Wohin geht die Ordensgeschichte? Themen, Wege und Methoden einer vergleichenden Forschung

Ort
Dresden
Veranstalter
Cristina Andenna / Gert Melville, Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG), Technische Universität Dresden
Datum
27.10.2016 - 29.10.2016
Von
Marcus Handke, Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG), Technische Universität Dresden

Aus verschiedenen Ländern der Welt präsentierten über 40 Historiker, Theologen und andere Spezialisten aus angrenzenden Disziplinen den aktuellen Stand der Forschung in Ost- und Westeuropa, Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland. Darüber hinaus wurden auf dieser Basis neue Ansätze und Methoden für die zukünftige Forschung diskutiert. In einer abschließenden Sektion bildeten die Teilnehmer „Breakout-Arbeitsgruppen“, um zahlreiche Ideen für weitere innovative Fragestellungen und konkrete Projekte zu besprechen und kritisch zu bewerten.[1]

Den Auftakt bot der renommierte amerikanische Mediävist GILES CONSTABLE (Princeton, USA) mit einem Abendvortrag zum Wandel des religiösen Lebens und den Institutionen im Laufe des 12. Jahrhunderts. In einer luziden Betrachtung machte er deutlich, welche maßgebenden Veränderungen in diesem Jahrhundert feststellbar sind. Neben der Zunahme der Bevölkerung und der damit verbundenen Suche nach Abgeschiedenheit, die einen signifikanten Anstieg an Mönchen und Nonnen zur Folge hatte, machte er vor allem auf die Entfaltung vieler neuer Formen der vita religiosa aufmerksam. Er ermutigte die Wissenschaftler, sich der Aufgabe zu widmen, weiterhin eine vergleichende Methodik der Forschung anzuwenden, die sowohl markante Besonderheiten, als auch Gemeinsamkeiten unter den neuen Orden hervorheben würde. Für Constable ist es notwendig, das gesamte Spektrum der religiösen Bewegungen, unter ihnen die Laienbrüder, die Einsiedler und die verschiedenen Formen der weiblichen Religiosität, zu betrachten, wenn man einen neuen, offeneren Ansatz für die Untersuchung der regionalen Variationen der Orden begreifen will. Aus der Neubewertung der traditionellen Werte im religiösen Leben, vor allem nach den etablierten Regeln von Benedikt und Augustinus, könnten dann neue Fragen auftauchen: Vielfältige Rituale und Alltagspraktiken seien zentrale Themen innerhalb eines Strebens nach Optimierung des religiösen Lebens gewesen. In dieser phänomenologischen Behandlung untersuchte Constable etablierte Forschungskonzepte und stellte dadurch klar, dass die Umwandlung des Klosterlebens im 12. Jahrhundert keineswegs nur eine Reaktion auf zeitgenössische Kritik oder Schwierigkeiten war. Daher sei nicht von einem reaktiven, sondern von einem aktiver Prozess auszugehen. In der Tat sollte der Begriff der Reform eher als die tätige Suche nach neuen, geistigen Idealen verstanden werden. Gegenüber der Auffassung der Heiligkeit im frühen Mittelalter sei das Einzigartige an der späteren Periode die Verwirklichung des individuellen Wunsches nach religiöser Erfahrung gewesen. Constable begründete diesen neuen Ehrgeiz nicht mit einseitigen Modellen, sondern verwies auf drei mögliche Analysenstufen (religiöse, sozioökonomische und sozio-anthropologische), welche in Kombination die Klärung des „Individualismus“ im 12. Jahrhundert ermöglichten.

Die nachfolgenden zwei Sektionen „Ways and Methods in the History of Orders“ beinhalteten eine Reihe von Vorträgen zu speziellen Themen und Regionen.

TIMOTHY JOHNSON (St. Augustine, USA) schilderte die aktuelle und durch den Franziskanerorden geprägte Forschung in den Vereinigten Staaten und ihre verschiedenen Angebote. Insbesondere beschäftigten sich das Franciscan Institute an der Saint Bonaventure University und die Academy of American Franciscan History an der Franciscan School of Theology in Kalifornien mit neuen Forschungs- und Tagungsprojekten. Darüber hinaus würden neue Doktorandenprogramme an verschiedenen Universitäten angeboten, darunter am Boston College, an der Saint Louis University und der Catholic University of America. Diese bereicherten sowohl Lehre als auch Forschung über den Franziskanerorden. Durch Präsentation unterschiedlicher Initiativen machte Johnson klar, dass es genügend Raum für die wissenschaftliche Untersuchung der Franziskaner und in der Folge auch für die anderen religiösen Orden geben würde.

GUILLERMO WILDE (Buenos Aires, Argentinien) gab einen Überblick über die Forschung in Lateinamerika. Schwerpunkt der weiteren Betrachtung müsse der kontinuierliche Interaktionsprozess zwischen religiösen Orden, politischen Interessen und der indigenen Bevölkerung sein, der sich beispielsweise mit Fragen nach der Akzeptanz, Verständigung, Integration oder Adaption konkretisieren und analysieren lasse. Wilde machte deutlich, dass trotz der Begrenzung des Ausgangsmaterials die Forschung bezüglich der missionarischen Organisation und Praktiken vielversprechend sein könne.

Ein Potenzial für den akademischen Austausch in Hinblick auf das Studium mittelalterlicher religiöser Ordnungen präsentierte KRISTON RENNIE (Brisbane, Australien). Die Stärke und Besonderheit der Regionen Australien und Neuseeland liege in der durch die örtlichen religiösen Institutionen sowie der Religionsgeschichte und Theologie getragenen Forschungstradition. Mit einer Vielzahl an wissenschaftlichen Publikationen und Netzwerken verwies der Referent auf das Bewusstsein für laufende und künftige Arbeiten sowie auf finanzielle Förderprogramme, sowohl in Australien als auch in internationaler Zusammenarbeit.

GORDON BLENNEMANN (Montréal, Kanada) präsentierte einen Bericht über die Beschaffenheit der Forschung in Kanada. Gelehrte seien dort in vielfältige akademische Disziplinen eingebunden. Ersichtlich sei dies beispielsweise an der modernen Ordensforschung, die durch die traditionell vorhandenen Abteilungen der Theologie und Religionswissenschaft begünstigt wurden. Eines der bedeutendsten Institute im Hinblick auf diese strukturelle Besonderheit sei das Pontifical Institute of Medieval Studies in Toronto. Überdies gäbe es ähnlich wie in den USA eine enge Kooperation zwischen ansässigen Ordenskonventen und Universitäten. Ferner verwies der Referent auf die mehrsprachige Umgebung von Englisch und Französisch, die zu einer sehr positiven und einzigartigen Forschungscharakteristik geführt habe. Mit einer zukünftig noch besseren Vereinigung dieser Traditionen könne der günstige Rahmen innovativer Wissenschaft weiter ausgebaut werden.

Dem Zentral- und vor allem Osteuropa betreffenden Forschungsstand widmete JADRANKA NERALIĆ (Zagreb, Kroatien) einige Ausführungen. In einer anfänglichen Überprüfung der wissenschaftlichen Arbeit in den letzten Jahrzehnten stellte sie fest, dass das Studium der Benediktiner und Zisterzienser durch zahlreiche Projekte, interdisziplinäre Forschungen, archäologische Ausgrabungen, Ausstellungen und Monographien und besonders auch durch staatliche Institutionen finanziell unterstützt werden konnte, um den lokalen Tourismus durch Ergebnisse der Forschung zu fördern.

STEVEN VANDERPUTTEN (Gent, Belgien) referierte über den nordeuropäischen Raum und im Speziellen über den Nordseeraum. Mit Blick auf die Zielstellung des Workshops versuchte er einen spezifischen gemeinsamen Forschungsschwerpunkt zu identifizieren. Insbesondere die geographische, politische, soziale und kulturelle Grenzposition des Landes führte zu einer fruchtbaren Synthese unterschiedlicher Einflüsse. Damit seien weitere diskussionswürdige Themen für Vergleichsstudien erkennbar: Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie, das Regionale als Einbettung übergeordneter Ebenen, verschiedene Zeiten der Entwicklung und des Niedergangs und die Rolle der „marginalen“ Gemeinschaften im Laufe der mittelalterlichen vita religiosa.

HANS JOACHIM SCHMIDT (Freiburg, Schweiz) gab einen Überblick über den Forschungsstand in Mittel- und Westeuropa. Er konzentrierte sich auf Italien, Frankreich, Deutschland und die Schweiz. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Rückgangs des monastischen Lebens und der Kompensation ihrer Forschung durch nicht-kirchliche Institutionen stellte Schmidt eine bedeutende Verschiebung des wissenschaftlichen Interesses, insbesondere in Italien sowie in Frankreich, fest. Infolgedessen bemerkte er, dass es eine starke Tendenz gäbe, regionale Forschungstraditionen zu überwinden und Staatsangehörige und internationale Netzwerke aufzubauen. Schmidt betonte die Besonderheit des Forschungsstandortes Deutschland, der im Gegensatz zu gut bestimmbaren wissenschaftlichen Schwerpunkten angrenzender Länder von institutioneller Unabhängigkeit und thematischer Freiheit gekennzeichnet sei. Für die Schweiz sah er zwei Pole der Forschungstraditionen: St. Gallen und St. Maurice in Wallis.

Im Anschluss an diese Überblicksdarstellungen leitete der Workshop zu einem „Round Table on New Perspectives oft he History of Orders“ über, der einen Dialog einzelner methodischer Herangehensweisen herstellte. Provokative Fragen von GERT MELVILLE (Dresden, Deutschland) als Moderator führten zu einer Akzentuierung mehrerer Begriffe, Konzepte und Arbeitsweisen.

CHRISTINA LUTTER (Wien, Österreich) erklärte den Begriff der „Klosterlandschaften“. Dies solle ein pragmatisches Konzept beschreiben, das dazu beiträgt, die Kultur und Spezifikation einer Region durch unterschiedliche innere und äußere Beziehungen und Zugehörigkeiten zu definieren. Diese Zusammenhänge könnten die spezifische politische sowie kirchliche Topographie einschließen (seien es Interaktionen mit Städten, mit dem Adel oder mit anderen monastischen Institutionen) und damit den jeweiligen Kontext erhellen. Darüber hinaus würde eine Datenbank in Vorbereitung diese Überlegungen für die Regionen Österreich und Steiermark, Böhmen, Mähren und Ungarn vereinen.

JANET BURTON (Lampeter, Großbritannien) wies auf die faszinierenden und vielfältigen Interdependenzen von Wales hin. So wurde 2009 das Projekt „Monastic Wales“ ins Leben gerufen, um die interdisziplinäre Forschung zu den mittelalterlichen Klöstern dieser Region zu fördern. Zwei Hauptpublikationen beinhalten historische Aufsätze sowie Artikel aus den Bereichen Archäologie und Literaturwissenschaft. Neue Forschungen sollten laut Burton räumliche und ökologische Hinweise, die kulturellen Vorteile der Klöster, die ethnische Zugehörigkeit und die kulturellen Identitäten, die prosopographischen Daten von Äbten und des Priors sowie Netzwerktheorie und Netzwerkanalysen enthalten.

NICOLANGELO D’ACUNTO (Brescia, Italien) wies auf zentrale Methoden der Forschung zum Mönchtum im Allgemeinen und den religiösen Orden in Italien hin. Aufgrund einer zurückgehenden Initiative der religiösen Orden als Forschungsimpulse komme es zu einer verstärkten Kompensation der wissenschaftlichen Tätigkeit durch die Universitäten. Aus dieser speziellen Umgestaltung ergebe sich aber auch die Chance, neue Methoden und fachübergreifende Perspektiven zu etablieren und anzuwenden. Ein wichtiges Anliegen bleibe die Untersuchung der Entstehungsprozesse neuer und auch kleinerer Gemeinschaften, die mit Blick auf Einzelpersonen, Gemeinden und übergeordneter Strukturen neu zu bewerten seien.

BRIAN MCGUIRE (Roskilde, Dänemark) machte seinen Standpunkt als unabhängiger Gelehrter deutlich. Aus seiner Perspektive und seinen Erfahrungen, vorwiegend aus dem Bereich der Zisterzienserforschung, gäbe es zwar das Problem des zurückgehenden Interesses am Mönchtum im Allgemeinen. McGuire würdigte jedoch die Vielzahl an Publikationen, die trotz variierender Qualität reichhaltige Informationen, Editionen und Übersetzungen bereithielten. Für die Zukunft gäbe es nicht nur Potential in der internationalen Zusammenarbeit, sondern auch in Einzelstudien und Biographien. Wie der Fall zu Bernhard von Clairvaux zeige, sei die Bewertung des „menschlichen Faktors“ der Protagonisten in biographische Studien bisher nicht ausreichend in Betrachtung gezogen worden.

FLOCEL SABATÉ I CURRULL (Lleida, Spanien) hob in der Diskussion die Wichtigkeit von Fallstudien hervor. So seien es vor allem spezielle Gruppen und ihre Beziehungen zur Elite gewesen, die wegweisende und verändernde Prozesse in Gang gesetzt hätten. Dies könne besonders bei der aktuellen Forschung zu den Kartäusern und Prämonstratensern gesehen werden.

EVA SCHLOTHEUBER (Düsseldorf, Deutschland) sprach sich indes gegen mehr oder weniger endlose Serien von Fallstudien aus. Sie betonte die Möglichkeiten der Digitalisierung, die eine andere Auswertung des Materials ermögliche. Am Beispiel monastischer Bibliotheken und Büchersammlungen skizzierte sie den Erkenntnisfortschritt durch die „digitale Wende“, die vor allem mit der Zusammenführung verstreuter Schriftbestände die Frage nach der Zugänglichkeit, möglichen Ordnung, Weitergabe und Adaption des Wissens neu zur Diskussion stellt.

NICOLE BERIOU (Lyon / Paris) und LUDOVIC VIALLET (Clermont-Ferrand) unterstrichen die besondere Entwicklung der historischen Forschung in Frankreich, welche durch die intensive Kooperationsarbeit verschiedener Interessenzentren – wie der Archäologie, Geschichte und Literaturwissenschaft – interdisziplinär und international aufgestellt sei. In der Präsentation von kürzlich abgeschlossenen und laufenden Projekten wie CHARCIS (Zisterzienser-Charta des 12. Jahrhunderts), MARGEC (Marginalität, Ökonomie und Christentum in Mittel- und Osteuropa), der Zusammenarbeit des CERCOR (Europäisches Zentrum für Religionsforschung) oder dem Programm „Observer l’Observance“, das auch in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte der Technischen Universität Dresden (FOVOG) gestartet wurde, wiesen Bériou und Viallet auf Versuche aktueller Forschungsprogramme hin, die zu einer breiteren internationalen Zusammenarbeit führen könnten und sollten.

NIKOLAS JASPERT (Heidelberg, Deutschland) fasste die Ergebnisse dieses internationalen Workshops zusammen. Jedes Land könne mit seiner Forschungstradition und Methodologie eine je eigene Expertise zur Verfügung stellen. Ein erfolgsreiche Zusammenarbeit kann sich nur durch das Bewusstsein unterschiedlicher wissenschaftlichen Kulturen ergeben und dies als Potential neuer Ansätze und Methoden nutzbar machen. Als lohnenswerte zukünftige Forschungsfelder identifizierte Jaspert die intensive Nutzung der Ressourcen der Digital Humanities, den interreligiösen Vergleich monastischer Lebensformen oder auch die kulturelle und institutionelle Bedeutung verschiedener Formen der Liturgie.

Der abschließende Part des Workshops war durch die genannten Arbeitsgruppen geprägt, in denen die Komplexe „Monastic Anthropology“, „Normativity / Institutionality“, „Interaction / Interchanges“ und „Regionality“ von jeweils separaten Arbeitsgruppen hinsichtlich ihres Potentials neuer Forschungsfragen und möglichen zukünftigen Projekten diskutiert wurden. In einer anschließenden Plenardiskussion stellten ausgewählte Sprecher der Gruppen die Ergebnisse in prägnanter Weise dar.

Zuerst wurden Ideen und Ergebnisse der Gruppe „Interaction / Interchanges“ von Jean-François CODET-CALOGERAS (St Bonaventure, USA) vorgestellt und beschrieben. Das Hauptproblem besteht darin, den Einfluss der Laien innerhalb von Klostergemeinschaften zu bewerten und die Situation der Laien im klösterlichen Kontext, im mendikantischen Kontext und im Kontext der Neuen Welt (wie im 16. Jahrhundert in Florida) zu erkennen. Im Herbst 2018 wird diese Forschergruppe bei einer gemeinsamen Konferenz den Einfluss und die Bedeutung von männlichen und weiblichen Laien auf religiöse Orden diskutieren.

JAMES MIXSON (Alabama, USA) präsentierte ein zweites Thema, das von der FOVOG vorgeschlagen wurde, nämlich „Eliten“. Dieses Thema umfasst Fragen über den Aufstieg, die Visualisierung, die Wahrnehmung und die Wirkung der Religiosen als Eliten des Wissens oder des Glaubens im Mittelalter. Anfänglich ist aufgrund der Breite des Themas ein Vorbereitungsprojekt von drei Jahren geplant, das möglicherweise zu einem großen internationalen Forschungsnetzwerk führen kann. Die erste Konferenz wird 2017/18 in Alabama stattfinden. JENS RÖHRKASTEN (Birmingham, Großbritannien) zeigte, dass für den Bereich des ökonomischen Wandels ein ähnliches Potential aufweist. Daher sei eine weitere Konferenz geplant, die sich auf monastische Finanzen konzentrieren wird.

Die Sprecherin für „Regionality“, EMILIA JAMROZIAK (Leeds, UK), identifizierte in ihrem Resümee die diversen methodischen Problemfelder. Sie argumentierte beispielsweise, dass der Terminus „Region“ bereits in seiner Verwendung unscharf sei und einer je eigenen Präzisierung bedürfe. Mögliche Forschungsfelder seien auch in Spannungsfeldern, zwischen Regionalisierung und einer ‚Anti-Regionalisierung‘ – verstanden als Prozess – zu verorten. Daher sollten in einem ersten Schritt Expertenteams für Europa und auch Amerika an entsprechenden Konzeptualisierungen und Neudefinitionen arbeiten.

MICHAEL F. CUSATO (Washington, USA) stellte die Besprechungsergebnisse des Bereichs „Monastic Anthropology“ in Form von vier möglichen Konferenzthemen zusammen. Diese Forschergruppe möchte der fundamentalen monastischen Tugend der castitas nachgehen. Folgende Schwerpunkte haben sich herausgebildet: I: Historische Grundlagen der Castitas in der christlichen Tradition (250–850), II: Castitas im Hoch- und Spätmittelalter, III: Formulierung eines neuen Verständnisses für die Bedeutung des Begriffs castitas und IV: Vergleichspunkte, Übereinstimmung und Gegensatz zwischen religiösen Bewegungen in westlichen und westeuropäischen Traditionen.

Für das Arbeitsfeld „Normativity / Institutionality“ verkündete JÖRG BÖLLING (Göttingen, Germany) die Konstitutierung einer Arbeitsgruppe „Liturgy“. Da es sich bei Liturgie um einen seit dem frühen Mittelalter nur sehr schwer abzugrenzenden Begriff handelt, sollen hier innerhalb eines Jahres erste empirische Bestandsaufnahmen zum materiellen Befund innerhalb einzelner Klöster gesammelt werden. Daher ist für das Jahr 2018 ein Workshop zur Erhebung von Einzelfallstudien geplant. Durch die Beantwortung der Frage, welche Bücher und liturgischen Instrumente et cetera in einem bestimmten Kloster verwendet wurden, hofft die Gruppe, eine gemeinsame materielle Basis zu entwickeln und vielleicht in einem nächsten Schritt das analytische Problem zu lösen, was klösterliche Liturgie konkret bedeutete und wie sie in verschiedenen Zeiten und Regionen des mittelalterlichen Europas aussah.

Konferenzübersicht:

Thomas Arnold (Katholische Akademie) & Gerhard Rödel (Prorektor für Forschung der TU Dresden): Eröffnung / Begrüßung

Gert Melville (Direktor der FOVOG) & Cristina Andenna (FOVOG): Einführung

Abendvortrag
Giles Constable (USA): Der Wandel im religiösen Leben und in den Institutionen im 12. Jahrhundert

Sektion I: Themen, Wege und Methoden der Ordensgeschichte. Berichte I
Sektionsleitung: James Mixson (USA)

Timothy Johnson (USA): Promises, Prospects, and Pathways. An Overview of Franciscan Research Agendas in the United States

Guillermo Wilde (Argentinien): From Millenarism to the Empire of Reason. A Comparative Approach to the History of Religious Orders in Latin America in the Global Context

Kriston Rennie (Australien): Antipodean Perspectives

Sektionsleitung: Nicole Beriou (Frankreich)

Gordon Blennemann (Kanada): Monastic Studies in Canada. Traditions and Perspectives of Research

Jadranka Neralić (Kroatien): A Survey of the Recent Researches on the Monastic Orders in the Central and Eastern European Region

Sektion II: Themen, Wege und Methoden der Ordensgeschichte. Berichte II
Sektionsleitung: Gábor Klaniczay (Ungarn)

Steven Vanderputten (Belgien): Vita Regularis in the North Sea Area. Is there a Typical Northern European Perspective on the Monastic Past?

Hans-Joachim Schmidt (Schweiz): Research on Medieval Monasteries and Orders in Central and Southern Europe. Requirements, Prospects and Results

Sektionsleitung: Gert Melville (Deutschland)

Podiumsdiskussion zu neuen Perspektiven der Ordensgeschichte
(Nicole Beriou, Janet Burton, Nicolangelo D’Acunto, Christina Lutter, Brian McGuire, Flocel Sabaté i Currull, Eva Schlotheuber, Ludovic Viallet)

Sektion III: Perspektiven der Ordensforschung (interne Veranstaltung)
Sektionsleitung: Gert Melville (Deutschland)

Zusammenfassung und Perspektiven: Nikolas Jaspert (Deutschland)

Diskussion zu neuen Perspektiven in der Ordensgeschichte

Cluster in Gruppenarbeit für die erste Konzeption von zukünftigen Projekten

Abschließende Plenardiskussion

Anmerkung:
[1] Die Veranstaltung wurde unterstützt aus Mitteln des Zukunftskonzepts der Technischen Universität Dresden und gefördert durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder.

Zitation
Tagungsbericht: Wohin geht die Ordensgeschichte? Themen, Wege und Methoden einer vergleichenden Forschung, 27.10.2016 – 29.10.2016 Dresden, in: H-Soz-Kult, 24.03.2017, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7076>.
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Veröffentlicht am
24.03.2017
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