Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Deportierte im Zweiten Weltkrieg. Perspektiven für historische Forschung und Erinnerungskultur

Ort
Berlin
Veranstalter
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Deutsches Historisches Institut (DHI) Moskau; Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst; Ludwig-Boltzmann-Institut (LBI) für Kriegsfolgen-Forschung
Datum
13.06.2017 - 14.06.2017
Von
Laura Eckl, Friedrich Meinecke Institut, Freie Universität Berlin

Im Juni 2016 wurde das vom Auswärtigen Amt geförderte Recherche- und Datenbankprojekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte“ infolge einer gemeinsamen Erklärung des russischen und deutschen Außenministers in die Wege geleitet. Das Projekt ruft russische und deutsche Fachbehörden, Archive sowie Forscher/innen zur engeren Kooperation bei der Suche und Digitalisierung von Archivunterlagen auf, um das Schicksal sowjetischer und deutscher Kriegsgefangener und Internierter des Zweiten Weltkrieges zukünftig umfassender aufzuklären, den Zugang und Austausch von Archivalien grenzüberschreitend zu erleichtern und neue Impulse in der Gedenkarbeit zu setzen.

Im Rahmen dieses Kooperationsprojekts luden der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., das Deutsche Historische Institut (DHI) Moskau, das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst und das österreichische Ludwig-Boltzmann-Institut (LBI) für Kriegsfolgen-Forschung Vertreter/innen von Forschungs- und Beauskunftungseinrichtungen aus Russland, Deutschland, der Ukraine, Polen, Belarus und Österreich zur Konferenz „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Deportierte im Zweiten Weltkrieg“ ein. Schwerpunkthemen waren bisherige und zukünftige Wege in der individuellen Schicksalsklärung, Datenbankkooperationen und Leerstellen in der Forschungs- und Erinnerungslandschaft. Die Zusammenführung von fragmentarischen Dokumenten – verteilt auf National- und Regionalarchive – sowie die Verzahnung und Vereinheitlichung einzelner Datenbanken kristallisierten sich als vorrangige Herausforderungen des Projekts heraus.

Die Vertreter des Kooperationsprojekts Jörg Morré (Berlin), Michael Reiffenstuel (Berlin), Wolfgang Schneiderhan, Nikolaus Katzer (Moskau) und Stefan Karner (Graz) eröffneten die Konferenz. Sie würdigten die bisher geleistete Forschungs- und Gedenkarbeit und hoben insbesondere die ersten bilateralen Kontaktaufnahmen zwischen Forschungsinstitutionen nach der Öffnung der sowjetischen Archive in den 1990er-Jahren hervor sowie das von 2000 bis 2014 dauernde Vorläuferdatenbankprojekt der Stiftung „Sächsische Gedenkstätten“.

Der erste Konferenztag konzentrierte sich auf Wege und Perspektiven der Forschung. Das erste Panel kontextualisierte das laufende Rechercheprojekt. WASILIJ TOLOTSCHKO (Moskau) reflektierte den Einfluss bisheriger Kooperationsdatenbankprojekte auf die Schicksalsklärung und Kriegsgräbererfassung ausländischer Kriegsgefangener auf dem heutigen Territorium Russlands. Bis heute habe die Vereinigung „Soldatengedenken“ in Moskau in Kooperation mit 15 anderen Staaten 409.664 Gräber ausländischer Kriegsgefangener verortet, 240.655 davon von deutschen Kriegsgefangenen. HANS-HERMANN SÖCHTIG (Berlin) verwies in diesem Kontext auf die immer noch zahlreichen Nachfragen von Angehörigen, die mittels transnationaler Datenbankkooperation treffsicherer bearbeitet werden könnten. Bei der deutschen Dienststelle für Angehörige der ehemaligen Wehrmacht (WASt) seien im Jahr 2016 1.375 Anfragen per Briefpost und 2.439 Anfragen zu Zwangsarbeitern/innen und Militärinternierten via Internet eingegangen. Momentan werde daran gearbeitet, dem DHI Moskau den Zugriff auf die der WASt vorliegenden Informationen zu ermöglichen. ANDREAS HILGER (Moskau) betonte die quantitativen Dimensionen des Rechercheprojekts. Um einzelne Stationen in Biographien sowjetischer und deutscher Kriegsgefangener nachzeichnen zu können, sei es notwendig, möglichst viele Archive zu durchleuchten und gewonnene Informationen grenzübergreifend nutzbar und nachvollziehbar aufzubereiten. SERGEIJ BALANDJUK und VIKTOR TUMARKIN (Moskau) erinnerten daran, dass das Elektronische Archiv in Moskau im Auftrag des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seit 1995 mehr als 2.100.000 Dokumente zu Angelegenheiten deutscher Kriegsgefangener aus dem Russischen Staatlichen Archiv gescannt und in den Suchdienst des DRK und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten übergeben habe. Zwischen 2000 und 2009 seien außerdem Dokumente und Datenbestände zu mehr als 700.000 sowjetischen Soldaten und Offizieren in deutscher Kriegsgefangenschaft aufbereitet und an deutsche Institutionen übergeben worden. Mithilfe einer Suchmaske sei es seit 2006 möglich, Suchanfragen zu Personen und Bestattungsorten auf der Memorial-Website eigens zu recherchieren. Alle Redner/innen betonten die andauernde Notwendigkeit eines umfassenden Abgleichs von russischen und deutschen Archivbeständen, um Lücken in der Schicksalsklärung zu schließen.

Das zweite Panel richtete das Augenmerk auf sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam. Der Leiter der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten ROLF KELLER (Celle) umriss den bisherigen Forschungsstand. Bis in die 1990er-Jahre seien nur vereinzelt Monografien erschienen; zu nennen seien die deutschsprachigen Publikationen von Christian Streit[1] und Alfred Streim[2] sowie die russischsprachigen Monographien von Joseph Brodsky.[3] Bislang sei die universitäre Auseinandersetzung mit der Thematik lückenhaft – nach wie vor würden Gedenkstätten die tragende Rolle übernehmen. Seit der Öffnung der sowjetischen Archive seien neue Publikationen zur Behandlung, zum Arbeitseinsatz sowie zu Fallstudien einzelner Kriegsgefangenenlager erschienen.[4] Nichtsdestotrotz bestünden gravierende Leerstellen, beispielsweise hinsichtlich einer ungeschriebenen Alltagsgeschichte von Zwangsarbeit und Lagerleben. Im Weiteren wurden drei Forschungsprojekte herangezogen, um Einblicke in die aktuelle Forschungslandschaft zu liefern. Andreas Hilger referierte für die abwesende RENATA KOBYLARZ-BUŁA (Łambinowice) über die Entwicklungen in der Behandlung und Isolierung sowjetischer Kriegsgefangener während des Zweiten Weltkrieges im Gefangenenlager Stalag 318/VIII F. DANIEL BIßMANN (Berlin) stellte anschließend seine Dissertation über das Unternehmen „Zeppelin“ vor. SETH BERNSTEINs (Moskau) Vortrag stellte schließlich die etablierte These in Frage, dass der Großteil sowjetischer Kriegsgefangener nach ihrer Repatriierung als „Kollaborateure“ oder „Vaterlandsverräter/innen“ ausschließlich in GULAGs deportiert worden seien.

Das dritte Panel konzentrierte sich auf deutsche Kriegsgefangene in sowjetischem Gewahrsam. STEFAN KARNER (Graz) reflektierte die wissenschaftliche Bearbeitung des ab 1941 eigens errichteten „Archipel“ von NKVD-Lagern der GUPVI-Verwaltung, der Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte. Zwischen 1941 und 1956 seien circa 220.000 Österreicher von sowjetischen Organen und der Roten Armee festgenommen und in GUPVIs festgehalten worden. BORIS CHAWKIN (Moskau) umriss anschließend die russische Historiographie zu deutschen Kriegsgefangenen in sowjetischem Gewahrsam. Nach der Öffnung der sowjetischen Archive seien bis dahin unter Verschluss gehaltene Dokumente zugänglich und für die Forschung nutzbar gemacht geworden. Die Zentralarchive in Moskau, insbesondere das Russische Staatliche Militärarchiv, und Regionalarchive seien die Quellenbasis für aktuelle Forschungen. Schwerpunkte lägen auf sozialgeschichtlichen Publikationen zu Regional- und Lagergeschichte. Er resümierte, dass die Ideologisierung und Selbstisolierung der russischen Historiographie, die bis in die 1990er-Jahre vorgeherrscht habe, überwunden worden und ein Trend zur transnationalen Zusammenarbeit zu erkennen sei. ALEXANDER EPIFANOW (Wolgograd) schilderte anschließend Etappen und Ergebnisse der sowjetischen Verfolgung von Kriegs- und NS-Verbrechen deutscher Kriegsgefangener. Abgerundet wurde das Panel von den Forschungsergebnissen NATALJA MARKDORFs (Nowosibirsk) zu ausländischen Kriegsgefangenen in Westsibirien zwischen 1943 und 1950. Die Rednerin beleuchtete die Entstehung der Kriegsgefangenenlager, die zahlenmäßige Entwicklung der Internierten, die medizinische Betreuung sowie Fragen zur Arbeitsleistung der Zwangsarbeiter/innen. Sie resümierte, dass die produktive Tätigkeit in den Kriegsgefangenenlagern und Bataillonen aufgrund der schlechten Versorgung der Gefangenen gering gewesen sei. Für genauere Ergebnisse sprach sie sich für einen Abgleich von Föderations- und Regionalarchivalien aus.

Das vierte Panel thematisierte Deportation und Zwangsarbeit in deutscher und sowjetischer Gefangenschaft. TETIANA PASTUSCHENKO (Kiew) referierte über den aktuellen Forschungsstand zu den „Ostarbeiter/innen“, die während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden waren. Vor dem Zweiten Weltkrieg habe das nationalsozialistische Regime keine Zwangsarbeit sowjetischer Zivilisten/innen oder Kriegsgefangener innerhalb Deutschlands vorgesehen. Da sich jedoch die wirtschaftliche Lage während des Krieges drastisch verschlechtert hatte, wurden zunächst Anwerbungskampagnen in den besetzten Gebieten initiiert, um Zivilisten für die Arbeit in Deutschland zu gewinnen, bis nationalsozialistische Besatzungsinstanzen zu Zwangsdeportierungen übergingen. Laut Tetiana Pastuschenko sei die wichtigste Aufgabe bis heute, diese Schicksale zu popularisieren und stärkere Akzente in der Gedenkarbeit zu setzen. DIETER BACHER (Graz) widmete sich im Anschluss dem österreichischen Umgang mit Displaced Persons und Zwangsrepatriierungen in der sowjetischen Besatzungszone in der Nachkriegsperiode. Im zweiten Teil des Panels konzentrierte sich UTE SCHMIDT (Berlin) auf deutsche Zivilist/innen und Angehörige deutscher Minderheiten in Ost- und Südosteuropa, die gegen Ende des Krieges in die Sowjetunion deportiert worden waren. Sie stellte die These auf, dass der Einsatz von Zivilinternierten keinerlei ökonomischen „Profit“ für die sowjetische Wirtschaft bedeutet habe und schloss sich damit Natalja Markdorfs Forschungsergebnissen an. Die großen Verpflegungs- und Unterbringungsdefizite hätten vor allem zu hohen Sterblichkeitsraten und einem Minimum von Arbeitsleistung geführt. NIKITA PETROW (Moskau) ergänzte abschließend den Stand der Schicksalsklärung deutscher Zivilinternierter in der Russischen Föderation. Aktuell sei eine virtuelle Karte Moskaus in Arbeit, Friedhöfe von deutschen Internierten zu verorten. Alle Sprecher/innen bestätigten, dass gravierende Lücken in der Gedenkarbeit bestünden. Nikita Petrow unterstrich die Bedeutung der politischen Initiativbereitschaft, um in diesem Bereich neue Impulse in der Erinnerungskultur zu setzen.

Der zweite Konferenztag knüpfte an diese Lücken in der Erinnerungsarbeit an. Das fünfte Panel lud Vertreter/innen von Such- und Beauskunftungsdiensten dazu ein, über die technische Dimension der Schicksalsklärung zu referieren. Dem International Tracing Service Arolsen liegen derzeit 30 Millionen Kriegs- und Nachkriegsdokumente vor, von denen bisher 80 Prozent digitalisiert wurden. Die Dokumente seien auf verschleppte Zwangsarbeiter/innen und sowjetische Kriegsgefangene beschränkt, die in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen waren. Sofern daher nur vereinzelte Lebensstationen der Betroffenen abgebildet würden, ermöglichten die Bestände keine vollständige Schicksalsklärung. Die WASt bemüht sich indessen um die Kriegsschicksalsklärung deutscher Kriegsgefangener. Die Zusammenarbeit mit dem DRK sei eine wichtige Stütze für die Beauskunftung. Der Austausch mit russischen Archiven sei essentiell, um die Schicksale der bis heute vermissten deutschen Wehrmachtsangehörigen zu klären. Auch das DRK erhält seit 1945 Anfragen zur Schicksalsklärung ziviler und kriegsgefangener Deutscher. Indessen betreut der Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge 833 Kriegsgräberstätten in 46 Ländern mit 2,7 Kriegstoten, davon 500 Anlagen in Osteuropa. Bis 2017 wurden 883.059 Kriegstote in Osteuropa exhumiert. Besonderen Wert lege der Volksbund dabei auf die Instandsetzung der Kriegsgefangenenfriedhöfe und die Errichtung von Gedenkanlagen. Auch hier sprachen sich alle Vertreter/innen dafür aus, technische Kooperationen anzuregen und Datensätze für die weitere Forschung zugänglicher nutzbar zu machen.

Die Panel sechs und sieben widmeten sich laufenden Projekten in der Gedenkarbeit. SEMJON und DARJA MUDROW (Jaroslawl) stellten die Ergebnisse ihres Forschungsprojekts zu Grablagen deutscher Kriegsgefangener auf dem Territorium des heutigen Gebiets Jaroslawl vor. Es seien acht Grablagestandorte ermittelt und Namenslisten der Verstorbenen angelegt worden. Der nächste Schritt sei nun, diese topographische Dokumentation in visuell sichtbare Gedenkprojekte einzubetten. ANATOLIJ SCHARKOW (Minsk) referierte im Gegenzug über die kaum erschlossene Topographie von Friedhöfen deutscher Kriegsgefangener im Gebiet Minsk. Er betonte, dass bis heute die Ortung und Grabpflege von 28 betroffenen Friedhöfen durch geringe Finanzmittel und mangelnde politische Initiativen erschwert werde. JURIJ ALEXEJEW (Pskow) schloss sich Anatolij Scharkow an, indem er die Schwierigkeiten in der Gedenkarbeit für die Gedenkstätte des Stalags 372 in Pskow schilderte. Erst 2006 sei das Gelände eines ehemaligen Lagers für sowjetische Kriegsgefangene für Untersuchungen freigegeben worden. Bisher sei diese Gedenkstätte die einzige verortete Lageranlage auf russischem Boden, in der physische Überreste sowjetischer Kriegsgefangener gefunden worden seien. SWJATOSLAW SCHEREMETA (Kiew) stellte im Weiteren Feldforschungsergebnisse zur Verortung von Friedhöfen deutscher Kriegsgefangener in der Region Poltawa vor. Bisher seien 17 Bestattungsstätten und 1.545 Gräber mithilfe von archäologischen Grabungen und Zeitzeugeninterviews verortet worden. JAN EFFINGER (Kassel) stellte davon abweichend die politische Bildungsarbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge am Beispiel des „Namensziegelprojekts“ vor. Das Schulprojekt habe Schüler/innen eingebunden, sich mit Einzelschicksalen sowjetischer Kriegsgefangener zu beschäftigen und Namensziegel für sie anzufertigen. Das Projekt habe eine grundsätzlich positive Resonanz erfahren. DMITRI STRATIEVSKI (Berlin) stellte abschließend die Briefinitiative des Vereins „Kontakte/Kontaky“ vor. Seit den 2000er-Jahren hätten sich die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ und der Verein für eine Entschädigung ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener eingesetzt und jedem identifizierten Kriegsgefangenen eine Entschädigung von 300 Euro und einen persönlichen Brief zugesandt, mit der Bitte, ihre Erinnerungen mit der Initiative zu teilen. Zwischen 2005 und 2010 seien daraufhin über 5.000 Berichte von Überlebenden eingetroffen. Zwischen 2004 und 2012 seien Interviews in der Russischen Föderation, der Ukraine und Belarus in der jeweiligen Muttersprache durchgeführt worden. Diese Zeugnisse wurden zwischen 2006 und 2016 in der Aufklärungsaktion „Freitagsbriefe“ über den Kontakte/Kontakty Verteiler verschickt. Die Freitagsbriefe lieferten heute einen wichtigen Teil für das Kollektivporträt des Schicksals sowjetischer Kriegsgefangener. Im letzten Panel wurde skeptisch darüber diskutiert, welche Zeugenschaft das Medium Film in der historischen Erinnerungsarbeit einnehmen sollte, nachdem eine russische Dokumentarfilmproduktion von JURIJ KUZAWKOW und der 2011 erschienene Spielfilm „Soweit die Füße tragen“ von Hardy Martins gezeigt worden waren.

Jörg Morré sprach sich in seinem Schlusswort für Nachfolgekonferenzen aus und verwies auf die Gedenkstätten als zentrale Handlungsträger für zukünftige Kooperationsprojekte. Die Zusammenarbeit im Datenbank- bzw. Archivbereich blieb als essentieller Auftrag der Konferenz und des Rechercheprojekts bestehen, um Lücken in der Schicksalsklärung und Erinnerungsarbeit zu schließen. Die divers und international angelegte Konferenz arbeitete sowohl die Hürden als auch die Unerlässlichkeit internationalisierter Datenbanken und transnationaler Gedenkprojekte heraus. Insbesondere deutlich wurde, dass Akteur/innen der Beauskunftungs- und Forschungslandschaft bisher – bis auf vereinzelte Kooperationsprojekte – aufgrund politischer und finanzieller Umstände oftmals neben- statt miteinander gearbeitet hatten. Das laufende Recherche- und Datenbankprojekt markiert daher eine maßgebliche Wendung in der Vernetzung und Versöhnung 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Konferenzübersicht:

Kriegsgefangenschaft und Internierung: Wege der Forschung

Michael Reiffenstuehl (Auswärtiges Amt), Järg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst), Wolfgang Schneiderhan (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.), Nikolaus Katzer (Deutsches Historisches Institut Moskau), Stefan Karner (Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz): Begrüßung

Panel 1: Das bilaterale Recherche- und Datenbankprojekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangenschaft und Internierte“

Heike Winkel (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Moderation

Wasilij Tolotschko (Vereinigung Soldatengedenken Moskau): Datenbanken zu ausländischen Kriegsgefangenen in der Russischen Föderation

Hans-Hermann Söchtig (Deutsche Dienststelle WAst, Berlin)

Andreas Hilger (Deutsches Historisches Institut Moskau)

Sergej Balandjuk (Aktiengesellschaft „Elektronisches Archiv“/ELAR AG, Moskau): Die Arbeit der ELAR AG zu Kriegsgefangenen

Viktor Tumarkin (OBD Memorial, Moskau)

Panel 2: Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam

Jörg Skriebeleit (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg): Moderation

Rolf Keller (Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Celle): Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam 1941-1945. Anmerkungen zum Forschungsstand

Renata Kobylarz-Buła; Violetta Rezler-Wasielewska (Zentrales Museum der Kriegsgefangenen, Łambinowice): Sowjetische Kriegsgefangene im Stalag 318 VIII f (344) Lamsdorf

Daniel Bißmann (Humboldt Universität, Berlin): Das Unternehmen „Zeppelin“

Seth Bernstein (National Research University, Higher School of Economics, Moskau): Vektoren der Heimkehr. Schicksale von Repatriierten in der stalinistischen UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg

Panel 3: Deutsche Kriegsgefangene in sowjetischem Gewahrsam

Viktor Muchin (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Moskau): Moderation

Stefan Karner (Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz): Die Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte (GUPVI). Zur wissenschaftlichen und humanitären Bearbeitung des Projekts in Österreich

Boris Chawkin (Russische Staatliche Geisteswissenschaftliche Universität, Moskau): Deutsche Kriegsgefangene in sowjetischem Gewahrsam. Forschungsstand

Alexander Epifanow (Universität Wolgograd): Deutsche Kriegsgefangene und sowjetische Verfolgung von Kriegs- und NS-Verbrechen

Natalja Markdorf (Staatliche Pädagogische Universität Nowosibirsk): Ausländische Kriegsgefangene in Sibirien

Panel 4: Deportation und Zwangsarbeit

Heike Winkel (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Moderation

Tetiana Pastuschenko (Ukrainische Akademie der Wissenschaften, Kiew): Politik und Praxis von Zwangsarbeit von Arbeitern aus den Ostgebieten des deutschen Reichs. Vom Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen bis zur Deportation der Ostarbeiter

Dieter Bacher (Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz): Der österreichische Umgang mit Displaced Persons in der sowjetischen Besatzungszone

Ute Schmidt (Freie Universität, Berlin): Deportierte deutsche Zivilisten in der Sowjetunion: deutsche Staatsbürger und Angehörige deutscher Minderheiten in Ost- und Südosteuropa

Nikita Petrow (Memorial, Moskau): Deutsche Zivilinternierte in Russland – Archivlage und Forschungsperspektiven, 1945-1948

Kriegsgefangenschaft und Internierung: Erinnerung und Gedenken

Panel 5: Lebenswege und Schicksalsklärung

Johannes Ibel (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg): Moderation

Akim Jah (International Tracing Service Arolsen): Der International Tracing Service Arolsen

Stephan Kühmayer (Deutsche Dienststelle WASt): Schicksalsklärung durch die Deutsche Dienststelle (WASt)

Annika Estner (Deutsches Rotes Kreuz Suchdienst): Schicksalsklärung als Suchdienstarbeit

Robert Zaka (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und seine Arbeit in Osteuropa

Panel 6: Erinnerung und Gedenken I

Andreas Ehresmann (Gedenkstätte Lager Sandbostel): Moderation

Semjon Mudrow, Darja Mudrow (Jaroslawl): Grablagen deutscher Kriegsgefangener auf dem Territorium des heutigen Gebiets Jaroslawl

Anatolij Scharkow (Minsk): Grablagen deutscher Kriegsgefangener auf dem Territorium des Gebietes Minsk

Swjatoslaw Scheremeta (Zwischenbehördliche Staatskommission zur Wahrung des Andenkens der Opfer des Krieges und politischer Repression, Kiew): Grablagen deutscher Kriegsgefangener auf dem Territorium des Gebietes Poltawa

Panel 7: Erinnerung und Gedenken II

Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst): Moderation

Juriij Alexejew (Stiftung „Verbürgte Geschichte“, Pksow): Das Stalag 372. Gedenkpraxis und Erinnerungskultur

Jan Effinger (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Gedenkpraktische Perspektiven: Namensziegelprojekte

Dimitri Stratievski (Osteuropazentrum Berlin e.V.): Der Umgang mit Briefen aus der Sammlung des Vereins Kontakte / Kontakty e.V. als Selbstzeugnisse

Panel 8: Die Macht der Bilder – Kommentiertes Filmscreening und Podiumsdiskussion

Jurij Kuzawkow: Kommentiertes Filmscreening I von „Odin iz pjati millionow“ / „Einer von fünf Millionen“

Sonja Czekaj (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.): Kommentiertes Filmscreening II von „Soweit die Füße tragen“

Jurij Kuzawkow, Sonja Czekaj (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.), Jens Nagel (Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain), Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst): Podiumsdiskussion

Anmerkungen:
[1] Christian Streit, Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945, 2. überarb. Aufl. Bonn 1991 (1. Aufl. 1978).
[2] Alfred Streim, Sowjetische Gefangene in Hitlers Vernichtungskrieg. Berichte und Dokumente 1941–1945, Heidelberg 1982.
[3] Joseph Brodski, Die Lebenden kämpfen. Die illegale Organisation Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen (BSW), Berlin 1968; Ders., Im Kampf gegen den Faschismus. Sowjetische Widerstandskämpfer in Hitlerdeutschland 1941–1945, Berlin 1975.
[4] Rüdiger Overmans / Andreas Hilger / Pavel Polian (Hrsg.), Rotarmisten in deutscher Hand. Dokumente zu Gefangenschaft, Repatriierung und Rehabilitierung sowjetischer Soldaten des Zweiten Weltkrieges, Paderborn 2012.

Zitation
Tagungsbericht: Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Deportierte im Zweiten Weltkrieg. Perspektiven für historische Forschung und Erinnerungskultur, 13.06.2017 – 14.06.2017 Berlin, in: H-Soz-Kult, 07.09.2017, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7301>.