Wissenschaftskulturen im Vergleich. Wissenschaftsästhetik: Erkenntnisprozesse zwischen Sinnlichkeit und Abstraktion

Ort
Delft
Veranstaltungsort
Haagse Hogeschool Delft
Veranstalter
InterDisziplinäres Kolloquium (IDK); Lodewijk Arntzen, Delft; Heinz Georg Held, Pavia; Marion Steinicke, Koblenz
Datum
06.11.2015 - 07.11.2015
Bewerbungsschluss
03.07.2015
Von
Heinz Georg Held

Das Thema zielt auf zwei interrelationale Bereiche, die bereits mehrfach im Mittelpunkt der Diskussion des InterDisziplinären Kolloquiums gestanden haben: einerseits die im Rahmen wissenschaftlicher Forschung relevanten Wahrnehmungs- und Erkenntnisvorgänge, andererseits deren anschauliche und überzeugende Wiedergabe sowie die ordnende Gestaltung des dadurch konstituierten Wissens. Bekanntlich hat sich das aufklärerische Projekt einer systematischen Erfassung und Katalogisierung von sinnlicher Perzeption und den unterschiedlichen Modi ihrer Repräsentation schon frühzeitig in divergierende Disziplinen aufgefächert und auf akademischer Ebene nur in reduzierter Form als eine Art Philosophie der Kunst etablieren können, doch sind einige Kernkompetenzen jener traditionellen Ästhetik weiterhin der wissenschaftlichen Arbeit verhaftet geblieben. Gerade in den letzten Jahrzehnten haben spezifische Fragen, die sich unter dem Begriff „Wissenschaftsästhetik“ bündeln lassen, wieder an Bedeutung gewonnen. In den Naturwissenschaften werden durch eigens entwickelte Notations- und Repräsentationstechniken Bewegungen oder Impulse zur Anschauung gebracht, die, da sie dem unmittelbaren Wahrnehmungsbereich des Menschen und somit dem klassischen Bereich der Aisthesis unzugänglich sind, nur dank komplizierter Apparaturen zu messbaren Phänomenen werden; hochgradig abstrakte Zusammenhänge können allein durch kunstvoll gestaltete Graphiken anschaulich und somit forschungsrelevant werden. In verschiedenen Disziplinen werden die Eleganz der Beweisführung, die Stilistik der historischen „Meister“-Erzählung, die Klarheit wissenschaftlicher Sprache als Kriterien für Verlässlichkeit und Überzeugungskraft der dargelegten Forschungsergebnisse und somit für ihre fachinterne Kanonisierung angesehen; Institutionen wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gehen (wie in der Präambel des Sigmund-Freud-Preises expliziert) davon aus, dass Wissenschaftler/innen „durch einen herausragenden Sprachstil entscheidend zur Entwicklung des Sprachgebrauchs in ihrem Fachgebiet“ und somit auch zur fachspezifischen Heuristik beitragen.

Mit vergleichendem Blick auf die unterschiedlich operierenden natur-, lebens-, sozial- und geisteswissenschaftlichen akademischen Disziplinen sollen auf der IDK-Jahreskonferenz 2015 vor allem forschungsbezogene Aspekte wahrnehmungs- und wirkungsspezifischer Ästhetik verhandelt werden: Welche heuristischen und medialen Funktionen des Ästhetischen lassen sich im gegenwärtigen Wissenschaftsbetrieb ausmachen? Gibt es wissenschaftsästhetische Elemente, die Forschungsziele und/ oder methodologische Entscheidungen mitbestimmen? Sind ästhetische Elemente prinzipieller Bestandteil des wissenschaftlichen Erwartungshorizonts?

Beiträge aus allen Wissenschaftsbereichen sind willkommen. Erwartet wird von den Teilnehmer/innen eine aktive Diskussionsbeteiligung (obligatorisch) sowie nach Möglichkeit ein themenrelevanter Vortrag von ca. 30 Minuten (optional). Bewerbungen mit Kurzvita und ggf. einseitigem Exposé sind erbeten bis zum 3. Juli 2015 an steinicke@uni-koblenz.de

Kontakt

Heinz Georg Held

Università di Pavia, Dipartimento di Lingue e Culture Moderne
Strada Nuova, 106/c, I-27100 Pavia

held@unipv.it

Zitation
Wissenschaftskulturen im Vergleich. Wissenschaftsästhetik: Erkenntnisprozesse zwischen Sinnlichkeit und Abstraktion, 06.11.2015 – 07.11.2015 Delft, in: H-Soz-Kult, 06.05.2015, <www.hsozkult.de/event/id/termine-27859>.
Redaktion
Veröffentlicht am
06.05.2015
Klassifikation
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Sprache Beitrag
Land Veranstaltung