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Titel
Sachsenspiegel online.


Hrsg. v.
Herzog August Bibliothek: Wolfenbüttel, DE <http://www.hab.de/>
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Anette Baumann, Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e. V.

Der Sachsenspiegel gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Rechtsquellen und ist eines der denkwürdigsten Prosawerke des gesamten Mittelalters. Als Verfasser gilt Eike von Repgow, der den vermutlich ursprünglich in Latein verfassten Text ins Deutsche übertrug. Die Rechtsaufzeichnungen enthalten sächsisches Recht, wobei das Hauptaugenmerk vor allem auf den lehnsrechtlichen und bäuerlichen Rechtsverhältnissen liegt. Doch der Autor beschreibt auch die Staatspraxis der Zeit. Es werden aber auch Ehegüter- und erbrechtliche Vorschriften, Direktiven über mittelalterliche Gerichtsverfahren sowie über Verbrechen und Strafen berücksichtig, ebenso Sonderinteressen wie z. B. von Juden. Sogar eine einfache Straßenverkehrsordnung ist im Sachsenspiegel vorhanden. Besonders bemerkenswert ist in dem Buch, dass es in ein Landrechts- und Lehnrechtsbuch eingeteilt ist, sowie die enge Verzahnung von Text und Abbildung.

Der Sachsenspiegel ist in vier Bilderhandschriften überliefert, die sich heute in Heidelberg, Oldenburg, Dresden und Wolfenbüttel befinden. Die Wolfenbütteler Handschrift ist im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts „Digitalisierung historischen Kulturguts – Sachsenspiegel_online“ der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) und der Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel (FH-WF) online zugänglich gemacht. Der Wissenschaftliche Bearbeiter war Björn Dittrich, der von Prof. Dr. Ruth Schmidt-Wiegand und Prof. Dr. Heinrich Lück beraten wurde. Dabei wird der Anspruch erhoben „historisches Kulturgut Forschern aus aller Welt sowie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich“ zu machen. Ausserdem ist es den Initiatoren ein besonderes Anliegen, durch die digitale Reproduktion die Pracht der Bilderhandschrift mit Hilfe des elektronischen Mediums zu zeigen. Ein Anliegen, das ganz und gar erfüllt wird, und Fachmann und vor allem auch Laien ahnen lässt, welche Schätze sich in unseren Bibliotheken verbergen und dass diese normalerweise nur einem sehr ausgewählten Fachpublikum frei zugänglich sind.

Beim ersten Versuch, die Seiten zu besuchen, stieß die Rezensentin auf unerwartete Schwierigkeiten: Der Anwender wird aufgefordert, das Java Plug-in 1.4.2. 04 des Sponsors SUN Microsystems zu laden. Dies schlägt bei älteren PC-Systemen (z. B. auf Basis von Windows NT) fehl. Auch ist nicht ersichtlich, ob bzw. wie eine Installation möglich ist, wenn der Benutzer nicht die notwendigen Administrator-Rechte besitzt oder hinter einer Firewall arbeitet. Ein Computerlaie fragt sich sicherlich, ob durch die Installation andere Plug-Ins in der Funktionsfähigkeit beeinträchtigt werden können. Nach der Überwindung dieser Schwierigkeiten wird der Benutzer jedoch reichlich durch die gelungene Anzeige der 776 Bildstreifen auf 86 Blättern entschädigt.

Die Handschrift wird auf der Leitseite mit Hilfe eines Index und der Volltextsuche erschlossen. Damit können gezielt Recherchen zu dem Text selbst und, was besonders beachtenswert ist, zu den Abbildungen angestellt werden. Ausserdem finden sich hier Angaben zur Applikation des Browsers. Auf einem Querbalken, der mit Icons versehen ist, werden E-Mail und Kontakt der beiden beteiligten Institutionen sowie Ansprechpartner aufgelistet und verlinkt. Dazu gibt es Informationen zu den verschiedenen Realisierungsstufen des Projekts. Die Hilfe erläutert zudem kurz die Applikation, den Index und die Volltextsuche. Hier hätte man etwas ausführlichere Erläuterungen erwartet. Vor allem wird nicht ganz deutlich, ob sich die Angaben nur auf den Text oder die Abbildungen oder auf beides beziehen.
Allgemeine Erläuterungen dieser Art findet man in der Seitenleiste an letzter Stelle unter „Informationen zum Projekt Sachsenspiegel“. Hier erfährt man auch weitere Details, so z. B. dass der Text in transskribierter Form und in hochdeutscher Sprache präsentiert wird. Ausserdem wird die Handschrift und ihr Autor beschrieben und erläutert. Fachmann und Laien erfahren auch etwas zur Entstehung der Handschrift. An dieser Stelle wird auch besonders auf den engen Zusammenhang zwischen Text und Bild hingewiesen. Ein Punkt, der gerade in Bezug auf den Wunsch, auch Laien ansprechen zu wollen, an prominenterer Stelle hätte stehen sollen. Ebenso verhält es sich mit dem Kapitel „Erschließung des Sachsenspiegels“ und vor allem dem Hinweis für die „Nutzungsmöglichkeiten“ der Datenbank. Zudem finden sich hier noch Hinweise auf das Multimedia Tool für die Elektronische Online Redaktion, auch METEOR genannt.

Für die Suche in der Datenbank kann entweder der Index oder die Volltextsuche genutzt werden.
Im Index findet sich zuerst eine Inhaltsübersicht. Dann werden Oberbegriffe und Schlagwörter aufgelistet. Unter Oberbegriffe werden Begriffe wie z.B. „Kurfürst“, „Papst“, aber auch „Gottesurteil“, „Musikinstrumente“ und „Streitgegenstand“ aufgeführt. Trefferlisten zeigen an, wie oft der Oberbegriff mit seinen darunter subsummierten Unterbegriffen, in der Datenbank „Schlagwörter“ genannt, vorkommt. Schaut man z. B. unter „Standessymbol“ nach, so werden 1155 Begriffe aufgeführt, so z.B. „Stiefelpaar“, „Judenhut“, „Mitra“, „Mönchskutte“, „Reichsapfel“. Die Angabe der Folioseite und die Anzahl des Vorkommens weist dann auf die entsprechenden Textstellen und Abbildungen hin. Durch einen Doppelklick wird man direkt zu der Seite in der Handschrift hingeführt, die in herausragender Qualität wiedergegeben wird. Der Nutzer wird dabei sofort auf das entsprechende bildnerische Detail hingewiesen. Zudem besteht noch die Möglichkeit der Vergrößerung einzelner Details der Abbildung. Allerdings erschließt sich die Funktionsweise der Lupe erst auf den zweiten Blick. Nutzern älterer PC-Systeme könnte die feste Fenstergröße Schwierigkeiten bereiten. Die Führung durch das Menü ist dabei einfach und übersichtlich gestaltet. Man könnte allenfalls bemängeln, dass die einzelnen Spalten etwas eng sind und die Schrift etwas klein, so dass es einige Mühe macht, die einzelnen Punkte genau anzuvisieren. Kombinierbare Abfragen können nicht gestaltet werden. Dies ist jedoch insoweit überflüssig, da die entsprechenden Begriffe schon in den unterschiedlichen Kombinationen angegeben werden. Das erleichtert die Suche enorm.

Die Suche nach Schlagworten eröffnet eine andere Zugriffsweise auf die Handschrift. Die Schlagworte sind in Sparten wie „Handlung“, „Sache“, „Person“, „Ort“, „Beschreibung“ und „Zeit“ unterteilt. Damit kann man die Suche von Anfang an einschränken, denn das eingegebene Schlagwort wird unter dem jeweiligen Aspekt selektiert. Dabei ist es jedoch ratsam, sich zuerst mit den zur Verfügung stehenden Schlagworten vertraut zu machen, ansonsten kann nämlich die Suche leicht ins Leere führen. Vorteilhaft ist dabei jedoch, dass die Suche automatisch trunkiert wird, so dass nicht nur das gesuchte Schlagwort sondern auch Wortzusammensetzungen angezeigt werden. Man kann unter „Sache“ das Schlagwort „Krone“ eingeben und erhält Hinweise wie „Lilienkrone“, „Kronenlanze“ und ähnliches.

Die Volltextsuche kann über „Infos“, „Texte“ und „Schlagworte“ geschehen. Unter „Infos“ verbirgt sich die Volltextsuche in Bildbeschreibungen. Auch hier gibt es wieder eine Vorauswahl, die durch einen entsprechenden Begriff näher aufgeschlüsselt ist. Eine Suche über die Artikelnummer ist ebenfalls möglich. „Texte“ bedeutet die Volltextsuche in Seitentexten. Hier besteht die Schwierigkeit, dass die Seitentexte zurzeit noch nicht mit den deutschen Umlauten umgehen können. Ein Problem, das hoffentlich bald behoben wird. Die Volltextsuche in Schlagwortbeschreibung verläuft wie im Index.

Insgesamt ist es den Initiatoren des Projekts Sachsenspiegel_online sehr gut gelungen, ihrem Anspruch, Laien und Fachleute die Faszination dieser bedeutendsten mittelalterlichen Rechtsquelle näher zubringen. Vor allem die Verbindung von Text und Bild wird anschaulich und begreifbar gemacht. Freilich bleibt ein Wunsch offen, den auch die Initiatoren selbst formulieren: Die Aufbereitung aller vier Bilderhandschriften mit Hilfe dieser Datenbank. Diesem Wunsch kann sich die Rezensentin nur anschließen.

Zitation
Andrea Müller: Rezension zu: Sachsenspiegel online, in: H-Soz-Kult, 09.09.2006, <www.hsozkult.de/webreview/id/rezwww-134>.
Redaktion
Veröffentlicht am
09.09.2006
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