Reformation und Ethnizität. Sorben, Letten und Esten im 16. und 17. Jahrhundert

Ort
Bautzen
Veranstalter
Sorbisches Institut/Serbski institut; Baltische Historische Kommission
Datum
23.11.2017 - 25.11.2017
Von
Sorbisches Institut/Serbski institut

Die Reformation setzte neben fundamentalen theologischen auch erhebliche gesellschaftliche Entwicklungen in Gang, deren Auswirkungen in ganz Europa spürbar waren. Auch für viele sogenannte Kleine Völker stellte die Spaltung der Kirche und die Ausbildung konkurrierender christlicher Konfessionen am Beginn der Neuzeit eine wichtige Zäsur dar, die einen tiefgreifenden sozialen und kulturellen Wandel nach sich zog. Am Beispiel der Sorben, Esten und Letten soll auf der Konferenz in vergleichender Perspektive nach den langfristigen Auswirkungen von Reformation und Konfessionsbildung auf die Glaubens- und Lebenswelten der Kleinen Völker Ostmitteleuropas im 16. und 17. Jahrhundert gefragt werden. Insgesamt 18 Referentinnen und Referenten aus den Geschichts-, Kultur-, Literatur- und Sprachwissenschaften sowie aus der Theologie und der Kunstgeschichte widmen sich in ihren Vorträgen einerseits den Brüchen und langfristigen Entwicklungen im Gefolge der Reformation, andererseits aber auch den Kontinuitäten zwischen vor- und nachreformatorischer Zeit. Gefragt wird sowohl nach den Inhalten und Trägern des zeitgenössischen gelehrten Diskurses über Völker und Sprachen als auch nach dem Spannungsverhältnis von ständischer Ordnung, Ethnizität und Konfession in der Frühen Neuzeit. Ebenso behandelt werden die Rolle der evangelischen Geistlichkeit, die Anfänge volkssprachlicher Schriftlichkeit und Literatur, die Konfessionalisierung der Volkskultur sowie die kunst- und architekturgeschichtlichen Auswirkungen des Glaubenswechsels in Livland und der Lausitz.
Begleitend zur Konferenz ist im Dom St. Petri die Wanderausstellung „Reformation im östlichen Europa“ zu sehen.

Es wird keine Tagungsgebühr erhoben. Aus organisatorischen Gründen bitten wir Sie jedoch um vorherige Anmeldung per E-Mail bis spätestens 10. November 2017: reformation@serbski-institut.de

Programm

Donnerstag, 23.11.2017

Anreise

Ort: Festsaal des Sorbischen Museums auf der Bautzener Ortenburg

18:00
– Begrüßung
– Grußwort Christian Schramm (Sächsischer Kultursenat)
– Abendvortrag Dr. Stefan Donecker (Wien): Ethnizität im gelehrten Diskurs der Frühen Neuzeit

anschließend kleiner Empfang

Freitag, 24.11.2017

Ort: Kirchgemeindehaus der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri Bautzen

Moderation: Prof. Dr. Matthias Thumser

9:00–10:30
– Prof. Dr. Martin Leutzsch (Paderborn): Debatten um Bibelübersetzung in die Volkssprache im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit und die Politik der lutherischen Bibelübersetzungen in Europa
– Dr. Norbert Kersken (Marburg): Die Lausitzen und das Baltikum in der Frühen Neuzeit

10:30–11:00 Kaffeepause

11:00–12:30
– Dr. Gustavs Strenga (Riga): Constructed ethnicity? Non-Germans (Undeutsche) in Riga before and during the social and religious reform of the early sixteenth century
– Martin Christ (Oxford): Religion, Stand, Ethnizität. Die Lausitzer Sorben und die Reformation

12:30–14:30 Mittagspause

Moderation: Dr. Susanne Hose

14:30–15:00
– Dr. Madlena Mahling (Berlin/Dresden): Kontinuität und Wandel. Sorbische Seelsorge in Lübben im 15. und 16. Jahrhundert
– Lea Kõiv (Tallinn): Die Revaler Esten im Spiegel der Predigten und Aufzeichnungen des Diakons Georg Müller

16:00–16:30 Kaffeepause

16:30–18:00
– Dr. des. Friedrich Pollack (Bautzen): „ob penuriam pastorum vandalicorum vocatus“. Sozialstruktur und Nachwuchsrekrutierung der sorbischen evangelischen Geistlichkeit im 16. und 17. Jahrhundert
– Dr. Stefan Dornheim (Dresden): Zwischen den Kulturen. Das lutherische Pfarrhaus und die Anfänge volkskundlicher Forschungen in den sorbischen Gebieten

Samstag, 25.11.2017

Ort: Kirchgemeindehaus der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri Bautzen

Moderation: Dr. des. Friedrich Pollack

9:00–10:30
– Dr. Aivar Põldvee (Tallinn): Die Bibel, die Fibel und der estnische Buchstabenkrieg
– Dr. habil. Sonja Wölke (Bautzen): Obersorbische handschriftliche Agenden des 17. Jahrhunderts

10:30–11:00 Kaffeepause

11:00–12:30
– Jan Mahling (Bautzen): Sorbische geistliche Lieder des 15. und des 16. Jahrhunderts
– Prof. Dr. Māra Grudule (Riga): Protestant pastors and the development of Latvian spiritual poetry in the 16th century

12:30–14:30 Mittagspause

Moderation: Dr. Gustavs Strenga

14:30–16:00
– Dr. Susanne Hose (Bautzen): Mikławš, Bog und Dźećetko. Zur Transformation der vorweihnachtlichen Gabenbringer nach der Reformation in der Lausitz
– Dr. Manfred von Boetticher (Hannover): Bräuche und Aberglauben im Spiegel kurländischer Kirchenordnungen und Visitationsprotokolle

16:00–16:30 Kaffeepause

16:30–18:00
– Prof. Dr. Ojārs Spārītis (Riga): Architektonische Zeugnisse der Gegenreformation in Livland (1582–1621)
– Dr. Peter Knüvener (Zittau): Das Weiterleben der Heiligen in den Lausitzen in der Frühen Neuzeit

18:15–19:00
– Prof. Dr. Alexander Schunka (Berlin): Schlussbetrachtung

Kontakt

Friedrich Pollack

Sorbisches Institut/Serbski institut
Bahnhofstr. 6
02625 Bautzen

reformation@serbski-institut.de

Zitation
Reformation und Ethnizität. Sorben, Letten und Esten im 16. und 17. Jahrhundert, 23.11.2017 – 25.11.2017 Bautzen, in: H-Soz-Kult, 09.10.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-35307>.