„Vom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel“. Jahrestagung „Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit“ des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin in Österreich

Ort
Bad Radkersburg
Veranstalter
Elisabeth Dietrich-Daum (Innsbruck); Beatrix Vreča (Bad Radkersburg); Carlos Watzka (Graz/Eichstätt); Alfred Stefan Weiß (Salzburg); Verein für Sozialgeschichte der Medizin; Stadtgemeinde Bad Radkersburg; Museum im Alten Zeughaus und Stadtarchiv Bad Radkersburg; Fachbereich Geschichte, Universität Salzburg; Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Universität Innsbruck; Institut für Soziologie, Universität Graz
Datum
27.04.2012 - 28.04.2012
Von
Elisabeth Lobenwein, Universität Innsbruck

Der Themenbereich Heilbad – Kur – Wellness in (kultur-)historischer Perspektive stand bei der im April 2012 stattgefundenen Jahrestagung des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin im Fokus. Bäder und Badekuren spielen bereits seit der Antike im europäischen Raum eine wesentliche Rolle im menschlichen Bestreben nach Erhaltung und Wiedererlangung von Gesundheit. Der moderne, vor kurzem in Form eines Buchtitels propagierte Slogan „Genussvoll baden und gesund entspannen“ ist daher dem Inhalt nach nicht unbedingt eine Erfindung des späten 20. Jahrhunderts. Hydrotherapeutische Prozeduren (Güsse, Duschen, Packungen) erlebten eine Renaissance bei akuten Leiden im 17. Jahrhundert und werden bis in die Gegenwart verfeinert. Im späten 18. Jahrhundert wuchs die Fach- und Werbeliteratur über Heilbäder an, und es ließen sich die ersten Ärzte gezielt in Badeorten nieder. Die Balneologie eroberte Mitte des 19. Jahrhunderts als Lehrfach sogar die Universitäten. Das Interesse an Kuren hat seither noch zugenommen, die Motive dafür haben sich vervielfältigt. Wurden im 19. Jahrhundert berühmte Kurorte bereits zur Sommerfrische besucht, so herrscht heute ein beinahe ungebrochener Wellnesstourismus aller Vermögens- und Altersklassen vor.

Bei der Experten/innentagung im überregional bekannten Thermenresort Bad Radkersburg trafen sich 30 Forscher/innen aus sechs europäischen Ländern, um in fünf verschiedenen Sektionen ihre Forschungen zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen.

PETER GERHARD WATZKA (Wien) eröffnete die Tagung mit einem Vortrag zur Entwicklung des Bades von der Antike bis zur Gegenwart. Mittels einer großen Anzahl an bildlichen Darstellungen aus unterschiedlichen Epochen näherte sich der Referent dem Thema Badekultur von kunstgeschichtlicher Seite. CHRISTINA VANJA (Kassel) widmete sich in ihrem Beitrag einem bis heute wenig bekannten Aspekt der historischen Heilbäder, nämlich den Armenbädern. Kurorte hielten nicht nur für wohlhabende Gäste Angebote bereit, sondern auch arme, kranke und behinderte Menschen konnten vor Ort in zum Teil von Stiftungen finanzierten Hospitälern, die über Badeanlagen verfügten, unterkommen. Erst durch die im 20. Jahrhundert einsetzenden Entwicklungen hin zum modernen Gesundheitswesen wurden die Armenbäder zunehmend obsolet. ELISABETH LOBENWEIN (Innsbruck) und ALFRED STEFAN WEISS (Salzburg) stellten die Thermalquellen Gasteins in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Anhand einer vergleichenden Analyse von aufklärerischer Reiseliteratur mit Reiseberichten des frühen 19. Jahrhunderts konnte festgehalten werden, dass ähnliche Topoi, zum Beispiel jene über die schlechten Unterkünfte in Bad Gastein, sich bis in die 1830er-Jahre fortsetzten. Erst mit Errichtung der Filialbadeanstalt Hofgastein (1828) und später durch die Beschleunigung der Reisewege (Bau der Tauernbahn) setzten die Entwicklungen vom Wildbad hin zum Weltbad ein. Im Vortrag „Bürger, Bauer, Edelmann. Sozialgeschichtliche Aspekte zum Salzburger Bäderwesen im langen 19. Jahrhundert“ widmete sich auch EWALD HIEBL (Salzburg) den Badeorten Badgastein und Bad Hofgastein, deren geschichtliche Entwicklung bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bereits von Lobenwein und Weiß angesprochen worden war. Der Adel und das Bürgertum prägten die soziale Szenerie in Gastein, wobei der Vortragende besonders am Beispiel des Gastein-Förderers Erzherzog Johann zeigen konnte, dass die Standesgrenzen und sozialen Hierarchien gerade an diesen Badeorten durchbrochen wurden. Erzherzog Johann hatte nämlich die Sitte gelobt, dass neuankommende Gäste immer den untersten Platz am Tisch einnehmen mussten und niemand, von seinem Stand abhängige, spezifische Plätze zugewiesen bekam. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zur Ausdifferenzierung des Salzburger Badewesens, da sich im ganzen Land kleinere Bäder entwickelten und somit das Heilmittel „Bad“ fast allen Klassen und Schichten zur Verfügung stand. KATHARINA KARIN MÜHLBACHER (Salzburg) berichtete in ihrem Vortrag von dem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufkommenden bedeutenden Badetourismus im Salzburger Torfmoor in Leopoldskron. Laut eines im August 1840 erstellten Gutachten seien die Schlammbäder im Moos besonders empfehlenswert zur Behandlung von Geisteskrankheiten, rheumatischen Beschwerden und Schlagflüssen gewesen. Mühlbacher thematisierte auch den Alltag im Badebetrieb, die Ausstattung der Anlagen sowie die Anwendungen und Kosten.

Die zweite Sektion stand unter dem Titel „Wasser, Licht, Luft und Lehm als (All-)Heilmittel? Oder: Die Attraktivität von Bädern und Kuren“. ANDREAS GOLOB (Graz) stellte in seinem Vortrag die an der Universität Graz eingereichten Habilitationen für die Fächer Balneologie (1870) bzw. Balneotherapie (1876) von Conrad Clar und Julius Glax in den Mittelpunkt seiner Ausführungen und konnte somit Einblicke in den Umfang und die Inhalte des Faches Balneologie sowie interdisziplinäre Anknüpfungen an bereits etablierte Zweige der Naturwissenschaften gewähren. Der Frage wurde nachgegangen, ob und in welcher Form die Wasser(heil)kunde schon vor der Etablierung als Habilitationsfach akademisch präsent war, wobei die medizinischen Fakultäten der Städte Prag und Wien als vergleichende Beispiele herangezogen wurden. VLADAN HANULÍK (Pardubice) befasste sich mit den Praktiken der Kaltwasserheilmethode der Wasserheilanstalt des Vincenz Prießnitz im Kurort Gräfenberg. Als Quellenbasis wurden ca. 3.100 Patientenbriefe, die an den Hydrotherapeuten Prießnitz gerichtet waren, herangezogen, sowie andere mehr oder weniger diskursformative Texte. Im Mittelpunkt der Analyse standen folgende Fragen: In welcher Weise haben sich die Autoren von Selbstzeugnissen, literarischen und wissenschaftlichen Texten stilisiert und waren die Kurgäste in Gräfenberg durch den diskursformativen Korpus der heroischen Stilisierung mehr beeinflusst als durch die authentische embodied (Merleau-Ponty) Erfahrung? Im Vortrag „Der Jungborn – mit Wasser, Licht, Luft und Lehm in die neue Zeit“ berichtete EKKEHARD W. HARING (Wien/Nitra) von der einzigartigen Kombination aus Naturheiltherapie, Gemeinschaftserlebnis und archaischer Lebensweise, die dem Naturheilsanatorium Jungborn im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts einen internationalen Ruf verschaffte. Haring konnte einige Einblicke in den Alltag der außergewöhnlichen, von Adolf und Rudolf Just geführten Kuranstalt geben, denn für die Gäste der Institution bedeutete der Aufenthalt in Jungborn nicht nur eine Kur im heilpraktischen Sinne, sondern auch eine Auseinandersetzung mit alternativen Lebens- bzw. Gesellschaftsentwürfen. IRIS RITZMANNs (Zürich) Beitrag „Logiken der Lungenkur“ konzentrierte sich auf die im ausgehenden 19. Jahrhundert in der Schweiz entstandenen Heilanstalten für Tuberkulöse. Obwohl die Ineffizienz der entbehrungsreichen Kuren bald nachgewiesen wurde, erfreuten sich diese Sanatorien, die durch strenge Gesetze und eine ausgesprochene Machtposition des Medizinpersonals geprägten waren und auch als Disziplinierungsstätten im Sinne geschlossener Anstalten verstanden werden können, doch sehr lange großer Beliebtheit. Der Frage, warum sich der Mythos der Höhenkur so lange halten konnte, wurde nachgegangen, wobei die Rolle der Ärzte und Fürsorgeorganisationen, die durch Propaganda und moralischen Druck die Nachfrage an Lungenkuren in den Bergen forcierten, zur Debatte gestellt und anhand diverser Videobeispiele erläutert wurde. EBERHARD WOLFF (Zürich) ging in seinem Vortrag den Gründen nach, warum die Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert zu einem ausgesprochen beliebten Ziel für verschiedene Kuren geworden war. Wolff präsentierte die These, dass nicht die Naturlandschaft an sich, sondern das von der Schweiz aufgebaute Image als typische Gesundheitslandschaft ausschlaggebend für diese Entwicklungen war. Die vier Dimensionen von Reinheit in hygienischer, natürlicher, moralischer und politischer Hinsicht insbesondere in der Kombination mit Wasser wurden anhand von ausgewählten Werbeplakaten, Karikaturen und Ausschnitten aus Fernsehserien veranschaulicht.

Die zwei öffentlichen Abendvorträge des ersten Veranstaltungstages stießen bei der in Bad Radkersburg und Umgebung ansässigen Bevölkerung auf großes Interesse. ELKE HAMMER-LUZA (Graz) präsentierte verschiedene steirische Kurorte der Biedermeierzeit (Sauerbrunnen: Rohitsch-Sauerbrunn, Gleichenberg; Warmbäder: Bad Neuhaus, Römerbad Tüffer, Tobelbad; Wildbad: Einöd in Dürnstein; Schwefelbad: Wörschach im Ennstal; Kaltwasseranstalt: Radegund bei Graz), die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwar in der Steiermark Spuren hinterließen, im Gegensatz zu anderen, bekannteren Badeorten der Habsburger Monarchie, aber keine längerfristige herausragende Stellung einnehmen konnten. Ab den 1840er-Jahren kann immerhin eine Verbesserung der ausgesprochen primitiven Verhältnisse der Badeanstalten ausgemacht werden, allerdings blieb das Publikum der steirischen Kurbäder auf den niederen Adel und das gehobene Bürgertum beschränkt. KLAUS BERGDOLT (Köln) stellte in seinem Vortrag Überlegungen zum Begriff „Gesundheit“ unter historischen, philosophischen und ökonomischen Aspekten an und zitierte dabei aus antiken bis hin zu neuzeitlichen Quellen. Von besonderem Interesse waren dabei die Anmerkungen zu den gegenwärtigen Entwicklungen rund um das Thema „Gesundheit und Krankheit“, wobei Bergdolt zu dem Schluss kam, dass die westliche Gesellschaft von der Vorstellung eines Anspruchs auf Freisein von Krankheiten Abschied nehmen müsse und der „gesunde Umgang“ mit Krankheiten für die Zukunft an Bedeutung gewinnen werde.

Die dritte Sektion „Heilbäder – (politische) Visionen und Forschungen im 20. Jahrhundert“ wurde von ARIN NAMAL (Istanbul) mit einem Beitrag über die Aus- und Rückwirkungen des Aufenthalts Mustafa Kemal Atatürks in Karlsbad auf das türkische Bäderwesen eröffnet. Atatürk hatte sich 1918 einen Monat lang in Karlsbad in der Hoffnung auf Heilung seines Nierenleidens behandeln lassen und dabei seine Eindrücke in tagebuchartiger Form in sechs Heften (158 Seiten) handschriftlich festgehalten. Atatürk scheint von Karlsbad so tief beeindruckt gewesen zu sein, dass er sich dazu veranlasst sah, Thermal- und Heilbäder in der Türkei auch von staatlicher Seite zu unterstützen. So befasste sich in den gesetzlichen Gesundheitsregelungen der Republik ein eigenes Kapitel mit den Thermalbädern und Mineralwassern in der Türkei. MÁRTA JUSZTIN (Budapest) beleuchtete die besondere Rolle der Balneologie und der Heilquellennutzung in der Zwischenkriegszeit in Budapest, wobei sie besonders auf die Konzepte, Interessen und Pläne von verschiedenen Institutionen, Ämtern, Berufsorganisationen und der Tourismusbranche hinwies. In Budapest wären zwar alle Ressourcen zur Ausbildung einer international bekannten Bäderstadt vorhanden gewesen, allerdings konnte der Traum „Bäderstadt Budapest“ nicht realisiert werden, da sich Budapest bereits zu einer Industriestadt entwickelt hatte, die weder den Interessen und Wünschen der Kurgäste nach Ruhe, guter Luft, schöner Aussicht und luxuriösen Hotels entsprechen konnte. Schließlich ließ der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den Traum von der „Bäderstadt Budapest“ endgültig platzen. ALEXANDER FRIEDMAN (Heidelberg) widmete sich in seinen Ausführungen der ereignisreichen Geschichte der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Ostseebädern Cranz (später Zelenogradsk) und Rauschen (später Svetlogorsk). Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte sich das Kur- und Kulturangebot der Bäder stark erweitert, so dass besonders adelige und bürgerliche Kurgäste aus Ostpreußen aber auch aus dem Ausland an die Ostseebäder kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine rasche Sowjetisierung der Anlagen, wobei allerdings nicht – wie propagiert – die „sowjetischen Werktätigen“, sondern die Partei- und Militärnomenklatur in den Genuss der Sanatorien und Ferienheime kamen. Ab 1991 setzte sich vor allem die deutsche Presse mit den Ostseebädern und den „Heimwehtouristen“ aus Deutschland auseinander bzw. zeigte auch die lokale Bevölkerung vermehrt Interesse an dem ostpreußischen Erbe der Region.

Sektion Nr. 4 stand unter dem Titel „Wasser als therapeutisches Mittel in der Psychiatrie und im landärztlichen Alltag“. MARIA HEIDEGGER (Innsbruck) stellte in ihrem Vortrag die psychiatrischen Krankenakten Erster Klasse Patientinnen und Patienten der Zeit von 1830 bis 1850 der „k. k. Provinzial-Irrenanstalt“ in Hall in Tirol in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Der Frage wurde nachgegangen, wie eine Kur sowohl in der „Irrenanstalt“, als auch in anderen konkurrierenden Kurorten, wie zum Beispiel dem Heinrichsbad in der Schweiz, ausgesehen hat. Heidegger versuchte, die „Irrenanstalt“ nicht isoliert, sondern in einem gemeinsamen lokalen medikalen Raum zu betrachten bzw. zu verorten. Anhand von Anstaltsbeschreibungen und Zeitungsartikeln konnte nachgezeichnet werden, dass sich die „Irrenanstalt“ im Untersuchungszeitraum zu etablieren versuchte und die Heilmethoden und Unterbringung in der Anstalt in die Nähe von Kureinrichtungen gerückt wurden. Der Titel des von ELISABETH DIETRICH-DAUM (Innsbruck) präsentierten Vortrages lautete: „Heilendes Wasser in der Psychiatrie: Solebäder, Duschen und Dauerbäder als therapeutische Mittel in der k. k. Provinzial-Irrenanstalt Hall i. Tirol“. Krankenakten des Historischen Archivs des LKH Hall wurden herangezogen, um ein besseres Bild über die therapeutischen Anwendungen der Wassertherapien, zum Beispiel Häufigkeit der Anwendung, Modus der Durchführung etc., zu gewinnen. Dabei wurde sowohl auf den therapeutischen als auch den disziplinierenden Charakter der Therapien hingewiesen. Anhand der als Beispiel herangezogenen, umfangreichen Patientenakte des 1913 geborenen und als 9-jähriges Kind in die Anstalt eingewiesenen Georgs konnte Dietrich-Daum in detaillierter, und für die Zuhörer/innen beklemmender Weise, eine über Jahre dauernde Therapie, bestehend aus einem Wechselspiel an Bädern und Wickel, nachzeichnen.

Die Tagung wurde mit dem Vortrag von SABINE VEITS-FALK (Salzburg) „Vom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel: Kontinuitäten und Brüche“ abgeschlossen. Die Referentin gab zunächst eine kurze Zusammenfassung aller Vorträge wieder und formulierte die Kernfragen der Präsentationen in folgenden Schlagworten: Zielpublikum von Heilanstalten, Ausstattungen der Bäder, Gegenspiel medizinischer Aspekt versus gesellschaftliches Angebot, Ausbau der Infrastruktur, Personal, Wissenschaftler und Balneologie, Erfahrungen der Patientinnen und Patienten, Wettbewerb, der Versuch der Vernetzung der Kuranstalten etc. Veits-Falk zeigte auch Desiderata auf, die in den Vorträgen nur marginal oder gar nicht angesprochen worden waren, zum Beispiel geschlechtsspezifische Angebote von Kurbädern, Bäder für spezifisches Klientel wie Soldaten, Künstler, Intellektuelle. Auch die spezifischen Mechanismen von Inklusion und Exklusion am Kurort wären ein weiteres Thema, das einer näheren Untersuchung bedürfen würde.

Die Vielfalt der vorgestellten Themen, die Präsentation neuer Forschungsergebnisse, die sehr anregenden Diskussionen, aber auch die rege Teilnahme von nationalen wie internationalen Wissenschaftler/innen zeigt deutlich, dass sich die Jahrestagungen des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin immer mehr zu einem Fixpunkt unter den Medizinhistorikern/innen entwickelt haben. Die nächstjährige Tagung in Salzburg unter dem Titel „Alternative und komplementäre Heilmethoden vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ (8.–11. Mai 2013) scheint in ähnlicher Weise vielversprechend zu werden.

Konferenzübersicht:

Sektion 1: Alte Heilbäder – Klassen und Schichten, Heilung und Erholung

Peter Watzka (Wien), Das Bad im historischen Wandel – kultur- und alltagsgeschichtliche Beobachtungen anhand kunsthistorischer Quellen

Christina Vanja (Kassel), Geschichte der Armenbäder

Elisabeth Lobenwein/Alfred Stefan Weiß (Innsbruck/Salzburg), Vom Wildbad zum Weltbad. Die Heilquellen in Gastein im Blickpunkt der Reiseliteratur bis ca. 1830

Katharina Karin Mühlbacher (Salzburg), Zwischen balneologischer Notwendigkeit und touristischer Attraktivität – der Aufstieg des Moorbades in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Beispiel Salzburgs

Ewald Hiebl (Salzburg), Bürger, Bauer, Edelmann. Sozialgeschichtliche Aspekte zum Salzburger Bäderwesen im langen 19. Jahrhundert

Sektion 2: Wasser, Licht, Luft und Lehm als (All-)Heilmittel? Oder: Die Attraktivität von Bädern und Kuren

Andreas Golob (Graz), Die Wasser(heil)kunde auf akademischem Boden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere an der Universität Graz

Vladan Hanulík (Pardubice), Eishölle? Die Herausbildung und Funktion des heroischen Diskurses der Kaltwasserkuren im Heilbad Gräfenberg

Ekkehard W. Haring (Wien/Nitra), Der Jungborn – mit Licht, Luft und Lehm in die neue Zeit

Iris Ritzmann (Zürich), Logiken der Lungenkur

Eberhard Wolff (Zürich), Reine Kurwelten

Abendvorträge

Elke Hammer-Luza (Graz), Steirische Kurorte in der Biedermeierzeit

Klaus Bergdolt (Köln), Was ist Gesundheit? Historische, philosophische und ökonomische Überlegungen

Sektion 3: Heilbäder – (politische) Visionen und Forschungen im 20. Jahrhundert

Arin Namal (Istanbul), Mustafa Kemal Atatürk (1881–1938), Gründer der Türkischen Republik, verbringt im Sommer 1918 einen Monat in Karlsbad – Rückwirkungen seiner Eindrücke vom dortigen Heilbad auf die Türkei

Márta Jusztin (Budapest), Budapest „Bäderstadt“ – Realitäten oder Träume. Gegebenheiten und Pläne für die Entwicklung der Budapester Bäder in den Zwischenkriegsjahren

Alexander Friedman (Heidelberg), Kurorte im Gebiet Kaliningrad nach dem Zweiten Weltkrieg: Infrastruktur, Alltag und Propaganda

Sektion 4: Wasser als therapeutisches Mittel in der Psychiatrie und im landärztlichen Alltag

Maria Heidegger (Innsbruck), Kuraufenthalte bei Seelenleiden – Befunde anhand von Krankenakten aus der frühen Anstaltspsychiatrie

Elisabeth Dietrich-Daum (Innsbruck), Heilendes Wasser in der Psychiatrie? Das Dauerbad als therapeutisches Mittel in der Landes-, Heil- und Pflegeanstalt Hall i. Tirol

Sektion 5: Wellness als Lebensstil? Eine Schlussbemerkung

Sabine Veits-Falk (Salzburg), Vom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel: Kontinuitäten und Brüche

Allgemeine Schlussdiskussion

Zitation
Tagungsbericht: „Vom alten Heilbad zum modernen Wellnesstempel“. Jahrestagung „Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit“ des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin in Österreich, 27.04.2012 – 28.04.2012 Bad Radkersburg, in: H-Soz-Kult, 27.08.2012, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4351>.