Aktuell/

Buchrezensionen/

Nationalsozialismus
Hilberg, Raul: Anatomie des Holocaust, Frankfurt am Main 2016
Rez. von Christoph Dieckmann, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main

Die Vernichtung der Juden im deutsch beherrschten Europa war ein Prozess, so eines der zentralen Argumente Raul Hilbergs (1926–2007), der von 1933 bis 1945 nicht durch einen klaren Plan oder eine kalkulierte Strategie vorgezeichnet war, sondern einer „inhärenten Logik“ (S. 23) folgte, die zwingend vier Schritte beinhaltete: Man musste zuerst definieren, wer Jude sei, zweitens die Juden enteignen, sie drittens konzentrieren, um sie viertens schließlich ermorden zu können, durch Erschießungen in der besetzten Sowjetunion und durch Mord in den Vernichtungsstätten nach vorheriger Deportation.[1]

Wer hat an diesem Prozess teilgenommen? Hilbergs These lautet: „Die Vernichtung der Juden wurde von der organisierten [deutschen] Gesamtgesellschaft geplant und umgesetzt.“ „An der Spitze dieses historischen Feldzugs standen Bürokraten“, die allerdings nicht einer koordinierenden Instanz folgten oder in einem monolithischen zentralisierten Staat agierten, sondern in einem Unstaat, einem organisierten Chaos: die „Vernichtungsmaschinerie bestand aus [...] Ministerien, den Streitkräften, den Parteigliederungen und der Industrie“.

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Europäische Geschichte
Yilmaz, Harun: National Identities in Soviet Historiography, London 2015
Rez. von Gerhard Simon, Pulheim

Diese Monographie untersucht die Konstruktion von nationaler Geschichte und von Mythen über nationale Geschichte in den sowjetischen Unionsrepubliken Aserbaidschan, der Ukraine und Kasachstan in den Jahren von etwa 1935 bis 1945. Eine parallele Entwicklung fand in allen Unionsrepubliken und insbesondere in Russland statt.

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Außereuropäische Geschichte
Andrade, Tonio: Gunpowder Age, Princeton, NJ 2016
Rez. von Nicolas Schillinger, Ostasiatisches Seminar, Sinologie – Chinastudien, Freie Universität Berlin

Both among academics and in the public opinion the essentialist notion that Chinese culture is pervaded by Confucian pacifism, by and large indifferent to warfare and military technology, is still prevalent. However, the ascription of a non-aggressive ‘a-military’ Chinese culture (wubing wenhua)[1] is relatively recent and in large parts caused by the “great military divergence” that began to open up in the late eighteenth century.

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Geschichte allgemein
Heyde, Jürgen; Holste, Karsten; Hüchtker, Dietlind; Kleinmann, Yvonne; Steffen, Katrin (Hrsg.): Dekonstruieren und doch erzählen, Göttingen 2015
Rez. von Zofia Wóycicka, Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

„Geschichte ist eine Konstruktion – und doch: Geschichte muss erzählt werden!” So das Credo der HerausgeberInnen des Buches. In insgesamt 43 kurzen Essays versuchen die AutorInnen, vor allem Historiker, Literaturwissenschaftler, Ethnologen aus Deutschland und Polen, aber auch aus anderen Ländern Europas, etablierte Meisternarrative zu hinterfragen und neue Forschungsansätze und Perspektiven zu bieten.

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Termine/

Call for Articles
30.09.2016 Herausgeberinnen: Johanna Gehmacher, Klara Löffler, Katharina Prager

//English version below//

Call for Articles

Die Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (OeZG) plant für den Herbst 2018 einen Schwerpunktband zum Thema

Biografien und Migrationen (Arbeitstitel)
Herausgeberinnen: Johanna Gehmacher, Klara Löffler, Katharina Prager

Vielfach schon wurde bemerkt, dass Menschen, die durch (erzwungene oder selbst gewählte) Migration in verschiedenen Kulturen lebten und wirkten, verstärkt das Bedürfnis haben, ihre Erfahrungen zu reflektieren und zu gestalten.

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Vorlesungsreihe
06.10.2016 - 15.12.2016 Schweizerische Osteuropabibliothek (SOB)

Die SOB-Reihe schaut dieses Jahr auf die ost(mittel)europäischen Ereignisse und ihre schweizerischen und internationalen Verflechtungen und Nachwirkungen im bewegten Jahr 1956. Der ungarische Aufstand im Oktober war dabei eins der medienwirksamsten, aber keineswegs das einzige Ereignis, das die Weltöffentlichkeit in Atem hielt: Von Nikita Chruščevs ‚Geheimrede‘ bis zur Eskalation der Suezkrise oszillierte das Jahr zwischen Kaltem Krieg und „heissen“ Konflikten; zwischen Entstalinisierung und Hoffnungen auf Tauwetter, die sich allerdings nur teilweise erfüllten.

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Konferenz
10.11.2016 - 12.11.2016 Universität Erfurt; Hochschule Coburg

Die Tagung „Über den Horizont“ fragt im Dialog zwischen verschiedenen Wissenschaften, Philosophie, Literatur und Kunst, was einen „Horizont“ ausmacht, wodurch sich verschiedene „Horizonte“ unterscheiden, was „Horizonte“ für uns bedeuten und wie sie sich erweitern oder überschreiten lassen.
Sie zielt darauf, die Bedeutung des Begriffs und seine Verwendungsweisen interdisziplinär zu analysieren und zu diskutieren: Wie lassen sich unterschiedliche wissenschaftliche, soziale und kulturelle „Horizonte“ verstehen und akzeptieren, ohne gleichzeitig die eigene Identität zu verlieren?

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Call for Articles
10.07.2017 - 21.07.2017 Leibniz Institute of European History Mainz

The international GLOBAL HUMANITARIANISM | RESEARCH ACADEMY (GHRA) offers research training to PhD candidates and early postdocs. It combines academic sessions at the Leibniz Institute of European History in Mainz and the Imperial and Global History Centre at the University of Exeter with archival sessions at the Archives of the International Committee of the Red Cross in Geneva.

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Ausstellungsrezensionen/

Lepik, Andres; Bader, Vera Simone (Hrsg.) World of Malls. Architekturen des Konsums
14.07.2016 - 16.10.2016 Architekturmuseum der TU München, Pinakothek der Moderne
Rez. von Detlef Briesen, Historisches Institut, Justus-Liebig-Universität Gießen / University of Social Sciences and Humanities, Vietnam National University, Hanoi

Die Ausstellung befasst sich mit der Shopping Mall als Architekturtypus, einem global weit verbreiteten Emblem jener Zwischen-, Megastädte oder Stadtlandschaften, in die sich der Stadt-Land-Gegensatz vielfach aufgelöst hat.[1] Allein in den USA entstanden von den 1950er-Jahren bis zum Ende der 1990er-Jahre rund 45.000 Shopping Malls.

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Merten, Jürgen (Hrsg.) Nero. Kaiser, Künstler und Tyrann
14.05.2016 - 16.10.2016 Rheinisches Landesmuseum Trier, Museum am Dom Trier, Stadtmuseum Simeonstift
Rez. von David Hamacher, Abteilung für Alte Geschichte, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Kristina Heubach, Lehrstuhl für Alte Geschichte, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Unter dem Titel „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ widmet sich die Museumsstadt Trier nach der großen Konstantin-Ausstellung von 2007 nun einem der wohl umstrittensten römischen Kaiser.[1] Im Rahmen einer Ausstellungskooperation werden an insgesamt drei Standorten verschiedene Aspekte der Geschichte und der Person Neros näher behandelt: Während das Rheinische Landesmuseum die namensgebende Hauptausstellung ausrichtet, setzt sich das Museum am Dom mit dem Thema „Nero und die Christen“ auseinander; das Stadtmuseum Simeonstift schließlich befasst sich unter dem Titel „Lust und Verbrechen.

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Tagungsberichte/

21.06.2016 Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg; Landesarchiv Baden-Württemberg
Von Monja Dotzauer, Historisches Institut - Abteilung Landesgeschichte, Universität Stuttgart

In Zusammenarbeit mit dem Landesvermessungsamt Baden-Württemberg schuf die Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg in den Jahren von 1972-1988 mit dem Historischen Atlas von Baden-Württemberg (HABW) ein kartografisches Grundlagenwerk für den deutschen Südwesten. 120 Kartenblätter informieren über die Landesnatur, die Vor- und Frühgeschichte, die Entwicklung der Kulturlandschaft und der Siedlungsgeschichte, die politische Geschichte vom Frühmittelalter bis zum 20.

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29.06.2016 - 30.06.2016 Sonderforschunsgbereich/Transregio 138 „Dynamiken der Sicherheit, Phillips-Universität Marburg
Von Tobias Bruns, Neuere Geschichte, Philipps-Universität Marburg

In seiner Einführung erläuterte Christoph Kampmann (Marburg) die Genese der Tagung, die aus der konzeptionellen Tätigkeit des SFB-TRR 138 „Dynamiken der Sicherheit“ und einer seiner Arbeitsgruppen erwachsen sei, in der Vertreter/innen der Geschichtswissenschaften von der Frühen Neuzeit bis zur jüngsten Zeitgeschichte, der Rechts- und der Sozialwissenschaften zusammenarbeiteten.

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26.05.2016 - 28.05.2016 Universität Szeged; Universität Salzburg
Von Zsuzsanna Cziráki, Universität Szeged; Elisabeth Lobenwein, Universität Salzburg

Das frühneuzeitliche habsburgische Gesandtschaftswesen in Konstantinopel gehört seit langem zum gemeinsamen wissenschaftlichen Interessenfeld der österreichischen und ungarischen Geschichtsforschung. Bereits seit zwei Jahrhunderten wurden bzw. werden bis heute von HistorikerInnen historisch-kritische Editionen habsburgischer Gesandtschaftsberichte des 16.

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24.02.2016 - 26.02.2016 Martin Bauch, Deutsches Historisches Institut, Rom; Gerrit J. Schenk, Technische Universität Darmstadt; in association with the DFG-Project ‘Vulnerable Societies’
Von Annabell Engel, Marburg

There has been a great deal written about the crisis of the 14th century over the past decades.[1] Thus, it was the obligation of the conference at the German Historical Institute (DHI) in Rome to show that there is still something new to contribute. Participants as well as organizers fulfilled this task in at least two different ways: firstly, they expanded research to still insufficiently investigated regions of the world; and secondly, they took it as an opportunity to cooperate with the sciences.

A broad range of different topics and study areas were addressed at the conference.

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Miszellen/

Nachrichten

„Wie viel Selbstdarstellung braucht Geschichte?“, so lautete die Frage des dritten Essaywettbewerbs von Werkstatt_Geschichte_. Der mit einem Preisgeld von € 500,00 dotierte Essaypreis geht in diesem Jahr Pablo Dominguez Andersen. In seinem Beitrag „Mischen wir uns ein!“ ermutigt er zum selbstbewussten Eingreifen in öffentliche Debatten.

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Forschungsprojekte

The "global turn" can be defined as the globalization of social science, i.e. of the various disciplinary and inter-disciplinary appropriations of the concept of the global. These appropriations have transformed the scope, the lexicon, the methods of disciplines. Broader transnational processes impact on the social scientists’ craft.

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Forschungsprojekte

Das Bundesarchiv plant den Aufbau eines Quellenportals zur Weimarer Republik. Über einen Zeitraum von vier Jahren werden ab 2017 insgesamt ca. 4 Millionen Digitalisate und damit über 7000 Akten aus den Beständen des Bundesarchivs den Nutzern online zur Verfügung gestellt. Der Start des Portals „Weimar – Die erste deutsche Demokratie“ ist für Ende des Jahres 2017 vorgesehen.

Der Blog „Weimar – Wege zur Demokratie“ (blogweimar.hypotheses.org // weimar@bundesarchiv.de) begleitet den Aufbau des Quellenportals.

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Web-News

Liebe Leserinnen und Lesern,

fortan wird das Fachforum geschichte.transnational als elektronische Zeitschrift Connections. A Journal for Historians and Area Specialists fortgeführt. Sie informiert über aktuelle Trends in der Globalgeschichte und verbindet sie mit Erträgen der Area Studies, transregionaler Ansätze und der sozialwissenschaftlichen Globalisierungsforschung.

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Zeitschriften/

The Australian Journal of Politics and History presents papers addressing significant problems of general interest to those working in the fields of history, political studies and international affairs. Articles explore the politics and history of Australia and modern Europe, intellectual history, political history, and the history of political thought.

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The journal “Itineraria” offers a new space for research on themes and texts relating to travel and knowledge of the world (including imaginary, symbolic and metaphorical travel, visiones, fantastic geography, and geography of the after-world) from a broad philological perspective that, while privileging Medieval Latin and humanistic literary traditions, also includes classical and vernacular cultures.

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German Studies Review (GSR) is the scholarly journal of the German Studies Association (GSA), the world’s largest academic association devoted to the interdisciplinary and multidisciplinary study of the German-speaking countries. Recent issues have covered topics from Alexander von Humboldt and postcolonial theory to Krupp housing estates in the Ruhr valley to the popularity of German gangsta rap.

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In dem Themenheft "Explosive Melange" der neuen OSTEUROPA geht es um Terrorismus und imperiale Gewalt, um eskalierende Konflikte an der Peripherie instabiler Imperien. Historische Fallstudien beschäftigen sich mit Repression und Gegengewalt in den letzten Jahrzehnten des Russischen Zarenreichs, des Osmanischen Reichs und des Habsburgerreichs.

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