Archiv historischer EDV-Forschungsdaten (Zentrum für Historische Sozialforschung - Köln)

Von
Metz, Rainer

Archivierung von historischen EDV-Forschungsdaten durch das Zentrum für Historische Sozialforschung (ZHSF) schützt vor Datenverlust und sichert langfristige Verwertbarkeit

Das ZHSF wurde 1987 auf Empfehlung des Wissenschaftsrates in das Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung an der Universität zu Köln eingegliedert. Das Zentralarchiv ist ein Institut der GESIS (Gesellschaft sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen). GESIS ist Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL).

Eine der wichtigsten Aufgaben des ZHSF ist die Archivierung, Aufbereitung und Dokumentation maschinenlesbarer historischer Forschungsdaten mit dem Schwerpunkt Historische Sozial- und Wirtschaftsforschung. Damit ist sicher gestellt, dass dieses EDV-Material, das häufig unter großem finanziellen Aufwand aus den Archiven erhoben und aufbereitet wurde, für die wissenschaftliche Nutzung auch langfristig zur Verfügung steht. Diese Datensicherung ist gerade in einer Zeit, in der sich die EDV-technischen Bedingungen immer schneller ändern, von größter Bedeutung, will man verhindern, dass wertvolles Material verloren geht.

Neben der Archivierung der Daten wird vom ZHSF eine Dokumentation erstellt, die Entstehungszusammenhang und Inhalt der Studie dokumentieren. Damit ist eine problemlose spätere Verwendung dieser Daten gewährleistet. Auch die Überführung der Daten in allgemein zugängliche EDV-Formate (z.B.: Excel, SPSS) wird vom ZHSF übernommen. Dem Datengeber entstehen keine Kosten.

Auch nach Abgabe der Daten an das Archiv behält der Historiker die Kontrolle über seine Daten. Über jede weitere Nutzung kann er individuell entscheiden. Die Furcht des Historikers, dass er mit der Abgabe der Daten an das Archiv seine "Verfügungsmacht" über sie verliert, ist also völlig unbegründet.

Mit der Aufahme der Studie in den Online-Katalog des Archivs wird sie weltweit einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit vermittelt, wodurch die Studie eine zusätzliche Sichtbarkeit erhält.

Im ZHSF sind gegenwärtig annähernd 160 historische Studien (darunter auch sehr umfangreiche) archiviert, von denen ca. 140 Studien über eine standardisierte Kurzbeschreibung recherchierbar sind (www.gesis.org/Datenservice/Suche/Daten/index.htm). Ein Gesamtverzeichnis ist erhältlich, indem man dort im Feld "ZA Kategorie" den Text "Historische Sozialforschung" einträgt und im Feld "Trefferzahl" den Wert erhöht.

Im Folgenden seien einige historische Studien genannt, die in den letzten Jahren archiviert bzw. aufbereitet wurden: Studierendenstatistik (Titze, Göttingen), Medizinalstatistik (Spree, München), Historische Demographie (Imhof, Berlin), Wahlstatistik des Kaiserreichs (Schmädecke, Berlin) und der Weimarer Rebublik (Falter, Mainz), Daten zu Wachstum und Konjunktur in Deutschland von 1895 bis 1914 (Grabas, Saarbrücken) sowie zur Weimarer Konjunktur (Ritschl, Berlin). Folgende Datensätze werden z. Zt. bearbeitet: Wissenschaftsindikatoren (Pfetsch, Heidelberg), Währungen der Welt (Denzel, Leipzig) sowie die IAB-Innovationsindikatoren. Bei den genannten Studien handelt es sich um umfangreiche Datenbestände (allein die Studierendenstatistik umfasst mehr als 50.000 Zeitreihen), die nicht nur nach modernen Standards aufbereitet, sondern auch ausführlich beschrieben wurden.

Besonders zu erwähnen ist eine in 2002 realisierte Datenbank zur Historischen Statistik von Deutschland im Internet (www.histat.gesis.org), die gegenwärtig u.a. die Studierendenstatistik mit mehr als 50.000 Zeitreihen enthält. Die Datenbank ermöglicht dem Nutzer nicht nur die gezielte Recherche nach einzelnen Variablen, sondern auch die Auswahl und den Download ausgewählter Daten. Es ist geplant, sowohl alle im ZA/ZHSF archivierten Zeitreihen-Daten, als auch die bislang von der Forschung aufbereiteten, aber noch nicht an das Archiv abgegebenen Datensätze der Historischen Statistik in diese Datenbank zu integrieren.

Ein wichtiges Anliegen ist auch die Aufbereitung und Edition historischer Sozialindikatoren für Deutschland von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Anlehnung an das von ZUMA angebotene digitale System sozialer Indikatoren für die die BRD (DISI). Für das Thema "Bevölkerung" konnten die entsprechenden DISI-Indikatoren bereits in die Zeit vor 1950 zurück verlängert werden. Für andere Themen, wie z.B. "Arbeitsmarkt und Beschäftigung" und "Bildung" sollen die entsprechenden Indikatoren noch aufbereitet werden.

Die Erträge zur historischen Parlamentarismus-/Biographieforschung werden zur Zeit in Form von zwei Online-Datenbanken zur Nutzung angeboten. Die Datenbank "Sozialdemokratische Parlamentarier 1867-1933" (biosop.zhsf.uni-koeln.de) enthält 2.427 Biographien. Die Datenbank soll um Fotos und ausgewählte Reden der Abgeordneten zu einer multimedialen Datenbank erweitert werden. Die Datenbank "Deutsche Landtagsabgeordnete 1918-1933" (hsr-trans.zhsf.uni-koeln.de/quantum/bioweil/) enthält einen biographischen und parlamentarischen Index von 6.230 Abgeordneten der Weimarer Republik. Beide Datenbanken ermöglichen die gezielte Recherche nach einzelnen Abgeordneten und die Selektion nach ausgewählten Merkmalen.

Kontakt

Ihr Gesprächspartner am ZHSF ist:

Prof. Dr. Rainer Metz
Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung
an der Universität zu Köln, Abt. ZHSF
Liliencronstr. 6
D-50931 Köln

Tel. (0) 221 47 694-36; Sekr. - 34
Fax: (0) 221 47 694-55
E-Mail: metz@za.uni-koeln.de
Internet: http//www.gesis.org/za

Zitation
Archiv historischer EDV-Forschungsdaten (Zentrum für Historische Sozialforschung - Köln), in: H-Soz-Kult, 24.04.2003, <http://www.hsozkult.de/webnews/id/websites-101>.
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Veröffentlicht am
24.04.2003
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