Sakralität und Devianz: Konstruktionen. Normen. Praxis (Nachwuchsgespräche in Weingarten)

Ort
Weingarten (Oberschwaben)
Datum
25.04.2013
Veranstalter
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Referat Geschichte; in Kooperation mit dem DFG-Forschungsprojekt „Sakralität und Sakralisierung in Mittelalter und früher Neuzeit. Interkulturelle Perspektiven in Europa und Asien“, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Von
Larissa Düchting, Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Am 25. April 2013 fanden die diesjährigen Nachwuchsgespräche des Arbeitskreises für hagiographische Fragen in Zusammenarbeit mit der DFG-Forschergruppe 1533 „Sakralität und Sakralisierung in Mittelalter und früher Neuzeit. Interkulturelle Perspektiven in Europa und Asien“ in Weingarten (Oberschwaben) statt. Hierbei wurden aktuelle Arbeiten aus dem Bereich der Hagiographie vorgestellt. Da es sich um Nachwuchsgespräche handelte, war die Tagung thematisch offen.

Den Auftakt machte ANDREA BECK (Erlangen), die sich mit dem Libellus de sacramentis des Konrad von Mure auseinandersetzte. Sie stellte zunächst den Verfasser des Werkes vor, um dann den inhaltlichen Aufbau zu skizzieren. Der Text enthält eine ausführliche Beschreibung der Sakramente, wobei er in gereimten Hexametern verfasst wurde. Als Resultat ihrer Beschäftigung sind eine Edition des Werkes, sowie eine genaue Textanalyse zu erwarten.

Im Anschluss beschäftigte sich CHRISTIAN OERTEL (Jena) mit dem Kult Eriks von Schweden und der Transportierung dieses Kultes in den mittelalterlichen Medien. Hierfür stellte er zunächst die allgemeine Frage nach dem Aufkommen von Königsheilgen, das in die Merowingerzeit gesetzt werden kann. Die untersuchten Medien um den Kult Eriks zeigten auf, dass erst einige Zeit nach seinem Tode ein Kult feststellbar sei, wobei dieser nicht kontinuierlich gepflegt wurde, sondern lediglich die Region um Uppsala davon betroffen war. Erst im Laufe des 14. Jahrhundert habe er sich dann auch über ganz Schweden aus ausgebreitet und seinen Höhepunkt im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert erreicht.

Über die Entstehungsgeschichte der ersten Lebensbeschreibungen Ludwigs des Heiligen im Kloster Saint-Denis berichtete CAROLA FÖLLER (Tübingen). Hierbei stellte sie die Enseignements, also die Unterweisungen des Königs für seine Kinder, in das Zentrum ihrer Untersuchungen. Sie konnte feststellen, dass diese unterschiedlich in den Lebensbeschreibungen eingesetzt und dabei verschiedenen Umformungen unterzogen wurden. Entscheidend war, dass Föller zunächst den ursprünglichen Text ermittelte, um so die Veränderungen nachvollziehen zu können. Als Resultat konnte sie festhalten, dass die Unterweisungen je nach Heiligkeitskonzept des Textes in verschiedene Richtungen gingen.

Von LENA SOMMER (Hamburg) wurden Layout und Wissensvermittlung in zwei österreichischen Legendaren dargestellt. Hierbei befasste sie sich mit einem Legendar des Klosters Heiligenkreuz und einem des Klosters Zwettl, an denen sie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der buchmalerischen Gestaltung aufzeigte. Aufgrund der engen Verbindung zwischen diesen beiden Klöstern waren die Abweichungen des Klosters Zwettl für Sommer von besonderem Interesse. Produktionssituation und Herstellungsbedingungen, sowie die Vermittlungswege und Veränderungen der Rezeption haben die Weichen für eine Erklärung gestellt.

Der sakrale Aspekt der Herrschaft Karls IV. wurde von MARTIN BAUCH (Darmstadt) analysiert. Er ging zunächst auf die Totenrede des Erzbischofs Johann von Jenstein ein, worin er sieben Punkte nannte, warum man den Verstorbenen als heilig bezeichnen könnte. Davon ausgehend beschäftigte sich Bauch mit der sakralen Herrschaftspraxis des Luxemburgers. Hierbei konnte er aufzeigen, dass die Herrschaftspraxis teilweise kirchenrechtlich fragwürdig wirkte, allerdings in Kooperation mit dem Papsttum, beziehungsweise ohne Eingreifen von dieser Seite, vollzogen werden konnte.

Die thematische Offenheit der Konferenz spiegelte sich in der Vielfalt der einzelnen Beiträge wider. In drei Beiträgen konnte aufgezeigt werden, dass die Sakralisierung von Herrschern unterschiedlich vorgenommen und auch wahrgenommen werde konnte, wie die Beispiele um Erik von Schweden, Ludwig dem Heiligen und auch Karl IV. zeigten, was auch mit den historischen Rahmenbedingungen zusammenhängen mag, in denen der Kult um diese Personen versucht wurde. Die bildliche Darstellung von Heiligen entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter, was dazu führte, dass auch Klöster, die stark miteinander verbunden waren, unterschiedliche Bildtypen verwendeten. Die Bedeutung der Sakramente ist bis heute vorhanden, so dass es nicht verwundert, dass es immer wieder zu neuen Beschäftigungen mit diesem Themenfeld gekommen ist.

Konferenzübersicht

Andrea Beck (Erlangen): „Der Libellus de sacramentis des Konrad von Mure“

Christian Oertel (Jena): „Hagiografie und ihre Medien. Der Kult Eriks des Heiligen von Schweden und seine Transportierung in mittelalterlichen Medien“

Carola Föller (Tübingen): „Ein Blick in der Werkstatt. Die Entstehung der ersten Lebensbeschreibungen Ludwigs des Heiligen von Frankreich (1214-1270) im Kloster Saint-Denis“

Lena Sommer (Hamburg): „Layout und Wissensvermittlung in zwei österreichischen Legendaren (Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek, Csc. 11-14; Zwettl, Stiftsbibliothek, Cod. Zwetl. 13-15, 24)“

Martin Bauch (Darmstadt): „Heiligkeit vs. Auserwählung: Die sakralen Aspekte der Herrschaft Kaiser Karls IV. (1346-1378) zwischen Kanonisationsanspruch und kontrollierten Grenzüberschreitungen des Kirchenrechts“

Zitation
Tagungsbericht: Sakralität und Devianz: Konstruktionen. Normen. Praxis (Nachwuchsgespräche in Weingarten), 25.04.2013 Weingarten (Oberschwaben), in: H-Soz-Kult, 27.06.2013, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4895>.