Braucht Österreich ein neues historisches Museum („Haus der Geschichte“) und, wenn ja, was für eines? Eine Enquête

Ort
Wien
Veranstalter
Institut für Österreichische Geschichtsforschung in Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Datum
12.10.2015
Von
Andrea Brait, Institut für Zeitgeschichte / School of Education, Universität Innsbruck

Am 12. Oktober 2015[1] fanden die seit den 1990er-Jahren laufenden Diskussionen[2] zu einem Haus der Geschichte Österreich (HGÖ), zu dem seit kurzem eine Umsetzungsstrategie vorliegt[3], einen vorläufigen Höhepunkt. Eingeladen waren neben einigen Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirates auch zahlreiche kritische Beobachter des Projekts, wobei von den 17 Vortragenden nur drei Frauen waren und der Altersdurchschnitt aller Vortragenden bei 62 (!) Jahren lag. Der Titel wurde, wie THOMAS WINKELBAUER (Wien), auf dessen Initiative die Veranstaltung zurück ging[4], in seiner Einleitung betonte, bewusst provokant formuliert, obwohl die politische Entscheidung bereits gefallen sei.

In einer ersten Sektion widmeten sich MANFRIED RAUCHENSTEINER und DIRK RUPNOW (Innsbruck) der langen Vorgeschichte der aktuellen Debatten. Rauchensteiner gab einen Überblick über die Diskussionen ab 1945 und konzentrierte sich neben dem von Bundespräsident Karl Renner initiierten Museum der Ersten und der Zweiten Republik auf die 1980er-Jahre, als intensiver über ein Haus der Republik am Albertinaplatz nachgedacht wurde. Hierzu sei ein Seminar an der Universität Wien veranstaltet worden, in dessen Rahmen auch architektonische Modelle entstanden seien. Die Ergebnisse seien dem Wissenschaftsministerium übergeben worden, doch habe man nie mehr darauf zugegriffen. Auch alle nachfolgenden Initiativen seien gescheitert – eröffnet wurde nur ein neuer Dauerausstellungsbereich im Heeresgeschichtlichen Museum.

Rupnow machte deutlich, dass die Geschichte des Hauses der Geschichte nicht erst in der Zweiten Republik beginnt. Neben dem Germanischen Nationalmuseum verwies er auf die bis heute bestehenden Einrichtungen, die auf dem Boden der Habsburgermonarchie entstanden sind, wie das Joanneum und das Ungarische Nationalmuseum.[5] Neben dem Renner-Projekt sei auch das Museum Österreichischer Kultur, das für wenige Jahre bestand, gescheitert. Rupnow betonte, dass die Umsetzungsstrategie die Grundideen der gescheiterten Projekte (Politik- und Kulturgeschichte) miteinander vereine.

MICHAEL MITTERAUER und OLIVER RATHKOLB (Wien) beschäftigten sich mit dieser näher. Mitterauer[6] betonte, dass die österreichische Identität gefestigt sei und daher ein solches Museum „keineswegs ein vorrangiges gesellschaftliches Bedürfnis“ darstelle. Er begrüßte das Abgehen von der chronologischen Darstellungsform; die anvisierte Themenvielfalt sei wohl noch zu groß, Sonderausstellungen könnten aber eine Entlastung bringen. Neben notwendigen Einschränkungen hielt er einen Einbezug einer Geschichte der Jugend für wünschenswert und plädierte für eine „Fokussierung auf exemplarische aktuelle Fragestellungen“ und eine epochenübergreifende, komparative Darstellung unter Einbeziehung von über Österreich hinausgehenden Perspektiven.

Rathkolb, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates, wiederholte in seinem Vortrag die Leitgedanken der „ganz bewusst breit gehaltenen“ Umsetzungsstrategie und verwies auf diverse geplante Veranstaltungen und Kooperationen. Hinsichtlich der Neuen Burg betonte Rathkolb, dass man viel dafür tun werde, den Topos „Hitler-Balkon“, der eigentlich eine „großartige Terrasse“ sei, zu dekonstruieren. Zu denken sei nicht allein in Bezug auf die Räumlichkeiten der Hofburg, welche „das erste Ausstellungsobjekt“ sein werde, sondern in „großen topografischen Flächen“ – damit unterscheide sich das österreichische Projekt klar vom Deutschen Historischen Museum (DHM). Außerdem stelle man keinen universalen Anspruch, wie er dort verwirklicht sei. Vorbilder für das HGÖ seien das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und das Haus der europäischen Geschichte. Das Museum solle ein Diskussionsort nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Gegenwart und Zukunft werden.

In der Diskussion erklärte Rathkolb auf Nachfrage, dass die Besetzungen der Direktion sowie des Kuratoren- und Vermittlungsteams (insgesamt 21 Personen) im März 2016 abgeschlossen sein sollen. Der Wissenschaftliche Beirat solle bis zur Eröffnung 2018 bestehen bleiben und als „Firewall“ gegen politische Einflussnahme fungieren. Ein Ausstellungskonzept sei jedoch von den künftigen Mitarbeitern des HGÖ zu erarbeiten und könne auch von der Umsetzungsstrategie abweichen. Diese viel zu nebenbei gemachte Bemerkung ist wohl entscheidend für die Umsetzung eines Projekts, das internationalen Standards entspricht. Auch wenn von politischer Seite ein Ort festgelegt wurde und ein vom Minister beauftragter Historiker gemeinsam mit von ihm benannten Wissenschaftlern einige Leitgedanken entwickelte, so soll doch für die tatsächliche inhaltliche Ausgestaltung und den Aufbau der Sammlung ein noch zu bestellendes Team von Museumsfachleuten verantwortlich sein.

Die nächste Sektion war grundsätzlichen Fragestellungen zur inhaltlichen Basis des HGÖ gewidmet. GERHARD BOTZ beschäftigte sich mit der Definition des Faches Zeitgeschichte, denn dieser solle das Museum ja offenkundig in erster Linie gewidmet sein (alle anderen Bekundungen seien eine „Lebenslüge“) – das Museum müsse eine Begriffsbestimmung finden und diese deutlich machen. Mit Museumsgründungen betreibe ein Staat immer Identitätspolitik, was offengelegt werden müsse. Man dürfe nicht glauben, dass man Meistererzählungen entkommen könne, doch Geschichte als einzig möglichen Ablauf darzustellen sei Ideologie – darzustellen seien daher auch die nicht eingetretenen Zukünfte, die früher einmal gedacht wurden. Botz forderte in seinem Referat darüber hinaus die Einbindung von „Ausstellungsmachern“ bzw. „Gestaltern“ von Beginn der Konzeptionsphase an.

HEIDEMARIE UHL (Wien) begrüßte das Projekt vor allem mit dem Hinweis, dass Wien hinsichtlich der musealen Beschäftigung mit der eigenen Geschichte derzeit eine Leerstelle darstelle. Mit Bezug auf gedächtnistheoretische Ansätze erklärte Uhl die Bedeutung von Museen für Gemeinschaften. Geschichtsmuseen, die, wie Uhl betonte, immer mehr zu einer Antithese zu den Nationalmuseen des 19. Jahrhunderts würden, sagen mehr über die Gegenwart von Gesellschaften aus als über ihre Vergangenheit – das erkläre auch ihren Streitwert. Das Selbstverständnis werde von deren Mitarbeitern geprägt, die keine Historiker seien.´

MICHAEL HOCHEDLINGER (Wien) zeigte sich dem Projekt und der Institution Museum gegenüber deutlich skeptischer.[7] Er formulierte die Gefahr, dass die Geschichte zur Hilfswissenschaft für Staatsbürgerkunde und Politische Bildung werde und wandte sich insbesondere gegen die „Eventkultur“ von und Inszenierungen sowie partizipative Ausstellungselemente in Museen, die seiner Ansicht nach die Inhalte verdrängen. Wichtig sei insbesondere die ökonomische Leistungsbilanz, die Kernaufgaben, insbesondere das Sammeln, Forschen und Bewahren, verlören hingegen zusehends an Bedeutung. Man muss sich angesichts dieser Kritik von Hochedlinger jedoch fragen, ob nicht vielleicht der Begriff „Museum“ zu oft von und für Einrichtungen verwendet wird, die andere Ziele verfolgen, als in der international anerkannten ICOM-Museumsdefinition gefordert werden – eine begriffliche Klarheit und eindeutige Positionierung des HGÖ wären daher wünschenswert.

HANNES LEIDINGER befasste sich stärker mit der zeitlichen Dimension, die in der neuen Einrichtung, die er grundsätzlich begrüßte, dargestellt werden soll, und diskutierte verschiedene Zugänge zur Disziplin „Zeitgeschichte“. Er schlug vor, verschiedene gesellschaftliche Realitäten der Gegenwart in ihrer historischen Dimension zu untersuchen, was in der Umsetzungsstrategie auch so vorgesehen ist. Das Konzept einer „langen Zeitgeschichte“ sehe aber keine Vereinnahmung der früheren Epochen vor.

In der Diskussion wurde vehement die Berücksichtigung der österreichischen Länder gefordert, so von Werner Maleczek. Rathkolb entgegnete, dass diese ohnehin im Konzept berücksichtigt würden. Auch Museologen seien von Anfang an eingebunden gewesen. Tatsächlich arbeite(te)n aber nur fünf der 31 Beiratsmitglieder für museale Einrichtungen.

Museologische Ansätze dominierten aber die dritte Sektion. KARL VOCELKA stellte zunächst einen alternativen Entwurf für ein HGÖ vor. Seiner Ansicht nach ließe sich ein solches im virtuellen Raum besser verwirklichen, was Die Welt der Habsburger[8] deutlich zeige. Man könne ein breiteres Zielpublikum und vor allem die Jugend besser erreichen. Außerdem sei ein virtuelles Museum weniger kostenintensiv, man könne thematisch mehr in die Tiefe gehen und schneller auf aktuelle Phänomene und Fragestellungen reagieren. Uhl verwies in der Diskussion auf den vom Wien Museum gestalteten „ASYL-RAUM“[9], der eine Reaktion des Museums auf die aktuelle Flüchtlingskrise darstelle und zeige, dass auch dreidimensionale Museen einen Beitrag zu aktuellen Debatten leisten können.

WOLFGANG MUCHITSCH (Graz) formulierte in seinem Vortrag den „dringenden Appell“, sich an der Realisierung des HGÖ produktiv zu beteiligen, auch wenn klar sei, dass dieses zu Lasten von anderen Projekten gehe. Muchitsch zeigte sich mit dem Verlauf der bisherigen Entwicklung zufrieden, da es gelungen sei, aus der ursprünglichen Idee, die mehr einem Ausstellungshaus entsprochen habe, ein Konzept für ein Museum zu machen, das auch andere Funktionen erfülle. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit, österreichische Zeitgeschichte zu sammeln, da dies ein Desiderat sei und dem neuen Haus neue Netzwerke und Kooperationsmöglichkeiten ermögliche. Muchitsch betonte ebenso die Bedeutung der Vermittlungsarbeit, die von Anfang an einzubeziehen sei.

Auch MONIKA SOMMER-SIEGHART (Wien) begrüßte das Projekt. Die Institution Museum sei aktuell in Bewegung und das HGÖ biete die Möglichkeit, viele neue Trends umzusetzen. Transnationale, transdisziplinäre, an Gegenwartsfragen orientierte und institutionenkritische neue Ansätze des Kuratorischen verändern die Institution – der Raum, das Museum vor Ort, als Stätte der Aushandlung von Geschichtsdeutungen sei hierfür entscheidend. Wichtig sei, den Streitwert des Museums, der sich aktuell deutlich zeige, auch über die Eröffnung hinaus zu erhalten – es dürfe kein „müdes Museum“ werden.

GOTTFRIED FLIEDL zeigte sich schon im Vorfeld der Enquête überaus skeptisch gegenüber dem Projekt und postete am 3. Oktober 2015 in seinem Blog, „dass mehr denn je deutlich ist, dass das geplante Museum ein ideologisch-parteipolitisch gewünschtes und protegiertes ist […]. Ein artikuliertes zivilgesellschaftliches Interesse lässt sich weit und breit nicht ausmachen.“[10] Diese Haltung vertrat er auch bei der Enquête.[11] Unter Verweis auf die Entstehung der Institution Museum forderte er, dass ein HGÖ nicht nur über Demokratie sprechen, sondern auch selbst demokratisch sein sollte. Beim HGÖ handle es sich jedoch um eine „autoritative Setzung“. Eine unabhängig kuratierte Projektreihe wäre viel geeigneter, um einen Diskussionsraum für die Gegenwart zu schaffen. Fliedl beschloss seine Ausführung mit dem Statement: „Ein klares Nein zu diesem Projekt!“

In der Diskussion dominierten hingegen die Befürworter des HGÖ, die allerlei inhaltliche Forderungen formulierten, wie insbesondere eine größere zeitliche Dimension. Vocelkas Überlegungen wurden einhellig abgelehnt, wobei jedoch betont wurde, dass es auch Angebote im virtuellen Raum geben solle.

ERNST BRUCKMÜLLER setzte zu Beginn der letzten Sektion die Diskussion um Gestaltungsfragen fort. Er bezeichnete das HGÖ als „Identitätsprojekt für ein demokratisches Österreichbewusstsein“ und verwies auf Möglichkeiten der Darstellung von Gegensätzen, wie dies in der Ausstellung Ostarrîchi – Österreich 996–1996, Menschen, Mythen, Meilensteine umgesetzt worden sei. Anhand von zahlreichen Objekten der Ausstellung veranschaulichte Bruckmüller eindrücklich, wie Gegensatzpaare (z.B. „Untertänig – Emanzipativ“) inszeniert wurden. Er zeigte damit deutlich, dass Ausstellungen kein „an die Wand geklebtes Buch“ sind, sondern dass sich Narrationen in Museen von Objekten aus entwickeln müssen.

HELMUT RUMPLER argumentierte, dass das HGÖ auf viele in Österreich als überaus zentralistisches Projekt wirke. Diese Problematik lasse sich nicht durch ein paar Kooperationen lösen. Dennoch begrüßte er das Projekt – die Entscheidung hierzu sei im richtigen Moment getroffen worden. Die Ansiedlung am Heldenplatz bezeichnete er jedoch als „Fehlleistung erster Güte“, den Heldenplatz zu einem Platz der Republik umzuinterpretieren sei eine „Schmalspurgeschichte“. Seiner Ansicht nach ist der Morzinplatz, wo die Wiener Gestapo-Zentrale gestanden ist, ein viel besser geeigneter Platz. In inhaltlicher Hinsicht solle danach gefragt werden, „was das heutige Österreich ausmacht“.

WOLFGANG MADERTHANER (Wien) meinte, dass die bisherigen Diskussionen zutiefst österreichisch seien: Es gehe um institutionelle Erfindungen und Besetzungen, aber wenig um Inhalte. Er betonte in seinen Ausführungen, dass Geschichte immer perspektivisch und von aktuellen Trends (turns) geprägt sei. Unter Verweis auf Projekte des Österreichischen Staatsarchivs betonte er, dass es entscheidend sei, nach den Bedingungen von historischen Entwicklungen zu fragen.

BRIGITTE MAZOHL (Innsbruck) beschäftigte sich in ihrem Referat mit der Frage der Abgrenzung der österreichischen von der deutschen Geschichte. Die Erdmann-Debatte der 1980er-Jahre[12] habe gezeigt, wie konfliktbeladen das Thema ist. Die Reichsgeschichte sei lange verdrängt worden und man habe in der Zweiten Republik auf die Konstruktion einer Verbindung zu den Babenbergern gesetzt. Aufgrund des Desinteresses und der geringen Kenntnis der neuzeitlichen Geschichte sei es Mazohl zufolge ein Fehler, im HGÖ nur das 20. Jahrhundert darzustellen.[13]

WOLFGANG HÄUSLER beschloss die Referate an diesem Tag mit einem tiefgründigen Blick auf die Geschichte der Revolution 1848, anhand derer er zeigte, dass es in Wien viele „Häuser der Geschichte“ gibt. Außerdem seien laut Häusler verschiedene Forschungstraditionen, von denen er unter anderem auf die Bürgertumsforschung erwähnte, bei der Konzipierung des HGÖ zu berücksichtigen.

In der abschließenden Diskussion wurden noch einmal Grundsatzfragen behandelt. Gerald Stourzh betonte, dass eine Konzentration auf Österreich in den Grenzen der Republik problematisch sei. Sollte dies verwirklicht werden, passe der Name des Projekts nicht. Der Arbeitstitel Haus der Geschichte Österreich war bereits mehrfach zuvor kritisiert worden. Winkelbauer meinte zum Beispiel, dass das Fehlen des Genitiv-s suggeriere, „dass Österreich selbst ein Haus der Geschichte sei“.

Höchstinteressant für alle, die nicht Teil des Wissenschaftlichen Beirates sind, waren schließlich noch die Randbemerkungen von Bruckmüller, dass der Beirat mit vorgelegten Papieren gearbeitet und insbesondere erreicht habe, dass die Position des HGÖ gegenüber der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) unabhängiger wurde. Nun stellt sich die Frage, wer denn nun die Leitlinien des neuen Museums definiert hat oder noch definieren wird.

Auffällig war an den Diskussionen im Rahmen der Enquête, dass das Projekt eines Hauses der Geschichte Niederösterreich, das bis 2017 im Landesmuseum in St. Pölten realisiert werden soll[14], nicht erwähnt wurde, wenn man von ganz kurzen Wortmeldungen, dass eine Abstimmung wünschenswert wäre und die Teilung in ein „schwarzes“ und ein „rotes“ Haus nicht sinnvoll sei, absieht. Insgesamt lässt sich feststellen, dass im Rahmen der Veranstaltung die oft vermisste inhaltliche Diskussion breiten Raum einnahm. Grundfragen der mueologischen Ausrichtung kamen aber deutlich zu kurz.

Konferenzübersicht:

Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Enquête durch Brigitte MAZOHL (ÖAW), THOMAS WINKELBAUER (IÖG) und WOLFGANG MUELLER (INZ der ÖAW)

THOMAS WINKELBAUER: Einleitung

MANFRIED RAUCHENSTEINER: Anforderungen, Überforderungen, Herausforderungen: Anmerkungen zu einem Leidensweg

DIRK RUPNOW: Braucht Österreich ein historisches Museum? Gescheiterte Projekte und heutige Antworten

MICHAEL MITTERAUER: Welche Geschichte – und wozu?

OLIVER RATHKOLB: Das Haus der Geschichte Österreich als Katalysator für ein zweites Museumsquartier

GERHARD BOTZ: Zeitmaschine Geschichtsmuseum: Zwischen Identitätspolitik, Geschichtswissenschaft und der Macht der Bilder

HEIDEMARIE UHL: Von der Unmöglichkeit, „die“ Geschichte auszustellen, und der Notwendigkeit eines Hauses der Geschichte Österreichs

MICHAEL HOCHEDLINGER: Geschichtsvernutzung im Zeitalter von Kulturkapitalismus und Moralismus

HANNES LEIDINGER: Die lebendige Vergangenheit. Zum Konzept einer „langen Zeitgeschichte“ im Kontext der musealen Präsentation Österreichs

KARL VOCELKA: Sind die Projekte für ein „Haus der Geschichte“ schon im 21. Jahrhundert angekommen?

WOLFGANG MUCHITSCH: Die Einbettung des Hauses der Geschichte in die österreichische Museumslandschaft

MONIKA SOMMER-SIEGHART: Das Museum der brennenden Fragen

Gottfried FLIEDL: Für ein Museum des Konflikts

ERNST BRUCKMÜLLER: Konfrontationen als Möglichkeit einer spannenden Darstellungsweise

HELMUT RUMPLER: Die Wurzeln der politischen Kultur Österreichs

WOLFGANG MADERTHANER: Welche Narrative, wessen Geschichte?

BRIGITTE MAZOHL: Die (schwierige) historische Beziehung „Österreichs“ zu „Deutschland“ und die damit verbundenen Probleme für ein „Haus der Geschichte Österreich(s)“

WOLFGANG HÄUSLER: „Exzellenzen ausstopfen – ein Unfug.“ Factum und Alternative in Erforschung und Darstellung der österreichischen Geschichte

THOMAS WINKELBAUER: Resümee

Anmerkungen:
[1] Die Beiträge der Veranstaltung sollen bis Anfang 2016 in Buchform erscheinen; die Diskussionen wurden aufgezeichnet, werden nun transkribiert und online publiziert. Die Abstracts sind zugänglich auf <https://www.geschichtsforschung.ac.at/de/veranstaltungen/braucht-%C3%B6sterreich-ein-neues-historisches-museum-%E2%80%9Ehaus-der-geschichte%E2%80%9C-und-wenn-ja-w> (13.10. 2015). Auf die Diskussion und die Debatten der Jahre 2014/15 wird ausführlicher eingegangen in: Andrea Brait, Debatten um Nationalmuseen – Von einem umgesetzten Projekt in der Schweiz, einem noch zu realisierenden in Österreich und einem gescheiterten in Frankreich, in: Andrea Brait / Anja Früh (Hrsg.), Politique de la mémoire. Ethnografische und historische Museen als Orte geschichtspolitischer Verhandlungen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert (Itinera 42), erscheint 2016.
[2] Zu den Debatten bis 2011 vgl. Andrea Brait, Gedächtnisort Historisches Nationalmuseum. Eine Analyse unter besonderer Berücksichtigung der Debatten um Museumsneugründungen in Deutschland und Österreich, Wien 2011 (Dissertation).
[3] Vgl. Umsetzungsstrategie für das Haus der Geschichte Österreich, <https://www.bka.gv.at/site/6698/default.aspx> (19.9. 2015).
[4] Vgl. <http://derstandard.at/2000014241836/Welches-Haus-Welche-Geschichte-Welches-Oesterreich> (14.04.2015).
[5] Auch auf dem Boden des heutigen Österreich war man zu Beginn des 20. Jahrhunderts übrigens schon fast so weit, ein Nationalmuseum zu gründen, vgl. Laurent Dedryvere, Das Museum als Vermittler einer nationalen Identität. Museale Initiativen im deutschnationalen Milieu Österreichs am Beispiel des Vereins „Deutsche Heimat“ (1905–1914), in: Andrea Brait / Anja Früh (Hrsg.), Politique de la mémoire. Ethnografische und historische Museen als Orte geschichtspolitischer Verhandlungen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert (Itinera 42), erscheint 2016.
[6] Er verwies in seinem Vortrag auf eine Langfassung seiner Überlegungen, die bereits im August 2015 verfasst wurde und bei der Tagung in Form von Kopien zur Verfügung stand.
[7] Vgl. hierzu auch seine Stellungnahme unter <http://science.orf.at/stories/1763628/> (13.10.2015).
[8] Vgl. <http://www.habsburger.net/> (14.10.2015).
[9] Vgl. <http://www.wienmuseum.at/de/aktuelle-ausstellungen/ansicht/asyl-raum.html> (15.10.2015).
[10] <http://museologien.blogspot.co.at/2015/10/das-der-geschichte-im-parlament.html#links> (13.10.2015).
[11] Der Beitrag ist nachzulesen unter: <http://museologien.blogspot.co.at/2015/10/haus-der-geschichte-mein-dazu.html> (15.10.2015)
[12] Vgl. u.a.: Jürgen Elvert, Erdmann-Debatte und Historikerstreit. Zwei Historikerkontroversen im Vergleich, in: Michael Gehler / Ingrid Böhler (Hrsg.), Verschiedene europäische Wege im Vergleich. Österreich und die Bundesrepublik Deutschland 1945/49 bis zur Gegenwart, Innsbruck/Wien/Bozen 2007, S. 454–467.
[13] Die Frage nach der Abgrenzung der österreichischen und der deutschen Geschichte wurde während der Enquête noch in einem anderen Zusammenhang angesprochen: Rauchensteiner berichtete davon, dass im Zuge der Konzeptionsphase des DHM Gerald Stourzh festgestellt habe, dass die österreichische Geschichte vereinnahmt werde, und Rumpler davor gewarnt habe, an dem Projekt mitzuarbeiten. Vgl. zu den Debatten genauer: Siegfried Mattl / Karl Stuhlpfarrer, Die museale Verklärung der deutschen Vergangenheit, in: Wiener Tagebuch 2 (1987), S. 9–11.
[14] Vgl. <http://www.hausdergeschichtenoe.at/de/aktuelles/news-1> (13.10.2015).

Zitation
Tagungsbericht: Braucht Österreich ein neues historisches Museum („Haus der Geschichte“) und, wenn ja, was für eines? Eine Enquête, 12.10.2015 Wien, in: H-Soz-Kult, 03.11.2015, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6237>.
Redaktion
Veröffentlicht am
03.11.2015
Beiträger