

Titel
Fritz Bauer Institut - Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust.


Rezensiert für H-Soz-Kult von
Maren Brodersen, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam

Das Fritz Bauer Institut hat im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung mehr als 200 Websites sowie 66 CDs und DVDs zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust untersucht. Die Ergebnisse dieser Studie vom Juni 2005 sind seit Dezember 2005 im Netz verfügbar.[1] Der Schwerpunkt wurde auf die Bewertung der Inhalte, der Interaktivität, der Umsetzung der medienspezifischen Möglichkeiten sowie der Benutzerfreundlichkeit gelegt. Ausgewählt wurden nicht nur Websites, die sich ausschließlich mit den oben genannten Themen beschäftigen, sondern auch solche, die unter anderem Informationen zum Thema bieten. Die Bandbreite reicht somit von den Angeboten privater Autoren über die Webangebote von Instituten, Museen und Organisationen bis hin zu Webverzeichnissen und Portalen. Es handelt sich um deutschsprachige Websites, die in einigen Fällen mehrsprachige Versionen bieten. Der Anhang enthält eine tabellarische Kurzliste der untersuchten Websites, denen in einer zweiten Liste kursorische Bewertungen zugeordnet werden. Hier werden die Seiten kurz beschrieben und unter Berücksichtigung formaler Kriterien (Herausgeber, Schwerpunkte, Umfang etc.) kritisch beurteilt.

In einem einleitenden Teil werden die Bewertungskriterien ausführlich erörtert und auf 29 Websites sowie 14 CDs und DVDs ausführlicher angewendet. Besonderer Wert wurde unter anderem auf die Barrierefreiheit gelegt, ein Kriterium, welches nur von zwei Websites umfassend, von neun zumindest teilweise bei der Gestaltung berücksichtigt wurde. Ein weiteres Kriterium war die Frage nach dem pädagogischen Konzept, das offensichtlich nur bei wenigen Angeboten erkennbar war. Was die Inhalte betrifft, so wird hier vor allem kritisiert, dass selbst angesehene Forschungseinrichtungen bei ihren Webangeboten wenig Wert auf die Einhaltung wissenschaftlicher Standards legen, wobei dies gerade bei NS-Themen ein zentrales Anliegen sein sollte. Fußnoten, Quellen- und Literaturbelege sucht man oft vergeblich. Ein großes Problem sieht der Autor der Studie, Stephan Wirtz, in der häufig fehlenden Aktualität: „Manche Projekte haben mit der Veröffentlichung des Internetauftritts offensichtlich ihre ganze Kraft verbraucht und sind nicht in der Lage, die Site weiterzuentwickeln und dem aktuellen Forschungsstand anzupassen.“(S. 8)

Die Redakteur/innen von Clio-online und H-Soz-u-Kult möchten den Hinweis auf die Studie auch dazu nutzen, auf die eigenen Besprechungen von Websites hinzuweisen. Unser Ziel ist der Aufbau eines kritischen und systematischen Rezensionsdienstes für geschichtswissenschaftliche Online-Ressourcen. Neben den deutschsprachigen[2] lassen wir auch rein englischsprachige Websites[3] rezensieren. Insgesamt wurden 105 Webrezensionen über H-Soz-u-Kult und Clio-online veröffentlicht.[4] Der Schwerpunkt liegt vor allem auf dem Inhalt und den üblichen Punkten wissenschaftlicher Rezensionen wie etwa der Einordnung in die Forschungslandschaft.[5] Dabei stellt sich schnell die Frage, welchen Mehrwert die Website neben den herkömmlichen Publikationsformen bietet. Generell lässt sich auch bei den bislang vorliegenden Rezensionen das Fazit ziehen, dass die Aktualität und die viel beschworene Interaktivität, die das Medium Internet zweifellos bieten, eher eine untergeordnete Rolle spielen und dass demnach der mögliche Mehrwert nicht ausgeschöpft wird. Nicht nur im Hinblick auf die Warnungen von Professoren und Lehrenden, dass Studenten und Schüler im Umgang mit Websites recht sorglos seien, was deren inhaltliche Qualitäten betrifft, erscheinen Webrezensionen deshalb sinnvoll. Sie bieten auch die Möglichkeit, auf interessante und nützliche Angebote hinzuweisen. Ein weiterer positiver Effekt der Webrezensionen sind die Verbesserungshinweise für die Anbieter der Website, sofern sie umgesetzt werden.

In der Regel wählen wir die zu rezensierenden Websites und auch die Rezensentinnen und Rezensenten selbst aus, aber die Redaktion würde sich ebenso über Angebote aus den Reihen der Leserinnen und Leser der Liste freuen. Dies gilt sowohl in Bezug auf Vorschläge für interessante Websites jeglicher Themenschwerpunkte und Epochen, die bislang noch nicht rezensiert wurden, als auch für interessierte Autorinnen und Autoren, die sich an dem Medium Webrezensionen versuchen wollen.

Die Redaktion
Maren Brodersen (Zeitgeschichte) brodersen@zzf-pdm.de
Anke Winsmann (alle weiteren Epochen) winsmann@bbf.dipf.de

Anmerkungen:
[1] Marktanalyse Deutschsprachige Online- und CD/DVD-Produktionen zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust. Ein Projekt des Fritz Bauer Instituts im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Autor: Stephan Wirtz, Redaktion: Gottfried Kößler, Werner Lott, Frankfurt am Main, Juni 2005, unter der URL <http://www.fritz-bauer-institut.de/forschung/medienstudie.htm>
[2] Unter anderem: Sammelrezension zum Holocaust-Mahnmal von Claudia Bade <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=95&type=rezwwwzwww> Online Gedenkstätten Forum (Rezension von Thomas Roth) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=81&type=rezwwwzwww> Politisch Verfolgte in Hamburg 1933–1945 (Rezension von Johannes Zechner) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=87&type=rezwwwzwww> Von Navajos und Edelweißpiraten – unangepasstes Jugendverhalten in Köln 1933–1945 (Rezension von Cord Arendes) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=50&type=rezwwwzwww> Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 1933–1945 (Rezension von Helmut Rönz) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=29&type=rezwwwzwww> Hildesheim im Nationalsozialismus. Aspekte der Stadtgeschichte (Rezension von Elke Thran) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=21&type=rezwwwzwww>
[3] United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) - Photo-Archives (Rezension von Elisabeth Angermair) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=105&type=rezwwwzwww> Holocaust Education (Rezension von Zeno Ackermann) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=89&type=rezwwwzwww> Holocaust Memorial Day and Channel Islands Occupation Memorial (Rezension von Isabella Matauschek) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=72&type=rezwwwzwww> Anne Frank the writer (Rezension von Sylvia Rogge-Gau) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=27&type=rezwwwzwww> Voices of the Holocaust (Rezension von Anne Rothe) <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=75&type=rezwwwzwww>
[4] Eine Liste der Webrezensionen findet sich unter <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezwww>
[5] Die Hinweise für das Verfassen von Webrezensionen für H-Soz-u-Kult sind zusammengefasst unter: <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?pn=texte&name=www_rez_rez>

Zitation
Maren Brodersen: Rezension zu: Fritz Bauer Institut - Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in: H-Soz-Kult, 21.01.2006, <www.hsozkult.de/webreview/id/rezwww-107>.
Redaktion
Veröffentlicht am
21.01.2006
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