Medienereignisse und Performativität in der Neuzeit

Ort
Gießen
Veranstalter
Frank Bösch, Patrick Schmidt, in Verbindung mit dem DFG-Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“, Justus-Liebig-Universität Gießen
Datum
20.06.2008 - 21.06.2008
Von
Christoph Hilgert, Florian Schnürer, Justus-Liebig-Universität Gießen

Die Ausrufung des so genannten „performative turn“ in den Kulturwissenschaften wirkte sich innerhalb der Geschichtswissenschaft bislang vor allem auf die Bearbeitung von inhaltlich naheliegenden Aspekten der Geschlechtergeschichte und der – oftmals (erinnerungs-)politischen – Fest- und Ritualkultur aus.[1] Ohne den sprachwissenschaftlich zunächst eher eng gefassten und dann seitens der Kulturwissenschaften zum Vieles überspannenden „umbrella term“ modifizierten Begriff der Performanz überstrapazieren zu wollen, erscheint es produktiv zu fragen, inwieweit dieser Zugang auch für die Bearbeitung mediengeschichtlicher Themenstellungen von Wert sein kann. Der Reiz einer solchen Perspektive wurde bislang insbesondere durch die Arbeiten von Sybille Krämer zur medialen Performanz unterstrichen.[2]

Vor diesem theoretischen Hintergrund bewegten sich die Vorträge, Kommentare und Diskussionsbeträge der Gießener Tagung „Medienereignisse und Performativität in der Neuzeit“. Im Mittelpunkt stand die exemplarische Analyse von Performanz und Medialität anhand von einzelnen historischen Medienereignissen, wie sie derzeit insbesondere am DFG-Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“ in Dissertations- und Habilitationsprojekten untersucht werden. Die Vorträge bauten in historischer Perspektive aufeinander auf, um die zeitspezifischen Konstellationen des Zusammenspiels von Performanz und Berichterstattung systematisch herausarbeiten zu können.

Auch wenn sich der Begriff der Medialität auf den ersten Blick Performanz-Ansätzen zu entziehen scheine, weil diese bislang vor allem mit der „leiblichen Präsenz bei Handlungen“ verbunden würden, spreche vieles dafür, so FRANK BÖSCH (Gießen) in seinem Einführungsvortrag, die performativen Aspekte von Medienereignissen in den Blick zu nehmen. Medienereignisse wiesen nämlich sehr wohl eine „performative Dimension“ auf, da publizistische Medien nicht einfach nur Ereignisse abbildeten, sondern auch entscheidend zu deren „Kreation und Deutung“ beitrügen und somit spezifische (Medien-)Realitäten konstruierten. Die „leibliche Präsenz“ von Journalisten, die auch als stellvertretende Präsenz der Mediennutzer verstanden werden könne, würde „in actu Äußerungen, Handlungen und deren Deutung“ bereits vor Ort prägen. Die Kenntnis oder die bloße Annahme einer zeitgleichen (d.h. „live“) oder zeitverzögerten, späteren medialen Darstellung könne zu (medienkompatiblen) Veränderungen des performativen Aktes führen.[3] Zudem transformierten Medien durch ihre spezifischen Darstellungsformen komplexe Entwicklungen in verdichtete Handlungen und Ereignisse; aus deren Ablauf würde sich wiederum eine Deutung über die Gesamtentwicklung ergeben. Last but not least, lasse sich auch die Aneignung medial präsentierter Ereignisse in Anlehnung an entsprechende theoretische Überlegungen etwa der Cultural Studies als performativer Akt untersuchen, der in spezifischen Situationen der Rezeption wiederum Handlungen und Wahrnehmungen generiere. Aus diesen Überlegungen leitete Bösch fünf Leitfragen ab: Inwieweit und auf welche Weise generieren Medien bereits während des Ereignisses Praktiken und Deutungen? Mit welchen Zitationen und Vergleichen, eingeübten Praktiken und Verweisen wurde gearbeitet, um die notwendige Einmaligkeit der Performanz zu verdeutlichen und zugleich ritualisiert an bestehende Deutungen anzuknüpfen? Inwieweit hatten die Mediennutzungen und -aneignungen performativen Charakter? Inwieweit generierten die Medienereignisse durch ihre Aktualisierung von Zuschreibungen Machtstrukturen bzw. Inklusionen oder Exklusionen? Inwieweit veränderten neue Medientechniken die Performanz?

Die argumentative Stoßrichtung der Tagung wurde durch den Eröffnungs-Vortrag von PATRICK SCHMIDT (Gießen) über „Die Zurschaustellung körperlicher Alterität und die Publizistik zwischen 1600 und 1850“, in der sich verschiedene religiöse, medizinische und sozialpolitische Diskurse über körperliche Behinderungen verdichteten, anhand einer konkreten Fallstudie nochmals verdeutlicht. Die analytische Perspektive der Performativität könne auf drei Ebenen fruchtbar gemacht werden: Erstens seien die frühneuzeitlichen Zurschaustellungen missgebildeter Menschen als Performanzen zu verstehen; zweitens könne untersucht werden, was dadurch performativ, z.B. in Verbindung mit den kurz skizzierten zeitgenössischen Diskursen, hervorgebracht wurde; drittens könne untersucht werden, in welcher Weise (Print-)Medien wie Flugblätter oder Zeitungen die Schaustellungen nicht einfach nur repräsentierten, indem sie über sie berichteten (und zum Medienereignis machten), sondern sie ausdeuteten und insofern selbst wieder performativ wirkten. Die Schwierigkeiten, den Prozess der Aneignung entsprechend zu untersuchen, unterstrich auch CLAUDIA WEHNER NÄFFs (Zürich) Beitrag über die Halsbandaffäre 1785 in Schweizer Volkskalendern. JÜRGEN WILKE (Mainz) stellte in seinem Kommentar zum Panel die Frage, ob die Zurschaustellungen überhaupt als Medienereignisse gedeutet werden könnten.

Wichtig für den weiteren Verlauf der Diskussion war die im Vortrag von SUSANN TRABERT (Gießen) über „Die ersten missglückten Ballonaufstiege als diachron-konfliktäre Medienereignisse (1784-1786)“ vorgestellte Unterscheidung der medialen Ereignis-Inszenierung in eine kommunikative Präkonstruktions-, Durchbrechungs- und eine Postkonstruktionsphase. Im konkreten Fall bestand ein Spannungsverhältnis zwischen der medialen Prä- und Postkonstruktion, da die von den Medien vorab erzeugten Erwartungen über den Ablauf von Ballonfahrten durch deren Scheitern nicht erfüllt wurden und medial umgedeutet werden mussten. Im folgenden Vortrag arbeitete ROLF REICHARDT (Gießen) den performativen Charakter der französischen Bildpublizistik nach der Revolution von 1789 heraus. Die Flugblätter stellten „tatsächliche symbolische Akte mit Aufführungscharakter“ dar, teils in verdichteter Form, teils inspirierten sie solche Akte agitatorisch oder prägten sie visuell vor. Kommentator HANS-JÜRGEN LÜSEBRINK (Saarbrücken) mahnte in beiden Fällen eine stärkere Einbeziehung der Produzenten- und Rezipientenebene in die Betrachtung der Zeitungsberichte und Flugschriften an, um dem jeweils spezifischen Kontext der medialen Ereignis-Konstruktion näher zu kommen.

In der dritten Sektion ging es darum, welche Rolle Medien bei der Bildung von Gemeinschaften spielten und wie das Spannungsverhältnis der Nation gegenüber größeren und kleineren Entitäten sichtbar gemacht werden könne. THORSTEN GUDEWITZ (Gießen) zeigte in seinem Vortrag über die Schillerfeiern 1859 auf, in welchem Maße Zeitungen anlässlich der Feiern zum 100. Geburtstag Friedrich Schillers das Ideal eines gemeinsamen und synchronen Festraums konstruierten und auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur deutschen Nationsbildung leisteten. Ein Befund, den MEIKE HÖLSCHER und JAN RUPP (Gießen) anhand der Thronjubiläen Queen Victorias durchaus bestätigten. Sie arbeiteten heraus, dass das britische Empire gewissermaßen nur in zeitgenössischen Performances und der daran anknüpfenden Erinnerungsimagination, im Sinne einer „medialen Bewahrung der performance“ existierte. DOMINIK GEPPERT (Berlin/ Marburg) erinnerte in seinem Kommentar daran, dass eine Inklusionsleistung zugleich auch immer Exklusion bedinge. Zugleich meldete er Zweifel an, ob das Konzept der Performativität in beiden Vorträgen nicht überstrapaziert werde. Geppert bemängelte, dass das Zusammengehen von Performativität und Medialität, insbesondere hinsichtlich der Fragen nach der körperlichen Präsenz von Journalisten oder der Verbindung zur Erinnerungskultur weitgehend im Vagen geblieben sei. Er sprach sich zudem für eine stärkere Einbeziehung des jeweiligen (journalismus-)geschichtlichen Kontextes aus.

Einen wichtigen Einblick in die Untersuchung performativen Handelns bot KAI NOWAKs (Gießen) Vortrag über „Protestartikulation im Kino zu Zeiten der Weimarer Republik“. Wie Nowak überzeugend darstellte, hatte sich in dieser Zeit eine regelrechte „Protestkultur“ entwickelt, in der sich etwaiger Widerwillen gegen einen Film aktiv ausdrücken konnte. Dieser „Kinemaklasmus“ reichte vom Auspfeifen oder dem Aussetzen weißer Mäuse über das Aufschlitzen der Leinwand (als hochgradig symbolischem Ort) bis hin zur Zerstörung des Filmes im Projektor selbst. Dabei habe es keine Rolle gespielt, dass das Medium Film eigentlich immun gegen Störungseinschreibungen sei, weil Filme „als technisch reproduzierbare Objekte ersetzbar sowie dem unmittelbaren Zugriff protestierender Zuschauer entzogen“ seien. Dass Medien wiederum selbst Proteste mitinszenieren können, zeigte der Vortrag von KATHRIN FAHLENBRACH (Halle) am Beispiel „1968“. Wie Fahlenbrach exemplarisch nachwies, war die mediale Inszenierung dabei teilweise sogar der gelebten revolutionären Praxis voraus. Daran werde deutlich, in welchem Maße sich Medienakteure und die sog. „68er“ gegenseitig benutzten. Fahlenbrach schloss, dass „in der medialen Re-Inszenierung der Proteste um ’68 ein Medienimage der revoltierenden Jugend“ entstand, das „die hedonistischen Lebensstile und Körperbilder der Protestbewegung stilisiert, ereignishaft verdichtet und global verbreitet“ habe. IRMELA SCHNEIDER (Köln) warb in ihrem Kommentar unter anderem dafür, weitere zeitgenössische Formen der Körperinszenierung (z.B. in Horror- oder gar Pornofilmen) in die Erforschung der Protestkultur der 68er einzubeziehen. Nowaks Beitrag wertete sie als wichtiges Plädoyer für eine noch ausstehende Mediengeschichte des Protests. Zudem wies sie auf Kontinuitäten zu Formen des Theaterprotestes hin. THOMAS MERGEL (Berlin) machte angesichts der Protestkultur im Kino auf eine gewisse Paradoxie aufmerksam: einerseits könne die Leinwand zwar aufgeschlitzt werden, andererseits würden die Schauspieler dadurch aber nicht körperlich verletzt. In gewissem Sinne habe es sich also um „Abwesenheitskommunikation“ gehandelt, die durch einen performativen Akt überbrückt wurde.

RENÉ SCHLOTT (Gießen) zeigte in seinem Vortrag „Performanz der Sterblichkeit – Der Tod Pius‘ XII (1958) als Medienereignis“ im Vergleich zu früheren Fällen Abweichungen in den Ritualen rund um den Papsttod auf, wobei er sich an Arnold van Genneps Drei-Phasen-Schema mit Trennungs-, Übergangs- und Wiederangliederungsriten anlehnte.[4] Schlott betonte vor allem die Rolle von Radio Vatikan, dessen Berichterstattung zu einem Teil der Inszenierung des Papsttodes wurde, indem der Sender „über eine ‚Radiobrücke’ die Distanz zwischen dem sterbenden Kirchenoberhaupt und den Gläubigen aufhob.“ Gleichzeitig betonte er, dass Rituale Öffentlichkeit bräuchten und die Kurie diesem Ansinnen durch die feierliche Aufbahrung des Papstes im Petersdom Rechnung trug. In ihrem Beitrag „Bunter – telegener – interaktiver?“ analysierte EVA MODREY (Gießen) die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München als einen performativen Akt, der von der Beteiligung des Stadionpublikums ebenso geprägt wurde wie durch die mediale Vervielfältigung des Publikums und die sich daraus ergebenden Rückwirkungen. Zugleich unterstrichen die Fernsehjournalisten gegenüber ihrem Publikum den „Live-Charakter“, die größere Nähe und bessere Perspektive der Kamera zum Geschehen, um die mediale Partizipation gegenüber der Performanz im Stadion nicht als defizitär erscheinen zu lassen. JÜRGEN MARTSCHUKAT (Erfurt) wies als Kommentator darauf hin, wie zentral das Verhältnis von Aufführung und Wahrnehmung sei. Die Performance könne nur durch das Zusammenwirken von Aufführenden und Publikum gelingen und Bedeutung generieren.[5] Dabei seien das Ereignis und dessen Wahrnehmung notwendig medial zu denken, betonte er mit Rückgriff auf den Ansatz Sybille Krämers. Allerdings dürfe von der Inszenierung nicht auf die tatsächliche Bedeutung geschlossen werden.

Abschließend untersuchte MAREN RÖGER (Gießen) die Vertreibung der Deutschen als Thema im deutschen und polnischen Boulevardjournalismus (ab 1989), wobei sie verdeutlichte, dass Medien das Ereignis nicht einfach nur abbildeten, sondern durch eine emotionalisierende Berichterstattung auch auf die Ausgestaltung der nationalen Erinnerungskultur(en) Einfluss nahmen. Sie lieferten sich, so Röger, tatsächliche Deutungskämpfe, wenn es darum ging, die Leiden „der Polen“ und „der Deutschen“ in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und danach aufzurechnen. Wie Röger nachweisen konnte, bestand seitens der Massenmedien in beiden Ländern nach 1990 zunächst kein Interesse an dem Themenkomplex „Vertreibung“. Erst Ende der 1990er-Jahre weckte die polnische Zeitung „Super-Express“ Ängste vor einer Rückkehr der ehemals vertriebenen Deutschen und schürte ein Szenario der Bedrohung und Empörung, das auf deutscher Seite aufgegriffen und weitergeführt wurde. Dadurch wurde insbesondere in Polen eine Atmosphäre aus Ressentiments und Misstrauen geschaffen, die teilweise auch in der Gegenwart noch spürbar sei. THOMAS MERGEL (Berlin), der mit seinem Kommentar zugleich zur Abschlussdiskussion überleitete, unterstrich, wie wichtig gerade auch in diesem Fall die Betrachtung spezifischer Medienlogiken sei, um zu verstehen, was passiere. Allerdings äußerte er Zweifel hinsichtlich der Anwendbarkeit des Performanzkonzeptes auf Rögers Fallbeispiel, da hier Zeitungen und keine Menschen miteinander diskutierten. Somit ginge es in dem Beitrag eher um Interpretationen davon, was in der Zeitung stehe. Zugleich stellte Mergel in Frage, dass alle Sprechakte generell performativ sein könnten. Jürgen Martschukat und Susann Trabert wiesen jedoch darauf hin, dass ein und dieselbe Aussage in verschiedenen Kontexten durchaus in unterschiedlicher Weise performativ wirken könne.

Generell wurde im Verlauf der Tagung immer wieder Skepsis gegenüber einer allzu freimütigen Annahme performativer Wirkungsweisen bei Medientexten deutlich. Man solle sich davor hüten theoretische „Pappkameraden“ aufzubauen (Mergel), wenn das Untersuchungsdesign nicht wesentlich über eine Medieninhaltsanalyse hinausgehe oder wenn man auch von Handlungs- und Deutungsketten sprechen könne. Zudem bestehe ein grundlegendes methodisches Problem darin, dass die Performanztheorie davon ausgehe, dass „Bedeutung im Augenblick des Äußerns, Aufführens oder Sich-Verhaltens selbst hervorgebracht, also stets neu in actu, im Zusammenspiel aller Beteiligten generiert“ werde. Entsprechend müsse der Historiker „den Gegenstand seines Interesses mit Hilfe seiner ‚Quellen‘ erst (re)konstruieren“.[6] Anregend war die Erkenntnis, dass es unter bestimmten Bedingungen durch die Medialisierung performativer Akte zu einer Vervielfältigung der Performanz kommt – was wiederum auf ein zentrales Charakteristikum von Medienereignissen verweist. Der Mehrwert einer Verknüpfung von Mediengeschichtsschreibung und Performanztheorie könnte, wie Frank Bösch zum Abschluss noch einmal bilanzierte, also vor allem in der Fokussierung auf körperliche Aspekte der medialen Präfiguration bestimmter performances sowie der Mediennutzung liegen. Eine zentrale Voraussetzung für die weitere Arbeit dürfte indes – wie u.a. von Martschukat und Mergel wiederholt eingefordert wurde – eine klare Unterscheidung der Begriffe Performanz und Performativität sein. Mit Doris Bachmann-Medick bleibt zu konstatieren, dass die Performanztheorie – gerade auch in ihrer Verknüpfung mit Fragen der Medialisierung – ein „weites Anwendungsfeld“ gerade auch für die „kulturwissenschaftliche Analyse überlagerter und fragmentierter Lebensweisen“ eröffnet, „die jedenfalls nicht mehr bruchlos in einen integrativen Kulturzusammenhang einzubinden sind.“[7] Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist beabsichtigt.

Konferenzübersicht:

Einführung:
Prof. Dr. Frank Bösch (Gießen): Medienereignisse und Performativität in historischer Perspektive.

Panel 1: Spektakel und Sensationen in der Frühen Neuzeit
Dr. des. Patrick Schmidt (Gießen): „Near Charing Cross […] is to be seen the wonder of this present age.“ Die Zurschaustellung körperlicher Alterität und Publizistik zwischen 1600 und 1850.
Claudia Wehner Näff (Zürich): Aktualität und Retrospektive – Die Berichterstattung zur Halsbandaffäre 1785 in Schweizer Volkskalendern.
Kommentar: Prof. Dr. Jürgen Wilke (Mainz)

Panel 2: Konflikte und Performativität in der Sattelzeit
Susann Trabert (Gießen): Zwischen Konstruktion und Fiasko. Die ersten missglückten Ballonaufstiege als diachron-konfliktäre Medienereignisse (1784-1786).
Prof. Dr. Rolf Reichardt (Gießen): Inszenierte Bilder. Performative Revolutionsgraphik in Frankreich (1789-1848).
Kommentar: Prof. Dr. Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken)

Panel 3: Printmedien und Performativität in der Festkultur des 19. Jahrhunderts
Thorsten Gudewitz (Gießen): Bußen, Beten und Randale: Mit- und Gegeneinander Schiller feiern in Berlin und Hamburg.
Meike Hölscher/Jan Rupp (Gießen): The Empire on Parade: Queen Victorias Thronjubiläen.
Kommentar: PD Dr. Dominik Geppert (Berlin/Marburg)

Panel 4: Weltanschauliche Konflikte
Kai Nowak (Gießen): Kinemaklasmus. Protestartikulation im Kino.
Dr. Kathrin Fahlenbrach (Halle): Körper-Revolten. Mediale Körperinszenierungen und Medienereignisse um ’68.
Kommentar: Prof. Dr. Irmela Schneider (Köln)

Panel 5: Transnationale Vergemeinschaftungen?
René Schlott (Gießen): Performanz der Sterblichkeit – Der Tod Pius’ XII. (1958) als Medienereignis.
Eva Modrey (Gießen): Bunter – telegener – interaktiver? München ’72: Die Eröffnungsfeier einer Publikumsolympiade.
Kommentar: Prof. Dr. Jürgen Martschukat (Erfurt)

Panel 6: Politische Inszenierungen
Maren Röger (Gießen): Emotionalisierende Berichterstattungs-Akte: Die Vertreibung der Deutschen als Thema im deutschen und polnischen Boulevardjournalismus (ab 1989).
Kommentar: Prof. Dr. Thomas Mergel (Berlin)

Abschlussdiskussion

Anmerkungen:
[1] Vgl. etwa: Martschukat, Jürgen/ Patzold, Steffen (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“: Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln u.a. 2003. Zum Forschungsstand auch: Bachmann-Medick, Doris, Performative Turn, in: dies., Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, 2. Aufl., Reinbek bei Hamburg 2007, S. 104-143.
[2] Krämer, Sybille (Hrsg.), Performativität und Medialität, München 2004.
[3] Angesichts der herausragenden Bedeutung visueller Medien in der Gegenwart könnte eine körperliche Präsenz am Ort des Geschehens zudem vielleicht gar nicht mehr zwingend nötig sein.
[4] Gennep, Arnold van, Übergangsriten. Frankfurt am Main 1986 [franz. Originalausgabe: Les rites de passage, 1909].
[5] Vgl. Martschukat, Jürgen, „The duty of society“: Todesstrafe als Performance, in: ders./ Patzold, Steffen (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“: Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln u.a. 2003, S. 229-253, hier S. 246.
[6] Vgl. Martschukat, Jürgen/ Patzold, Steffen, Geschichtswissenschaft und „performative turn“: Eine Einführung in Fragestellungen, Konzepte und Literatur, in: dies. (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“: Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln u.a. 2003, S. 1-31, hier S. 27.
[7] Bachmann-Medick, Cultural Turns, S. 133.

Zitation
Tagungsbericht: Medienereignisse und Performativität in der Neuzeit, 20.06.2008 – 21.06.2008 Gießen, in: H-Soz-Kult, 19.08.2008, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2236>.
Redaktion
Veröffentlicht am
19.08.2008