Titel
DHM - LeMO - Der Erste Weltkrieg.


Rezensiert für H-Soz-Kult von
Christine Beil

Ob man bei "google" die Stichworte "Erster Weltkrieg", "Giftgas", "Falkenhayn" oder "Versailler Vertrag" eingibt, der erste Link führt zur Homepage des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Kein Wunder, ist sie doch DIE deutsche Standardwebsite zur Thematik. Mit exzellent recherchiertem Inhalt, übersichtlicher formaler Gestaltung und einer Fülle an historischen Bild-, Text- und Tondokumenten erreicht sie Schüler, historisch interessierte Laien und Fachwissenschaftler gleichermaßen. Kurz gesagt: Sie ist die "Enzyklopädie Erster Weltkrieg" [1] für die Internetrecherche.

Dieses Themenportal zum Ersten Weltkrieg ist Teil des "Lebendigen virtuellen Museums Online" (LeMO), einer Gemeinschaftsproduktion von Fraunhofer Institut für Software und Systemtechnik (ISST), Deutschem Historischen Museum in Berlin und Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Ein anspruchsvolles Projekt, das dem Nutzer auf bequeme und spannende Art und Weise einen Gang durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts bietet. Hinter dem Suche-Button auf der Eingangsseite (www.dhm.de/lemo) verbirgt sich die Möglichkeit, in einer einmaligen Zusammenstellung aus rund 250 Audios, 800 Biographien, 200 Dokumenten, 3750 Exponaten, 10 Landkarten (vornehmlich zum Ersten Weltkrieg), 100 Statistiken, 200 Videos, über 300 Zeitzeugenberichte und Jahres-Chroniken (1900-1999) zu recherchieren. Bis zu 15 000 Besucher nutzen dieses Angebot täglich.

Für die Jahre bis 1945 - und somit auch für die "Erste-Weltkriegs-Seiten" - zeichnen Mitarbeiter des DHM verantwortlich. Ihnen ist es gelungen, auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes in sieben Kapiteln - Kriegsverlauf, Innenpolitik, Industrie und Wirtschaft, Kriegspropaganda, Künstler im Krieg, Alltagsleben und Antisemitismus - einen umfassenden Einblick in das Kriegsgeschehen zu bieten. Von den sachlich geschriebenen, gut lesbaren Einführungen in die jeweilige Thematik kann man sich über Unterkapitel und zahlreiche Links zu Ereignissen, Begrifflichkeiten, Schlagworten, historischen Akteuren, Orten, Institutionen immer tiefer und differenzierter in das Geschehen einarbeiten. Die Stärke dieser Art der Geschichtsdarstellung ist, dass die unterschiedlichsten Themen wie in einem Lexikon unter einander ausführlich vernetzt sind. Was man jedoch vermisst, sind Links zu weiterführender Literatur oder zu anderen Homepages [2], die sich mit der Weltkriegsthematik beschäftigen.

Eine nach Monaten gegliederte Chronologie der Jahre 1914 bis 1918 erlaubt es, sich in kurzer Zeit einen Überblick über das Kriegsgeschehen zu verschaffen oder schnell einige wichtige Ereignisse "nachzuschlagen". Eine gute Sache, doch leider ist sie nicht ganz fehlerfrei. Um nur ein Beispiel zu nennen: So ist der Beginn der Somme-Schlacht fälschlicherweise unter dem 24. Juni 1916 vermerkt, während an ihrem eigentlichen Beginn, dem 1. Juli 1916, als Tagesereignis die Erhöhung der Tabaksteuer im Reich steht. Sicherlich ein für viele - insbesondere rauchende - Zeitgenossen wichtiges Ereignis, doch angesichts der Tatsache, dass außereuropäische Kriegsschauplätze teilweise nur marginal erwähnt sind (z.B. Tsingtau, Deutsch-Südwestafrika), wundert man sich manchmal etwas, ob der Gewichtung innerhalb der Chronologie.

Auf jeder Seite ist der Name "Museum Online" Programm. Denn jede wird von Abbildungen flankiert, die Objekte, großteils aus den Sammlungen des DHM, zeigen - eine Besonderheit, die diese Webseite von anderen zum Ersten Weltkrieg abhebt. Propagandapostkarten und Plakate, Orden und Kriegskitschvasen, Zeitungsausschnitte und Fotografien, Kleidungsstücke aus Ersatzstoffen und Gasmaken sollen dabei die schriftliche Darstellung nicht nur illustrieren. Klickt man die Bilder an, erscheint eine kurze Beschreibung der Gegenstände, und der Betrachter bekommt wie in einem Museum auch auf der Ebene der materiellen Kultur einen Überblick über das historische Geschehen. Diese Bilder können ebenso wie die Hör- und Textbeispiele bei entsprechender technischer Ausstattung problemlos heruntergeladen werden.

Besonders erwähnenswert sind die Kurzbiographien zu Politikern, militärischen Führern, Staatsoberhäuptern, Malern und Schriftstellern sowie die zahlreichen historischen Ton- und Textdokumente - sei es die Balkonrede von Wilhelm II. zu Kriegsbeginn oder das vaterländische Hilfsdienstgesetz vom 5. Dezember 1916, sei es der Friedensvertrag von Brest-Litowsk oder der Wortlaut der Waffenstillstandsbedingungen vom 11. November 1918. Sie ersparen dem Nutzer so manchen Gang zur Bibliothek, - oder ins Archiv. Denn auch Zeitzeugen kommen zu Wort. Ihre Berichte und Auszüge aus Feldpostbriefen und Tagebüchern finden sich verstreut auf einzelnen Themenseiten. Allesamt aufgelistet sind sie in der Rubrik "Kollektives Gedächtnis". Hierfür muss man allerdings auf die Eingangsseite von "LeMo" und dort auf das Stichwort "Forum" klicken. Von hier aus geht es weiter zum "Kollektiven Gedächtnis" - ein interessanter Bereich, den es sicherlich lohnt weiter auszubauen.

Zuletzt noch ein Kritikpunkt, der hier als Wunsch vorgetragen werden soll: Um die Homepage noch Benutzer freundlicher zu gestalten, wäre es von großem Vorteil, die Suche-Funktion nicht nur auf der Eingangsseite von LeMO zur Verfügung zu stellen. Wäre eine Suche auch auf den untergeordneten Seiten möglich, so würde es dem Nutzer erspart, immer wieder umständlich über den bunten Würfel zum Anfang zurückkehren zu müssen.

Anmerkungen:
[1] Enyklopädie Erster Weltkrieg. Hg. v. Gerhard Hirschfeld/Gerd Krumeich/Irina Renz. Schöningh, Paderborn 2003, 58 Euro, 1004 Seiten.
[2] Einige ebenfalls empfehlenswerte Webseiten zum Ersten Weltkrieg sind: http://www.firstworldwar.com/; http://www.inflandersfields.be/ ; http://www.westernfrontassociation.com/

Zitation
Christine Beil: Rezension zu: DHM - LeMO - Der Erste Weltkrieg, in: H-Soz-Kult, 04.09.2004, <www.hsozkult.de/webreview/id/rezwww-56>.