DENKMAL – ERBE – HERITAGE. Begriffshorizonte am Beispiel der Industriekultur

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
Technische Universität Berlin
Veranstalter
DFG-Graduiertenkolleg 2227 »Identität und Erbe« (TU Berlin/Bauhaus-Universität Weimar) und Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege
Datum
27.03.2017
Bewerbungsschluss
15.04.2017
Von
Simone Bogner

In den letzten Jahrzehnten ist auch in der Denkmalpflege eine zunehmende Internationalisierung erkennbar. Mit der stärkeren weltweiten Vernetzung der Disziplin und ihrer Diskurse sind neue Konzepte von Erbe und Erbepflege in die deutschsprachige Methoden- und Theoriediskussion eingeflossen wie beispielsweise living community-Konzepte oder der mittlerweile stark beachtete Begriff des intangible heritage.

Der internationale Austausch über kulturelle und sprachliche Barrieren hinaus findet seinen Niederschlag auch in einer sich ausdifferenzierenden, aber auch verschiebenden Begriffsbildung mit den dazugehörigen Unklarheiten, die eine parallele Verwendung unterschiedlicher Sprachen mit sich bringt. Das zeigt sich beispielsweise an den Begriffen »(Kultur-)Erbe« und »Heritage«, die in der deutschsprachigen Debatte mal synonym, zuweilen aber auch in Abgrenzung oder Erweiterung zum Begriff des »Denkmals« verwendet werden. Wenn das für 2018 bevorstehende Europäische Kulturerbe-Jahr unter dem Motto Sharing Heritage läuft, während der berühmte Vorgänger von 1975 (A Future for Our Past) im deutschsprachigen Raum als Europäisches Denkmalschutzjahr bekannt wurde, stellt sich die Frage, ob es sich lediglich um eine zeitgeistige Anpassung an die gegenwärtige Leitsprache handelt oder damit auch eine inhaltliche Bedeutungsverschiebung einher geht.

Neben der zu konstatierenden Begriffsunschärfe ist aber auch nach den Vorteilen zu fahnden, die unterschiedliche Begriffshorizonte der vernetzten Denkmalwelt bieten könnten für ein Miteinander der Disziplinen, das sich an einer wertebasierten gesamtgesellschaftlichen Entwicklung für die Zukunft orientiert. Diese und andere Fragen, die sich der Denkmalpflege wie auch ihren benachbarten kultur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen in diesem Zusammenhang stellen, sollen vom 5. bis 7. Oktober 2017 in Berlin auf der gemeinsamen Jahrestagung des Arbeitskreises Theorie und Lehre der Denkmalpflege und des DFG Graduiertenkollegs »Identität und Erbe« der TU Berlin und der Bauhaus-Universität Weimar diskutiert werden.

Damit die Überlegungen nicht abstrakt und theoretisch bleiben, soll der konkrete Gegenstand das industrielle Erbe sein. Es ist unter anderem deshalb besonders interessant, weil dort Fragen von Verlust und Bedeutung, von sozialen Figurationen und Zeugniskraft, von gelebter Industriekultur und von Eventisierung besonders virulent sind. Auch bestehen in diesem Feld neben den Institutionen der Denkmalpflege spezialisierte Akteursgruppen, die sich mit der Erforschung und dem Erhalt sowie dem Umgang mit Zeugen der Industrialisierung befassen. Die interpretative Auseinandersetzung mit der Industriellen Revolution zeigt zudem auf, dass internationale Verflechtungen im wirtschaftlichen Bereich bereits eine über 150-jährige Geschichte aufweisen, während das Nachdenken darüber und damit die Chance auf eine auch soziale und kulturelle Ausgestaltung der Globalisierung auf der Grundlage von Werten, die nationalstaatliche Definitionen und Grenzen überwinden, erst in letzter Zeit an Gewicht gewinnt. Und schließlich scheint in der Auseinandersetzung mit dem industriellen Erbe der Entwicklungsgedanke mit dem der Erhaltung oft stärker verbunden zu sein, als dies in den »klassischen« Feldern der zumindest in ihrem Selbstverständnis konservierenden Denkmalpflege der Fall ist. Hier ließe sich dann auch an die Kulturlandschaftsdebatte mit ihrer begrifflichen Unterscheidung von relikten und sich weiterentwickelnden Kulturlandschaften (relict vs. continuing bzw. living landscape) anschließen, sowie an die Diskussionen um Managing Change.

Ziel der Tagung ist es, auszuloten, wie sich Industriedenkmalpflege, Industrielles Erbe und Industriekultur begrifflich und inhaltlich zu einander verhalten. Was ist jeweils das Erkenntnisinteresse, und resultieren daraus unterschiedliche Erhaltungsinteressen? Welche Ziele haben die verschiedenen Akteursgruppen, die sich mit der Erforschung und dem Erhalt sowie dem Umgang mit Zeugen der Industrialisierung befassen? Und auf welche Werte berufen sie sich, wenn sie eine zukunfts- und handlungsorientierte Interpretation der Vergangenheit vorschlagen?

Gefragt und erbeten sind Abstracts zu Vorträgen von 25 Min. Dauer (in deutscher oder englischer Sprache), die zur Diskussion dieser Fragen beitragen. Neben übergreifenden, methodischen und theoretischen Beiträgen sind auch solche zu Objekten und Objektgruppen des industriellen Erbes willkommen, wobei auch in diesen Fällen explizit die Begriffe und ihre unterschiedlichen Bedeutungshorizonte sowie die Akteure und Kontexte ihrer Verwendung mit zu reflektieren sind. Nach Möglichkeit sollten die Beiträge in eine bis drei Thesen zur weiterführenden Diskussion münden.
Zu einer von den KollegiatInnen des GRK »Identität und Erbe« organisierten Poster- und Nachwuchssektion erfolgt ein gesonderter Call.

Bitte senden Sie aussagefähigen Abstracts (maximal 200 Wörter) Ihrer Beiträge spätestens bis zum 15. A p r i l 2 0 1 7 elektronisch an daniela.spiegel[at]uni-weimar.de.

Kontakt

Simone Bogner

TU Berlin, Fak. VI, Institut für Stadt- und Regionalplanung, GRK 2227
Hardenbergstr. 40a, 10623 Berlin

simone.bogner@tu-berlin.de

Zitation
DENKMAL – ERBE – HERITAGE. Begriffshorizonte am Beispiel der Industriekultur, 27.03.2017 Berlin, in: H-Soz-Kult, 27.03.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-33691>.