The Great War and the Shaping of the 20th Century

Titel
The Great War and the Shaping of the 20th Century.


Rezensiert für H-Soz-Kult von
Steffen Bruendel

The Great War and the Shaping of the 20th Century – auf Deutsch etwa: Der Erste Weltkrieg und die Prägung des 20. Jahrhunderts – heißt das Online-Informationsangebot, das von KCET/Los Angeles, der Community Television of Southern California, und der BBC in Verbindung mit dem Londoner Imperial War Museum eingerichtet wurde. Träger der Website ist der amerikanische Public Broadcasting Service (PBS), eine private, gemeinnützige Organisation, deren Mitglieder die 349 öffentlichen Fernsehender der USA sind [1]. Mit nichtkommerziellem Fernsehen, dem Internet und anderen Medien möchte PBS der Öffentlichkeit Qualitätsfernsehen bieten und Bildungsdienstleistungen zur Verfügung stellen. Um „education through entertainment” zu ermöglichen und als Organisation, deren Bildungsauftrag nach eigenem Bekunden über den Bildschirm hinausreicht, strebt PBS an, durch die Verschmelzung von Online-Angeboten und Fernsehen ein interaktives Gesamtprogramm bereitzustellen, das alle Altersgruppen anspricht und weltweit Lern- und Bildungsmöglichkeiten eröffnet.[2] Die Website „The Great War and the Shaping of the 20th Century“ ist als multimediales Pendant zur gleichnamigen Fernsehserie der BBC konzipiert, die 1996 erstmals ausgestrahlt wurde. Ergänzend zur Serie, die nicht nur die militärische und politische Geschichte des Ersten Weltkrieges darstellte, sondern auch die sozialen und kulturellen Nachwirkungen beleuchtete, dient die Website dazu, weitergehende Informationen zu einzelnen Ereignissen, Kriegsschauplätzen und Personen zu liefern.[3] Zielgruppe dieses Online-Informationsangebots ist folglich nicht ein Fachpublikum, sondern der historisch interessierte Fernsehzuschauer, der sein Wissen vertiefen möchte.

1. Die Website

Die Website ist übersichtlich, aber nicht besonders originell gestaltet. Sie ist in acht Themen- bzw. Funktionsfelder oder Rubriken gegliedert, deren Ordnung allerdings nicht festgelegt ist: Search, Highlights, Interviews, Interactive Timeline, Maps & Locations, Bookshelf, Comments und Order. Die Rubrik „Highlights“ stellt alle Rubriken der Website kurz vor.[4] Obwohl die erfolgreiche BBC-Fernsehserie „The Great War and the Shaping of the 20th Century“ die Grundlage der Website ist, erfährt man über die Serie selbst nur wenig. Die acht Folgen bzw. „Episodes“ der Serie[5] und die in ihnen behandelten Themen werden durch kurze Zitate aus den Essays international angesehener Historiker, darunter Stephane Audoin-Rouzeau und Niall Ferguson, Bernd Hüppauf und Wolfgang Mommsen sowie Trevor Wilson und Jay Winter, vorgestellt, die den Kern des Informationsangebots der Website bilden und unter der Rubrik „Interviews“ einzusehen sind.[6] Außerdem kann man sich unter der Rubrik „Comments“ über Zuschauerreaktionen informieren und erhält so einen Eindruck von der Resonanz auf die Serie. Für den Zeithistoriker ist an diesen Kommentaren vor allem interessant zu sehen, daß der Erste Weltkrieg – der in den englischsprachigen Ländern noch immer als „Great War“ bezeichnet wird – bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Insofern ist es auch zu begrüßen, daß Serie wie Website nicht nur den Krieg selbst, sondern auch dessen Nachwirkungen darstellen. Im Rückblick auf das 20. Jahrhundert erscheint der Erste Weltkrieg in vielerlei Hinsicht und zu Recht als „Urkatastrophe“, und so werden in neueren Publikationen zum Krieg immer häufiger auch die politischen, sozialen und kulturellen Folgen berücksichtigt.[7]

2. Das Informationsangebot

Um auf der Website an Informationen heranzukommen, ist zunächst vor allem die Rubrik „Search“ interessant, eine Suchfunktion: Man kann einen Ort, eine Schlacht, eine Person oder ein Datum eingeben und wird umgehend auf diejenigen Rubriken der Website verwiesen, in denen der gesuchte Ort, die Schlacht, die Person oder das Datum erwähnt wird. Die Rubriken können dann der Reihe nach aufgerufen werden. Auf diese Weise erhält man zwar keine gebündelte Information, lernt aber verschiedene Kontexte kennen.[8] Die meisten inhaltlichen Informationen liefert die bereits erwähnte Rubrik „Interviews“, in der verschiedene Themen in kurzen, teils sehr kurzen, Essays abgehandelt werden, z.B. „Artists Document the War“, „Atrocities“ (Kriegsgreuel), „The Battle of Tannenberg“, „Verdun“, „Total War“, „Socialism and the War“, „The Cristmas Truce“ (der inoffizielle Waffenstillstand zu Weihnachten 1914), „Kaiser Wilhelm II“, „Woodrow Wilson“, „The Responsibilitiy Debate“ etc.[9] Die Autoren der jeweiligen Essays werden mit Photo und knappen Angaben zu ihrem Beruf vorgestellt, die Essays z.T. mit Bildern aufgelockert. Der Nutzer erhält auf diese Weise einen Überblick über Grundfragen und Entwicklungslinien des Ersten Weltkrieges, mehr aber auch nicht.
Für weitere Informationen zum Ersten Weltkrieg ist außerdem die Rubrik „Bookshelf“ interessant, die einerseits Literaturangaben zu den Themen der acht Episoden der Fernsehserie bereitstellt („Ressource Library“) und andererseits auf Websites anderer Anbieter verweist, die Informationen zu bestimmten, in der Fernserie behandelten Themen – z.B. „Armenia“, „Hindenburg“, „The Romanovs“, „World War I“ etc. – anbieten (Related Web Sites).[10] Die Homepages, auf die verwiesen wird, sind allerdings unterschiedlich: Die Bandbreite reicht von amerikanischen oder englischen Universitäten bis zur US-Armee. Demgegenüber beziehen sich die Literaturangaben sämtlich auf Werke anerkannter Autoren bzw. Historiker, darunter einige Klassiker der Weltkriegsforschung. Von nur sehr begrenztem Aussagewert sind dagegen die Rubriken „Interactive Timeline“ und „Maps & Locations“.[11] Die Timeline listet einige wichtige Ereignisse der vier Weltkriegsjahre auf, aber die Auswahl ist willkürlich und keineswegs ausreichend. Unter „Maps & Locations“ können Landkarten verschiedener Länder angesehen werden. Neben Karten, z.B. des Deutschen Reiches, stehen jeweils ein bis zwei Sätze zur Geschichte. Der geringe Informationswert solch einer Seite bedarf keines Kommentars. Daß zusätzlich noch Bilder des heutigen Lübeck und des heutigen Berlin angeschaut werden können ist eher kurios.

3. Infotainment und Marketing

Die letzte Rubrik heißt „Order“. Hier können Materialien zur Fernsehserie bzw. zur Website bestellt werden, und zwar die Videofassung der Fernsehserie sowie die Buchversion. Auch sogenannte „Education Packages“ sind erhältlich. So gibt es beispielsweise die „Deluxe Teaching Edition“ zum Preis von rund 300 $, die neben dem Video zur Serie auch Stundenpläne und Handouts zum Thema enthält sowie Photographien, eine Zeittafel und acht „four color recruiting posters“.[12] Das interaktive Gesamtprogramm, das PBS mit der Website anbietet, um „education through entertainment” zu ermöglichen, hat also durchaus auch kommerzielle Aspekte. Das wirkt zunächst etwas befremdlich, ist aber nicht unbedingt verwerflich. Auch als Bestandteil einer umfassenden Vermarktungsstrategie der Fernsehserie „The Great War and the Shaping of the 20th Century“ ist die gleichnamige Website für die Zielgruppe – das historisch interessierte Fernsehpublikum – ein geeignetes Medium zur Informationsbeschaffung und wird damit dem Anspruch von PBS gerecht, öffentlich-rechtliches Qualitätsfernsehen zu liefern und multimedial zu begleiten. Schüler und Lehrer finden hier knappe, aber für einen Ein- bzw. Überblick ausreichende Essays, Literaturangaben und Links. Für Fachhistoriker indes ist die Website nicht brauchbar, für Erstsemester mag sie ein Einstieg sein. Als Lektüre zu empfehlen ist jedenfalls das von Jay Winter und Blaine Baggett herausgegebene Buch zur Serie, das 1996 unter dem Titel „1914-18. The Great War and the Shaping of the 20th Century“ erschienen ist und dessen acht Kapitel den 8 Folgen der Serie entsprechen, aber substantielle Informationen enthalten.[13]

Anmerkungen:
[1]http://www.pbs.org/aboutpbs/ sowie http://www.pbs.org/aboutpbs_corp.html
[2]http://www.pbs.org/aboutpbs/aboutpbs_beyond.html
[3]http://www.pbs.org/greatwar/episodes
[4] Ebd.
[5] Explosion, Stalemate, Total War, Slaughter, Mutiny, Collapse, Hatred and Hunger, War without End.
[6]http://www.pbs.org/greatwar/interviews/
[7] Vgl. z.B. Winter, Jay/Parker, Geoffrey/Habeck, Mary R. (Hg.): The Great War and the 20th Century. New Haven, London 2000 (Deutsch: Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. Hamburg 2002). Grundlegend für die prägende Wirkung des Ersten Weltkrieges auf das 20. Jahrhundert ist bis heute: Eksteins, Modris: Tanz über den Gräben. Die Geburt der Moderne und der Erste Weltkrieg. Reinbek 1990.
[8]http://www.pbs.org/greatwar/search/
[9]http://www.pbs.org/greatwar/interviews/
[10]http://www.pbs.org/greatwar/bookshelf/bookshelf.html und http://www.pbs.org/greatwar/bookshelf/websites.html
[11]http://pbs.org/greatwar/timeline/intro.html, http://pbs.org/greatwar/maps/intro.html
[12]http://pbs.org/greatwar/order/
[13] Winter, Jay/Baggett, Blaine (Hg.): 1914-18. The Great War and the Shaping of the 20th Century. London 1996.

Zitation
Steffen Bruendel: Rezension zu: The Great War and the Shaping of the 20th Century, in: H-Soz-Kult, 07.05.2004, <www.hsozkult.de/webreview/id/rezwww-39>.
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Veröffentlicht am
07.05.2004
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