Zwischen den Stühlen. Remigranten im unterhaltenden Musiktheater der fünfziger Jahre

Ort
Berlin
Datum
28.05.2010 - 29.05.2010
Veranstalter
Universität der Künste Berlin (Studiengang Musical/Show); Deutsches Musicalarchiv e.V.
Von
Dr. Wolfgang Jansen

Nach 1945 kamen zahlreiche Komponisten, Autoren, Darsteller, Verleger, Produzenten, Regisseure und Sänger, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder oppositioneller Haltungen nach 1933 ins Ausland geflohen waren, wieder in den deutschen Sprachraum zurück. Sie suchten nach den Entbehrungen des Exils an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen, fanden jedoch eine grundlegend veränderte Situation vor. Sie gerieten – bildlich gesprochen – zwischen die Stühle.

Bislang haben sich die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen nur am Rande mit dem Themenkomplex der Rückkehrer beschäftigt. Nach Jahren der außerordentlich ergiebigen Exil-Forschung beginnt sich die Fachwelt verstärkt der Rückkehr der Exilanten zuzuwenden. Das Beispiel der Komponisten, Librettisten und Theaterautoren des unterhaltenden Musiktheaters bietet sich hierfür im Besonderen an, da die Werke dieser Künstler (Schlager, Songs, Operetten) eng mit breiten Schichten der Gesellschaft verbunden sind, ohne dass die Namen der Künstler den selben Bekanntheitsgrad wie ihre Werke haben. Das Symposium will sich zum einen der ambivalenten Haltung der deutschen Bevölkerung gegenüber den Rückkehrern, zum anderen jener Gruppe von Berufskollegen zuzuwenden, die als „Gebliebene“ zu den Nutznießern der Vertreibung und Berufsverbote gehörten. Zum ersten Mal konzentriert sich die Forschung speziell auf die Gattung des unterhaltenden Musiktheaters. Die Ergebnisse der Tagung dürften sich aber in ihren grundsätzlichen Erkenntnissen auch auf andere Fachdisziplinen übertragen lassen.

Die Erinnerungen an die Remigranten und ihre Werke waren teilweise abgerissen. In den Spielstätten gab es jene Künstler und Intendanten, die aus Opportunismus oder Überzeugung im Lande geblieben waren und weitaus besser beruflich vernetzt waren als die Remigranten. Darüber hinaus hatten sich die Aufführungsbedingungen gegenüber der Weimarer Zeit entscheidend verschlechtert. Sie trafen zudem auf einen weiterhin bestehenden Antisemitismus, der nicht mehr so grell war wie vor 1945, doch ausreichend, um Abwehrhaltungen zu erzeugen. Dabei waren es gerade die aus den USA zurückkehrenden Emigranten gewesen, die am Broadway die Geburt der neuen, zukunftsträchtigen Form des unterhaltenden Musiktheaters erlebt hatten. Während somit auf der einen Seite an vielen Bühnen die alten Operetten, die in der NS-Zeit verboten wurden, wieder zur Aufführung kamen, gaben vielfach gerade die Remigranten die Impulse für eine Erneuerung. Ein konservativer Vergangenheitsbezug und ästhetische Innovationen bilden insofern eine kaum zu trennende Einheit.
Dieser Prozess durchzieht die ganzen fünfziger Jahre und prägt die Epoche. Sie ist insofern musik- und theatergeschichtlich eine Phase des Übergangs zwischen der NS-Operette, der Wiederentdeckung der ehemals verbotenen („jüdischen“) Werke und dem Aufbruch in die Moderne (dem Musical).

Die Veranstalter laden ausgewählte Wissenschaftler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ein. Hiermit folgt die Tagung der seit jeher bestehenden Praxis, im Theaterbereich den deutschsprachigen Raum als einheitlichen Rezeptionsraum zu sehen. Insbesondere bei den Exilanten ist der Blick nach Österreich und in die Schweiz unerlässlich, ließen sich doch eine ganze Anzahl Rückkehrer vorsorglich in der Schweiz nieder, obwohl sie durchweg an den Theatern in Österreich oder der Bundesrepublik arbeiteten.

Programme

Freitag, 28. Mai 2010

11:00 Uhr
Eröffnung
Prof. Peter Kock (Universität der Künste Berlin)
Dr. Wolfgang Jansen (Deutsches Musicalarchiv e.V.)

I. Zeitgeschichtliche Rahmenbedingungen, Produktionsstrukturen, Spielpläne

11:15 Uhr
Das andere Deutschland. Die Universalität der Kunst und die Unterhaltung

Beim Wiederaufbau Deutschlands nach Kriegsende 1945 kam den „Ewigkeitswerten“ deutscher Kultur eine Sonderrolle zu. Insbesondere die Musik galt als ein politisch unbelasteter Raum, der Versöhnung, Verständigung, wenn nicht gar den Wiederanschluss an die Weltgemeinschaft ermöglichen sollte. Dabei wurde, das legen erste Forschungsergebnisse nahe, das Verständnis von Musik als einem Medium der Vergangenheitspolitik von Remigranten wie Dagebliebenen gleichermaßen getragen. Für die Kultur der Unterhaltungsmusik und ihre Protagonisten allerdings schien in diesem diskursiven Feld von Anfang an kaum ein Platz vorgesehen. Der Vortrag unternimmt den Versuch, diese Situation anhand ausgewählter Quellen zu beschreiben und so die Unterhaltungsmusikkultur in der deutschen Nachkriegsmusikkultur zu verorten.

Referenten: Prof. Dr. Dörte Schmidt / Matthias Pasdzierny (Musikwissenschaftler, Forschungsstelle Exil und Nachkriegskultur, Universität der Künste, Berlin)

12:00 Uhr
„Ein österreichischer Konsul ruft an und fragt, ob ich am künstlerischen Wiederaufbau Österreichs mitarbeiten wolle.“ (Ralph Benatzky, 24. August 1945). Unterhaltungsmusik und -theater im Kontext der österreichischen Identitätspolitik nach 1945

Überblickt man die Geschichte des Theaters und der Musik in Österreich und hier insbesondere in Wien, so wird sich kaum eine Zeitspanne finden, in der diesen Künsten eine derart herausgehobene Funktion als Medien der Identitätsstiftung und -stabilisierung zugeschrieben wurde wie in den ersten Jahrzehnten der Zweiten Republik. Sie bildeten – als Ausdruck eines wesenhaft „Österreichischen“ – das ideelle Zentrum der Vorstellung einer „Kulturnation“, die es nach den Jahren des „Anschlusses“ an Nazi-Deutschland und angesichts der Besetzung durch die Alliierten (1945–1955) zu definieren und zu propagieren galt. Durch kollektives Verdrängen und Vergessen wurde es möglich, solche Künstler als Repräsentanten der „Kulturnation“ Österreich und der „Theater- und Musikstadt“ Wien zu begreifen, die zwischen 1938 und 1945, teilweise bereits vorher, verfolgt und vertrieben worden waren, ohne dass rückblickend eine Auseinandersetzung mit dieser Verfolgung notwendig geworden wäre – ebenso aber auch solche Künstler, die während der Zeit des Anschlusses wohlgelitten gewesen waren, ohne dass dies im neuen demokratischen Österreich hinterfragt worden wäre.

Referentin: PD Dr. Marion Linhardt (Theaterwissenschaftlerin, Universität Bayreuth)

12:45 Uhr
Kein Ort – nirgends. Die erfolgreiche Zerstörung einer Infrastruktur

Die Eliminierung des Privattheaters, in der NS-Zeit aus rassistischen Motiven und zum Zwecke der politischen Kontrolle herbeigeführt, zerstörte die infrastrukturellen Grundlagen des einst blühenden deutschsprachigen Operettentheaters. Übrig blieb ein demokratisches, öffentlich finanziertes Theatersystem, dessen kultureller Auftrag die Entwicklung des unterhaltenden Musiktheaters nicht mit einbezog – ein Umstand, der von den Remigranten aus der Ferne kaum verlässlich einzuschätzen war. Für sie hatten sich dadurch aber die Produktionsbedingungen entscheidend geändert. Wie sahen vor diesem Hintergrund die Spielpläne in den fünfziger Jahren aus? Welche Stoffe kamen auf die Bühne? Wer schrieb sie?

Referent: Dr. Wolfgang Jansen (Theaterwissenschaftler, Deutsches Musicalarchiv)

13:30 Uhr Mittagspause

II. Remigration / Remigranten 1

14:30 Uhr
Marcel Prawy – Opernführer und Musical-Fan

Marcel Prawy war bis über seinen 90. Geburtstag hinaus als „Opernführer der Nation“ in Österreich tätig. Und seine vielen Bücher, Zeitungsartikel, Fernsehsendungen und Radio-Features erklären seine unglaubliche Popularität, die sogar seinen reichen Nachlass vor der Entrümpelung rettete. Weniger bekannt ist aber der Umstand, dass Marcel Prawy einer der aktivsten Vorkämpfer des Musicals in Österreich war. Und diese Tatsache erklärt sich aus seiner Biographie: Er flüchtete als Sekretär von Jan Kiepura 1938 in die USA und kehrte 1945 als US-Kultur-Offizier nach Europa bzw. Österreich zurück. Und seit damals erklärte er die Oper, liebte die Operette und kämpfte für das amerikanische Musical. 1956 gab es dann mit „Kiss Me, Kate“ an der Volksoper einen ersten Meilenstein in diesem Bemühen.

Referent: Dr. Peter Dusek (Kulturjournalist, ORF Wien)

15:15 Uhr
Zwei Cowboys im Dreivierteltakt. Emmerich Kálmáns „Arizona Lady“ und der Versuch einer transatlantischen Nachkriegsoperette

Als Emmerich Kálmán nach der Emigration in den USA nach Europa zurückkehrte, wollte er dem Publikum (zusammen mit seinem Librettisten Alfred Grünwald) eine „Operette aus der Neuen Welt“ offerieren, die beweisen sollte, dass er in den Jahren in Amerika etwas dazu gelernt hatte. Heraus kam dabei das an „Oklahoma!“, „Texas Little Darling“ und andere Wild West-Stücken orientierte Cowboy-Opus „Arizona Lady“, doch zeigte man im deutschen Theater an der erneuerten transatlantischen, kosmopolitischen Operette kein Interesse. „Arizona Lady“ erlebte zwar 1954 ihre posthume Uraufführung beim Bayerischen Rundfunk und kurz darauf auf der Bühne in Bern, wurde danach aber vergessen.

Referent: Dr. Kevin Clarke (Operetta Research Center, Berlin/Amsterdam)

16:00 Uhr Kaffeepause

16:30 Uhr
Spötterdämmerung. Vom langen Sterben des großen, kleinen Friedrich Hollaender

Sie wurden nicht gebeten, schon gar nicht umworben, in ihre Heimat zurückzukehren, aus der man sie Anfang der dreißiger Jahre vertrieben hatte. Friedrich Hollaender, Schriftsteller, Komponist, Texter, Pianist, Theaterleiter, Regisseur, einer der ganz Großen der leichten Muse, war einer von ihnen. 1955 kam er nach langem Zögern in die Bundesrepublik zurück und versuchte in der Münchner „Kleinen Freiheit“ weiterzuführen, was er dreißig Jahre zuvor in Berlin begonnen hatte: seine „Revuette“, die kabarettistische, politisch-literarische Revue. Als er merkte, dass er bei einigem Erfolg doch ohne Wirkung blieb, gab er resigniert auf: „Clown, du hast deine Stellung verloren“, heißt es in einem seiner letzten Chansontexte, „sieh dich nach einer andern um.“

Referent: Volker Kühn (Kabaretthistoriker, Berlin)

17:30 Uhr – 19:30 Uhr Pause

19:30 Uhr
„Ein Herz sucht einen Parkplatz“
Eine musikalische Entdeckungsreise mit Studierenden des Studiengangs Musical/Show
Leitung: Prof. Peter Lund, Musikalische Leitung: Prof. Adam Benzwi

Anschließend: Get-together

Samstag, 29. Mai 2010

III. Remigration / Remigranten 2

11:00 Uhr
Wieder daheim! Die Rückkehr von Robert Stolz nach Wien

„Zweimal bekam mein Mann einen Oscar für Filmmusik“ – mit diesen Worten brachte Einzi Stolz die Zeit im amerikanischen Exil auf den Punkt, nachdem sie mit ihrem 65-jährigen Ehemann nach Wien zurück gekehrt war. Die Wahrheit war, dass Robert Stolz 1940 und 1944 für den Oscar in der Kategorie „Beste Filmmusik“ lediglich nominiert war. Damit begann die Legendenbildung um den Komponisten. In der Nachkriegszeit wurde Stolz von seiner Frau unter dem Etikett „Der letzte König der Wiener Operette“ herumgereicht, obwohl seine vor 1938 entstandenen Bühnenwerke bis auf die 1933 in Zürich uraufgeführte Operette „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ in den Fünfzigerjahren bereits vergessen waren, was Stolz gelegen kam. Nun konnte er seine Operetten aus den Zwanzigerjahren bearbeiten und in einer Zweitfassung erneut auf die Bühne bringen. Trotz seines zunehmenden Alters (er starb 1975 mit 95 Jahren) lief die Walzermaschine Robert Stolz auf vollen Touren und er brachte zwischen Trümmern und Wiederaufbau ein Stück heile Welt in die Theater und Lichtspielhäuser: Der Komponist tat so, als hätte es die Jahre zwischen 1938 und 1945 nie gegeben.

Referent: Jürgen Gauert (Kulturjournalist, WDR, Düsseldorf)

11:45 Uhr
Robert Gilbert oder Die Tragikomödie der Rückkehr

Die Kulinarisierung der Erotik war schon immer Arme-Leute-Poesie. Eine ganze literarische Tradition, die große epische Welt der ostjüdischen Dichtung, hat diese Verbindung geradezu thematisiert. Robert Gilbert, Enkel des Synagogensängers David Winterfeld und eifriger Besucher des von orthodoxen Juden bewohnten Scheunenviertels, übersetzte sie ins Berlinerische und ins Wienerische. Nicht zuletzt den von Gilbert eingefügten Parodien, Überspitzungen und demaskierenden Zitaten war es zu verdanken, dass schon „Im Weißen Rößl“, für das er die Liedtexte schrieb, sich über eine Vielzahl anderer Operetten erhob. Eine weitere, erst vom Nachkriegspublikum genügend nachempfundene Dimension des Stücks sind seine Dithyramben auf die Kochkunst, die die Konfektion, nach Adorno die „Ontologie der Operette“, abgelöst hat, nachdem es zur epochalen Erfahrung geworden war, nicht genug zu essen zu bekommen. Die Gourmandisepsalmen der Köchin, für „Feuerwerk“ hochdeutsch bearbeitet von Robert Gilbert, gehören zu den Höhepunkten der Komödie. Gilberts Nachkriegsschaffen, darunter auch seine zahlreichen Musicalübersetzungen, steht im Mittelpunkt des Vortrags.

Referent: Prof. Dr. Norbert Abels (Literaturwissenschaftler, Chefdramaturg der Oper Frankfurt/Main)

IV. Kontinuum / Gebliebene

12:30 Uhr
„Lieber Leierkastenmann...“ Willi Kollo, zwischen Kabarett und Musical

Werk und Leben der Gebliebenen liegen nach wie vor im Dunkeln. Nicht einmal die Namen der Komponisten und Autoren sind halbwegs geläufig. Von einer zufriedenstellenden Forschungslage ganz zu schweigen. Ob Fred Raymond, Friedrich Schröder, Ludwig Schmidseder, Will Meisel, Hermann Hermecke oder Heinz Hentschke – mehr als dürftige Informationen finden sich zu ihnen nicht. Zu den Gebliebenen gehört auch der Sohn des Komponisten Walter Kollo. Seit den frühen zwanziger Jahren schrieb und komponierte er für das Kabarett, die Revue, die Operette und den Film. Auch nach 1945 setzte er seine Arbeit fort – nun jedoch in einer Art Fundamentalopposition gegen die modernisierenden Impulse in Gesellschaft und Kultur: So schrieb er u.a. gegen die Existentialisten, aktualisierte seinen, die Vergangenheit verklärenden Hit „Lieber Leierkastenmann“ und brachte Ende der fünfziger Jahre mit „Wer hat Angst vor dem starken Mann?“ seine Vorstellungen von einem deutschen Musical auf die Bühne. Dauerhaften Erfolg hatte er damit jedoch nicht mehr. In den sechziger Jahren zog er sich weitgehend vom praktischen Theaterleben zurück.

Referent: Dr. Wolfgang Jansen (Theaterwissenschaftler, Deutsches Musicalarchiv e.V.)

13:15 Uhr Mittagspause

14:15 Uhr
Der Vielgeliebte: Nico Dostal

Der Österreicher, seit 1924 und in der ganzen Zeit des Dritten Reichs mit großen Erfolgen in Berlin residierend, nach 1946 in Wien und Salzburg lebend, ist auch heute noch nahezu unangefochten eine feste Größe im Operettentheater. Hier geht es nicht um eine Abrechnung, wohl aber um die Fragestellung, welche Inhalte und welche Wandlungen zum gleichbleibenden Respekt führ(t)en. In den Mittelpunkt gerückt: das „Großmächtige Spectaculum“ »Doktor Eisenbart«, 1952 in Nürnberg uraufgeführt.

Referent: Dr. Thomas Siedhoff (Theaterwissenschaftler, München)

15:00 Uhr
Broadway am Gärtnerplatz. Von der Staatsoperette zum Musical

Wie kein anderes Unterhaltungstheater in Nachkriegsdeutschland war das Münchner Gärtnerplatztheater Schauplatz der ästhetischen Veränderungen der Zeit. Wurde Anfang der fünfziger Jahre Remigranten wie Oscar Straus oder Erik Charell mit Uraufführungen die Möglichkeit gegeben, an ihre Vorkriegserfolge anzuknüpfen, versuchte seit 1955 Intendant Willy Duvoisin hier das Musical in Deutschland zu etablieren. Dass er damit ausgerechnet an die ästhetischen Bemühungen seines Vorgängers im Dritten Reich, Fritz Fischer, anknüpfte, ist die Ironie der Geschichte. Denn der hatte schon 1938 versucht, mit amerikanischen „Show-how“ der alten Staatsoperette auf die Sprünge zu helfen...

Referent: Dr. Stefan Frey (Theaterwissenschaftler, Ludwig-Maximilians-Universität München)

V. Gebrochene Traditionslinien in der praktischen Theaterarbeit

15:45 Uhr
"Was du ererbt von deinen Vätern – erwirb es, um es zu besitzen"

Aber dazu muss man erst einmal wissen, was denn da überhaupt vererbt worden ist. Die Quellenlage zu den so genannten 50iger Jahren ist beim Thema Operette und Musical erwiesenermaßen dünn, und da, wo der Faden der Tradition vermeintlich gerissen ist, klafft eine empfindliche Lücke, die viel Raum zu Spekulationen lässt: ist die Operette an künstlerischer Altersschwäche gestorben und wurde dem Musical sein Einzug in den deutschsprachigen Raum aus nationalen Gründen versagt, oder wurde eine vitale Gattung von einer noch vitaleren verdrängt?
Wie geht man darüber hinaus ganz praktisch mit den konfusen, widersprüchlichen und widerspruch-weckenden Traditionslinien im aktuellen unterhaltenden Musiktheater um? Betrachtungen aus der Sicht eines Autors und Lehrers am Studiengang Musical/Show der UdK Berlin.

Referent: Prof. Peter Lund (Leiter des Studiengangs Musical/Show an der Universität der Künste, Berlin)

16:30 Uhr Kaffeepause

16:45 Uhr
Fazit: Der Vorhang zu und alle Fragen offen? - Abschlussdiskussion

Es diskutieren: Prof. Peter Kock (Universität der Künste Berlin), Dr. Nils Grosch (Deutsches Volksliedarchiv, Freiburg i. Br.), Prof.Dr. Dörte Schmidt / Matthias Pasdzierny (Universität der Künste, Berlin), Prof. Dr. Norbert Abels (Oper Frankfurt/Main), Julia Gámez Martin (Studierende im Musicalstudiengang Musical/Show der UdK), Dr. Wolfgang Jansen (Deutsches Musicalarchiv e.V.)

Moderation: Stephan Kopf (Musik und Bühne, Wiesbaden)

18:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Kontakt

Weitere Informationen und kostenlose Anmeldung:
Deutsches Musicalarchiv
Vorsitzender: Dr. Wolfgang Jansen
Zum Langen See 41
D-12557 Berlin
Phone 030-64 89 79 2
info@deutsches-musicalarchiv.de

Zitation
Zwischen den Stühlen. Remigranten im unterhaltenden Musiktheater der fünfziger Jahre, 28.05.2010 – 29.05.2010 Berlin, in: H-Soz-Kult, 08.04.2010, <http://www.hsozkult.de/event/id/termine-13574>.
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Veröffentlicht am
08.04.2010
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