T. Harris u.a. (Hrsg.): Final Crisis of the Stuart Monarchy

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Titel
The Final Crisis of the Stuart Monarchy. The Revolutions of 1688–91 in their British, Atlantic and European Contexts


Hrsg. v.
Harris, Tim; Taylor, Stephen
Erschienen
Woodbridge 2013: Boydell & Brewer
Umfang
315 S.
Preis
€ 84,04
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Nina Schweisthal, Fachbereich III – Geschichte, Universität Trier

In den vergangenen rund 15 Jahren ist die Forschung zur Geschichte der Britischen Inseln in der Frühen Neuzeit substanziell bereichert worden. Zum einen wurde der lange Zeit in der Geschichtswissenschaft vorherrschende Anglozentrismus weithin durch einen breiteren Blickwinkel ergänzt, der die gemeinsame britische Geschichte Englands, Schottlands und Irlands berücksichtigt und diese auch in ihre internationalen, allen voran europäischen oder atlantischen Kontexte einzuordnen sucht. Zum anderen zeigt sich für das 17. Jahrhundert ein zunehmendes Interesse an der im Vergleich zur Puritan Revolution bisher eher vernachlässigten und in ihrer revolutionären Bedeutung hintangestellten „Glorreichen Revolution“ von 1688/89[1], das eine Reihe neuer Publikationen hervorgebracht hat.[2]

Zu diesen ist auch der im Jahr 2013 von Tim Harris und Stephen Taylor herausgegebene Sammelband zu zählen, der sich aufgrund seines Themenspektrums an eine breitere Leserschaft richtet und auch in der universitären Lehre Verwendung finden soll (S. vii). Unter der Sammelbezeichnung einer „letzten Krise der Stuart-Monarchie“ behandelt er nicht nur die Glorious Revolution in England, sondern auch deren Auswirkungen auf Schottland, Irland, Europa und die Atlantische Welt. Die Prämisse des Bandes besteht darin, dass die Ereignisse Ende der 1680er-Jahre einen entscheidenden, revolutionären Moment in der Geschichte Großbritanniens bedeuteten (S. 273f.). Um die Vorgeschichte und Folgen der Revolution angemessen darstellen zu können, decken die einzelnen Beiträge den größeren Zeitraum von der Stuart-Restauration im Jahr 1660 bis ins 18. Jahrhundert hinein ab und konturieren neben der politischen insbesondere auch die Ideengeschichte (S. viif.).

Das erste Kapitel dient anstelle einer Einleitung als historiographischer Überblick über die Revolution. In diesem überprüft Lionel K. J. Glassey, ob bisher gängige Attribuierungen wie zum Beispiel glorious, bloodless oder conservative die komplexen Vorgänge von 1688/89 angemessen charakterisieren (S. 1). Das bereits zeitgenössische Adjektiv „glorreich“ wird dabei als nahezu untrennbar mit der Revolution verbundenes Epitheton herausgearbeitet (S. 32). Auf das einleitende Kapitel folgen jeweils zwei Artikel zu den englischen, schottischen, irischen und internationalen Kontexten der Glorious Revolution. Angeschlossen werden ein Beitrag zum Nachwirken der Revolution im Großbritannien des 18. Jahrhunderts sowie ein ausführlicheres Nachwort des Mitherausgebers Stephen Taylor.

Der zweite und dritte Beitrag setzen sich zum Ziel, die ideengeschichtlichen Grundlagen der tories sowie der whigs zu umreißen. In Mark Goldies Artikel zum „Pulpit Toryism“ wird die Verurteilung der Monmouth-Rebellion in Predigten vom Juli 1685 behandelt, da speziell diese Quellen Rückschlüsse auf die Ideenwelt der dem absoluten Königtum zugewandten tories erlauben (S. 35). John Marshalls Beitrag hingegen widmet sich dem Gedankengut der whigs und legt dar, dass sich dieses insbesondere aus der Verteidigung von liberty gegen slavery konstituierte und die Diskussion um Herrschaft, Politik, Religion und Ehe zwischen den Jahren 1688 und 1691 maßgeblich mitbestimmte (S. 69).

Das Königreich Schottland und dessen Vorgeschichte der Revolution finden in den beiden nachfolgenden Kapiteln eingehendere Betrachtung. Alasdair Raffe widmet sich im vierten Artikel einer ausführlicheren Untersuchung der Gründe für das durch die Revolution bedingte Scheitern des Episkopalismus. Diese werden in einer der schottischen Bischofsherrschaft inhärenten Brüchigkeit sowie der Stärke presbyterianischen Widerstandes gegen das Restoration Settlement gesucht (S. 89). Im fünften Beitrag legt der Mitherausgeber Tim Harris dar, dass die politischen Entwicklungen in England von 1660 bis 1688/89 nur vor ihrem komplexen britischen, das heißt die Geschichte aller drei Königreiche berührenden Hintergrund vollauf verstanden werden können. Seine These begründet er damit, dass die größte Herausforderung für Karl II. und Jakob II. in der Herrschaft gleich über drei Reiche bestanden und eben diese Aufgabe einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die englischen Vorgänge genommen habe (S. 110f.).

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit Irlands „Restoration Crisis“. Unter diesem Aspekt geht John Gibney der Frage nach, inwiefern die primär durch die militärische Eroberung Oliver Cromwells bedingten institutionellen, politischen, religiösen und sozialen Spannungen ihre Durchschlagskraft in den 1660er- und 1670er-Jahren bewahrten und letztlich die Grundlage bildeten für die Auswirkungen der „Glorreichen Revolution“ auf Irland (S. 135). Toby Barnard beleuchtet im siebten Kapitel die Bedeutung, die die irischen Katholiken der Rückgewinnung insbesondere der Stadtverwaltung und des Kirchenbesitzes 1688–1691 beimaßen. Verbunden hiermit analysiert er die aus dem allmählichen Wiedererstarken der Katholiken hervorgehende zunehmende Besorgnis auf Seiten der Protestanten (S. 158f.).

Die beiden nachfolgenden Artikel thematisieren die internationalen Auswirkungen der „Glorreichen Revolution“. Anhand eines Vergleichs zwischen Barbados, New England und Chesapeake untersucht Owen Stanwood im achten Beitrag den Zusammenhang von Gerüchten und Aufständen anlässlich der Glorious Revolution in den englischen Atlantik-Kolonien (S. 190). Im Zentrum von Tony Claydons Beitrag steht die in erster Linie durch den Herrschaftswechsel bewirkte Veränderung in der englischen Außenpolitik. Allen voran die permanente Kriegsführung gegen Frankreich wird hier als Ursache für eine vermehrte und auch dauerhafte Einmischung Englands und ab 1707 Großbritanniens auf dem europäischen Kontinent ausgearbeitet (S. 219f.).

Das zehnte Kapitel behandelt das Nachwirken der Revolution im Großbritannien des 18. Jahrhunderts. Gabriel Glickman erforscht für die Zeit zwischen 1689 und 1745 nicht nur die aus der Retrospektive formulierte Kritik an der Glorious Revolution, sondern auch die aus der Unzufriedenheit mit den Ergebnissen von 1688/89 erwachsenen politischen Konflikte (S. 244). Eine stimmige Abrundung findet der Sammelband mit dem resümierenden und zugleich ausblickartigen Nachwort des Mitherausgebers Stephen Taylor, das die einzelnen Beiträge in einen komplexen Gesamtzusammenhang einordnet und ihnen in ihrer Summe einen gemeinsamen Interpretationsrahmen bereitstellt. Letzterer wird in einem sich zwischen dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert vollziehenden Wandel der englischen politischen Kultur und des englischen Staates begründet (S. 274).

Wie die Behandlung der einzelnen Beiträge zeigt, folgt der Sammelband dem integrativen Ansatz einer „New British History“. Das von den Herausgebern in diesem Sinne bewusst gewählte „de-centring of England“ (S. viii) gibt den Autoren die Möglichkeit, die britischen, europäischen und atlantischen Kontexte der Glorious Revolution herauszuarbeiten. Die allen Beiträgen zugrundeliegende gemeinsame Prämisse der Revolution als entscheidender Moment in der Geschichte Großbritanniens kann dabei als Reaktion auf die revisionistische Historiographie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (J. R. Jones, J. R. Western) gelesen werden. Der Ansatz des Sammelbandes stellt zwar insgesamt keine Innovation im engeren Sinne dar, wohl aber vermag er aufgrund seiner thematischen, räumlichen, zeitlichen und methodischen Breite einen Überblick über aktuelle Tendenzen und neue Perspektiven in der Erforschung der frühneuzeitlichen Geschichte Großbritanniens zu liefern. Die Arbeit sowohl mit bekanntem als auch neuem Quellenmaterial unter Berücksichtigung integrativer Fragestellungen zeigt, dass das Forschungspotential der „Glorreichen Revolution“ noch lange nicht erschöpft ist und sich weiterhin zu entdecken lohnt.

Anmerkungen:
[1] Stephen Taylor weist in seinem Nachwort darauf hin, dass die beiden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblichen Werke zur Revolution von J. R. Jones und J. R. Western die Bedeutung von 1688/89 herunterspielten, teilweise als bewusste Reaktion auf den „English exceptionalism“ bei G. M. Trevelyan (S. 273f.). Siehe hierzu: J. R. Jones, The Revolution of 1688 in England, New York 1972; J. R. Western, Monarchy and Revolution. The English State in the 1680s, London 1972; G. M. Trevelyan, The English Revolution 1688–1689, London 1938.
[2] Zu nennen sind beispielsweise die beiden neueren, den revolutionären Charakter der Ereignisse von 1688/89 bekräftigenden Überblickswerke: Tim Harris, Revolution. The Great Crisis of the British Monarchy. 1685–1720, London 2006; Steve Pincus, 1688. The First Modern Revolution, New Haven 2009.

Zitation
Nina Schweisthal: Rezension zu: Harris, Tim; Taylor, Stephen (Hrsg.): The Final Crisis of the Stuart Monarchy. The Revolutions of 1688–91 in their British, Atlantic and European Contexts. Woodbridge 2013 , in: H-Soz-Kult, 17.03.2015, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-22705>.
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17.03.2015
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