Not All Quiet on the Ottoman Fronts, Neglected Perspectives on a Global War, 1914-1918

Ort
Istanbul
Veranstalter
Orient-Institut Istanbul, Max Weber Stiftung; Vereinigung liberaler HistorikerInnen der Türkei, Tarih Vakfı
Datum
08.04.2014 - 12.04.2014
Von
Zaur Gasimov, Orient Institut Istanbul

Die internationale Konferenz „Not All Quiet on the Ottoman Fronts, Neglected Perspectives on a Global War, 1914-1918“ wurde in Zusammenarbeit des Orient-Instituts Istanbul der Max Weber Stiftung (OII) und der Vereinigung liberaler HistorikerInnen der Türkei, Tarih Vakfı (Historische Stiftung) veranstaltet. Unterstützt wurde die Konferenz von einer Reihe führender Istanbuler Universitäten, der französischen Forschungseinrichtung IFEA in Istanbul, dem Goethe-Institut Istanbul und weiteren Partnerorganisationen. Bereits im Jahr 2011 setzten die Planungen der Veranstaltung ein, die am Montag, dem 7. April 2014, mit einem eintägigen französisch-türkischen Workshop eingeleitet wurde. Organisiert durch die WissenschaftlerInnen des Orient-Instituts Istanbul, der IFEA, der Tarih Vakfı und anderen widmete sich dieser Workshop dem Ersten Weltkrieg als Thema im Unterricht und dessen Darstellung in Lehrbüchern anhand einer komparativen Analyse von Bildern, Thematik und Unterrichtsstrategien.

Am 8. April fand der Abendvortrag des prominenten Türkeihistorikers und Experten für den Nahen Osten, ERIK-JAN ZÜRCHER (Leiden), im Kaisersaal des Deutschen Generalkonsulats in Istanbul statt. Zürcher gelang es in seinem Vortrag hervorragend, die Unterschiede zwischen den osmanischen Fronten und dem Kriegsgeschehen in anderen Weltregionen, insbesondere in Westeuropa herauszuarbeiten und zu präsentieren.

Mit der Begrüßung durch den Rektor der gastgebenden Istanbul Bilgi Universität, Remzi Sanver, des Vorsitzenden der Tarih Vakfı, Bülent Bilmez, und des OII-Direktors Raoul Motika wurde am darauf folgenden Tag die mehrtägige Konferenz eingeleitet. Das Programm war in jeweils zwei parallel laufende Panels aufgeteilt, in denen Vorträge mit anschließenden Diskussionsrunden der KonferenzteilnehmerInnen stattfanden.

Im von FIKRET ADANIR (Bochum/ Istanbul) geleiteten Panel, gewidmet den Deportationen in Anatolien, trugen PINAR ŞENIŞIK (Istanbul), EMRE EROL (Leiden), AYŞE OZIL (Istanbul) und RONALD GRIGOR SUNY (Chicago) vor. Pınar Şenışık referierte zum Thema der Massendeportationen der Griechen aus Westanatolien und dem Schwarzmeerraum. Sie schilderte unterschiedliche Ordnungsvorstellungen betreffend Westanatolien in der osmanischen Elite sowie der griechischen Politik zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aber auch die europäischen Bilder und Wahrnehmungen des griechischen Staates und des Osmanischen Reiches. Şenışık ging auf die gegenseitigen ökonomischen Boykottaktionen unter den osmanischen Griechen und Muslimen ein, die sich insbesondere während der Kriegsjahre zuspitzten. Emre Erol entwickelte das Thema der Zwangsmigration weiter, indem er einige Fallstudien im griechisch und muslimisch gemischt besiedelten westanatolischen Teil des Osmanischen Reiches vor dem Ersten Weltkrieg vortrug. In dieser Gegend herrschte kein Miteinander, sondern ein „fragiler Kosmopolitismus“. Ausgelöst teils durch die Flüchtlingskrise im Verlauf der Balkankriege 1912-13 und die Radikalisierung der Jungtürken (Committee of Union and Progress) und weitere Aspekte kam es zu den Massendeportationen der griechischen Bevölkerungsgruppe aus der westanatolischen Küste, die ihrerseits von den Plünderungen der griechischen Häuser in Städten wie Foça und Ayvalık begleitet wurde. Im Gegensatz zu Erol, der sich auf die städtischen Räume konzentrierte, widmete sich Ayşe Ozil der Untersuchung der Zwangsemigration, dem wirtschaftlichen Boykott der Läden und Einrichtungen der orthodoxen Christen sowie den komplizierten Wirtschaftsverhältnissen zwischen den lokalen Muslimen, osmanischen Griechen und griechischen Staatsbürgern in den westanatolischen Dörfern. Auch Ozil schilderte die Plünderungen der griechischen Kirchen und Häuser an der westanatolischen Küste in der Zeit vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ronald G. Suny ging in seinem Vortrag der Frage nach, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Massendeportationen der christlichen Bevölkerungsgruppen wie der Armenier, Griechen und Assyrer im Osmanischen Reich existierten. Jungtürken intendierten das eigene Imperium zu bewahren und dieses zu homogenisieren. Die christlichen Gruppen sollten erstmal von den Grenzgebieten entfernt werden. Suny wies auf die antiarmenische Berichterstattung in der jungtürkischen Presse wie z.B. in der „Tanin“ hin, hob jedoch eine hybride, einzelne Ethnien übergreifende gesamtosmanische Identität hervor, die parallel zur Herauskristallisierung der einzelnen Nationalismen und ethnischer Gewalt existierte. Die Armenier, so Suny, litten unter einer „zweifachen Orientalisierung“ (double orientalisation), indem sie von den Europäern eher als ein orientalisches Volk, wenn auch christlich, eingeschätzt wurden. Andererseits wurden die Armenier misstrauisch von ihren muslimischen Nachbarn beäugt.

Im folgenden Panel setzten sich fünf Wissenschaftlerinnen aus der Türkei und den USA mit den Gewaltausbrüchen und –erfahrungen der Araber und Armenier im Ersten Weltkrieg auseinander. SEDA ALTUĞ (Istanbul) behandelte in ihrem Beitrag die militärische Mobilisierung (seferberlik) in Syrien und Libanon als Teilgebiete des Osmanischen Reiches in den Kriegsjahren. Die Historikerin analysierte den Platz und die Rolle der seferberlik in der syrischen kollektiven Erinnerung verbunden mit dem Trauma der Hungersnot und Demütigung. Das Thema der Hungersnot wurde auch von der US-amerikanischen Historikerin MELANIE SCHULZE TANIELIAN (Michigan) aufgegriffen. In ihrem Referat standen Genderfragen sowie Hilfsaktivitäten der europäischen und regionalen Organisationen im osmanischen Beirut von 1914 bis 1918 im Vordergrund. LERNA EKMEKÇIOĞLU (Michigan) untersuchte die Rettungsaktionen für armenische Frauen und Kinder während und nach dem Ersten Weltkrieg, indem sie das Leben der verwitweten Armenierinnen oder verwaisten Kinder 1915-20 nachzeichnete. HEGHNAR WATENPAUGH (Davis) beschrieb in ihrem Vortrag das Schicksal des armenischen Kulturerbes im Laufe der Kriegsjahre am Beispiel der so genannten „Zeytun Gospels“ von Toros Roslin. Die Nahosthistorikerin schilderte die Verhältnisse zwischen der lokalen Bevölkerung und der osmanischen Behörden in der Stadt Zeytun, heute Süleymanlı. Interessant war der Hinweis auf den armenischen Arzt am Deutschen Krankenhaus in Marasch, Dr. Hayrewtin Der Hazarian, der die Zeytun Gospels während des Krieges rettete.

Im Rahmen des von Erik-Jan Zürcher geleiteten Panels referierte der türkisch-niederländische Iranhistoriker SERFAN AFACAN (Leiden) über das Leben und Wirken der Iraner im Osmanischen Reich und konzentrierte sich dabei vor allem auf die juristische Regulierung ihres Aufenthaltes während des Ersten Weltkriegs. Afacan bediente sich der Erinnerungen der persischen Botschafter in Istanbul sowie der europäischen Diplomaten und beschrieb unter anderem die Rekrutierung der Iraner in die osmanische Armee, die teils auf panislamistische Vorstellungen der Osmanen zurückzuführen war und noch vor dem Ausbruch des Krieges lanciert wurde. Die bekannte türkische Japanologin SELҪUK ESENBEL (Istanbul) schilderte anhand der Auswertung der Memoiren von japanischen Diplomaten wie z. B. Uchida Sadatsuchi die japanisch-osmanischen Beziehungen, ihre Ambiguität 1914 und im Verlauf der darauf folgenden Kriegsjahre. Esenbel wies auf die beispiellose Signifikanz des Standorts Istanbul für den japanischen Geheimdienst und Generalstab in diesem Zeitraum hin, was darauf zurückzuführen war, dass Japan in Russland seinen wichtigsten Gegner sah. Istanbuls geopolitische Bedeutung wurde von Seiten japanischer Strategen eine große Rolle beigemessen.

Im Beitrag der ägyptischen Historikerin AMANY SOLIMAN (Alexandria) ging es um Alexandria und die Gallipoli Campaign 1915-1916. Soliman erinnerte das Publikum daran, dass Ägypten im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts eine gewisse Autonomie genoss und eigentlich zwischen „den Briten und den Osmanen“ zu platzieren war. Die Abhängigkeit Ägyptens und der Hafenstadt Alexandria, die gerade für die Briten von enormer Bedeutung war, war von den Osmanen somit eher nominal, so Soliman. Die Historikerin stellte die Interaktion zwischen den Muslimen von Alexandria und den Alliierten vor, insbesondere mit den australischen Soldaten, und analysierte die Erinnerungen der Europäer an ihren Aufenthalt in der Stadt.

Im von ZAFER TOPRAK (Istanbul) geleiteten Panel präsentierte die Historikerin AYŞEGÜL ARGIT (Heidelberg) ihr Forschungsprojekt über die Korrespondenz zwischen dem deutschen Orientalisten Max Freiherr von Oppenheim (1860-1946) und dem arabischen Intellektuellen und Publizisten drusischer Religionszugehörigkeit, Shakip Arslan (1869-1946). Von Oppenheim stand im Dienste der deutschen Politik im Nahen Osten und im Osmanischen Reich und war persönlich an der orientalischen Kultur interessiert. Arslan, mit dem von Oppenheim über zwanzig Jahre befreundet war, wurde für den Letzteren und somit auch für die deutsche Diplomatie zu einem bedeutenden Informanten über das politische Geschehen im Osmanischen Reich, die arabisch-osmanischen Beziehungen und die tatsächliche Haltung des Osmanischen Reiches zu Europa. Im nächsten Referat stellte die bulgarische Historikerin SNEZHANA DIMITROVA (Blagoevgrad) die Verarbeitung und die Darstellung des Kriegsgeschehens am Beispiel der Briefe der bulgarischen Soldaten dar. Bemerkenswert ist die Analyse Dimitrovas der Fotoaufnahmen sowie der Berichterstattung der Soldaten – sowohl Briefe als auch Tagebücher – über die Umstände an der Front und die aufgetretenen Epidemien. Der deutsche Turkologe CHRISTOPH NEUMANN (München) schilderte das autobiographische Schrifttum eines armenisch-osmanischen Militärangehörigen namens Sarkiz Torossian, der in Deutschland ausgebildet worden war und in der osmanischen Armee eine beachtliche Karriere gemacht hatte. Nach der Darstellung der Autobiographie Torossians, die in Englisch in Boston gedruckt wurde, ging Neumann auf die öffentliche Diskussion um diese Autobiographie in der Türkei seit 2010 ein, als das Werk im bekannten türkischen Verlag İletişim veröffentlicht wurde. Kritisiert wurde im türkischen Diskurs unter anderem, dass Torossians Angaben zum Kriegsgeschehen relevante Fehlangaben aufweisen. Daher konzentrierte sich Neumann auf die Frage der Reliabilität eines autobiographischen Texts, seine Nähe zur Fiktion und andererseits seine Dokumentation. Neumann wies auf die Bedeutung des Orientalismus als eine mögliche Erklärung gewisser Rahmenbedingungen hin, die das Entstehen des autobiographischen Texts von Torossian hätten begünstigen können.

Im Rahmen der internationalen Konferenz “ Not All Quiet on the Ottoman Fronts, Neglected Perspectives on a Global War, 1914-1918“ trug auch Professor JAY WINTER (New Haven, Connecticut) von der Yale University vor, einer der international führenden Experten der Geschichte des Ersten Weltkrieges und Herausgeber der gerade erschienenen dreibändigen „The Cambridge History of the First World War“. Es handelte sich dabei um die zweite Thyssen-Lecture, die mit finanzieller Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung sowie des OII an der Istanbul Bilgi University veranstaltet wurde. Winters Vortrag „Understanding the First World War, A Transnational Moment in Historical Study“ lud zum Neudenken des Ersten Weltkrieges in den Kategorien der Transnationalität und der transnationalen Geschichte ein.

Im Panel der international anerkannten Historikerin spätosmanischer Intellektuellengeschichte von der Chicago University, ADA HOLLY SHISSLER (Chicago), referierten türkische Nachwuchshistoriker wie der Stipendiat des OII, TOLGA CORA (Istanbul/Chicago), EROL ÜLKER (Istanbul) und AYŞE POLAT (Istanbul). Tolga Cora beschrieb die Entwicklung der armenisch-osmanischen Beziehungen bis 1915 am Beispiel der Untersuchung der Selbstzeugnisse ausgewählter osmanischer Militärangehöriger armenischer Abstammung und Absolventen der osmanischen Militärschule Harbiye wie z.B. Kalusd Sürmenyan, die zum Teil in den 1940er-Jahren in Beirut auf Armenisch verfasst wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg führte der Lebensweg Sürmenyans nach Armenien, wo er sich in der dortigen Nationalarmee engagierte. Nachdem Armenien infolge des Einmarsches der Roten Armee sowjetisiert worden war, emigrierte Sürmenyan nach Tabriz und schließlich nach Bagdad, wo er zum Direktor einer armenischen Schule avancierte. Ayşe Polat, eine Doktorandin von der Divinity School an der Chicago University, präsentierte ihr Forschungsprojekt zur religiös-moralischen Zensur der Medien im Istanbul der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ada Holly Shissler widmete sich der Analyse der Suchinserate in den Istanbuler Zeitungen unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Es handelte sich primär um die Suche nach verschollenen Familienangehörigen von Istanbulern, die sie mittels gezielter Inserate aufzuspüren versuchten.

Am 11. April fand der Vortrag des renommierten türkischen Historikers METE TUNCAY (Istanbul) im Rahmen der Tagung statt. Tuncays Vortrag widmete sich der Analyse des Zerfalls des Osmanischen Reichs, den der Historiker chronologisch an den Ausbruch des Balkan-Krieges anknüpfte. Tuncay legte seinen Akzent nicht nur auf die Chronologie sondern auch auf die intellektuelle Verflechtung. Er setzte sich mit dem russischen Intellektuellen und Menschewik Alexander Parvus auseinander, der sich 1910-14 in Istanbul aufhielt sowie publizistisch profilierte und verglich den Zerfall des Osmanischen Reiches mit den Zerfallprozessen anderer Imperien wie Österreich-Ungarn und dem Zarenreich. Im Anschluss an den Vortrag kam es zu einer intensiven Diskussion zu einer eventuellen Entwicklung des Osmanischen Reiches im Falle der Einführung einer Verfassung nach japanischem Muster, was durch die Fragen der Istanbuler Japanhistorikerin Selçuk Esenbel angestoßen wurde. Zu der Anmerkung Bülent Bilmez‘, dass es schließlich die Regierung in Ankara war, die dem Osmanischen Reich ein Ende setzte und nicht die Großmächte, fügte Fikret Adanır hinzu, dass gerade der Sultan Abdülhamit eine Politik des „Teile und herrsche!“ vorangetrieben habe.

Im Panel „Converting and Conflicting Ideologies in Wartime“, geleitet von Mete Tuncay, trug der Historiker CANDAN BADEM (Tunceli), zum sozio-politischen sowie militärischen Geschehen in den Provinzen Kars und Ardahan, die dem Russischen Reich angehörten, vor. Badem, der Archivarbeiten in Russland, Georgien und Armenien durchgeführt hatte, wies darauf hin, dass gerade in diesen Provinzen die lokale muslimische Bevölkerung im Unterschied zu vielen muslimisch besiedelten Provinzen des Osmanischen Reiches aktiv auf den Aufruf des Sultans zum Heiligen Krieg reagierte und Aufstände organisierte. Der Historiker schilderte die nachrichtendienstliche Aktivität der osmanischen Teşkilâti-Mahsusa sowie der russischen Geheimpolizei. Im Weiteren berichtete JULIETTE HONVAULT (Marseille) von der Chronik Al-Wishlîs, eines jemenitischen Historikers, über die Entwicklung in Jemen während des Ersten Weltkriegs. Die Rezeption des ersten Weltkrieges im Schrifttum des aserbaidschanischen Intellektuellen Mehmet Emin Resulzade, eines Grenzgängers zwischen dem Osmanischen und dem Russischen Reich sowie Persien, schilderte VÜGAR IMANBEYLI (Istanbul) in einem weiteren Referat.

Im vom Münchner Turkologen Christoph Neumann geleiteten Panel ist besonders der Vortrag des Historikers ANDREAS BOUROUTIS (Thessaloniki) über die Griechen, Deutschen und Türken in Thessaloniki 1914-1915 hervorzuheben. Der kosmopolitische Charakter der Stadt und bedeutende Orte der Kulturbegegnung wie z. B. die Deutsche Schule, in der neben Deutsch und Französisch auch Griechisch und Türkisch unterrichtet worden sind, wurden hier gezeigt. Ein weiteres Referat der Musikhistorikerin CAROLE WOODALL (Colorado) widmete sich der schwarzamerikanischen Jazz-Kultur im Istanbul des ausgehenden 19. Jahrhunderts sowie der 1920er-Jahre.

In der abschließenden Podiumsdiskussion am 12. April teilten OKTAY ÖZEL (Ankara), FIKRET ADANIR, ALEXANDRE TOUMARKINE (Istanbul), ELIZABETH THOMPSON (Charlottesville) und HAMIT BOZARSLAN (Paris) ihre Ansichten zum Thema des Ersten Weltkriegs und der kollektiven Erinnerung mit dem Publikum. Besonders hervorzuheben war der Beitrag Adanırs, der auf den imperialen Kontext hinwies, der sowohl bei der Entwicklung der Nationalismen Ende des 19. Jahrhunderts als auch in der Historiographie eine bedeutende Rolle spielte und noch immer spiele. Er ging auf die Fragen der Modernität und des Nationalismus ein. Den Letzteren definierte Adanır als „instrument to produce loyalty“. Hamit Bozarslan führte in den intellektuellen (vor allem französischen) Diskurs über den Ersten Weltkrieg ein.

Diese Konferenz bildete nicht nur das bisher größtes Forum für türkische und internationale WeltkriegsforscherInnen zu den „osmanischen Fronten“, sondern war auch für die Türkei selbst eine „historische“ Konferenz, da zum ersten Mal in so breitem Rahmen über alle Fragen, auch die strittigen wie die Verfolgung und Vernichtung der Armenier, offen diskutiert werden konnte.

Konferenzübersicht:

Opening Reception
Lecture by Erik-Jan Zürcher (Leiden), What is Different About the Ottoman War?

Opening of the Conference

Remzi Sanver (Rector, Istanbul Bilgi University)

Bülent Bilmez (Chairman, Tarih Vakfı)

Raoul Motika (Director, Orient-Institut Istanbul)

Forced Migration in Western Anatolia, Socio-Economics, Legal and Ideological Aspects
Chair, Fikret Adanır (Istanbul/Bochum)

Pınar Şenışık (Istanbul), Forced Migration in Western Anatolia in the Late Ottoman Empire, From ‘Ideal Neighbor’ to ‘Intrasigent Enemy’

Emre Erol (Leiden), Preparing for the First World War, Forced Migration as a Tool of ‘Demographic Warfare’ in the Pre-War Western Anatolia

Ayşe Ozil (Istanbul), In the Villages of Western Anatolia during the First World War, Forced Migration, Economic Boycott and Orthodox Christian Communities

Ronald Grigor Suny (Chicago/Michigan), Difference and Deportation, Strategy and Perception in the Young Turks' Policies toward Non- Muslims in World War I

The Politics of Food in Wartime, Local, Imperial and International Contexts
Chair Mustafa Aksakal (Washington)

Mustafa Aksakal (Washington), Food as a Strategy and Weapon

Elizabeth Thompson (Charlottesville), Wartime Food Crisis and the Demise of Liberalism

Chris Gratien (Washington), Economy, Ecology, and War in the Ottoman Provinces

Demographic Warfare in the Ottoman Empire (1914- 1922), From Imperial Perspectives to Regional Dimensions
Chair, Hans-Lukas Kieser (Zürich)

Fuat Dündar (Istanbul), Ottoman Addendum of the World War I, The Demographic Reasons of the Continuation of the War in the post-Ottoman Space

Nikos Sigalas (Istanbul), Violence on/and within Civil Populations during World War I in the Ottoman Empire, the Case of the Orthodox Christians of the Canik Vilayet

Mekki Uludağ (Diyarbakır), Cihan Harbi’ne Yerelden Bakmak; Hazro, Silvan, Muş Hattında Harbin Genel Seyri ve Nüfus Hareketleri [Viewing the Great War from a Local Perspective, the Course of the War and Population Movements at Hazro, Silvan, Muş Front]

Namık Kemal Dinç, 1916 Kürt Tehciri ve Kürt Mülteciler Meselesi [The 1916 Kurdish Forced Migration and Kurdish Refugees Question]

Violence and Resilience in Arab and Armenian Experiences of the Great War
Chair, Heghnar Watenpaugh (Davis)

Seda Altuğ (Istanbul), Memories of Violence in Syria during World War I

Melanie Schulze Tanielian (Michigan), Gender and the Politics of War-time Relief in Ottoman Beirut (1914-1918)

Lerna Ekmekçioğlu (Michigan), The Politics of Abduction and the Politics of Rescue, Armenian Women and their Children during and after the War

Heghnar Watenpaugh (Davis), Art, Heritage and the Armenian Genocide, A Medieval Manuscript's Fate during the War

Discussant, Elizabeth Thompson (Charlottesville)

Intelligence, Spies and Irregular Warfare
Chair, Abdulrahim Abu-Husayn (Beirut)

Yeliz Cengay Baloğlu (Ankara), ’The Turk Must Go’ , British-Zionist Relations and the Role of Jewish NILI Spies in the Fall of the Ottoman Front in Palestine

Polat Safi (Ankara), Teşkilat-ı Mahsusa ne değildir? [What was Teşkilat-ı Mahsusa? What was it not?]

Kate Dannies (Washington), Alexander Aaronsohn between the Yishuv, the Ottomans and the Allies, 1914-1917

Kadir Kon, Teşkilat-ı Mahsusa’nın 1915 Yılında ‘Umur-ı Şarkiyye İdaresi’ne Dönüşmesinde Alman Etkisi [The Impact of Germans in the Transformation of “Teşkilat-ı Mahsusa” to “Umur-ı Sarkiyye İdaresi” in 1915]

Bringing the Periphery back to the Center
Chair, Erik-J. Zürcher

Serhan Afacan (Istanbul/Leiden), From Guests to Semi-Citizens, Ajams (Persians) Living in the Ottoman Empire during the First World War

Selçuk Esenbel (Istanbul), Friends on Opposite Camps or Enemies from Afar in the Great War, Japanese and Ottoman Turkish Relations in the First World War

Amany S. Soliman (Alexandria), The impact of Gallipoli Campaign on Alexandria-Egypt 1915-1916

Bjarne S. Bendtsen (Aarhus), Scandinavians/Danes in the Gallipoli Campaign

Opening of the Exhibition: Open Spaces, World War I

The Social and Economic Perspectives, Between State Policy and Unheard Voices
Chair, Şevket Pamuk (London/Istanbul)

Yiğit Akın (New Orleans), Screwing the Bolts as tight as Possible, The First World War and Ottoman Rural Society

Kemal Arı (Izmir), Birinci Dünya Savaşı’nda Osmanlı Devleti’nde Göç Ettirilen Gayrimüslimlerden Kalan Emlake İlişkin Uygulamalar” [Policies regarding Non-Muslim Property left behind due to Forced Migration during World War One in the Ottoman Empire]

Murat Metinsoy (Istanbul), Reconsidering Historiography of World War I in Turkey, Writing Ordinary People’s Voices and Experiences on the Ottoman Home Front

Individuality, Textuality and Autobiography in Wartimes
Chair, Zafer Toprak (Istanbul)

Ayşegül Argit (Heidelberg), To Agitate and Reorganize. Exchange between Max von Oppenheim and Shakib Arslan in the Face of World War I

Snezhana Dimitrova (Blagoevgrad), All Quiet on the Front, War, Trauma, and Microarchive. (Example of the Great War Bulgarian Soldiers’ War Writings)

Christoph K. Neumann (München), Orientalist Poetics, Autobiographical Fiction, and History Defying Words, Sarkiz Torossian Inscribing Himself into World War I

Thyssen Lecture II
Jay Winter (New Haven, Connecticut), Understanding the First World War, A Transnational Moment in Historical Study

Propaganda, Uses and Failures
Chair, Christina Koulouri

Özde Çeliktemel Thomen (London), Cinema and Propaganda during the First World War

Salim Tamari (Washington), War Photography as a Tool of Ottoman Propaganda, The Work of Khalil Raad in the Palestine Front during WWI

Fatih Tığlı (Istanbul), Bir Propaganda Aracı Olarak Sultan V.Mehmed Reşad’ın Çanakkale Gazeli ve Hakkında Değerlendirmeler [Mehmed V. Reşad’s Ghazal (Ode) as a Propaganda Tool, Çanakkale Ghazal and its Evaluation]

Gizem Tongo (Oxford), The Ottoman Society of Painters during the First World War

Identities at War, Gender, Motherhood and Female Labor
Chair, Işık Tamdoğan (Istanbul)

Zeynep Kutluata (Istanbul), Analyzing Armenian Mothers’ Petitions during World War I as a Gendered Practice of Citizenship

Elif Mahir Metinsoy (Ankara), Ordinary Ottoman Women during World War I, The Response of Soldiers’ Families to the War Mobilization

Sabine Mangold-Will (Wuppertal), A different kind of „Asienkämpfer“, German Women at the Ottoman fronts during World War One

Nazan Maksudyan (Istanbul), The First Generation of Turkish Gastarbeiter? Refugee Ottoman Orphans in Germany During the First World War

Strategy and Social Structure - A Look at the Experience of the Great War and its Effects on Social Norms and Ethno-confessional Identity
Chair, Holly Shissler (Chicago)

Orit Bashkin (Chicago), ’The British are coming!” ‘The Russian are coming’ – Sectarian and Religious Identities in Iraq during WWI

Tolga Cora (Chicago/Istanbul), ‘An Absolute Odyssey’, Experiences of Kalust Sumerian as an Ottoman-Armenian Officer on the Caucasian Front during World War I

Ayşe Polat (Chicago), Religio-Moral Censorship of the Press in post-WWI Istanbul

Ada Holly Shissler (Chicago), To Whom Should She Appeal, Resimli Ay and the Problem of Missing Persons, Widows, and Orphans in the Postwar World War I Period

Erol Ülker (Chicago/Istanbul), Towards a Military-Financial Complex in the Late Ottoman Empire, Directorate-General of Military Railways and Ports, 1914-1918

Visuality of War in Propaganda
Chair: Mehmet Beşikçi (Istanbul)

Issam Nassar (Normal, Illinois), Photographing the Great War in Palestine and Sinai

Manfred Kerry (Wien), The Alliance between the Ottoman Empire and Austria-Hungary from the Perspective of the Picture Coverage of the Imperial War Ministry and its Media Attention

Alexander Will (Oldenburg), A Failure of German Political Intelligence, The Turko-German Expedition to Egypt of 1914/15 revisited

Discussant, Irvin Cemil Schick (Istanbul)

Public discussion with well-known Turkish authors / filmmakers
Cihan Harbi Bağlamında Tarih, Temsiliyet ve Sinema (in Turkish)
Moderator, E. Köroğlu

Germany, Colonialism and the Armenian Genocide
Chair: Taner Akçam (Clark University Kaloosdian)

Wolfgang Gust, Germany's Intentions in Turkey during World War I and the Armenian Genocide

Eric D. Weitz (New York), From Africa to Anatolia, German Military, Political and Economic Strategy and Population Removals

Discussant, Margaret Anderson (Berkeley)

"Crime" and Punishment, Prisons and Prisoners of War
Chair, Salim Tamari (Washington)

Hesna Begüm Özel (Leiden), Remembrance of the Great War by Turkish Prisoners of War

Abdelwahab Shaker (Alexandria), Ottoman prisoners of War in Egypt during the First World War

Tülin Uygur (Istanbul), Swedish Red Cross and Disabled Turkish POWs during First World War

Keynote Lecture
Mete Tunçay (Istanbul), Termination of the Ottoman Empire with the World War

Wartime Perception, Post-War Representation and Memory
Chair, Engin Deniz Akarlı (Istanbul)

Ayhan Aktar (Istanbul), A Righteous Ottoman Local Governor (Kaymakam) during the Armenian Deportations in 1915, Hüseyin Nesimi Bey (1868 - 1915)

Jonathan Black (London), Uncertain Allies, Formidable Enemies, The Image of Arabs and Turks in British War Art, 1917-21

David Leupold (Berlin), The Question of Loyalty and the Great War – Portrait of a Turkophone Cilician-Armenian State Officer

Suzan Meryem Kalaycı (Florenz), Colonizing of the Mind, Representation of WWI in Turkish Museums and War Memorials

The Experience of Officers and Soldiers on Ottoman Fronts during WWI
Chair, Eyal Ginio (Jerusalem)

Ozan Arslan (Izmir), Experiencing the Great War in the Caucasus, A Comparison of Accounts of the Combatants and Observers

Mustafa Gencer (Bolu), Çanakkale Cephesi ve Almanya

Martin Strohmeier (Nicosia), Siege, Mutiny and Surrender, Medina in World War I

Oliver Stein (Berlin), War as a Journey - German Soldiers' Experiences in the Ottoman Empire, 1914-1918

Religious and Ethnic Minorities in the Armies of Allied and Central Powers
Chair, Hamit Bozarslan (Paris)

Emmanuelle Cronier (Birmingham), Feeding the Indian Army in Mesopotamia and France, Cultural and Political Stakes

Julie D'Andurain (Paris), The Black Force During the WWI, Genesis of the Concept and Practices

Cloé Drieu (Paris), Colonial Disorders in Turkistan's Wartime, the Revolts of 1916 against the Formation of Labor Battalions and their Consequences

Converting and Conflicting Ideologies in Wartime
Chair, Mete Tunçay (Istanbul)

Candan Badem (Tunceli), Kars, Ardahan and Batum during World War I

Juliette Honvault (Marseille), Fighting with the Ottomans, The Islamic Cause in Yemen during World War I

Vügar İmanbeyli (Istanbul), Between Tsarism and Ottomans, Russian Muslims in the Writings of M. E. Resulzade during the First World War

Elizabeth Thompson (Charlottesville), Presentation of the Online Encyclopedia of the First World War

Representing the Ottoman World War, Cultural Diplomacy, Memory and Remembrance
Chair, Benjamin Fortna (London)

Fabian Stremmel (London), Fostering a better Understanding between the Ottomans and the Germans? German Cultural Diplomacy in the Wartime Levant

Pheroze Unwalla (London), Remembrance of the Ҫanakkale Savașları in the Early Turkish Republic

Philipp Wirtz (London), Personal Experiences of the First World War in Turkish Autobiographies

Conflict, Entertainment and Urban Memory in Imperial Cosmopolitan Cities (1914-1922)
Chair, Christoph K. Neumann (Munich)

Andreas Bouroutis (Thessaloniki), Behind the Front Line, Germans and Turks in Thessaloniki, 1914 – 1915

Daniel J. Macarthur-Seal (Cambridge), Punters and Policemen, British Soldiers and the Nightlife Boom in Thessaloniki, Alexandria, and Istanbul, 1914-1923

Carole Woodall (Colorado Springs), Transnational Constantinople, Ragtime, Modernity, and World War One

Panel Discussion
“Researching the Great War, New Perspectives on the Ottoman Fronts from the Distance of a Hundred Years”
Moderator, Oktay Özel (Ankara)

Participants, Fikret Adanır, Hamit Bozarslan, Alexandre Toumarkine, Elizabeth Thompson

Closing of the Conference
Raoul Motika (Director, Orient-Institut Istanbul)
Bülent Bilmez (Chairman, Tarih Vakfı)
Documentary Theater, “Suppressed and Forgotten / Bastırılmış ve Unutulmuş”

Zitation
Tagungsbericht: Not All Quiet on the Ottoman Fronts, Neglected Perspectives on a Global War, 1914-1918, 08.04.2014 – 12.04.2014 Istanbul, in: H-Soz-Kult, 06.06.2014, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5410>.
Redaktion
Veröffentlicht am
06.06.2014
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